Dramaturgisch herausragend
Die Wahrheit und andere ErinnerungenJeder Mensch hat ein Ereignis anders in Erinnerung. Dies ist das große Kernthema des Romans. Zwei Schwestern, ein Autounfall, der das Leben und insbesondere das Verhältnis zu deren Eltern verändert. Die ...
Jeder Mensch hat ein Ereignis anders in Erinnerung. Dies ist das große Kernthema des Romans. Zwei Schwestern, ein Autounfall, der das Leben und insbesondere das Verhältnis zu deren Eltern verändert. Die Familienbeziehungen in diesem Roman sind schwierig, mehr noch psychisch zermürbend. Keiner hört dem anderen wirklich zu, jeder hat zu den Dingen eine eigene Meinung und weicht keinesfalls davon ab. Die Kommunikation ist nicht nur dissonant, sondern geradezu unverschämt bis gezielt verletzend. Dadurch kommt es zu Missverständnissen, Streitigkeiten, Zerwürfnissen, immer mit einem bitterbösen bis zynischen Unterton der Beteiligten. Der Roman hat eine sehr durchdachte und intelligente Struktur, die dramaturgisch gesehen herausragend ist. Nach und nach erfahren wir die zum Teil selben Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven, so vieles rückt dabei an Ort und Stelle. Die wichtigen und unwichtigen Dinge im Leben werden beleuchtet. Sprachlich ist das Buch auch sehr gelungen. Allerdings begegnen wir in diesem Buch durchweg unsympathischen Figuren, für die ich erst im letzten Drittel des Buches annähernd Verständnis aufbringen kann. Dies liegt auch daran, dass einige Figuren eine wirklich schwere Last zu tragen haben. Die beiden Schwestern sind zu Beginn des Buches sehr ähnlich und ich hatte Schwierigkeiten, sie auseinanderzuhalten. Dies legt sich im Laufe des Buches. Zudem war mir bis zum Schluss unklar, was das Cover mit dem Inhalt des Buches zu tun hat.. Ist es eine Allegorie? Insgesamt eine Autorin, die man im Auge behalten sollte.