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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.12.2025

Ehrlich und authentisch, aber wenig Identifikationspotenzial

All the Way to the River
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Elizabeth Gilbert erzählt in „All the Way to the River“ von ihrer tiefen Verbindung zu Rayya, die im Jahr 2000 beginnt. Aus einer Freundschaft entsteht eine außergewöhnliche Liebe: intensiv, kompromisslos ...

Elizabeth Gilbert erzählt in „All the Way to the River“ von ihrer tiefen Verbindung zu Rayya, die im Jahr 2000 beginnt. Aus einer Freundschaft entsteht eine außergewöhnliche Liebe: intensiv, kompromisslos und geprägt von zwei Menschen, die einander Halt geben und gleichzeitig an eigenen Abgründen ringen. Als eine schwere Diagnose alles verändert, wird ihre Beziehung zu einem Weg des Loslassens, der Nähe, aber auch des unausweichlichen Abschieds.

Die Stärke des Buches liegt in seiner Ehrlichkeit. Gilbert beschreibt ungeschönt, was Sucht, Liebe, Abhängigkeit und Verlust bedeuten können. Diese Authentizität macht das Lesen eindrücklich, aber für mich auch fordernd. Ich habe wenig Identifikationspotenzial, und das war vermutlich der Grund, weshalb ich nicht richtig warm geworden bin mit dem Buch. Manche Szenen wirkten auf mich überladen, einige Passagen wiederholten sich, was mir an manchen Stellen „zu viel“ wurde. Gelungen fand ich hingegen die eingestreuten Gedichte und Zeichnungen.

Insgesamt ist „All the Way to the River“ ein schonungslos offener Bericht über eine außergewöhnliche Liebe. Für mich persönlich blieb jedoch eine gewisse Distanz und zu wenig Identifikation.

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Ich hatte mehr erwartet

Beste Zeiten
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In ihrem Roman „Beste Zeiten" erzählt Jenny Mustard die Geschichte von Sickan. Die 21-Jährige, will nach Jahren des Mobbings und der Enge in der schwedischen Provinz ein neues Leben in der Großstadt beginnen: ...

In ihrem Roman „Beste Zeiten" erzählt Jenny Mustard die Geschichte von Sickan. Die 21-Jährige, will nach Jahren des Mobbings und der Enge in der schwedischen Provinz ein neues Leben in der Großstadt beginnen: Freundschaften schließen, sich verlieben und herausfinden, wer sie eigentlich ist. Doch das, was man sich unter einem „richtigen Leben“ vorstellt, ist komplizierter, als sie denkt.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, wodurch man gut in die Geschichte hineinkommt. Inhaltlich hat mich der Roman jedoch nicht ganz überzeugt. Es fehlt an einem klaren Spannungsbogen, und viele, auch sehr emotionale und gesellschaftlich relevante Themen werden zwar angeschnitten, aber bleiben an der Oberfläche. Dadurch wirkt die Handlung stellenweise etwas sprunghaft, ohne klare Linie und mit wenig Tiefgang. Die Hauptfigur bleibt für mich eher blass und bietet wenig Identifikationspotenzial. Auch das Ende konnte mich nicht wirklich erreichen. Insgesamt fehlt für mich eine klare Botschaft, die ich mitnehmen kann.

Insgesamt ein Roman, der sprachlich solide ist, aber inhaltlich zu wenig Tiefe und Struktur bietet, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben.

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Veröffentlicht am 09.04.2022

Sensibles Thema

Mongo
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Der Roman „Mongo“ vom österreichischen Schriftsteller Harald Darer beschäftigt sich mit dem Aspekt Menschen mit Behinderung und beleuchtet dieses sensible Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.

Die ...

Der Roman „Mongo“ vom österreichischen Schriftsteller Harald Darer beschäftigt sich mit dem Aspekt Menschen mit Behinderung und beleuchtet dieses sensible Thema aus unterschiedlichen Perspektiven.

Die Geschichte spielt in Österreich und wird durch den Ich-Erzähler Harry erzählt. Katja und Harry erwarten ein Kind. Doch die Vorfreude auf die Elternschaft wird getrübt: Katjas Bruder Markus hat das Down-Syndrom und Katja die Angst, dass auch ihr Kind eine Behinderung hat. Harry reflektiert seine bisherigen Begegnungen mit dem Thema Behinderung. Als Leser:in lernt man dabei sowohl die Lebensgeschichte von Markus als auch generelle Aspekte kennen, die für das Thema Behinderung von wichtiger Bedeutung. Hierunter zählen z. B. der Umgang mit Behinderung während des Nationalsozialismus oder Sexualassistenz für Menschen mit Behinderung.

Der Schreibstil von Harald Darer zeichnet sich durch eine umgangssprachliche und teilweise vulgäre Sprache aus. Er verzichtet im Roman durchgehend auf die Verwendung von Zitatzeichen trotz vielfacher Verwendung der direkten Rede. Als Leser:in erhält man so das Gefühl, man sei noch näher an der Geschichte. Die Identifikation mit dem Protagonist:innen des Buches ist mir persönlich schwergefallen – weder für Katja, die Eltern von Katja und Markus noch Harry spürte ich große Sympathien, fand ihre Einstellung und Werteinstellungen teilweise befremdlich, die Charaktere nur oberflächlich beschrieben. Markus hingegen wird als sympathischer Mensch dargestellt, wobei alle Seiten der Behinderung ungeschönt skizziert werden.

Die Botschaft des Buches als Plädoyer gegen die Herabwürdigung von Menschen mit Behinderung wird deutlich und einige Textstellen bringen einen als Leser:in zum Nachdenken. Dennoch habe ich mir persönlich etwas mehr erwartet von diesem Buch. Alles in allem dennoch eine Empfehlung für Menschen, die sich verstärkt mit dem Thema Menschen mit Behinderung auseinandersetzen und den eigenen Umgang damit reflektieren möchten.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Mehr Fragen als Nachhall nach starkem Beginn

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Dita Zipfel erzählt in „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ von einem Urlaub, der für Linn und Matze mehr bedeutet als Erholung: Nach dieser Reise soll Linn ein Embryo eingesetzt werden, um dem ...

Dita Zipfel erzählt in „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ von einem Urlaub, der für Linn und Matze mehr bedeutet als Erholung: Nach dieser Reise soll Linn ein Embryo eingesetzt werden, um dem gemeinsamen Kinderwunsch näherzukommen. Den Urlaub verbringen sie mit Felix und dessen Frau Eva, deren scheinbar selbstverständliche Rolle als Mutter Linn zwischen Neid, Unsicherheit und Selbstbefragung schwanken lässt. Während die Männer ihren eigenen Dynamiken folgen, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen eine leise, unerwartete Nähe, die bestehende Bilder von Mutterschaft, Weiblichkeit und Beziehung infrage stellt.

Der Schreibstil des Buches hat mir gut gefallen: knapp, reduziert und dennoch voller Zwischentöne. Besonders der erste Teil des Romans überzeugt, weil er fein herausarbeitet, wie sehr wir uns mit anderen vergleichen, wie wenig wir gleichzeitig über die inneren Kämpfe des Gegenübers wissen und wie schnell Neid und Fehlinterpretationen entstehen. Jeder hat sein Päckchen - das wir durch die unterschiedlichen Perspektiven in den kurzen Kapiteln sehr deutlich zu Beginn. Die Figuren sind dabei allesamt sehr unterschiedlich und bieten für mich wenig Identifikationspotenzial. Das störte mich zunächst nicht, wird aber im weiteren Verlauf des Romans immer schwieriger für mich: Einige Handlungen und Entwicklungen wirkten auf mich zunehmend abstrus und schwer nachvollziehbar, wodurch die Glaubwürdigkeit der Geschichte im zweiten Teil deutlich nachließ. Auch das Ende lässt mich eher verwirrt als nachdenklich zurück und ich habe sehr viele offene Fragen.

Insgesamt ist „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ ein Roman mit einem vielversprechendem Anfang, der wichtige Themen wie Mutterschaft, Zweifel und weibliche Verbundenheit anspricht, sich für mich aber im Verlauf verliert und hinter seinen Möglichkeiten bleibt.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Erwartungen leider nicht ganz erfüllt

Elf ist eine gerade Zahl
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Martin Beyer erzählt in "Elf ist eine gerade Zahl" von Katja und ihrer Tochter Paula, die mit nur vierzehn Jahren schwer erkrankt ist. Rund um die bevorstehende Operation versucht Katja, ihrer Tochter ...

Martin Beyer erzählt in "Elf ist eine gerade Zahl" von Katja und ihrer Tochter Paula, die mit nur vierzehn Jahren schwer erkrankt ist. Rund um die bevorstehende Operation versucht Katja, ihrer Tochter Halt zu geben und beginnt, ihr eine symbolische Geschichte über ein Mädchen und einen Fuchs zu erzählen.

Für mich lag die größte Schwierigkeit des Romans in der Gewichtung der beiden Erzählebenen. Die Fuchs-Geschichte nimmt einen breiten Raum ein, doch obwohl der Ansatz stimmig ist ist, hat sie mich emotional kaum abgeholt. Die Wechsel zwischen Realität und Erzählung wirken teilweise etwas abrupt. Gleichzeitig blieb die eigentliche Handlung rund um Paula für meinen Geschmack zu sehr im Hintergrund, ebenso wie wichtige Nebenfiguren, die nur angerissen werden und dadurch blass bleiben. Obwohl sie meiner Meinung nach viel Potenzial hätten.

Der Schreibstil des Buches ist hingegen sehr flüssig und das Cover gefällt mir ebenfalls gut.

Insgesamt ist "Elf ist eine gerade Zahl" ein Buch mit einer spannenden Grundidee – für mich jedoch ohne die emotionale Wirkung, die ich mir von der Geschichte erhofft hatte.

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