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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.08.2017

Konnte mich leider nicht ganz überzeugen

Der gestohlene Sommer
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Die New Yorkerin Julia Conley erhält die Nachricht, dass sie von ihrer Tante ein altes Haus in England geerbt hat. Sie hält es zunächst für einen Scherz, da sie zur englischen Verwandtschaft nach dem Unfalltod ...

Die New Yorkerin Julia Conley erhält die Nachricht, dass sie von ihrer Tante ein altes Haus in England geerbt hat. Sie hält es zunächst für einen Scherz, da sie zur englischen Verwandtschaft nach dem Unfalltod ihrer Mutter keinen Kontakt mehr hatte und sich auch nicht mehr an die dort verbrachte Kindheit erinnern kann. Da Julia momentan keinen Job hat, kann ihr Vater sie schließlich dazu überreden, nach England zu fliegen und sich das Haus anzusehen. Julia kommt mit dem festen Vorsatz dort an, das Haus auszuräumen und schnell zu verkaufen. Doch dann findet sie ein altes, gut verstecktes Gemälde im Schrank und beginnt Nachforschungen anzustellen. Der attraktive Nicholas bietet ihr dabei seine Hilfe an. Schon bald stellt Julia fest, dass dieses Gemälde einen engen Bezug zu ihrer Familie haben muss. Sie ahnt nicht, auf welches dunkle Geheimnis sie dabei stoßen wird....

Die Geschichte um das alte Familiengeheimnis wird in verschiedenen Zeitebenen erzählt. Im aktuellen Handlungsstrang beobachtet man Julia dabei, wie sie sich langsam mit dem Haus vertraut macht und sich, durch das alte Gemälde, das sie im Schrank findet, auf die Suche nach Informationen zu dem Maler und dessen Verbindung zu ihrer Familie macht. Julia wirkt sehr sympathisch, man kann sich beim Lesen mühelos mit ihr identifizieren und nachvollziehen, warum sie beginnt die Nachforschungen anzustellen. Dieser Handlungsstrang wirkt durchgehend interessant.

In der anderen Zeitebene blickt man in das Jahr 1840 zurück. Hier erfährt man, wie die junge Imogen ihrem Ehemann in das Haus folgt, das Julia später erben wird, und was sich damals zugetragen hat. Imogen ist ebenfalls eine sehr interessante Protagonistin und der Autorin gelingt es mühelos, die Vergangenheit zum Leben zu erwecken. Dennoch liest sich dieser Handlungsstrang etwas zäh und wirkt stellenweise sogar langatmig. Zum Ende hin überschlagen sich dort aber die Ereignisse, sodass man dann doch noch gespannt der Handlung folgt.

Ich bin ein großer Fan von Romanen, in denen es um alte Familiengeheimnisse geht. Deshalb hat mir der Wechsel der Zeitebenen sehr gut gefallen. Allerdings konnte mich der aktuelle Strang deutlich mehr begeistern, als der, der sich in der Vergangenheit zuträgt. Denn dort zog sich die Handlung für meinen Geschmack zu sehr und plätscherte über weite Teile ziemlich gemächlich vor sich hin. Das Ende konnte mich dann in beiden Zeitebenen fesseln und sogar noch überraschen. Dennoch reicht es bei meiner persönlichen Bewertung leider nur zu drei Sternen, da es mir einfach zu lange gedauert hat, bis der Handlungsstrang in der Vergangenheit Fahrt aufgenommen hat. 

Veröffentlicht am 27.07.2017

Anders als erwartet

Als die Träume in den Himmel stiegen
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Samar muss ihre Heimat verlassen und mit ihrer Familie aus Kabul flüchten. Ihre Reise führt sie zuerst zu den Großeltern, die in einem kleinen Ort im Hindukusch leben. Zunächst sieht es so aus, als ob ...

Samar muss ihre Heimat verlassen und mit ihrer Familie aus Kabul flüchten. Ihre Reise führt sie zuerst zu den Großeltern, die in einem kleinen Ort im Hindukusch leben. Zunächst sieht es so aus, als ob die Familie dort endlich eine neue Heimat finden würde. Doch dann kommen die Taliban und die Familie beschließt, noch einmal zu fliehen und dieses Mal das Land zu verlassen.

Samars Geschichte wird in der Ich-Form, aus ihrer Sicht, geschildert. Die Erzählung startet mit einer scheinbar unendlichen Zugreise in der Transsibirischen Eisenbahn. Samar blickt dabei zurück in die Vergangenheit. Dabei kommt es zu zeitlichen Sprüngen, die manchmal nur schwer eingeordnet werden können.

Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Man hat beim Lesen das Gefühl, dass man Samar gegenüber sitzt und ihrer Geschichte lauscht. Dabei erzählt sie so anschaulich, dass man sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen kann. Zunächst ist es etwas schwierig, sich an die fremd klingenden Namen zu gewöhnen und die Personen richtig zuzuordnen. Doch die lebendigen Schilderungen des Mädchens sorgen schnell dafür, dass man die Familienmitglieder vor Augen hat und einen guten Eindruck von Samars Umfeld bekommt. Samar erlebt auf der Flucht furchtbare Dinge, sodass man oft zum Nachdenken angeregt wird und sich fragt, wie ein junges Mädchen das alles verkraften kann. Besonders die Szenen im Flüchtlingslager gehen einem dabei sehr nah. Samars Erzählung überrascht durch eine vollkommen unerwartete Wendung, die dafür sorgt, dass man komplett umdenken und die Geschichte mit anderen Augen betrachten muss.

Mir hat die Erzählung im Großen und Ganzen recht gut gefallen. Auch wenn ich zugeben muss, dass sich zwischen den Buchdeckeln eine ganz andere Geschichte verbirgt, als ich erwartet hatte. Samar wirkte auf mich sehr sympathisch. Dennoch bin ich den ganzen Verlauf über eher auf Distanz geblieben, sodass ich ihre Erlebnisse zwar entsetzt verfolgt habe, doch emotional berührt haben sie mich, durch meinen eher distanzierten Beobachterposten, leider nicht. Ich habe die Geschichte zwar mit großem Interesse gelesen und sie hat mich auch zum Nachdenken angeregt, sodass ich diese fiktive Erzählung lange im Gedächtnis behalten werde. Dennoch bekommt das Buch auf meiner persönlichen Bewertungsskala nur drei von fünf Sternchen.

Veröffentlicht am 24.07.2017

Konnte mich leider nicht überzeugen

Schwindelfrei ist nur der Tod
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Kommissar Jennerwein und sein Team sind dieses Mal auf der Suche nach einem verschwundenen Heißluftballon. Ist er abgestürzt oder gar explodiert? Handelt es sich eventuell um einen Anschlag? Die Beobachtungen ...

Kommissar Jennerwein und sein Team sind dieses Mal auf der Suche nach einem verschwundenen Heißluftballon. Ist er abgestürzt oder gar explodiert? Handelt es sich eventuell um einen Anschlag? Die Beobachtungen einer Augenzeugin sind leider nicht ganz eindeutig, sodass die Ermittlungen sich schwierig gestalten. Jennerwein selbst steht bei diesem Fall etwas neben sich und ist nicht mit vollem Einsatz dabei, da er von privaten Hintergründen, die er seinen Kollegen nicht unbedingt auf die Nase binden will, abgelenkt wird....

"Schwindelfrei ist nur der Tod" ist bereits der achte Fall für Kommissar Jennerwein. Da die Bände in sich abgeschlossen sind, kann man den aktuellen Ermittlungen aber auch problemlos folgen, wenn man noch keinen Jennerwein-Fall gelesen hat. Um die Weiterentwicklung der Charaktere und die beruflichen und privaten Nebenhandlungen zu verfolgen, empfiehlt sich allerdings, wie bei jeder anderen Bücherserie auch, die Einhaltung der Reihenfolge.

Jörg Maurers Schreibstil ist locker und humorvoll. Die Charaktere wirken sehr authentisch, sodass man sie lebhaft vor Augen hat und bei manch skurrilem Ereignis auch spontan ein Lächeln im Gesicht hat. Leider ist der Einstieg in die Geschichte allerdings etwas zäh. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die es einzuordnen gilt. Da keiner davon besonders spannend ist, kommt  man nur schwer in die Geschichte und gerät manchmal sogar in Versuchung, die ein oder andere Zeile zu überspringen. Durchhalten lohnt sich allerdings, da die Handlung am Ende tatsächlich noch Fahrt aufnimmt. Es gibt noch ein paar überraschende Wendungen, die dafür sorgen, dass man das Finale mit großem Interesse liest. Allerdings scheint es dann so, als ob noch ein paar Seiten fehlen würden, da noch einige Fragen offen bleiben, die man gerne geklärt hätte.

Ich habe mich beim Lesen im Großen und Ganzen recht gut unterhalten, wobei mir über weite Teile die Spannung gefehlt hat. Die Handlung plätscherte, für meinen Geschmack, viel zu sehr vor sich hin und konnte zunächst kaum mein Interesse wecken. Obwohl sich das Durchhalten doch noch gelohnt hat, war mir das einfach zu wenig. Noch dazu hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte nicht ganz abgeschlossen ist, da für mich ein paar Fragen offen blieben. Deshalb bekommt das Buch auf meiner persönlichen Bewertungsskala auch nur drei von fünf möglichen Sternchen. 

Veröffentlicht am 14.07.2017

Nicht besonders spannend, aber flüssig zu lesen

Totenstille im Watt
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Dr. Bernhard Sommerfeldt lebt in Norddeich und kümmert sich in seiner Praxis um die kleinen und großen Probleme seiner Patienten und die der Urlaubsgäste. Er wird von ihnen gemocht und das ist ihm auch ...

Dr. Bernhard Sommerfeldt lebt in Norddeich und kümmert sich in seiner Praxis um die kleinen und großen Probleme seiner Patienten und die der Urlaubsgäste. Er wird von ihnen gemocht und das ist ihm auch außerordentlich wichtig. Keiner seiner Bekannten und Freunde ahnt, dass Sommerfeldt gar keiner richtiger Arzt ist und unter falscher Identität mitten unter ihnen lebt. Selbst seine große Liebe Beate weiß nicht, mit wem sie es eigentlich zu tun hat. Als Beate in Schwierigkeiten gerät, tut Sommerfeldt alles, um ihr zu helfen. Dabei nimmt er sogar den ein oder anderen Mord in Kauf.....

Klaus-Peter Wolf ist für seine Ostfriesen-Krimis, in denen Hautkommissarin Ann Kathrin Klaasen ermittelt, bekannt. In diesem Krimi geht es jedoch um den Hochstapler Sommerfeldt, der Regeln und Gesetze gerne bricht, wenn er für sich und andere einen Vorteil daraus ziehen kann. Auf Ann Kathrin Klaasen braucht man in diesem Krimi allerdings nicht ganz zu verzichten, da sie auftaucht, um die Morde, die sich ja in ihrem Ermittlungsgebiet ereignen, aufzuklären.

Da "Totenstille im Watt" in der Ich-Perspektive, aus der Sicht von Sommerfeldt, erzählt wird, nimmt man Ann Kathrins Ermittlungen allerdings nur am Rande wahr. Im Zentrum des Geschehens steht eindeutig Sommerfeldt.

Durch die verwendete Ich-Perspektive hat man eine etwas eingeschränkte Sicht auf das Gesamtgeschehen, da man in die Gedanken und Gefühle von Sommerfeldt eintaucht und nur das erfährt, was auch ihm bekannt ist. Sommerfeldt wirkt zunächst recht sympathisch, sodass man gerne liest, was er zu berichten hat. Er erzählt so flüssig und locker, dass man beinahe meint, ihm entspannt gegenüber zu sitzen und dabei seiner Geschichte zu lauschen. Das, was er zu erzählen hat, ist durchaus interessant, doch zuweilen schweift er ziemlich ab, sodass man in Versuchung gerät, die ein oder andere ausufernd beschriebene Szene zu überspringen. Man merkt beim Lesen, dass Sommerfeldt ganz von sich überzeugt ist und sich gerne reden hört.

Obwohl man, durch die Ich-Perspektive, ja quasi in der Haut des Hauptprotagonisten steckt, fällt es schwer, sich mit ihm zu identifizieren. Denn so wie Sommerfeldt denkt und agiert, würde man an seiner Stelle wohl kaum handeln, da ja etliche Leichen seinen Weg pflastern. Man bleibt also immer etwas auf Distanz.

Die Handlung ist aber durchgehend interessant und lässt sich sehr flüssig lesen. Wobei die Spannung zugegebenermaßen nicht besonders hoch ist. Denn man beobachtet Sommerfeldt ja bei seinen Taten und weiß deshalb genau was passiert. Zum Ende hin, als alles um ihn herum zusammenzubrechen droht, kommt dann allerdings doch etwas Spannung auf.

Ich habe mich beim Lesen dieses Krimi recht gut unterhalten. Nicht weniger - doch leider auch nicht mehr! Für mich war es eine ziemlich kurzweilige Lektüre, ohne großen Spannungsbogen. Das besondere Flair der ostfriesischen Küste und der flüssige Schreibstil haben allerdings dafür gesorgt, dass ich das Buch ziemlich schnell durchgelesen habe. Ich vergebe drei von fünf möglichen Bewertungssternen und die Empfehlung, sich selbst ein Bild zu machen, da man über Geschmack ja streiten kann. 

Veröffentlicht am 03.06.2017

Meine anfängliche Faszination hat leider nicht bis zum Schluss gehalten

Der Brief
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Marie Kluge ist Journalistin und wohnt mit ihrer Lebensgefährtin, der Architektin Johanna, in Hamburg. Eines Tages bekommt sie einen Brief von ihrer ehemaligen Schulfreundin Christine. Darin nimmt Christine ...

Marie Kluge ist Journalistin und wohnt mit ihrer Lebensgefährtin, der Architektin Johanna, in Hamburg. Eines Tages bekommt sie einen Brief von ihrer ehemaligen Schulfreundin Christine. Darin nimmt Christine Anteil an Maries schwerer Krankheit und schreibt so, als ob Marie in Paris mit ihrem Mann Viktor eine Galerie führen würde. Marie fährt zu Christine und stellt sie zur Rede. Marie kann sich nicht erklären, was Christine mit diesem Brief bezwecken will, denn sie  erfreut sich bester Gesundheit und lebt glücklich in ihrer Beziehung in Hamburg. Doch der Besuch bei der ehemaligen Schulfreundin bringt auch keine Klarheit. Der mysteriöse Brief drängt sich immer mehr in das Leben von Marie und deshalb reist sie schließlich nach Paris, um der Sache auf den Grund zu gehen....

Die Geschichte wird hauptsächlich in der Ich-Form, aus der Sicht der Hauptprotagonistin Marie, erzählt. Man schlüpft also quasi in ihre Haut und kann ihre Verwirrung, was es mit dem geheimnisvollen Brief wohl auf sich haben mag, glaubhaft nachvollziehen. Dadurch ist man sofort mitten im Geschehen und möchte unbedingt mehr über die Hintergründe erfahren. Schon bald ist man hin- und hergerissen und weiß nicht was man glauben soll. Ist das alles tatsächlich Wirklichkeit oder findet es nur in Maries Kopf statt? Die Spannung, endlich mehr zu erfahren, steigt anfangs mit jeder Seite. Deshalb gerät man förmlich in den Sog der Geschichte und mag das Buch  nur ungern aus der Hand legen.

Der Schreibstil ist flüssig und sehr leicht lesbar. Die Charaktere wirken sympathisch und lebendig, sodass man mühelos mit ihnen mitfiebern kann. Das klingt alles ganz wunderbar. Doch leider beginnt die Geschichte sich irgendwann zu verzetteln und durch zu viele Zufälle unglaubwürdig zu wirken. Das Ende wirkt dann schon fast gehetzt. Hier wären ein paar Seiten mehr wünschenswert gewesen.

Ich habe dieses Buch in Rekordzeit verschlungen, da die Geschichte mich in ihren Bann gezogen hat. Doch leider hat meine anfängliche Faszination nicht bis zum Ende gehalten. Denn es gab für mich einige Szenen, die mir zu konstruiert und unglaubwürdig erschienen. Außerdem wirkte das Ende auf mich zu gehetzt und ließ mich mit zu vielen Fragen zurück. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt das Buch deshalb auch "nur" drei von fünf möglichen Sternen.