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annamichalea

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2022

Chapeau an den Autoren Christian Duda

Baumschläfer
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Das Buch in den Händen gleich mal reingeschaut. Worum gehts es genau, was ist ein Baumschläfer? In einem Atemzug fast durchgelesen. Wobei schwer Luft zu holen ist, bei einem so bedrückenden Thema. ...

Das Buch in den Händen gleich mal reingeschaut. Worum gehts es genau, was ist ein Baumschläfer? In einem Atemzug fast durchgelesen. Wobei schwer Luft zu holen ist, bei einem so bedrückenden Thema. Dann habe ich das Nachwort gelesen. Und musste weiterlesen, diesmal im Internet. Nachlesen über den tatsächlichen Fall. Unvorstellbar, dass es so ein tragisches Geschehen gab und ich habe es nicht mitbekommen. Oder doch? Automatisch aussortiert als Senstionsnachricht und damit nicht abgespeichert? Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern über eine skelettierte Leiche im Baum informiert gewesen zu sein.
Das Buch und die dazu gehörende Tatsachenrecherche lässt mich sehr aufgewühlt zurück. Und das soll ein Buch ab 14 Jahren sein? Klar! Der Junge war gerade 14 als ihm das Schreckliche geschah, das im Endeffekt zu dem Tod im Baum geführt hat. Da hat man kein Argument, dass andere 14jährige nicht darüber lesen sollten. Aber bitte nicht allein. Zumindest sollte man jemanden haben, der auch das Buch gelesen hat, um darüber sprechen zu können; über das Schicksal des Jungen. Sein Leben, das in einem kleinen Ausschnitt beschrieben wird. Angefangen mit dem roten Blut auf den weissen Toilettenfliesen, geendet im fast schon tröstlichen Weiß der Kälte, die ihn erfrieren lässt.
Chapeau an den Autoren Christian Duda. Es gehört Mut dazu, sich so einem Thema zu stellen und ich finde er hat das hervorragend gemacht und mit großem Respekt.

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Veröffentlicht am 19.07.2022

Eine andere Vater-Spurensuche

Beifang
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Der Titel der mich anfangs sehr befremdete, ist schnell geklärt. Beifang, ein Ortsteil von Selm. Beifang wird laut wikipedia hauptsächlich von der Zechensiedlung geprägt, die zu Beginn des 20. ...

Der Titel der mich anfangs sehr befremdete, ist schnell geklärt. Beifang, ein Ortsteil von Selm. Beifang wird laut wikipedia hauptsächlich von der Zechensiedlung geprägt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Bergleute der Zeche Hermann (Hermann-Siedlung) errichtet wurde.
Die Stilllegung der Zeche Hermann im Jahr 1926 hatte bedeutende Folgen für die damalige Gemeinde Selm und insbesondere für Beifang. Es kam zu grosser Armut, wie auch in den Folgejahren nach dem zweiten Weltkrieg.
In dieser eh schon schweren Zeit 12 Kinder allein als Vater grosszuziehen, eine schier unmögliche Hürde. Die übernächste Generation macht sich anlässlich des Verkaufs des Zechenhaus auf Spurensuche. Wer war der Großvater, wichtig ist es gerade jetzt für den Enkel Frank. Er selbst stellt sich als Vater in Frage und will wissen, wie das damals war. Er trifft bei seinem Vater auf Schweigen und muss sich aus den Bruchstücken. die dessen zahlreiche Geschwister erzählen ein Bild machen.
Heute weiss man, dass schwere Traumata, dazu gehört sicher das Aufwachsen in Armut und gewalttätiger Umgebung, auch Folgen für die nächsten Generationen haben können. In der Biologie ist erforscht, dass sogar das Erbgut verändert werden kann und die Nachkommen anfälliger für Stress und Angsterkrankungen sein können. Transgenerationale Trauma-Weitergabe ist ein relativ neues Forschungsgebiet, aber da ist wohl auch etwas dran. Und wieder bin ich bei dem Begriff Beifang. Hat man da was ungewollt mitbekommen? Wie Beifang beim Fischen.

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Veröffentlicht am 25.06.2022

Ein längst überfälliges Jugendbuch

Yadriel und Julian. Cemetery Boys
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Ein Wahnsinns-Cover! In einer Zeit, in der Frida Kahlo wieder eine bekannte Persönlichkeit ist und Totenköpfe längst salonfähig und jenseits von Rockersymbolen angesiedelt sind, ist ein Jugendbuch ...

Ein Wahnsinns-Cover! In einer Zeit, in der Frida Kahlo wieder eine bekannte Persönlichkeit ist und Totenköpfe längst salonfähig und jenseits von Rockersymbolen angesiedelt sind, ist ein Jugendbuch mit einer Trans-Hauptfigur längst überfällig.
Wunderbar auch, dass man beim Öffnen des Buches gleich auf einen Einleger über das Pan De Muerto und die Tradition der Totenverehrung in Mexiko trifft. Auch das passende Rezept findet sich hier. Wer den Dia de Muertos noch nicht kannte, ist jetzt auf das Buch vorbereitet.
Schnell liest man sich in die doch eher fremde Kultur ein. Yadriel, Tito und Maritza, die dem kurvenreichen Schönheitsdeal entspricht, werden schnell zu guten Bekannten. Der Totenkult Mexikos und der damit verbundene Geisterglaube ist uns so fremd, und doch liest man wie selbstverständlich von pfirsichfarbenen Grabsteinen und verfolgt die Begegnung mit dem Geist Tito. Keinen Augenblick kommt der Eindruck auf, diese Welt ist einer Harry Potter Phantasie entsrpungen. Aiden Thomas führt uns von Zimmerarrest zu Geisterbegegnungen, über Fast Food Müll zu Transgender. Das Buch kommt ohne aufgesetzte Gendergerechtigkeit aus. Die Selbstverständlichkeit der sexuellen Orientierung ist heute noch in vielen Kreisen der Gesellschaft aufgezwungen oder aufgesetzt. Von der Anerkennung im Kopf bis zur Normalität im Alltag ist ein weiter Weg, die Jugend hat aber eine Chance in dieser Welt ganz normal zu leben und was heute noch als anders empfunden wird, wird ein Teil werden. Wie in diesem Buch.

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Veröffentlicht am 18.06.2022

Geschichten für zwischendurch für alle, die mal was Ungewöhnliches lesen wollen

Fast ein Idyll
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Hat man das Buch zum ersten Mal in den Händen, macht es gleich einen hochwertigen Eindruck. Ein Lesebändchen ist vorhanden, der Schutzumschlag ist aus einem stabilen Papier und das Coverbild ...

Hat man das Buch zum ersten Mal in den Händen, macht es gleich einen hochwertigen Eindruck. Ein Lesebändchen ist vorhanden, der Schutzumschlag ist aus einem stabilen Papier und das Coverbild ist so hochwertig im Druck, dass man den Gesichtsausdruck der Personen erkennen kann. Als I-Tüpfelchen ist der Rand des Schutzumschlag leicht abgeschrägt. Ein sehr schöner Auftritt des Buches.
Zudem habe ich selten ein Cover zu einem Buch als so sehr passend empfunden. Die Vielfalt der Bademoden, der doch auch einzeln zu entdeckenden Persönlichkeiten und der fast schon greifbaren bunten Atmosphäre sind genau das, was in den Geschichten wiederzufinden ist.
Nun zu dem Inhalt ohne davon etwas wirklich zu verraten. Amelia Erhard, Jane Austen, Sigmund Freud und sogar Ludwig van Beethoven. Das liest sich wie ein Who ist Who bekannter Persönlichkeiten. Zu anspruchsvoll? Könnte man meinen wenn da nicht der Untertitel wäre. Halbwegs wahre Geschichten. Also keine Angst davor. Es schadet nicht, ein wenig Vorwissen zu haben, zumindest wer diese Person war, aber auch ohne kann man die Geschichten lesen.
Fazit: eine wunderbare Lektüre für zwischendurch oder im Urlaub. Wenn man nicht immer Sachtexte oder vorhersehbare Geschichtchen lesen will und die Zeit für ganzes Buch vielleicht fehlt ist diese Lektüre genau richtig.

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Veröffentlicht am 18.04.2022

Fun-tastisch spannend

Der letzte Schrei
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Ich war noch nie so gespannt auf ein neues Buch. Als ich es entdeckte, das heisst Cover, Titel und Autor - und genau in dieser Reihenfolge - kam mir sofort "Was amerikanisches" in den Sinn. Um ...

Ich war noch nie so gespannt auf ein neues Buch. Als ich es entdeckte, das heisst Cover, Titel und Autor - und genau in dieser Reihenfolge - kam mir sofort "Was amerikanisches" in den Sinn. Um so erstaunter war ich, als ich las Tel Aviv und aus dem Hebräischen übersetzt. Meine Vorstellungen von Israel beschränken sich auf Ultra Orthodoxe, bewaffnete Unruhen und da war doch auch diese Netta, die so ungewöhnliche Gewinnerin des Eurovision Song Contest.
Als ich das Buch nun das erste Mal in den Händen hielt, musste ich direkt den Verlag recherchieren. Dort heisst es unter anderem: Neben einer wunderbaren Geschichte legen wir auch großen Wert auf die Gestaltung: Wie sich ein Buch anfühlt – die Schrift, das Papier, das Lesebändchen, der Umschlag –, hat für uns eine große Bedeutung. Denn jedes Buch soll genau zu der Stimme passen, die der Autor oder die Autorin ihm verliehen hat, sei sie hoch oder tief, leise oder laut, überraschend oder bewährt, humorvoll oder ernst. Und haargenau das trifft auf das Buch zu. Die haptischen Teile, die Blutstropfen und der Lippenstift, der an Neonreklame erinnernde Schriftzug des Titels und sogar der erste Buchtabe des rückseitigen Textes ist passend in Szene gesetzt.
Ich habe es tatsächlich geschafft, einen Eindruck des Buches zu vermitteln ohne den Inhalt zu spoilern. Macht euch gefasst auf ein völlig neues Leseerlebnis, im Sinne des Wortes queer durch Israel.

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