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Veröffentlicht am 22.06.2022

Hinter den Mauern der DDR

Das zweite Geheimnis
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Es ist das Jahr 1973. Die DDR befindet sich in Aufbruchsstimmung und will sich von seiner besten Seite zeigen, denn in diesem Jahr finden hier die Weltfestspiele der Jugend statt. Zur gleichen Zeit wird ...

Es ist das Jahr 1973. Die DDR befindet sich in Aufbruchsstimmung und will sich von seiner besten Seite zeigen, denn in diesem Jahr finden hier die Weltfestspiele der Jugend statt. Zur gleichen Zeit wird in der Bundesrepublik der rechte Mann des Bundeskanzlers als Spion entlarvt. Diese und andere historischen Tatsachen bilden die Grundlage für diese spannungsgeladene Erzählung.

Es ist der zweite Band einer dreiteiligen Reihe über wichtige Stationen in der deutsch-deutschen Geschichte, die Erzählung ist jedoch in sich abgeschlossen. Im ersten Band, der zur Zeit des Mauerbaus spielt, lernt der Leser die Protagonisten Ria kennen, die als Spionin dem Bundesnachrichtendienst hilft. Dabei verliebt sie sich in einen westdeutschen Journalisten.

Inzwischen sind zwölf Jahre seit ihrem letzten Treffen vergangen und sie hat einen Plan. Wegen ihrem wichtigen Posten als Mitarbeiterin von Alexander Schalck, dem Leiter der Kommerziellen Koordinierung, darf sie Urlaub in Bulgarien machen. Hier treffen Ost und West zusammen, somit ist das die perfekte Gelegenheit ein Treffen mit ihrem Freund zu vereinbaren. Doch die Osturlauber werden stark überwacht, es scheint fast unmöglich Zeit miteinander zu verbringen. Und dann wird Ria unverhofft festgenommen. Ist ihre Verabredung mit ihrem westdeutschen Freund aufgeflogen?

Rias Schwager Henning arbeitet als Grenzbeamter, doch es fällt ihm zunehmend schwer diesen Job mit seinem Gewissen zu vereinbaren. Kurzentschlossen versucht er zu fliehen, doch er wird angeschossen und nach einem Krankenhausaufenthalt findet er sich im Gefängnis wieder.

Rias Tochter Annie ist mittlerweile sechzehn. Sie lebt für den Sport. Ihr Freund rät ihr die kleinen blauen Pillen, die sie als Sportler nehmen müssen, nicht zu nehmen. Er traut dem Regime nicht.

Einmal angefangen, fällt es schwer dieses Buch aus der Hand zu legen. Nicht nur die verschiedenen Erzählstränge im Westen und Osten machen die Geschichte so spannend. Die Hauptcharaktere werden lebendig, denn der Leser lernt sie mit ihren Beweggründen kennen, und das trifft nicht nur auf die sympathischen Personen zu. Interessant sind auch die vielen Erklärungen über die Spionagekunst der 70er Jahren. Wie anders waren damals die technischen Möglichkeiten! Eine besondere Stärke dieses Buchs ist, dass es die Angst und Hoffnungslosigkeit der Ostbevölkerung spürbar macht. Die Stärke der Grenze und mehrere misslungene Fluchtversuche werden beschrieben, dabei stützt sich der Autor auf historische Quellen.

Fazit: Der Autor leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass diese Zeit unvergessen bleibt, und wir aus der Geschichte lernen können. Spannend und mit einer wichtigen Thematik ist dieses Buch sehr empfehlenswert für alle, die unsere deutsche Geschichte besser verstehen wollen!

Veröffentlicht am 14.06.2022

Google Maps für die fromme Landschaft Deutschlands

Menschen mit Mission
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Weltweit soll es 600 Millionen Evangelikale geben, doch was sind evangelikale Christen überhaupt – ist das eine neue Denomination? Und muss man sich inzwischen nicht eigentlich schämen dazuzugehören, nach ...

Weltweit soll es 600 Millionen Evangelikale geben, doch was sind evangelikale Christen überhaupt – ist das eine neue Denomination? Und muss man sich inzwischen nicht eigentlich schämen dazuzugehören, nach allem was man über evangelikale Fundamentalisten in Amerika hört?

In diesem Buch untersucht der evangelische Theologe Thorsten Dietz Fragen wie diese und beschreibt verschiedene evangelikale Richtungen, in Deutschland und weltweit. Dabei wirft er nicht nur Licht auf die verschiedenen Aspekte der evangelikalen Landschaft, er fragt nach der geschichtlichen Entwicklung gegenwärtiger Positionen und sucht stets den größeren Zusammenhang.

Dieser Band soll eine Landkarte der evangelikalen Bewegung darstellen. Der Autor beginnt mit einer grundsätzlichen Orientierung, indem er fragt, was sind Evangelikale überhaupt? Was zeichnet sie aus? Wodurch unterscheiden sie sich von anderen Christen? Wie ist diese Bewegung entstanden?

Im zweiten Teil, den der Autor mit einer Hauptstraße vergleicht, geht es um positive Impulse und Entwicklungen. Dabei kommt der Autor immer wieder auf die Lausanner Bewegung zu sprechen, die für den Evangelikalismus richtungsweisend ist. Daneben geht es um Themen wie soziale Gerechtigkeit, die Pfingstbewegung und Theologie.

Im dritten Teil benennt der Autor Schattenseiten. Neben apokalyptischen Engführungen und fundamentalistische und rechtsorientierte Einstellungen, geht er auf den Postevangelikalismus ein.

Im letzten Teil geht es um Bereiche, die Wachstumspotential bieten - Kultur, Spiritualität, Moral und Gemeindemodelle.

Dieses dicke Buch mit seinen fast 500 Seiten ist erstaunlich schnell gelesen, denn es ist keine trockene theologische Lektüre, sondern eine spannende Reise durch die Geschichte des Evangelikalismus. Bei aller Sachlichkeit ist dieses Buch sehr persönlich, denn nach einer umfassenden Beschreibung der geschichtlichen Entwicklung und der unterschiedlichen Positionen, erzählt der Autor von seiner eigenen Entwicklung und bezieht selbst Stellung.

Die Gestaltung dieses Buchs absolut gelungen, mit hervorgehobenen Textstellen, Fotos von einigen der beschriebenen Persönlichkeiten und einem Lesebändchen. Es ist ein Buch, in dem man immer wieder gern hineinschaut.

Fazit: Dieses aufschlussreiche Buch lädt zum Nachdenken ein und weitet den Blick, indem es Wurzeln von Glaubenstraditionen aufzeigt und reflektiert. Auch wenn ich dem Autor nicht in allem zustimme, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.06.2022

Was Gott aus dem Leben einer geretteten Person machen kann

Durch dich bin ich
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Die liebenswürdige Frau mit dem ungewöhnlichen Namen erntet manchmal verwunderte Blicke, wenn sie sagt, dass sie aus der Schweiz kommt. Sophal Strupler wird 1973 in Kambodscha geboren, doch nur wenige ...

Die liebenswürdige Frau mit dem ungewöhnlichen Namen erntet manchmal verwunderte Blicke, wenn sie sagt, dass sie aus der Schweiz kommt. Sophal Strupler wird 1973 in Kambodscha geboren, doch nur wenige Monate nach ihrer Geburt ausgesetzt. Eine Krankenschwester nimmt das Baby mit in die Schweiz. Zu gerne würde sie dieses Kind selbst großziehen, aber für einen Alleinstehenden ist das damals nicht möglich. Doch Sophal findet ein liebevolles Zuhause bei Freunden der Krankenschwester.

Obwohl sie als Kind gut umsorgt wird, wird in der Teenagerzeit die Frage nach ihrer Identität immer drängender. In einem langen Prozess findet sie durch den Glauben Heilung von ihren Lebenswunden. Nach vielen Jahren, inzwischen ist sie verheiratet und hat zwei Kinder, möchte sie mit ihrer Familie das Land ihrer Herkunft kennenlernen. Dort zu sein, und wegen ihrem Aussehen als Einheimische wahrgenommen zu werden, doch die Sprache nicht zu verstehen, ist nicht die einzige Schwierigkeit, die ihr begegnet. Die Lebensverhältnisse sind hart, die Insekten schrecklich, ganz zu schweigen von so mancher Toilette.

Und doch lässt sie der Gedanke nicht los, dass Gott einen Auftrag für sie und ihre Familie hat. Nach dem Besuch eines Gottesdiensts in Kambodscha einsteht der Traum einer modernen Gemeinde mit ansprechenden Gottesdiensten. Sie möchte die Vision ihrer geliebten ICF Gemeinde dort verwirklichen.

Inzwischen ist daraus ein großes Werk geworden, das nicht nur Gottesdienste feiert, sondern Menschen Gemeinschaft und Lebensperspektiven gibt. Und Gott füllt die Lücke, die durch die Rückkehr ihrer beiden Kinder in die Schweiz entstanden ist. Sophal darf viele einsame junge Menschen in ihr weites Mutterherz einladen, und ihnen Familie bieten.

Dieses Buch ist schnell gelesen, denn die Geschichte von Sophals Herkunft und Suche nach Identität ist spannend. Sie erzählt in einfachen Worten, und gibt neben ihren Erlebnissen interessante Hintergrundinformationen zur Geschichte und gegenwärtigen Situation in Kambodscha weiter. Daneben reflektiert sie ihr Leben, vor allem ihren Schmerz darüber, als Baby weggeben worden zu sein. Sie ist eine Predigerin, das spürt man in diesem Buch, denn sie gibt gute Ratschläge, die das Herz treffen, und ermutigt ihre Leser.

Fazit: Eine interessante Lebensgeschichte, die zeigt, was für einen großen Unterschied eine kleine Tat, wie die Rettung eines heimatlosen Babys, machen kann, und wie Gott Lebenswunden heilt. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 11.06.2022

Verstehen wie Kinder die Welt verstehen

Kinder denken einfach anders
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Manchmal erscheint die Reaktion eines Kindes einfach rätselhaft. Umso schwerer ist es richtig damit umzugehen. Dieses Buch erklärt anhand von zwanzig wichtigen Experimenten, wie das Denken von Kindern ...

Manchmal erscheint die Reaktion eines Kindes einfach rätselhaft. Umso schwerer ist es richtig damit umzugehen. Dieses Buch erklärt anhand von zwanzig wichtigen Experimenten, wie das Denken von Kindern in den verschiedenen Entwicklungsphasen funktioniert.

Jedes Kapitel beleuchtet ein Experiment oder eine wegweisende Studie der Vergangenheit. Dabei wird erklärt, welche Frage untersucht werden sollte, und wie die Forscher vorgegangen sind. Ein QR-Code führt zu einer Seite im Internet mit weiteren Informationen zum Experiment. Nach der Beschreibung des Versuchs und der Erläuterung von wichtigen Begriffen, erklärt die Autorin was das alles mit dem Familienalltag zu tun hat. Dabei gibt sie ganz praktische Tipps für schwierige Situationen und erklärt, warum sich Kinder auf eine für Erwachsene schwer verständliche Weise verhalten können.

Die zwanzig Kapitel sind grob nach dem Alter der untersuchten Kinder geordnet. Dabei geht es beim ersten Versuch darum, wie viel ein Kind im Mutterleib mitbekommt, und im letzten Versuch darum, was Erwartungen an Schulkindern bei ihnen auslösen können.

Manche Experimente liegen schon lange zurück und würden in einer solchen Weise nicht mehr durchgeführt werden, zum Beispiel die Monster-Studie über die Macht der Worte. Ein paar der Versuche können Eltern leicht zuhause ausprobieren, zum Beispiel das Smartie-Experiment.

Immer wieder geht es um wichtige Themen, wie Erziehungsstile, Bindungen oder Konsequenzen. Dabei macht der vorgeschlagene Erziehungsstil einen ausgewogenen, vernünftigen Eindruck. So erfahren Eltern, zum Beispiel, dass es manchmal besser sein kann dem Kind bei einem unerwünschten Verhalten nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu geben, da das als eine Verstärkung dienen könnte. Auf der anderen Seite zeigt sie, wie wichtig es ist kleinen Kindern ungeteilte Aufmerksamkeit zu geben, anstatt sich zum Beispiel beim Füttern mit dem Handy zu beschäftigen.

Fazit: Wer nicht nur Erziehungstipps haben will, sondern auch das Denken seines Kindes verstehen will, wird sicher viel Freude an diesem Buch haben. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 22.05.2022

Heimat für Heimatlose

Freitag ist ein guter Tag zum Flüchten
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Der sympathische Co-Autor dieses Buchs, Elyas Jamalzadeh, wurde im Iran geboren. Schon vor seiner Geburt mussten seine Eltern aus Afghanistan fliehen, doch auch im Iran sind sie nicht gern gesehen. Der ...

Der sympathische Co-Autor dieses Buchs, Elyas Jamalzadeh, wurde im Iran geboren. Schon vor seiner Geburt mussten seine Eltern aus Afghanistan fliehen, doch auch im Iran sind sie nicht gern gesehen. Der tägliche Überlebenskampf ist hart, wenn man keine Papiere hat, und offiziell nicht im Land leben darf. Wie geht es da erst den Kindern? Elyas wünscht sich sehnlich in die Schule zu gehen, doch er muss schon als Kind mit Gelegenheitjobs zum Familieneinkommen beitragen.

Als Elyas und seine Eltern gar keine Überlebensperspektive mehr haben, entschließen sie sich zur Flucht. Der Weg ist schrecklich. Eisig kalt und gefährlich, gefüllt mit Fehlstarts, Betrug, enttäuschten Hoffnungen. Und immer wieder aussichtslose und unsagbare Lebensgefahr. Erschwerend kommt hinzu, dass Elyas‘ Eltern auf dem beschwerlichen Weg kaum mitkommen, und stark auf die Hilfe ihres Sohnes angewiesen sind. Dabei ist es so schwer in den chaotischen Nächten der Flucht zusammenzubleiben!

In Europa angekommen hören die Schwierigkeiten nicht auf. Elyas beschreibt das schwere Einleben im fremden Land, das Staunen über die so andersartigen Lebensmittel, aber auch die Verwunderung über hilfsbereite, liebevolle Menschen und die vielen Möglichkeiten zur Bildung. Dankbarkeit strahlt aus den Seiten hervor. Bei alldem gibt es aber immer wieder neue Herausforderungen. Doch die Integration gelingt, vor allem dank einiger engagierten Frauen im Leben von Elyas.

Dieses Buch gehört zu meinen Lieblingsbüchern! Der Inhalt ist unglaublich spannend und fesselnd, und die Erzählweise ist kreativ und einfallsreich. Es dauert ein paar Seiten, bis man sich an den Erzählstil gewöhnt hat, doch dann ist dieses Malen von Gefühlen mit Hilfe von Sprachbildern einfach nur toll. Es ist geradezu eine Kunst, wie Angst oder Schmerz dargestellt werden. Das ist wohl vor allem den Einfällen von Elyas‘ Freund, Andreas Hepp, zu verdanken, der hier Elyas‘ Geschichte wiedergibt.

Dieses Buch beantwortet Fragen, die sich Deutsche manchmal angesichts der Flüchtlingsströme stellen – Warum kommen sie hierher? Wie ist es in einem kleinen Boot auf dem Mittelmeer? Wie werden Schleuser gefunden und bezahlt? Wie passiert man eine Grenze? Was geschieht, wenn man von der Polizei aufgegriffen wird?

Der zweite Teil, in dem Elyas sein Einleben in der neuen Heimat beschreibt, ist besonders berührend. Er kann die unglaubliche Freundlichkeit einiger Österreicher kaum fassen. Da ist ein Mann, der große Ähnlichkeit mit dem barmherzigen Samariter hat, eine Schulklasse, die sich für ihn einsetzt, eine zukünftige Schwiegermutter, die immer für ihn da ist. Neben der Dankbarkeit über diese liebevollen Menschen, staunt Elyas über vieles in Europa, das für uns so selbstverständlich ist. Die Freiheit im Krankenhaus behandelt zu werden oder in die Schule zu gehen, und ganz schlicht und ergreifend, einfach die Freiheit!

Fazit: Ein Buch, das begeistert – zum einen durch die informative, authentische und doch gefühlvolle Wiedergabe der Erlebnisse auf der Flucht, zum anderen durch die kreative Verwendung der Sprache. Ganz besonders empfehlenswert, und eins meiner Top-Bücher!

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