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Veröffentlicht am 01.06.2026

Ein Roman wunderschön und zerbrechlich wie Rubinglas - doch das letzte, vollendende Glühen bleibt aus

Träume aus Feuer
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Mit seinem atmosphärischen und mitreißenden Schreibstil zieht Florian Illies den Leser bereits auf den ersten Seiten von „Träume aus Feuer“ unmittelbar in den Bann. Sprachlich bewegt sich der Roman gekonnt ...

Mit seinem atmosphärischen und mitreißenden Schreibstil zieht Florian Illies den Leser bereits auf den ersten Seiten von „Träume aus Feuer“ unmittelbar in den Bann. Sprachlich bewegt sich der Roman gekonnt zwischen poetischer Eleganz und spannendem historischem Erzählen – mit einem sicheren Gespür für die wesentlichen geschichtlichen Ereignisse, ohne dabei ein klassischer historischer Roman sein zu wollen. Besonders die Detailverliebtheit in Illies’ Beschreibungen fasziniert und verleiht dem Text eine außergewöhnlich dichte Atmosphäre.

Im Mittelpunkt steht, im Gegensatz zu zahlreichen historischen Romanen über die preußischen Hohenzollern des 17. Jahrhunderts, nicht der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, sondern der Alchemist und Glasmacher Johannes Kunckel – eine irgendwie faszinierende Persönlichkeit seiner Zeit und auf seinem Gebiet. Kunckel veröffentlichte bedeutende Werke zur Glaskunst und gewann die Wertschätzung des Kurfürsten, der ihm u.a. sogar die zwischen Potsdam und Berlin in der Havel gelegene Pfaueninsel schenkte. Wie viele Alchemisten seiner Epoche versuchte auch er zunächst, Gold herzustellen – ein Anspruch, der zwangsläufig Konflikte und Fragen mit sich bringt und den er im Verlauf seines Lebens glücklicherweise aufgibt.

Besonders reizvoll erscheint bei „Träume aus Feuer“ die Verbindung aus den Anfängen moderner Wissenschaft, filigraner Handwerkskunst und intrigantem Hofleben: Kunckel soll für den brandenburgischen Hof außergewöhnliche Glasarten herstellen, bei denen Zusammensetzung und Temperatur entscheidend sind. Passend dazu tragen die Kapitel Titel wie „KALT“, „WÄRMER“, „WARM“, „HEISS“, „ZU HEISS“ und „NACHGLÜHEN“. Auch das Cover mit den farbigen Gläsern greift dieses Motiv stimmig auf. Synchron mit diesen Titeln entwickeln sich auch Aufstieg und Untergang des Protagonisten und seiner Familie.

Alle Figuren – es sind für einen auf Geschichte basierenden Roman nur überschaubar viele – wirken authentisch und überzeugend an ihren historischen Vorbildern orientiert. Der Protagonist Johannes Kunckel versteht es meisterhaft, Menschen für sich einzunehmen und geschickt zu manipulieren – sei es den Kurfürsten selbst, dessen Gemahlin oder den Glasschneider Martin Winter. Einzig bei Hofmeister Eberhard Danckelmann und den Kurprinzen scheinen seine Strategien an Grenzen zu stoßen und nicht ohne Folgen zu bleiben.

Die große Stärke des Romans liegt zweifellos in seiner Sprache: bildhaft, atmosphärisch dicht und stilistisch außergewöhnlich elegant. Gleichzeitig bleibt „Träume aus Feuer“ mit seinem vergleichsweise kurzen Umfang eher eine hochwertige Erzählung als ein epischer historischer Roman. Als ehemaliger Feuilletonchef der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG hat der Autor den Blick für das Wesentliche und so gerät sein Werk eher zu einer Art „literarisch extrem hochwertiger Zeitung“. Genau darin liegt jedoch auch eine kleine Schwäche des nur 120 Seiten umfassenden Buches. Obwohl die Geschichte durchgehend fesselt, bleibt der Leser emotional stets ein wenig auf Distanz zum Geschehen. Der leicht nüchterne, beinahe ausschließlich beobachtende Erzählton ohne jegliche Dialoge unter den Figuren des Romans verhindert stellenweise jene unmittelbare Nähe zu den Figuren, die viele Leser besonders an großen historischen Romanen schätzen. Hinzu kommt, dass die Handlung trotz aller sprachlichen Qualität gelegentlich etwas zu kurz erläutert und unabgeschlossen wirkt. Da sowohl der historische Hintergrund der preußischen Hohenzollern um den Großen Kurfürsten und seine Nachkommen als auch Kunckels Schicksal in den Grundzügen bekannt sind, stellt sich stellenweise die Frage, worauf die Erzählung letztlich hinauswill. Gerade wegen des faszinierenden Stoffes hätte der Geschichte deutlich mehr Raum und Entfaltung gutgetan, vielleicht auch einen etwas größeren Lebensabschnitt des Protagonisten umfassen dürfen.

Dennoch bleibt „Träume aus Feuer“ eine poetisch herausragende, geschichtlich korrekte Nacherzählung eines Abschnitts aus dem Leben Johannes Kunckels – jenes Mannes, der die Glaskunst beherrschte wie kaum ein anderer seiner Zeit und dessen Wirken den Übergang von der Alchemie zur modernen Chemie mitprägte. Die Kapitel „NACHGLÜHEN“ und „LITERATUR und DANK“, in denen die wichtigsten Stationen und Ereignisse rund um das Leben Kunckels chronologisch zusammengestellt sind, viele Zusatzinformationen gegeben werden und die Motivation des Autors für das Schreiben des Buches erläutert wird, runden das Werk würdevoll ab.

Fazit: „Träume aus Feuer“ ist ein Roman über den Alchemisten und Glasmacher Johannes Kunckel, der sich keinem der üblichen Genres zuordnen lässt und überzeugt vor allem durch seine atmosphärisch dichte, poetische Sprache und die faszinierende Verbindung aus Alchemie, Glaskunst und höfischer Geschichte. Florian Illies erzählt stilistisch elegant und mit viel Gespür für kurze historische Details über einen wenige Jahre umfassenden Lebensabschnitt des Johannes Kunckel und seine Verbindung zum Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und dessen Familie sowie zur Pfaueninsel, bleibt dabei jedoch eher beobachtend und distanziert als emotional mitreißend. Der vergleichsweise kurze Umfang des Büchleins lässt zudem manche Entwicklung nur angerissen erscheinen. Trotz kleiner Kritikpunkte bereitet die Lektüre große Freude und hinterlässt vor allem durch ihre sprachliche Qualität und besondere Atmosphäre einen bleibenden Eindruck.

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Reliquien, Macht und Politik mit dem Künstler Nicolaus von Verdun im Mittelpunkt der historischen Zeitreise

Der Schrein der Könige
15

Der historische Roman „Der Schrein der Könige“ von Sabine Weiß entführt seine Leser in das ausgehende 12. und beginnende 13. Jahrhundert und verbindet reale historische Ereignisse mit einer umfangreichen ...

Der historische Roman „Der Schrein der Könige“ von Sabine Weiß entführt seine Leser in das ausgehende 12. und beginnende 13. Jahrhundert und verbindet reale historische Ereignisse mit einer umfangreichen fiktiven Handlung. Die Autorin hat sich neben ihren bekannten Kriminalgeschichten auch im Genre des historischen Romans vor allem mit ihren Werken „Krone der Welt“, „Gold und Ehre“ und „Blüte der Zeit“ zu ihrer Holland-Preußen-Trilogie einen hervorragenden Ruf erarbeitet und gilt seitdem als feste Größe der deutschsprachigen historischen Unterhaltungsliteratur. Im Zentrum des aktuellen Romans steht die Entstehung des berühmten Dreikönigenschreins sowie das Leben des Goldschmieds Nicolaus von Verdun, der als Schöpfer dieses Meisterwerks der mittelalterlichen Kunst gilt.

Der Roman beginnt mit einem starken historischen Auftakt. Wir begegnen dem Kölner Erzbischof Reinald von Dassel, einem engen Vertrauten von Friedrich I. Barbarossa. Während der Konflikte mit der norditalienischen Stadt Mailand entdeckt Reinald in der Kirche San Giorgio al Palazzo die Gebeine der Heiligen Drei Könige. Er beschließt, diese Reliquien nach Köln zu bringen. Dahinter steckt nicht nur religiöse Verehrung, sondern auch politisches Kalkül: Die Reliquien sollen Köln zu einem bedeutenden Pilgerzentrum und Machtfaktor im Heiliges Römisches Reich machen. Parallel dazu erzählt der Roman die Geschichte von Nicolaus von Verdun. Nach dem Tod seiner Frau und zweier Kinder befindet sich der Goldschmied in einer tiefen persönlichen Krise. Als er den Auftrag erhält, einen prächtigen Schrein für die Reliquien zu schaffen, steht er vor einer entscheidenden Lebensfrage. Schließlich nimmt er den Auftrag an und zieht mit seiner Familie nach Köln – in der Hoffnung auf einen Neuanfang.

Ein großer Teil der Handlung konzentriert sich auf das Leben des Künstlers und seiner Familie. Besonders die Beziehungen zwischen den Figuren prägen den Roman. Sein Sohn Louis sorgt immer wieder für Konflikte, während Tochter Anne schnell zu einer der sympathischsten Figuren der Geschichte wird. Auch Nicolaus’ Bruder Charles sorgt als Betrüger und Abenteurer regelmäßig für Probleme und bringt Unruhe in die Familie. Neben diesen Figuren treten zahlreiche weitere, in erster Linie fiktive Charaktere auf, die das Leben im mittelalterlichen Köln lebendig werden lassen. Gerade die Darstellung der Stadt gehört zu den großen Stärken des Romans. Straßen, Märkte und Werkstätten werden anschaulich beschrieben, ebenso die Welt der Handwerker und das Entstehen von Zünften. Besonders eindrucksvoll sind die Schilderungen der Goldschmiedekunst und der aufwendigen Arbeit an dem Dreikönigenschrein. Hier zeigt sich deutlich die intensive Recherche der Autorin. Der Leser erhält dabei einen faszinierenden Einblick in mittelalterliche Handwerkstechniken und in die Bedeutung religiöser Kunstwerke.

Im Verlauf der Geschichte treten immer wieder historische Persönlichkeiten kurz auf, etwa deutsche Kaiser von Friedrich I. Barbarossa, Heinrich VI., Philipp von Schwaben, Otto IV. bis Friedrich II., der englische König Richard Löwenherz oder der welfische Herzog Heinrich der Löwe sowie eine große Anzahl von Kölner Erzbischöfen. Dennoch bleiben viele der großen politischen Ereignisse und Personen dieser bewegten Epoche eher im Hintergrund. Konflikte zwischen Kaiser und Papst, dynastische Machtkämpfe oder der Tod Barbarossas während des Dritter Kreuzzug werden nur am Rande erwähnt, auf eine Vielzahl an Ereignissen des 12. und 13. Jahrhunderts wird nicht weiter eingegangen. Der Fokus liegt eindeutig auf der persönlichen Geschichte der größtenteils fiktiven Figuren und der Entstehung des Schreins. Gerade hierin liegt eine kleine Schwäche des Romans. Das 12. und das 13. Jahrhundert gehören zu einer der ereignisreichsten Perioden der mittelalterlichen Geschichte, und manches davon hätte durchaus ausführlicher in die Handlung eingebunden werden können. Stattdessen bleibt die große Politik meist nur eine Kulisse für die fiktive Handlung.

Die fiktive Geschichte ist jedoch überaus unterhaltsam erzählt. Sabine Weiß versteht es, Spannung aufzubauen und ihre Figuren emotional greifbar zu machen. Intrigen, familiäre Konflikte und persönliche Schicksale sorgen dafür, dass der Roman durchgehend fesselnd bleibt. Der Schreibstil ist klar, lebendig und sehr gut lesbar. Insgesamt bewegt sich „Der Schrein der Könige“ zwischen zwei Arten historischer Romane: Einerseits erzählt er eine emotionale, von der Autorin ausgedachten Familiengeschichte, andererseits basiert er auf realen historischen Ereignissen. Wer vor allem eine spannende Geschichte vor historischer Kulisse sucht, wird hier bestens unterhalten. Leser, die sich eine besonders intensive Darstellung der politischen Geschichte jener Zeit wünschen, könnten gelegentlich etwas mehr historischen Hintergrund vermissen.

Auch das äußere Erscheinungsbild des Romans verdient Erwähnung. Das Cover zeigt den prachtvollen Dreikönigenschrein vor einem tiefroten Hintergrund. Diese Gestaltung ist als Eyecatcher äußerst passend gewählt: Der Schrein selbst ist ein Meisterwerk mittelalterlicher Kunst und gleichzeitig das zentrale Symbol der gesamten Geschichte. Das Cover weckt sofort Interesse und vermittelt bereits visuell den Charakter des Romans. Ein ausführliches Personenverzeichnis und ein Nachwort zum Einordnen des Romans in seinen historischen Hintergrund runden das Leseerlebnis ab.

Fazit: „Der Schrein der Könige“ ist ein atmosphärisch dichter und in Bezug auf den Goldschmied Nicolaus von Verdun und den Dreikönigenschrein sehr gut recherchierter Roman, der vor allem durch seine lebendige Darstellung mittelalterlicher Kunst und des Lebens in Köln überzeugt. Die überwiegend fiktive Geschichte rund um den Künstler und die Entstehung des Schreins machen den Roman zu einer interessanten und über weite Strecken sehr fesselnden Lektüre ohne dabei auf die geschichtlichen Ereignisse jener Epoche allzu intensiv einzugehen.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Phyllida Brights dritter Fall oder "Wie man mit Hilfe des Vac-Tric(k)s Täter entlarvt"

Der Krimidinnermord
8

Mit dem Roman „Der Krimidinnermord“ legt Colleen Cambridge nach „Die Dreitagemordgesellschaft“ und „Der Cocktailmörderclub“ den bereits dritten Band ihrer Serie um die Hobbyermittlerin Phyllida Bright ...

Mit dem Roman „Der Krimidinnermord“ legt Colleen Cambridge nach „Die Dreitagemordgesellschaft“ und „Der Cocktailmörderclub“ den bereits dritten Band ihrer Serie um die Hobbyermittlerin Phyllida Bright vor. Letztere ist nicht nur eine Meisterdetektivin im Lösen von Kriminalfällen, sondern auch die äußerst gewissenhafte Haushälterin auf Mallowan Hall - dem Anwesen der ‚Queen of Crime‘ Agatha Christie - wo sie penibel für Ordnung sorgt. Dabei gerät sie immer wieder in humorvolle und teils hitzige Auseinandersetzungen mit dem Butler Mr. Dobble sowie dem Chauffeur Bradford und dessen Hündin Myrtle. Im aktuellen Band gesellen sich zudem weitere Konkurrenten dazu, die um die Gunst von Mrs. Bright buhlen.
Wie in den vorherigen Bänden ist auch der Plot von „Der Krimidinnermord“ gleichermaßen drollig, spannend und hochinteressant. Alles beginnt mit einer kleinen Auseinandersetzung zwischen Küchenmädchen Molly und Hausmädchen Ginny, zwei von Phyllida Brights Lieblingsangestellten, bei der die beiden auf eine ungeschickte, aber niedliche Weise Tropfspuren und Aschewölkchen hinterlassen – zum Leidwesen der Haushälterin, die diese sowohl auf dem Teppich als auch in ihren Haaren wiederfindet. Natürlich hat Mr. Dobble hierbei seine Finger im Spiel.
Im Anschluss an eine Einladung der neuen Nachbarn, die mit dem sybillinischen Motto ‚Heute Abend wird in Beecham House ein Mord geschehen‘ locken, geht es dann nach einem Telefonat mit Agatha Christie – die derzeit mit ihrem Mann in London weilt - direkt in die Nachbarschaft von Mallowan Hall zum „Krimidinnermord“. Doch statt eines echten Mordes handelt es sich lediglich um ein Rollenspiel, bei dem der Gastgeber mit Begeisterung den ‚Ermordeten‘ mimt. Doch ehe sich der Leser und der Hausherr Wokesley versehen, ist der Gastgeber tatsächlich tot – erstochen mit einem spitzen Dolch. Anfänglich noch etwas gelangweilt von dem inszenierten Mord, wird der Tod des reichen Industriellen für Phyllida Bright nun der perfekte Einstieg in ihren neuen Fall. Eine Vielzahl an rätselhaften Personen kommt als Täter in Frage, und jede von ihnen hat ein überzeugendes Motiv.

Wie es typisch für das Cosy-Crime-Genre ist, versteht es die Autorin auch hier glänzend, die Protagonisten des Plots intensiv und charakterstark zu zeichnen – gepaart mit hervorragend dosiertem, ironischem Humor. Mit ihrem lockeren, leichten und dennoch ausdrucksstarken Schreibstil gelingt es Colleen Cambridge die jeweilige Kulisse stets lebendig vor den Augen der Leser*innen zu entwerfen und sie unmittelbar ins Geschehen hinein zu ziehen. Der Spannungsbogen bleibt kontinuierlich erhalten und das Buch entwickelt sich zu einem flotten Pageturner, welcher in einem rasanten, vielleicht etwas zu actionreichen Showdown gipfelt.
Trotz der gelungenen Kombination von Spannung und Humor bleibt der Wunsch zum ausgiebigen Miträtseln zumindest phasenweise unerfüllt. An einigen kriminalistischen Stellen wirkt die Story zudem etwas zu konstruiert. Dies steht im Gegensatz zu den beiden Vorgängerbänden, in denen sowohl das Mitraten, als auch Phyllidas brillanter Ermittler- und Kombinationsgabe einen entscheidenden Teil des Lesevergnügens ausmachten. Hier konnte man jederzeit mit falschen Fährten und unerwarteten Wendungen rechnen. In „Der Krimidinnermord“ jedoch scheint unsere Hobbyermittlerin wiedeholt etwas unaufmerksam und übersieht Details, die der Leserschaft sofort ins Auge springen. Manche Passagen wirken zudem eine Spur zu vorhersehbar, sodass das „Cosy“ an einigen Stellen das „Crime“ zu dominieren scheint.

Dessen ungeachtet weiß der „Krimidinnermord“ insbesondere auf der atmosphärischen Ebene mehr als nur zu überzeugen: Alle handelnden Personen besitzen ausreichend viel Tiefe sowie authentische Verstrickungen untereinander. Auch das Lokalkolorit wird wunderbar eingefangen. Darüber hinaus erfahren wir im aktuellen Band etwas mehr über Gefühle, Hintergründe und die Vergangenheit einiger Protagonisten, und es bleibt spannend, wie sich diese Entwicklungen in den kommenden Bänden in Bezug auf Beziehungen und Romantik aber auch Enttäuschungen entfalten werden. Zudem gibt es erste Andeutungen zu Phyllida Brights eigener Vergangenheit, die Potenzial für weitere Enthüllungen in Band 4 bietet. Kulisse, Lebensstil und -kultur der 1930‘er werden historisch korrekt wiedergegeben und und wir dürfen humorvoll erleben, wie die Menschen dieser Zeit ihre ersten Bekanntschaften mit modernen Geräten wie dem neuen Vac-Tric Staubsauger machten.

Das Cover, das vorwiegend in den Farben Rot, Blau und Schwarz mit weißen Schriftzügen gehalten ist, folgt dem Stil der Vorgängerbände und trägt so zu einem hohen Wiedererkennungswert bei. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass es – wie schon bei den beiden vorigen Bänden – bei genauerem Hinsehen einiges über den Täter verraten könnte. Dies wurde im englischen Original deutlich besser gelöst.

Fazit: Insgesamt ist „Der Krimidinnermord“ ein weiterer gelungener Band in Colleen Cambridges Cosy-Crime-Serie um Phyllida Bright, in dem Spannung, Humor, Atmosphäre sowie Lokalkolorit auf ausgewogene Weise miteinander verknüpft werden und der im Rahmen des Genres in jeglicher Hinsicht zu gefallen weiß. Lediglich der Wunsch zum ausgiebigen Miträtseln bei den Ermittlungen kommt etwas zu kurz. Obwohl „Der Krimidinnermord“ völlig unabhängig von den beiden Vorgängerbänden gelesen werden kann, ist es für Leser, die bereits Band 1 und 2 kennen, besonders erfreulich, vertraute Figuren wiederzutreffen. Für Fans der Phyllida Bright Reihe ist dieser Band ein absolutes Muss, und auch Anhänger von Agatha Christies Serien rund um Miss Marple und Hercule Poirot finden hier eine erfrischend neue und empfehlenswerte Alternative. Der vierte Band „Murder Takes the Stage (A Phyllida Bright Mystery Book 4)“ ist im englischen Original bereits seit Oktober 2024 erhältlich, und wir dürfen der deutschen Übersetzung im kommenden Jahr entgegen fiebern. Persönlich freue ich mich bereits jetzt schon sehr darauf ihn dann lesen und genießen zu dürfen.

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Veröffentlicht am 15.05.2022

Jazz-Variante der bekannten Kindergeschichte

Peterchens Mondfahrt
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Klappenetxt: »Sumsemann hieß der dicke Maikäfer, der im Frühling auf einer Kastanie im Garten von Peterchens und Annelieses Eltern hauste, nicht weit von der großen Wiese mit den vielen Sternblumen ...« ...

Klappenetxt: »Sumsemann hieß der dicke Maikäfer, der im Frühling auf einer Kastanie im Garten von Peterchens und Annelieses Eltern hauste, nicht weit von der großen Wiese mit den vielen Sternblumen ...« – So beginnt die phantastische Geschichte des berühmten kleinen Maikäfers, der sich mit Hilfe zweier Kinder auf eine abenteuerliche Reise begibt, um sein verlorenes sechstes Beinchen wiederzuholen.
Diesen Klassiker der deutschen Kinderliteratur haben Vibraphonist Volker Heuken mit seiner Band und Schauspieler Stefan Kaminsky behutsam adaptiert, verjüngt und das geschriebene Wort in ganz neuer Interpretation zum jazzigen Hörerlebnis gemacht. »Fly me to the moon« summt die Nachtfee, und Musik und gelebte Sprache vermischen sich zu etwas Neuem, Ungehörtem: Einem zeitlos musikalisch-literarischen Cross-Over, das zum Phantasieren und Mitreisen einlädt.

Die „Jazz für Kids“-Variante von Gerdt von Bassewitz‘ „Peterchens Mondfahrt“ ist eine recht interessante und moderne Variante seiner Ursprungsfassung, kindergerecht aufbereitet und wunderbar mit einfacher Jazz-Musik untermalt. Die Fassung scheint im Vergleich zum Original ein wenig gekürzt, aber alle Elemente rund um den dicken, Geige-spielenden Maikäfer Sumsemann und die braven Kinder Peterchen und Anneliese, das Sandmännchen, die Milchstraße, den großen Bären, die Nachtfee, den Mondmann und alle anderen wichtigen Charaktere sind wunderbar inszeniert.

Mir persönlich hat die hier vorgestellte Variante sehr gut gefallen. Für meine Kinder im besten Teenageralter kommt diese Fassung leider ein wenig zu spät, aber für Kinder bis 8-9 Jahre findet man hier eine ideale Gelegenheit, Kinder dieses Alters mit einer spannenden Geschichte an Jazz-Musik ein wenig heran zu führen und damit vertraut zu machen … und auch für uns Eltern ist es durchaus, beispielsweise bei etwas längeren Autofahrten, mithörbar, wie unser Maikäfer Sumsemann sein seit Generation fehlendes 6. Beinchen wieder zurückbekommt. Darüber hinaus ist das Hörbuch großartig vom deutscher Schauspieler Stefan Kaminsky gesprochen und auch das Buchcover ist grandios gestaltet. Zusätzlich zur überzeugenden musikalischen Untermalung wird auch die Geräuschkulisse recht gut eingesetzt.

Und zuletzt, unbedingt nochmal nachzählen, ob nun auch alle Beinchen wieder dran sind, bevor unser lieber Herr Sunsemann nach seiner Rückkehr von der Mondfahrt - dieses Mal hoffentlich ohne Schnaps zu trinken - weit, weit fort fliegt.

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Veröffentlicht am 11.04.2022

So wird in der modernen Biologie Leben definiert

Was ist Leben?
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Mit „Was ist Leben?: Die fünf Antworten der Biologie“ hat Paul Nurse ein wunderbares Buch über das Leben oder genauer gesagt darüber, was er darunter versteht, geschrieben. Und mal ganz ehrlich, wer sollte ...

Mit „Was ist Leben?: Die fünf Antworten der Biologie“ hat Paul Nurse ein wunderbares Buch über das Leben oder genauer gesagt darüber, was er darunter versteht, geschrieben. Und mal ganz ehrlich, wer sollte es denn besser wissen, als er, der sogar Nobelpreisträger auf diesem Gebiet ist.

Klappentext: Was ist Leben? Und was bedeutet die Antwort auf diese Frage für die Herausforderungen, denen sich die Menschheit heute gegenübersieht – Klimawandel, Pandemien und Artensterben? Paul Nurse erhielt den Nobelpreis dafür, gezeigt zu haben, wie lebende Zellen funktionieren. In seinem so klar wie elegant verfassten Buch synthetisiert er auf wenigen Seiten sämtliches Wissen darüber, was es heißt, am Leben zu sein. Schritt für Schritt erläutert Nurse die fünf revolutionären Ideen, die der Biologie zugrunde liegen – die Zelle, das Gen, Evolution durch natürliche Selektion, das Leben als Chemie und das Leben als Information.

Der Klappentext gibt dem Leser bereits einen hervorragenden Überblick, um was es im Einzelnen in diesem insgesamt eher kurz gehaltenen Buch geht, in erster Linie also um Zellen, Gene und Evolution. Insgesamt ist das Buch ganz nett geschrieben, an manchen Stellen gehen mir die vermittelten Kenntnisse als Wissenschaftler allerdings nicht tief genug, an anderen fühle ich mich wiederum als der Biologie Fach-fremdem Forscher auch ein wenig überfordert. Im Mittel scheint somit also alles wiederum sehr gut zu stimmen. Am meisten begeistern mich aber die kleinen Anekdoten, die Nurse einfach mal so am Rande erzählt, wie beispielsweise seine Erfahrungen seiner eigenen Studenten-, Doktoranden- oder Post-Doc-Zeit. Hier dürften bei jedem Naturwissenschaftler eigene Erfahrungen wieder erwachen und man ließt diese Abschnitte mit Begeisterung und mehr als einem Schmunzeln auf den Lippen: Aha, selbst solchen beeindruckenden Größen auf ihrem Gebiet erging es so! Besonders interessant finde ich zudem, dass man zum Herausarbeiten, was vielen Lebewesen in den Zelleigenschaften gemeinsam ist, so weit zurückgeht, dass sich als repräsentatives Beispiel die Hefe ergibt – sie taugt also zu weit mehr als nur fürs Bier oder den Kuchen. Und ganz offensichtlich hat das auch bestens funktioniert, wie die Arbeiten und Ergebnisse von Paul Nurse eindrucksvoll beweisen.
Insgesamt also ein sehr interessant, spaßig und lehrreich geschriebenes Buch, das für jeden, der sich dieser Thematik ein wenig fundierter widmen möchte, hilfreich und unterhaltsam sein dürfte. In der Hörbuchvariante wird das Buch im Übrigen sehr eindrucksvoll von Stefan Nass gesprochen.

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