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Veröffentlicht am 21.04.2022

Lieben sich Zwei

Boy meets Girl
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Lieben sich zwei: damit wird alles kompliziert, was einfach erscheint, denn das Leben kommt der Liebe meistens in die Quere. So auch im Roman Boy meets Girl von Julia Holbe.

In Holbes neuem Roman dreht ...

Lieben sich zwei: damit wird alles kompliziert, was einfach erscheint, denn das Leben kommt der Liebe meistens in die Quere. So auch im Roman Boy meets Girl von Julia Holbe.

In Holbes neuem Roman dreht sich alles um das Suchen und Finden der Liebe. Verpasste Chancen, gefundene Wahrheiten und die tiefe Verbundenheit zweier Liebenden: all das wird ohne Kitsch, spannend und mit großer Wärme erzählt.

Nora ist um die fünfzig, sitzt beruflich als Therapeutin fest im Sattel, steht aber privat plötzlich vor einer großen Herausforderung. Als sie realisiert, dass ihr Mann Paul sie zum wiederholten Mal betrogen hat, wird ihr bewusst, dass sie so nicht weitermachen will. Die Ehe mit Paul ist vorbei. Gerade in dieser Umbruchsituation trifft sie ihre Liebe aus vergangener Zeit wieder. Yann, mit dem sie ein tiefe Zuneigung verbindet. Doch so einfach ist es mit der Liebe nie. Nora muss und will sich nach der Trennung von Paul zu allererst selber finden bzw. ihr Leben drehen, wie es ihre Freundin Lou nennt.

Schon lange habe ich keinen so wunderschönen Liebesroman mehr gelesen, der unglaublich viele tiefsinnige Sätze enthält wie Boy meets Girl. An manchen Stellen möchte man laut "Jaa, genau so ist es" rufen. Julia Kolbe ist ein kluger, unterhaltsamer und echter Einblick in das Leben gelungen, welches sich auch außerhalb von Romanen so abspielen könnte. Nur eine Prise romantischer. Aber dafür liebe ich dieses Buch. Große Leseempfehlung für Boy meets Girl!

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Veröffentlicht am 21.04.2022

Sommer der Wahrheit

Schallplattensommer
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Ein Hingucker ist dieses Buch wirklich: Schallplattensommer von Alina Bronsky besticht durch das wunderschöne Cover, und lässt anfangs auf ein Wohlfühlbuch hoffen. Doch schnell merkt man beim Lesen, dass ...

Ein Hingucker ist dieses Buch wirklich: Schallplattensommer von Alina Bronsky besticht durch das wunderschöne Cover, und lässt anfangs auf ein Wohlfühlbuch hoffen. Doch schnell merkt man beim Lesen, dass es hier auch um die tiefergehenden Probleme junger Menschen geht.

Maserati (ja, das junge Mädchen heißt wirklich so) lebt bei ihrer Oma und hilft dieser bei der täglichen Arbeit in der Dorfgaststätte. Anfangs denkt man beim Lesen, dass sie einfach ein sehr fleißiges Mädchen ist. Alina Bronsky schafft es aber auf sehr subtile Weise die Sorgen und Nöte, die Maserati mit und durch die Oma hat, durchblicken zu lassen. Maseratis tägliches Einerlei ändert sich schlagartig mit dem Auftauchen der beiden jungen Männer Casper und Theo. Diese ziehen mit ihrer Familie in die alte Villa am Dorfrand ein und interessieren sich intensiv für Maserati, was dieser erstmal gar nicht passt. Doch zu verlockend sind die Stunden am See mit Casper. Oder war es doch Theo? Jedenfalls steckt Maserati früher oder später in einer verzwickten Liebesgeschichte und muss sich entscheiden.
Auch bei Casper und Theo ist nicht alles gold ist, was glänzt. Kurz dachte ich: ach, die üblichen Probleme jünger Menschen,. Aber das greift wohl zu kurz. Alina Bronsky geht gefühlvoll mit den inneren und äußeren Nöten der Menschen in ihrem Buch um. Empathie fällt damit nicht schwer.
Schallplattensommer ist ein Buch, dass trotz der Schwere und Fülle der Probleme auch Leichtigkeit vermittelt. Die Charaktere sind mir während des Lesens sozusagen ans Herz gewachsen. Und ein bisschen traurig war ich dann schon als die Geschichte zu Ende war. Dieses Buch wird für Menschen zwischen 14-99 empfohlen. Dem kann ich nur zustimmen.

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Veröffentlicht am 04.03.2022

Hat mich gut unterhalten

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
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Das Leben von Michael Hartung plätschert mehr schlecht als recht vor sich hin. Wenig gewinnbringend betreibt er in Zeiten von Streamingdiensten eine Videothek in Berlin. Aber nicht nur Geldsorgen, sondern ...

Das Leben von Michael Hartung plätschert mehr schlecht als recht vor sich hin. Wenig gewinnbringend betreibt er in Zeiten von Streamingdiensten eine Videothek in Berlin. Aber nicht nur Geldsorgen, sondern auch das kaum vorhandene Verhältnis zu Tochter und Enkelkindern machen Hartung das Leben nicht gerade leicht. Wie gut, dass eines Tages der Journalist Alexander Landmann in seinen Laden kommt, und ihm ein lukratives Geschäft unterbreitet. Landmann seinerseits auf der Suche nach einer Titelblattstory, die ihn beruflich nach vorne bringt, hat alte Stasiakten ausgegraben, in denen ein gewisser Michael Hartung als Fluchthelfer für 126 DDR-Bürger tätig gewesen sein soll. Hartung streitet zuerst ab, doch dann lacht das Geld, und der Held vom Bahnhof Friedrichstraße ist geboren.

Ab da nimmt nicht nur Maxim Leos Buch Fahrt auf, auch das Leben des glücklosen Hartung beginnt sich zu verändern. Immer tiefer gerät er in den Sog der Medien - und damit in den Sumpf der erfundenen Geschichte - bis letztendlich auch der Bundespräsident auf ihn aufmerksam wird. Als Hartung zum Jahrestag des Mauerfalls gar gebeten wird, eine Rede vorm Deutschen Bundestag zu halten, beginnt er die Reißleine zu ziehen.

Amüsant, rasant und witzig beschreibt der Autor die Geschichte des tragischen Helden, der aus meiner Sicht am Ende durch seinen Mut zu einem echten Helden wird. Ein kurzweiliges Buch, dass nicht nur Einblicke in den Medienzirkus gibt, sondern auch Schlaglichter auf Politik, DDR unddas Verhältnis West-Ost wirft. Ich empfehle dieses Buch allen, die beim Lesen gerne schmunzeln und schnelle Szenenwechsel mögen.

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Veröffentlicht am 18.08.2021

Zusammen ist man weniger allein

Die letzte Bibliothek der Welt
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June Jones ist Büchernärrin, wie gut daher, dass sie in der Stadtbücherei ihres Heimatortes Chalcot arbeitet. Und dies eigentlich schon immer. Junes verstorbene Mutter war Bibliothekarin mit ganzem Herzen ...

June Jones ist Büchernärrin, wie gut daher, dass sie in der Stadtbücherei ihres Heimatortes Chalcot arbeitet. Und dies eigentlich schon immer. Junes verstorbene Mutter war Bibliothekarin mit ganzem Herzen und hat dies an June weitergegeben Gemächlich plätschert Junes Leben vor sich hin, denn Veränderungen sind nicht ihr Ding.

Als die Gemeindeverwaltung verkündet, dass die Bücherei aus Kostengründen geschlossen werden soll, gerät Junes Leben dann doch in ziemliche Turbulenzen. Und auch das der Büchereinutzer. Schnell stellt sich heraus, wie wichtig die Bücherei Chalcot für viele Menschen in dem Dorf ist. Und Widerstand gegen die Pläne der Verwaltung formiert sich.

Freya Sampson hat mit Die letzte Bibliothek der Welt (der pathetische Titel erklärt sich mir nicht) aus meiner Sicht ein gemütliches Wohlfühllbuch geschrieben. Zwar gibt es im Lauf der Geschichte ein paar spannende Situationen, insgesamt aber "tröpfelt" die Geschichte vor sich hin wie auch das Leben von June Jones. Trotzdem habe ich das Buch sehr gerne gelesen, denn es macht Mut, an die Kraft der Freundschaft und Gemeinschaft zu glauben und sich dafür einzusetzen.

Besonders gut hat mir gefallen, wie die Autorin den Alltag in einer Bücherei beschrieben hat. In jedem Kapitel des Buches spürt man die große Liebe der Autorin zu Büchern. Hier hat jemand mit Herz und Verstand geschrieben.

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Veröffentlicht am 23.07.2021

Alptraum für Charlie Lager

Mohnblumentod
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Mohnblumentod von Lina Bengtsdotter ist bereits der dritte Teil der Charlie-Lager-Reihe und steht, was Stimmung, Düsternis und Abgründigkeit angeht, den beiden Vorgängerbänden in nichts nach.

Ein Alptraum ...

Mohnblumentod von Lina Bengtsdotter ist bereits der dritte Teil der Charlie-Lager-Reihe und steht, was Stimmung, Düsternis und Abgründigkeit angeht, den beiden Vorgängerbänden in nichts nach.

Ein Alptraum wird wahr: Das 9 Monate alte Baby Beatrice verschwindet spurlos von der Terrasse ihres Elternhauses. Zunächst scheint es keine einzige lohnende Spur zu geben, und die neureichen Eltern des Babys sind einem Nervenzusammenbruch nahe. Für Charlie und ihr Team gilt es diesmal, diese harte Nuss zu knacken und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Doch Charlie ist eine Top-Ermittlerin, trotz ihrer persönlichen Probleme, die auch in Mohnblumentod nicht zu kurz kommen. Akribisch geht sie jeder noch so kleinen Spur nach. Und langsam aber sicher gibt es Hinweise in eine Richtung, und am Ende ist nichts mehr wie es war.

Wieder dreht es sich hier, wie auch schon in Teil 1 und 2, nicht ausschliesslich um den Fall. Auch Charlies Probleme, die ihre Ursache in ihrer Kindheit und Jugend haben, nehmen einen großen Raum ein. Die Verletzlichkeit der brillanten Kommissarin tritt meiner Meinung nach in Mohnblumentod besonders zu Tage. Erneut führen die Ermittlungen sie in den kleinen Ort Gullspang, in dem Charlie ihre Kindheit verbrachte. Der zweite Handlungsstrang des Krimis, der sich um zwei Mädchen aus einem Heim dreht, lässt die Entführung von Baby Beatrice zu Lagers persönlichsten Fall werden. Aus meiner Sicht aber gibt es Hoffnung für Charlie, denn ihr neuer Kollege Greger hat in der Kindheit ähnlich Traumatisierendes wie sie erlebt und scheint zu einem Seelenverwandten zu werden.

Letztendlich wird der Fall gelöst, wie es aber mit Charlie und Greger weitergeht, bleibt offen. Das Warten auf Teil 4 wird sich hinsichtlich dessen bestimmt lohnen.

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