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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2022

Ein neuer Anfang

Aufbruch voller Sehnsucht
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Dies ist die Fortsetzung der Geschichte rund um Erika und ihre Tante Mimi, die im ersten Band („Abschied von der Heimat“) nach dem Zweiten Weltkrieg von den Tschechen aus ihrer böhmischen Heimat Hohenfurth/Vissy ...

Dies ist die Fortsetzung der Geschichte rund um Erika und ihre Tante Mimi, die im ersten Band („Abschied von der Heimat“) nach dem Zweiten Weltkrieg von den Tschechen aus ihrer böhmischen Heimat Hohenfurth/Vissy Brod vertrieben worden sind.

Die beiden Frauen landen in Wien und müssen erfahren, dass niemand auf die Vertriebenen „gewartet“ hat. Man hat selbst mit den Folgen des Krieges zu kämpfen.

Nach und nach treffen über Umwege auch andere Deutsche aus Hohenfurth in Österreich bzw. Bayern ein. Unter anderem ein rachsüchtiger Angehöriger der Waffen-SS, der zunächst nach Argentinien geflohen ist und später nach Wien reist, weil er glaubt, mit Erika und ihren Freunden noch eine Rechnung offen zu haben.

Tante Mimi ist nach wie vor unzufrieden, mäkelt an allem und jedem herum und tyrannisiert Erika. Erst durch die Heirat mit Erich kann sie aus der Umklammerung befreien, ohne zu ahnen, dass sie eine Abhängigkeit gegen eine andere eintauscht.

Meine Meinung:

Um in diesem zweiten Teil der Trilogie die Übersicht zu bewahren, ist es ratsam, den ersten Teil zu lesen. Zahlreiche Personen, die dort eine Rolle spielen, treten nach langer Abwesenheit wieder auf.

Wir Leser begleiten Erika auf ihrem weiteren Lebensweg, der durch Unstetigkeit gekennzeichnet ist. Sie verliebt sich immer wieder recht schnell. An sich ist es verständlich, dass sie nach Jahren der Angst und Entbehrung endlich leben will. Schade finde ich nur, dass sie ihr Pharmaziestudium nicht zu Ende bringt. Das hätte eine vernünftige Lebensgrundlage bilden können. So verplempert sie ihre Zeit mit Partys. Immerhin lernt sie Erich und Robert kennen. Dass Erich die falsche Wahl ist, erkennt sie viel zu spät.

Es ist zu hoffen, dass sie im dritten Band endlich zu sich selbst findet, sich nicht immer nach den anderen richtet und endlich ihr Leben in die eigene Hand nimmt.

Der Schreibstil ist flott und lässt sich leicht lesen, vermutlich auch deswegen, weil die Geschichte doch ein wenig „weichgespült“ wirkt. Auch in Wien von 1945 herrschte wegen der zerstörten Häuser Wohnungsnot und die Nahrungsmittel waren rationiert. So leicht, wie es geschildert wird, war das Leben in der Nachkriegszeit in Wien bei Weitem nicht.

Einen Stern Abzug muss ich für die ungenaue Recherche zu den Bombenangriffen auf Wien im Jahr 1945 vornehmen. Die Autorin schreibt von einem Opernbesuch Erikas, obwohl die Staatsoper und seine Umgebung schon längst zu Schutt und Asche geworden sind. Meine Mutter und Großmutter waren während des Bombenangriffs, der die Oper zerstört hat, im Keller der Albertina (Gebäude neben der Oper) verschüttet, die eine 5 Jahre, die andere 35 Jahre alt. Solche Fehler, die sich mit wenigen Klicks entlarven lassen, halte ich nicht sehr gut aus. Da bin ich ziemlich pingelig.

Fazit:

Mich haben die historischen Ungenauigkeiten gestört, daher nur 3 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 12.06.2022

Leider der schwächste Band der Reihe

Stürmisches Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 8)
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In seinem 8. Fall bekommt es Gerichtsmediziner Dr. Leon Ritter mit einer Reihe von ermordeten Liebespaaren zu tun. Die Männer werden gefesselt und müssen zusehen, wie sich der Täter an ihren Freundinnen ...

In seinem 8. Fall bekommt es Gerichtsmediziner Dr. Leon Ritter mit einer Reihe von ermordeten Liebespaaren zu tun. Die Männer werden gefesselt und müssen zusehen, wie sich der Täter an ihren Freundinnen vergeht. Anschließend werden beide getötet. Den Männern wird die Kehle durchgeschnitten, die Frauen mit einer Armbrust quasi „erlegt“. Das Ganze findet während eines Surfevents statt, was weder den Bürgermeister noch den Polizeichef freut. Die Presse und das Innenministerium sitzen den beiden im Nacken. Diesen Druck geben sie nahtlos an Ritters Lebensgefährtin und Ermittlerin Isabelle weiter.

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist der schwächste dieser Reihe. Obwohl 528 Seiten stark ergibt sich wenig Neues, denn der Autor weicht von seinem bekannten Schema kaum ab. Lediglich das so beliebte Boule-Spiel erfährt eine winzige Änderung: Leon und Veronique werden von zwei Touristen geschlagen. Alles andere hat der Leser so oder ähnlich schon gelesen.

Die üblichen, längst bekannten Querelen zwischen dem Polizeichef und dem Gerichtsmediziner nehmen großen Platz ein. Auch dass Isabelles Tochter wieder einmal aufmüpfig ist und ohne Führerschein Auto fährt, einen etwas älteren Freund hat und abermals entführt wird - alles schon einmal da gewesen.

Dass man einen geistig zurückgebliebenen jungen Mann unbedingt als Täter präsentieren will, ist nichts Neues. Leider jagt ein Klischee das andere.

Der wahre Täter wird dann doch noch gefasst. Er hat schon als Jugendlicher gemordet. Warum und wieso er mehrere Jahrzehnte pausiert hat, bleibt ungeklärt.

Einige Fehler hat das Lektorat auch übersehen. So heißt z.B. der Bürgermeister einmal Daniel und wenig später David Robien.

Die Beschreibung von Le Lavandou ist wieder gelungen, aber auch schon bekannt.

Fazit:

Dieser 8. Fall der Krimi-Reihe hat mich leider enttäuscht, daher gibt es nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 26.05.2022

Sprachlich ein Genuss, hat mich das Thema dann doch nicht so berührt

Die dunkle Seite
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In ihrem neuesten Roman entführt uns die tschechische Schriftstellerin Markéta Pilátová nicht nur in das schroffe Altvatergebirge in Nordmähren, sondern auch in Parallelwelten, in denen sich zwei mit übersinnlichen ...

In ihrem neuesten Roman entführt uns die tschechische Schriftstellerin Markéta Pilátová nicht nur in das schroffe Altvatergebirge in Nordmähren, sondern auch in Parallelwelten, in denen sich zwei mit übersinnlichen Kräften begabte Männer, Mirek und Rudy, gegenüberstehen. Dann gibt es noch einen dritten, der seine übernatürlichen Kräfte nur vorspielt, dafür aber einige Verbrechen in der Vergangenheit und Gegenwart verübt hat. Als Gegenpol ist Majka alias Evangelina zu sehen, die ihre eigenen Probleme hat und nacheinander sowohl bei Mirek als auch bei Rudy Hilfe sucht. Die Hilfe wird gewährt, hat jedoch sie ihren Preis.
Welche Rolle spielen die beiden schwarzen Mäntel? Und können Verbrechen aus der Vergangenheit nachträglich ungeschehen gemacht werden? Wie mit den eigenen Schuldgefühlen umgehen? Was hat die historische Vergangenheit wie z. B. die Hexenprozesse in Groß Ullersdorf/Velké Losiny am Ende des 17. Jahrhundert mit der aktuellen Situation zu tun?
Diese und ähnliche Fragen stellt Autorin Markéta Pilátová ihrer Leserschaft.

Meine Meinung:
Ich kenne Markéta Pilátovás faszinierende Familiengeschichte des tschechischen Schuhfabrikanten Jan Antonín Baťa, der – vor den Nationalsozialisten geflüchtet, von den Kommunisten verunglimpft – in Brasilien seine unternehmerischen Ideale weiterzuleben versucht, indem er dort mitten im Urwald neue Städte gründet und Fabriken erbaut hat. Daher habe ich mir eine ähnliche Geschichte wie „Im Dschungel mit Baťa“ erwartet.
Doch der Roman „Die dunkle Seite“ ist gänzlich anders – nicht sprachlich, denn Markéta Pilátová und der Übersetzer Mirko Kraetsch haben ein sprachlich gelungenes Werk zur Welt gebracht.

Es handelt sich hier im weitesten Sinn um einen Roman nach Art der Urban Fantasy, was so nicht ganz mein Genre ist. Als Leser weiß man nie so genau, wo man sich gerade befindet. In der Realität oder in einer der Gedankenwelten der Protonisten. Bezeichnend ist, dass einige Szenen sowohl in einer Psychiatrischen Anstalt als auch in einem staatlichen Institut, „Insti“ genannt, zur Erforschung von paranormalen Fähigkeiten spielt. Es mag, aufgrund der politischen Vergangenheit der Tschechoslowakei, nicht verwundern, dass solche staatlichen Stätten existiert haben. Um in der Psychiatrie geistig überleben zu können, hat sich der eine oder andere in (s)einen „Gedankenpalast“ geflüchtet, zu dem Außenstehende keinen Zutritt haben. Dass der ehemals sozialistische Staat Tschechoslowakei, ebenso wie der „große Bruder“, die UdSSR, versucht hat, paranormale Fähigkeit zu erforschen und für seine Zwecke zu (miss)brauchen, ist ja hinlänglich bekannt.

Fazit:
Sprachlich ist dieser Roman ein Genuss, allein das Thema hat mich nicht ganz berührt. Daher kann ich hier nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 24.04.2022

Hat mich nicht überzeugt

Hotel Portofino
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Portofino im Jahr 1926. Das englische Ehepaar Bella und Cecil Ainsworth führt hier ein Hotel für betuchte Engländer.
Doch leider nimmt Cecil mehr Geld aus der Kassa, als Bella einnimmt. Lucien, der gemeinsame ...

Portofino im Jahr 1926. Das englische Ehepaar Bella und Cecil Ainsworth führt hier ein Hotel für betuchte Engländer.
Doch leider nimmt Cecil mehr Geld aus der Kassa, als Bella einnimmt. Lucien, der gemeinsame Sohn ist als Kriegsversehrter aus dem Großen Krieg zurückgekehrt und will sich als Maler profilieren. Allerdings suchen seine Eltern eine vorteilhafte Braut. Es soll ausgerechnet die unter der Fuchtel der dominanten Mutter Julia Drummond-Ward stehende Rose, sein.

Doch nicht nur das fehlende Geld und der flatterhafte Ehemann machen Bella Sorgen, sondern auch der Stadtrat, der ein fanatischer Anhänger Mussolini ist und ihr allerlei Prügel zwischen die Beine wirft.

Meine Meinung:

Leider hat mich dieser Roman nicht wirklich gepackt. Zum einen plätschert die Handlung ohne Höhepunkte dahin und zum anderen erscheinen mir die Figuren ziemlich blass.

Unterschiedliche Menschen im Hotel - das könnte doch ein Feuerwerk von Konflikten oder Amouren sein. Doch leider nein - hier ist davon wenig zu spüren, obwohl recht illustre Gäste das Hotel frequentieren. Da ist zum Beispiel die exotische Tänzerin, der Tennis-Champ oder der reiche Amerikaner.
Selbst die Spannungen zwischen den Eheleuten Ainsworth wirken nur so halbgar. Das kann aber nicht ausschließlich an der britischen Contenance liegen.

Schade, hier ist eine große Chance vertan worden. Vom „unvergesslichen italienischen Flair der Zwanziger Jahre“ habe ich nur wenig gespürt. Recht deutlich kommen die gegenseitigen Ressentiments zwischen Engländern und Italienern heraus.

Fazit:

Leider kann ich hier nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 21.04.2022

Mehr hist. Roman denn Krimi

Schatten im Silsersee
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Dieses Buch ist als Krimi gelistet, doch der Krimianteil ist recht gering, daher nenne ich es einen historischen Roman, der vom Leben des Malers Giovanni Segantini (1858-1899) handelt. Segantini gilt als ...

Dieses Buch ist als Krimi gelistet, doch der Krimianteil ist recht gering, daher nenne ich es einen historischen Roman, der vom Leben des Malers Giovanni Segantini (1858-1899) handelt. Segantini gilt als Lichtkünstler und als herausragender Maler der Alpenlandschaften.

Die Autorin lässt ihre Geschichte zwischen März und November 1894, spielen. Der Maler lebt mit seiner Familie in den Schweizer Alpen, genauer im idyllischen Maloja, und malt seine impressionistischen Bilder. Allerdings ist er nicht wirklich beliebt, weil er mit der Mutter seiner vier Kinder nicht verheiratet ist und der Kirche abgeschworen hat. Dass er mit Luigia Bugatti, die er Bice nennt, nicht verheiratet ist, ist der Intrige seiner Halbschwester Ingrid geschuldet, die ihm das Bürgerrecht (also die Staatsbürgerschaft) aberkennen hat lassen. Das Bemühen um das österreichische oder das italienische Heimatrecht will Segantini nicht auf sich nehmen, fürchtet er doch den Militärdienst. Zeitlebens wird Segantini als staatenloser Künstler scheel angesehen werden. Seine Bilder erregen Aufsehen, vor allem auch deswegen, weil er im Stil der Impressionisten malt. Er bringt das Bauernleben, Frauen und die wunderschöne Landschaft der Schweizer Berge auf die Leinwand.

Als Emilio Vito, der Nachbar, ermordet wird, fällt der Verdacht sofort auf den Fremden, auf den Künstler, der so ganz anders lebt, als die Einheimischen. Nur mit Mühe gelingt es, sich von diesem Verdacht zu befreien.

Giovanni hat hochfliegende Pläne. Er will zur Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 ein überdimensionales Triptychon erschaffen, das zugleich Werbung für die Schweizer Berge sein soll, und sucht dafür Geldgeber. Niemand will ihm für Geld geben, da die Touristen ohnehin die Schweizer Alpen besuchen kommen.

Meine Meinung:

Wie schon eingangs erwähnt, ist dieses Buch kein Krimi im herkömmlichen Sinn von Tat, Ermittlung und Verhaftung des Täters. Die Episode rund um den Mord an Emilio Vito entspringt der Fantasie der Autorin. Der Roman könnte meiner Ansicht auch ohne diese Bluttat seine Leser finden. Er ist eine gelungene Milieustudie, die das „wir und die anderen“ sehr deutlich macht. Die eingeschworenen Einheimischen, die Fremde eher nur als zahlende Kurzzeitgäste, denn als dauernd hier Lebende wollen. Das ist gut gelungen. Die Stimmung passt zu den Gemälden.

Die Charaktere sind unterschiedlich gut gestaltet. Segantini ist als Künstler und Mensch ambivalent. Einerseits der sensible Maler, der nach wie vor an seiner Herkunft leidet und andererseits der höchst unsensible Mann, wenn es darum geht mit seiner Lebensgefährtin, die alles für ihn aufgegeben hat, zu leben. Wann immer Geld durch den Verkauf eines Bildes hereinkommt, wirft Segantini Selbiges zum Fenster hinaus, während Bice nicht weiß, wie sie Lebensmittel und/oder Miete zahlen soll. Daneben hat Bice auch Grund eifersüchtig auf Giovanni zu sein, denn er malt nunmehr ausschließlich die Magd Baba oder die faszinierende Oriana.

Fazit:

Mehr historischer Roman als Krimi, weshalb das Buch nur 3 Sterne erhält.