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Veröffentlicht am 13.06.2022

Abenteuerliches Wirrwarr ohne Struktur

Papyrus
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Der Klappentext verspricht „eine abenteuerliche Reise durch die faszinierende Geschichte des Buches“. Tatsächlich beginnt das Buch auch zunächst mit Buchjägern, die im Auftrag des damaligen alexandrinischen ...

Der Klappentext verspricht „eine abenteuerliche Reise durch die faszinierende Geschichte des Buches“. Tatsächlich beginnt das Buch auch zunächst mit Buchjägern, die im Auftrag des damaligen alexandrinischen Königs bei Wind und Wetter Jagd auf das neue Statussymbol machten, dem geschriebenen Wort, hochmodern auf empfindlichem Papyrus verewigt. Neben interessanten historischen Details zu Papyrus und Pergament, verschiedenen Schriftsystemen und die Einflüsse auf Weltpolitik, Wirtschaft und Gesellschaft verliert sich die Autorin leider nach und nach in enervierendem Geschwafel. Da werden Zeitsprünge innerhalb eines Zeitraums von rund 3000 Jahren gemacht, in denen sie mal von Tontafeln, wiederholt von ersten Pseudobibliotheken und plötzlich von Filmzusammenfassungen der letzten Jahrzehnte berichtet. Hinzu kommen autobiografische Erinnerungen, von denen manche vielleicht ganz interessant sein mögen wie der Besuch berühmter, uralter Bibliotheken, viele jedoch einfach nicht.
Dem Buch fehlt definitiv der berühmte rote Faden, welcher hier leider zu einem Wirrwarr aus Wollflusen verkommt. Durch diese vielen Themensprünge geht der Fokus auf das versprochene „Abenteuer Geschichte“ komplett verloren, bisweilen kommt es zu Wiederholungen, bei denen man z. B. zum x-ten Mal darauf hingewiesen wird, wie empfindlich Papyrus gegenüber Feuchtigkeit ist. Oder sogar zu Mutmaßungen, was die Menschen damals über die Erfindung des Rades gedacht haben mochten. Natürlich sind auch jede Menge interessante Fakten im Buch versteckt, es ist jedoch müssig, diese zwischen all dem Geschwafel herauszusuchen. Eine zielgerichtetere Herangehensweise an das Thema hätte dem Buch deutlich besser getan und einen gewissen Anteil des Rohstoffs Papier eingespart.

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Veröffentlicht am 16.05.2022

Die Königin ist tot - es lebe die Königin?

A Song of Wraiths and Ruin. Die Spiele von Solstasia
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Die Königin Zirans hat sich einst sämtliche Reiche von Sonande zu Untertan gemacht und regiert diese nun aus dem stark abgesicherten, prunkvollen Ziran. Alle 50 Jahre, wenn ein bestimmter Komet den Himmel ...

Die Königin Zirans hat sich einst sämtliche Reiche von Sonande zu Untertan gemacht und regiert diese nun aus dem stark abgesicherten, prunkvollen Ziran. Alle 50 Jahre, wenn ein bestimmter Komet den Himmel streift, finden hier Wettspiele statt zu Ehren der sieben Götter, um zu entscheiden, unter wessen göttlichem Einfluss die kommenden Jahrzehnte stehen werden. Malik und seine Schwestern erreichen als Flüchtlinge eines von der Königin stark unterdrückten Reichs Ziran zur Zeit dieser Spiele. Als die Königin durch einen Attentäter tödlich verwundet wird will ihre aufmüpfige Tochter Karina ihre Mutter mit Hilfe uralter Totenmagie wiederbeleben, um selbst nicht den Thron übernehmen zu müssen. Dazu benötigt sie u. a. ein Menschenopfer und plant den Sieger der Wettkämpfe als Opfer ein. Gleichzeitig muss Malik die Spiele um jeden Preis gewinnen und die Prinzessin töten, um seine Schwester aus den Fängen eines mächtigen Magiewesens zu befreien.
Der Roman verspricht ein afrikanisch stark angehauchtes Setting. Dies ist auch tatsächlich in vielen Bereichen spürbar, leider jedoch merkt man der Autorin das Amerikanisch-Multikulturelle an, wodurch das Bild nicht lange stringent bleibt. Da tragen die Personen plötzlich asiatische Kleidung, ein pazifischer Taifun verirrt sich ins afrikanische Setting oder ein hebräisches Tohuwabohu, welches die Bewohner gar nicht kennen dürften. Selbst beim Titel der Königin konnte die Autorin sich nicht einig werden und bezeichnet sie mal als Königin, dann als Sultanin oder als Turmfalke, willkürlich im Wechsel. Positiv ist, dass das Reich von einer Matriarchin regiert wird, welche meiner Meinung nach der Skrupellosigkeit männlicher Pendants in nichts nachsteht. Auch die beiden Protagonisten, Prinzessin Karina und Flüchtling Malik, haben die gängigen Geschlechterklischees hier getauscht und bieten eine aufmüpfige, selbstbewusste Prinzessin sowie einen unsicheren, etwas tollpatschigen Jungen. Warum die Autorin zwischen den beiden unbedingt eine Liebensgeschichte anbahnen musste, welche in keinster Weise nachvollziehbar oder emotional spürbar ist, ist mir ein Rätsel. Ebenso werden die titelgebenden Spiele eher nebenbei abgehakt, obwohl hier Potential für Spannung vorhanden gewesen wäre. Stattdessen bekommt man diverse zähe Szenen präsentiert, unlogisch agierende Personen sowie eine Handlung, die über Längen vorhersehbar ist.
Mich konnte das Buch leider nicht begeistern, das aussergewöhnliche Setting reicht mir nicht, wenn die Handlung an sich mich über Längen nicht packen kann.

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Veröffentlicht am 24.04.2022

Viktorianische Hausflüsterin auf der Jagd nach Geistern

Die Seele eines Spukhauses
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Exorzistin Magnolia Feyler bezeichnet sich selbst als Hausflüsterin, da sie ihre ganz eigene Heransgehensweise entwickelt hat, Geisterhäusern den Spuk auszutreiben. Ihr neuester Job ist Shaw Manor, in ...

Exorzistin Magnolia Feyler bezeichnet sich selbst als Hausflüsterin, da sie ihre ganz eigene Heransgehensweise entwickelt hat, Geisterhäusern den Spuk auszutreiben. Ihr neuester Job ist Shaw Manor, in welchem ihr Kollege kürzlich seinen Einsatz mit dem Leben bezahlen musste.
Das Setting ist interessant gewählt, eine Art viktorianisches Steampunk-England, in welchem neumodische Automobile und Roboter-Haustiere die Welt der wohlhabenden Gesellschaft bereichern. In dieser Welt sind die Exorzisten eine anerkannte Gilde und Geister durchaus real. Die vielen kleinen Details der Exorzistenausrüstung und deren Bedeutung gefielen mir. Ein besonderes Augenmerk legen die Geisterjäger auf ihr Tagebuch, in welches sie akribisch alles eintragen, was sie tun, entdecken oder planen. An dieser Stelle erhielt meine Begeisterung leider einen Dämpfer, da Magnolia dazu neigt, selbst langwierige Tätigkeiten detailliert zu beschreiben - was interessieren mich ausgiebige Gartenarbeiten oder das Fegen der Eingangshalle? Zudem hat sie leider einen eher langweiligen Stil, weder ist sie sonderlich professionell in ihrer Ausdrucksweise, noch schafft sie es, eine gewisse Gruselatmosphäre durch ihr Tagebuch zu erschaffen wie frühere Autoren es in ihren klassischen Gruselwerken vormachten. Dadurch las sich die an sich so geniale Idee des Spukhauses Shaw Manor mit seinen Hintergünden für meinen Geschmack stellenweise zu langatmig und nicht atmosphärisch genug.

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Veröffentlicht am 08.03.2022

Spannende Baba Jaga und nervige Partnerprobleme

Palast aus Gold und Tränen
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Die Dämonenjägerinnen Muireann und Rose erhoffen sich nach einem missglückten Magieeinsatz Hilfe von der mächtigen Hexe Baba Jaga. Zudem vemuten sie, unter den Gästen der bevorstehenden Hochzeit am Zarenhof ...

Die Dämonenjägerinnen Muireann und Rose erhoffen sich nach einem missglückten Magieeinsatz Hilfe von der mächtigen Hexe Baba Jaga. Zudem vemuten sie, unter den Gästen der bevorstehenden Hochzeit am Zarenhof die Hexe zu finden, nach der sie seit Band 1 der Hexenwald-Chroniken auf der Jagd sind. Das Verschwinden der Braut des Prinzen vor der Trauung wirbelt die Pläne der beiden jedoch völlig durcheinander.
Leider konnte mich Band zwei der Reihe um die Dämonenjägerinnen nicht ganz überzeugen. Die Abenteuer und Erlebnisse rund um die Baba Jaga sowie das Verschwinden der Braut gestalten sich zwar als ganz interessant, ebenso wird die gleichgeschlechtliche Liebe diesmal gekonnt thematisiert. Leider war ich jedoch irgendwann genervt von den vielen Pärchenproblemen zwischen Muireann und Rose, die neben ausschweifenden Dialogen einfach zuviel Raum einnahmen. Eifersuchtsszenen und sich wiederholende Diskussionen über das Für und Wider, ob Selkietochter Muireann ihre magischen Fähigkeiten einsetzen soll oder nicht, zogen die Handlung unnötig in die Länge. Das ist schade, da die Ideen um Baba Jaga wirklich gut sind und wegbereitend für eine Fortsetzung. Dennoch konnte mich der Roman aus den bereits genannten Gründen einfach nicht so begeistern wie der erste Band.

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Veröffentlicht am 16.02.2022

Zäh und sehr subjektiv

Das Loft
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Gleich vorweg: Der Klappentext ist irreführend formuliert! In der gemeinsamen Hamburger Wohnung des Pärchens Sarah und Marc sowie Marcs bestem Freund Henning findet die Reinigungskraft ein Blutbad vor ...

Gleich vorweg: Der Klappentext ist irreführend formuliert! In der gemeinsamen Hamburger Wohnung des Pärchens Sarah und Marc sowie Marcs bestem Freund Henning findet die Reinigungskraft ein Blutbad vor - aber keine Leiche! Zwar kann das Blut kurz darauf Henning zugeordnet werden, aber ohne Leiche könnte es auch eine perfekte Inszenierung gewesen sein.
Nach dem blutigen Fund ermittelt in einem Handlungsstrang die Hamburger Polizei unter der Leitung einer neuen Kommissarin. Zugleich kommen Sarah und Marc retrospektiv zu Wort und erzählen ihre Geschichte vom Zeitpunkt des Kennenlernens sprunghaft bis in die Gegenwart. Allerdings sind deren Kapitel stark subjektiv, jeder schönt sich seine Rolle zurecht und mir ist nicht klar, wem sie das überhaupt erzählen - sich selbst? Einem Tagebuch? Dem Partner? Zudem gestaltet sich durch diverse Wiederholungen und unnötige Lückenfüller das Buch als unangenehm zäh - wenn plötzlich so Dinge wie Nachbars Katze ausgiebig erwähnt werden, wird es einfach langweilig.
Was mir ebenso missfiel war die Stereotypisierung der drei Freunde. Das vermeintliche Opfer Henning: Kein vernünftiger Schulabschluss, keine Ausbildung, neigt zu Jähzorn, ist vulgär und gewalttätig. Der Standardtyp fürs Grobe. Daneben Marc, der arrogante Typ aus reichem Haus, Dauer-Jurastudent und das Superbrain der beiden Freunde, der sich bei ihren illegalen Tätigkeiten natürlich die Hände nicht schmutzig machen will. Und Sarah, das devote und naive Blödchen, die in erster Linie nur an die Bequemlichkeiten des Lebens denkt.
Ja, ich hatte mir mehr erhofft bei einem Thriller. Mehr Misstrauen und Widersprüche, falsche Fährten und die Chance, als Lesende mitzuermitteln. Was ich bekam waren zähe Selbstdarstellungen der beiden Hauptverdächtigen, Stereotypen und oberflächlich beschriebene Ermittlungen. Gut war natürlich die Wendung am Schluss, die Auflösung des Ganzen, aber zugleich auf eine gewisse Art so absurd, dass ich das Ende als unrealistisch empfand. Mag jeder anders sehen.
Ein eher langweiliger als spannender Thriller, das kann der Autor deutlich besser!

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