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Veröffentlicht am 05.05.2022

Traumata!

Die Stunde der Nebelkinder
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Als 1947 Helene Vater aus der Gefangenschaft zurück kommt, bleibt er ihr fremd und sie nimmt sich vor sich von ihm nichts sagen zu lassen. Bisher kam sie in dem zertrümmerten München das Abenteuerspielplatz ...

Als 1947 Helene Vater aus der Gefangenschaft zurück kommt, bleibt er ihr fremd und sie nimmt sich vor sich von ihm nichts sagen zu lassen. Bisher kam sie in dem zertrümmerten München das Abenteuerspielplatz und Heimat zugleich ist, auch gut ohne ihn zurecht. Sie möchte aus dem Schatten ihrer großen vernünftigen Schwester Ana heraustreten und ihr Leben selbstbestimmt und frei von jedweden Einschränkungen führen. Ein Lebensstil der auf Dauer nicht gesund sein kann...
Da ich aufgrund der Kurzvorstellung eher ein anderes Buch erwartet hatte, kann ich mich mit damit auch nicht richtig anfreunden.
In meinen Augen will "Die Stunde der Nebelkinder" zu viel: das aus dem Kriegstrauma der Mutter resultierende apathische Verhalten, das die jüngere Tochter weder nachvollziehen noch akzeptieren kann, bis sie selbst Opfer einer Vergewaltigung wird. Eine identische Tat, deren Begleitumstände jedoch völlig verschieden sind: der Kampf ums Überleben bei der Mutter und der Lebensüberdruss bei der Tochter. Das Helene diese Erfahrung machen muss ist tragisch, jedoch m. E. teilweise auch provoziert und selbstverschuldet. Es ist sehr traurig, dass letztendlich erst dieses Erleben die jahrzehntelange Kälte zwischen Mutter und Tochter überwinden kann.
Das Buch hat bei mir leider keinen bleibenden Eindruck hinterlassen und ich würde es auch nicht noch einmal lesen.

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Veröffentlicht am 28.04.2022

Lebenswege

Mutters Lüge
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Mit 15 flieht Martha zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Tomek und beider Mutter illegal aus Polen nach Deutschland. Das Leben ist schwer, die Mutter oft geistig abwesend und Martha ist schon beizeiten ...

Mit 15 flieht Martha zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Tomek und beider Mutter illegal aus Polen nach Deutschland. Das Leben ist schwer, die Mutter oft geistig abwesend und Martha ist schon beizeiten auf sich allein gestellt. Mit ihrem Ehrgeiz beisst sie sich in dem neuen Land und neuer Sprache durch und wird zu einer angesehenen und erfolgreiche Psychologin in der Schweiz.
Mit der Beurteilung dieses Buches habe ich mich sehr schwer getan.
Manche Episoden, u. a. zur Zeitgeschichte, waren durchaus interessant, dann wiederrum erschwerten Gedankensprünge sowie der Wechsel der Zeitformen in den Schilderungen das Verständnis. Die ganze Zeit des Lesens habe ich auf die Auflösung der Geschichte um die Lüge gewartet. So richtig konnte mich das Ende dann allerdings nicht befriedigen. "Mutters Lüge" ist ein Buch in dem zur Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit sehr viel Mühe steckt, deren Inhalt mich jedoch nicht ganz erreichen konnte.

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Veröffentlicht am 14.04.2022

Ein durchwachsenes Buch das keinen bleibenden Eindruck hinterlässt..

Ostseekreuz
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Aufgrund ihrer posttraumatischen Belastungsstörung als auch um den Fängen des flüchtigen Mörders Lohse zu entgehen, verbringt Kommissarin Pia Korittki eine Auszeit im Ostsee-Kloster Naumar.
Bereits kurz ...

Aufgrund ihrer posttraumatischen Belastungsstörung als auch um den Fängen des flüchtigen Mörders Lohse zu entgehen, verbringt Kommissarin Pia Korittki eine Auszeit im Ostsee-Kloster Naumar.
Bereits kurz nach ihrer Ankunft wird ein Mönch ermordet aufgefunden und rasch wird deutlich, dass es hinter den Klostermauern keinesfalls so beschaulich vorgeht, wie man vermuten würde...
Die Ausführungen zu Beginn des Buches, die letztendlich zu Pia's Auszeit im Kloster führen ziehen sich etwas, allerdings wird es damit auch Neueinsteigern dieser Reihe ermöglicht, der weiteren Handlung problemlos zu folgen. Prinzipiell ist die Verknüpfung von zwei Erzählsträngen eine gelungene Handlungsbasis. Was mich jedoch etwas stört, ist, das Pia in ihrer Auszeit mit einem Mord konfrontiert wird. Dies wirkt dann doch etwas zu konstruiert; "undercover" eingeschleust fänd ich beispielsweise persönlich besser.
Wiederum sehr gelungen ist ein Kloster als Kulisse und Tatort, das Ganze umweht bereits ohne den Mord ein mystischer Hauch.
Insgesamt liest sich für mich das Buch zwar gut und flüssig, jedoch eher durchschnittlich, ohne besondere Höhepunkte und ohne großartig zu fesseln. Vieles ist vorhersehbar, wie z.B. Pia, die einfach nicht aus ihrer Haut kann und sich dementsprechend im Gespräch mit anderen Gästen verhält. Eigentlich unklar, das sie sich damit nicht verrät.
Auch die Handlung um den flüchtigen Lohse finde ich sehr konstruiert - zu diesem Teil der Geschichte habe ich gar keinen Zugang gefunden.
Das Geschehen wird zum Ende hin in beiden Handlungslinien zwar spannender, bis auf einen Kommentar der letztendlich Pia auf die richtige Fährte brachte, erkenne ich jedoch keinen stimmigen Zusammenhang. Die Szenen verlaufen parallel, jedoch könnten beide auch allein für sich stehen, ohne dass die jeweilige Geschichte daran Schaden nimmt. Meiner Meinung nach ist es trotz aller Action der Autorin nicht gelungen beide richtig zu verknüpfen. Der Schwerpunkt liegt deshalb für mich auf dem Kloster und alles andere wirkt eher wie Randgeschehen. Einziger Pluspunkt bleibt die Enthüllung des Täters - ich finde es immer sehr positiv letztendlich mit einem Täter überrascht zu werden, den man sogar nicht auf dem Schirm hatte...
Für mich ein eher durchwachsenes Buch, das keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, ich nicht ein weiteres Mal lesen und auch nicht weiterempfehlen würde.

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Veröffentlicht am 01.03.2022

Alte Seilschaften

Esthers Verschwinden
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1938.Eli Rosen betreibt in Lublin mit seinem Vater das familiäre Baugeschäft.
Doch mit dem Überfall der Deutschen in Polen ändert sich auch hier die Stimmung zum Nachteil der ansässigen Juden. Während ...

1938.Eli Rosen betreibt in Lublin mit seinem Vater das familiäre Baugeschäft.
Doch mit dem Überfall der Deutschen in Polen ändert sich auch hier die Stimmung zum Nachteil der ansässigen Juden. Während Eli's Frau Esther sofort die richtigen Schlüsse zieht, hofft Eli eher blauäugig das sie alles glimpflich überstehen. Sein nichtjüdischer Angestellter Max Poleski nutzt Eli's Gutgläubigkeit aus, übernimmt das Baugeschäft und verspricht Eli und seiner Familie Schutz, was sich als fataler Irrtum herausstellen wird...
1946. Nach der Befreiung der Konzentrationslager durch die Amerikaner wartet Eli mit seinem Sohn Issak als sogenannte DPs (displaced persons) mit unzähligen anderen Menschen auf ein Visum nach Amerika. Gerüchte machen die Runde, das gegen ausreichende Bezahlung unter der Hand Visa angeboten werden. In dem Händler vermutet Eli Max und möchte von diesem mehr über den Verbleib seiner Frau Esther erfahren.
1965. In Chicago ist Eli auch zwanzig Jahre immer noch hinter Max her. Mit Hilfe der Journalistin Mimi versucht er Max entgültig das Handwerk zu legen.
Nachdem ich von Ronald H. Balson bereits zwei Bücher mit ähnlicher Thematik regelrecht verschlungen habe, war " Esthers Verschwinden" ein regelrechtes "Muss". Jedoch hatte ich mir von diesem Buch mehr erhofft. Für mich war das Schicksal der Familienmitglieder, Bekannten und Freunde der Familie Rosen vordergründig interessant. Jedoch wird diese Thematik immer nur recht kurz und sachlich umrissen, ab dem Moment wo Personen verschleppt oder ermordet wurden, hören sie in der Geschichte quasi auf zu existieren. Sicher ist es der Situation geschuldet einfach keine Zeit für sentimental Gefühle zu haben, wenn das eigene Überleben im Vordergrund steht. Jedoch wird die Handlung für mich damit zu unpersönlich und ich gewöhnte mir quasi ab, zu irgendeinem Protagonisten eine engere Beziehung aufzubauen.
Letztendlich läuft die ganzen Geschichte auf korrupten Machenschaften nach dem Krieg sowie politischen Verflechtungen um Vietnamkrieg, Geldwäsche, Waffenhandel bzw. Rüstungsindustrie hinaus. Durch die vielen verschiedenen agierenden Personen war es für mich sehr schwierig, den Durchblick zu behalten. Einiges fand ich auch zu konstruiert. Vielleicht liegt es "nur" daran, dass mich diese Thematik nicht wirklich interessiert.
Leider konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen. Ich würde es nicht nochmal lesen und kann es auch nicht weiterempfehlen...

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Veröffentlicht am 18.02.2022

Atmosphärischer und spannender Thriller - ABER: sehr enttäuschendes Ende

Die Vertraute
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Als Lucy neun Jahre war, verschwand ihr kleiner Bruder Teddy mit dem sie gemeinsam im Wald unterwegs war. Trotz aller Methoden und Versuche der Ermittler zu erfahren, was geschehen ist, kann oder will ...

Als Lucy neun Jahre war, verschwand ihr kleiner Bruder Teddy mit dem sie gemeinsam im Wald unterwegs war. Trotz aller Methoden und Versuche der Ermittler zu erfahren, was geschehen ist, kann oder will Lucy nicht die Wahrheit sagen. Bald weiß sie aber auch selbst nicht mehr, was Wahrheit oder ihrer Fantasie entsprungen ist.
Jahre später hat Lucy diese Eigenschaft zum Beruf gemacht und sie arbeitet als erfolgreiche Autorin. Ihr Leben beginnt auseinander zu brechen, als ihr Mann Dan ein Haus, auf der anderen Seite des Waldes kauft, in dem ihr Bruder damals verschwand...
Der Klappentext zum Inhalt war echt vielversprechend. In reichlich dreiviertel des Buches gelingt es Gilly Macmillan auch wunderbar, die Spannung hochzuhalten und einen atmosphärischen Sog aufzubauen der regelrecht zum Weiterlesen zwingt. Es ist einfach Klasse wie die Autorin dabei mit den Gefühlen der Leser spielt; ich schwankte ständig in meiner Einschätzung zu Lucy - ist sie Täter oder Opfer. Und der Auflösung fieberte ich regelrecht entgegen.
Jedoch sollte man den Tag nicht vor dem Abend loben: Von dem Ende bin ich ehrlich gesagt mehr als enttäuscht! Bis ca. Seite 361 konnte das angesprochene hohe Niveau gehalten werden - aber auf den letzten 30 Seiten wurde alles mehr oder weniger zu Nichte gemacht. Das Ende fühlt sich wie "schnell zum Schluss kommen wollen" an, ist in vielen Teilen unstimmig und birgt mehr Fragen als Antworten. Und dann gibt es auch noch jede Menge Aspekte, die im Lauf der Handlung angesprochen, jedoch nicht wieder aufgegriffen wurden. Für mich richtet dieser Schluss das ganze gute Buch zu Grunde. Schade, denn Potential ist auf jeden Fall genug da!
Ich kann dieses Buch leider nicht weiterempfehlen.

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