Hinter den Mauern
Kleine Dinge wie dieseDer Kohlen- und Holzhändler Bill Furlong lebt mit seiner Frau Eileen und den fünf Töchtern in der Stadt ein gutes Leben. Obwohl er im Jahre 1946 als uneheliches Kind eines minderjährigen Mädchens zur Welt ...
Der Kohlen- und Holzhändler Bill Furlong lebt mit seiner Frau Eileen und den fünf Töchtern in der Stadt ein gutes Leben. Obwohl er im Jahre 1946 als uneheliches Kind eines minderjährigen Mädchens zur Welt kam, ist er fast privilegiert aufgewachsen, weil deren Arbeitgeberin eine herzensgute Frau war. Er hält sich aus allem raus und führt ein gottesfürchtiges Leben, es ist das Jahr 1985. Nur durch Zufall bekommt er Einblick hinter die Mauern des Nonnenklosters am Rande der Stadt und macht im Kohlenschuppen desselben eine verstörende Entdeckung.
Dieses schmale Buch widmet sich einem dunklen Kapitel in der Geschichte Irlands, das fast in Vergessenheit geraten ist, nämlich der Geschichte der Magdalenenheime. So wurden Einrichtungen genannt, in die „gefallene“ Mädchen und Frauen aufgenommen wurden, um ihnen einen Weg zurück zu Gott und in die Gesellschaft zu ermöglichen. Die Realität sah indes ganz anders aus, denn diese mussten beispielsweise Wäsche waschen, gärtnern, Kleidung und Waren herstellen, alles ohne einen Lohn zu erhalten und überwiegend unter schlimmsten Bedingungen. Das letzte Heim dieser Art wurde erst 1996 geschlossen und beendete damit die Qual und das Sterben unzähliger Mädchen und Frauen sowie deren Babys.
Dieses Buch beschäftigt sich mit einem solchen Heim, aber überwiegend geht es um die Frage, wie die Gesellschaft mit dem Wissen um diese Einrichtungen umgeht. Hinschauen oder ignorieren, hinnehmen oder verhindern, helfen oder froh sein, dass man selbst keine Hilfe braucht? Es geht um Güte und um Menschlichkeit, es geht darum, nicht wegzuschauen, auch wenn dies einfacher wäre, als sich einzumischen und damit Ärger zu provozieren. Mit treffenden Worten und in einer eindringlichen Sprache schildert die Autorin die Geschichte von Bill, einem einfachen Kohlen- und Holzhändler, der selbst nicht viel hat und trotzdem seinen Blick nicht abwendet. Die Erzählung ist zurückhaltend und dennoch so kraftvoll, dass es fast weh tut. Volle Punktzahl für dieses kleine Schmuckstück von Buch.