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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2022

irrwitzig und sehr lesenswert

Bullet Train
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Bei diesem Buch habe ich das Ganze mal von hinten aufgezäumt. Zuerst hab ich einen Trailer gesehen von einem abgedrehten Film, der Ende Juli mit Brad Pitt in die Kinos kommt. Dann hab ich festgestellt, ...

Bei diesem Buch habe ich das Ganze mal von hinten aufgezäumt. Zuerst hab ich einen Trailer gesehen von einem abgedrehten Film, der Ende Juli mit Brad Pitt in die Kinos kommt. Dann hab ich festgestellt, dass es ein Buch gibt und dann hab ich es auf netgalley entdeckt. Ich hatte also schon einen Kopftrailer, bevor ich zu lesen begonnen habe. Das war gar nicht schlecht, denn der Film ist sicher noch eine Spur temporeicher und schräger als das Buch und befeuert so den sirrenden Unterton, den ich beim Lesen hatte.

Auf den Plot muss man sich ganz prinzipiell einlassen können, um ihn richtig genießen zu können. Fünf Killer landen aus unterschiedlichen Gründen in einem Schnellzug auf dem Weg nach Tokio. Außerdem gibt es noch ein Entführungsopfer und einen Koffer mit ziemlich viel Lösegeld und natürlich einige andere Passagiere, die noch nicht alle wissen, was hier auf sie zurollt.

Bald merken die Killer, dass es nicht so läuft wie sie sich das vorgestellt hatten. Der eine sollte nur einen Koffer mitnehmen, zwei andere einen Sohn und das gerettete Lösegeld einem besorgten Unterweltboss-Vater zurückbringen und einer möchte eigentlich nur Rache nehmen und tritt dabei auf einen ebenburtigen Gegner.

Das Tempo ist hoch, die Verwicklungen und der Plot sehr unterhaltsam und klug aufgebaut und die Dialoge sind das wichtige Sahnehäubchen, denn sie sprudeln nur so vor Sarkasmus, Situationskomik und irrwitzigem Humor.

Es ist vielleicht nicht alles realistisch und da Handlungsort und Zeitraum sehr begrenzt sind, muss die Geschichte sich daran entlanghangeln und lebt mehr von den Interaktionen der Killer und dem Aufeinandertreffen der verschiedenen Motivationen.

Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und freu mich jetzt richtig auf den Film.

Veröffentlicht am 26.04.2022

Leseempfehlung

Der dunkle Himmel
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Ein großer Vulkanausbruch in Indonesien löste im Jahr 1816 in weiten Teilen Europas eine große Naturkatastrophe aus. Ein Jahr voller Kälte, Regen und Dunkelheit stürzte ganze Landstriche in Hunger und ...

Ein großer Vulkanausbruch in Indonesien löste im Jahr 1816 in weiten Teilen Europas eine große Naturkatastrophe aus. Ein Jahr voller Kälte, Regen und Dunkelheit stürzte ganze Landstriche in Hunger und Armut. Da die Regierung damals mit Hilfsmaßnahmen noch zögerlich dagegen vorging, mussten die Menschen selber versuchen, diese schwere Zeit zu überstehen. Vor allem die Landbevölkerung und die einfachen Menschen litten unter den vernichteten Ernten.

Dies ist der Hintergrund vor dem Astrid Fritz ihren neuen Roman „Der dunkle Himmel“ anlegt. Im Mittelpunkt stehen die Bewohner eines kleinen Dorfes in Schwaben. Allen voran der Dorflehrer Friedhelm, der in die Wirtstochter Paulina verliebt ist und der Pfarrer Unterseher, der die verarmenden Bauern und ihre Kinder versucht zu unterstützen.

Das Drama des Hungerjahres und die Liebesgeschichte zwischen den jungen Leuten halten sich dramaturgisch die Waage. Über weite Strecken scheint es keinen Lichtblick zu geben, denn die Natur spielt verrückt und die Menschen verzweifeln nach und nach. Und Paulinas Vater legt seiner Tochter alle möglichen Steine in den Weg, da er den Schulmeister nicht zum Schwiegersohn will.

Obwohl die Geschichte relativ gemächlich erzählt wird, konnte sie mich schnell packen. Der intensive Erzählstil und die stetig wachsende Empathie für die Hauptdarsteller, haben mir sehr gefallen. Zum Ende hin zeichnet sich ein versöhnliches Ende ab und lässt die Leserinnen mit einem guten positiven Gefühl das Buch beenden.

Ich empfehle das Buch gerne weiter. 4,5 von 5 Sternen von mir.

Veröffentlicht am 08.04.2022

intensives Leseerlebnis

Wo die Wölfe sind
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Die Biologin Inti Flynn reist nach Schottland. Mit dabei ist ein kleines Rudel Wölfe, die dort freigelassen werden sollen. Sie begleitet dieses Auswilderungsprojekt wissenschaftlich und sucht dabei auch ...

Die Biologin Inti Flynn reist nach Schottland. Mit dabei ist ein kleines Rudel Wölfe, die dort freigelassen werden sollen. Sie begleitet dieses Auswilderungsprojekt wissenschaftlich und sucht dabei auch privat nach Abstand von ihrem bisherigen Leben. Ein Neuanfang für die Frau und für die Tiere also.

Die Autorin versucht, wie in ihrem ersten Buch "Zugvögel" Mensch und Natur miteinander in Einklang zu bringen. Dabei greift sie wieder die diversen Themen auf, die diese Annäherung oft schwierig oder sogar schmerzlich machen gibt aber auch intensive Einblicke, wie sehr wir profitieren, wenn wir von den Tieren und ihrer Art mit der Umwelt und dem Leben umzugehen lernen.

Das Buch ist auf eine ruhige und eindringliche Weise erzählt. Das liegt vor allem an der Hauptfigur Inti, die tiefe Empathie für alle Lebewesen empfindet und dabei sowohl eine Verbindung schafft als auch alle Abgrenzungen überwindet. Man fühlt mit ihr aber auch mit all den Menschen und Tieren in dieser Geschichte.

Das Leseerlebnis ist intensiv und lässt mich nachdenklich zurück.

Veröffentlicht am 03.03.2022

sehr unterhaltsam

Elisa Hemmiltons Kofferkrimi
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Elisa Hemmilton sollte eigentlich studieren aber sie gerät in den Krimi um einen mysteriösen Koffer und einen Mord und alsbald ermittelt sie auf eigene Faust. Dabei wird sie von dem jungen Uhrmacher Jamie ...

Elisa Hemmilton sollte eigentlich studieren aber sie gerät in den Krimi um einen mysteriösen Koffer und einen Mord und alsbald ermittelt sie auf eigene Faust. Dabei wird sie von dem jungen Uhrmacher Jamie unterstützt, der erst mal nur seine Unschuld beweisen will. Die beiden ergänzen sich hervorragend. Wobei Elisa die zupackende und taffere ist aber Jamie sie auf jede nur erdenkliche Art und Weise unterstützt.

Die Geschichte würde ich als soliden historischen Krimi mit ein paar fantastischen Elementen einordnen. Das Buch liest sich flott und vor allem die Dialoge spühen vor Witz und Charme. Es hat mir so gut gefallen, dass ich mir den Vorgänger, der auch in dieser Welt spielt und mehr in das Fantasy-Genre gehen dürfte, gleich zugelegt habe.

Veröffentlicht am 15.02.2022

empfehlenswert

Der Pfad – Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit
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Rolf und sein Vater sind wegen dem immer bedrohler werdendenen Nazi-Regime aus Deutschland geflüchtet und in Südfrankreich gestrandet, wo sie eigentlich auf eine Überfahrt nach Amerika gehofft hatten, ...

Rolf und sein Vater sind wegen dem immer bedrohler werdendenen Nazi-Regime aus Deutschland geflüchtet und in Südfrankreich gestrandet, wo sie eigentlich auf eine Überfahrt nach Amerika gehofft hatten, wo die Mutter bereits auf sie wartet. Aber nachdem feststeht, dass dieser Wunsch sich nicht so leicht erfüllen wird, beschließt der Vater, dass sie auf dem Fußweg über Spanien in die Freiheit gelangen wollen.

Es handelt sich bei "Der Pfad" um ein Jugendbuch. Die Sprache ist einfach und klar gehalten und auch der Plot ist auf den Jungen Rolf und einen ebenfalls jugendlichen Fluchthelfer zugeschnitten. Die Grauen der Naziregierung und des Krieges werden nicht verschwiegen aber entweder nur angedeutet oder so erzählt, dass sie für einen jungen Leser fassbar und verdaulich sind. Der erwachsene Leser weiß natürlich genau, was hinter all dem steht aber die Bedrohung ist durchaus auch so spürbar.

Rolf ist ein pfiffiges Kerlchen. Vielleicht hat die Flucht ihn schon etwas reifer werden lassen, er ist auf jeden Fall oft ziemlich altklug und über sein tatsächliches Alter hinaus sehr verständig. Dennoch hat er auch kindliche Züge, wie seinen unbedingten Wunsch den kleinen Hund Ade auf die Flucht mitzunehmen, wo doch jedem Erwachsenen klar ist, dass das viel zu gefährlich ist.

Das Buch liest sich schnell und ist sehr dicht und spannend erzählt. Es gibt keine Schönfärberei aber ich fand das Buch kindgerecht und kann es deshalb als erste Lektüre über dieses Thema durchaus empfehlen.