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Veröffentlicht am 06.06.2022

Eine Deutsche in Bad Gastein

Bitterwasser
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Eine interessante Stelle in Düsseldorf wird der erfahrenen Bibliothekarin Carolin Halbach vor der Nase weggeschnappt, bevor sich die wunderbare Gelegenheit ergibt, nach Bad Gastein zu wechseln: hier entsteht ...

Eine interessante Stelle in Düsseldorf wird der erfahrenen Bibliothekarin Carolin Halbach vor der Nase weggeschnappt, bevor sich die wunderbare Gelegenheit ergibt, nach Bad Gastein zu wechseln: hier entsteht ein moderner Kulturtreffpunkt und sie wird das neue Medienzentrum leiten. Doch schon bei der festlichen Einweihungsfeier ereignet sich ein Mord. War der Chefarzt der Kurklinik ein zufälliges Opfer oder ist er einem gezielten Attentat erlegen? Carolin Halbach, selbst passionierte Krimileserin, steckt rascher als beabsichtigt in den Ermittlungen der Polizei.

Ein gewitzter Prolog, die Idee zu einem Mord – und schon wechselt der Schauplatz an Carolins Seite: als Leser darf man sie per Bahn nach Bad Gastein begleiten und sogleich das Felsendorf mit seinem imposanten Wasserfall kennenlernen. Selbst wer den Kurort noch nie gesehen hat, findet sich bald zurecht zwischen den mehr übereinander als nebeneinander stehenden Häusern, den vielen Treppen, welche die 80 Meter Höhendifferenz zwischen dem Ortskern und dem Bahnhofsbereich überwinden, den teuren Luxushotels und den exklusiven Apartmenthäusern. Ausgezeichnete Recherche und eine merkliche persönliche Vorliebe der Autorin für das Gasteinertal kommen hier zum Ausdruck. So ist es kein Wunder, dass sich nicht nur Carolin inmitten der freundlichen Bewohner rasch zu Hause fühlt, sondern auch der Leser Gefallen findet an der rauen Natur und den erfrischend zerstäubenden Wassertröpfchen der Gasteiner Ache, die hier über den Fels mitten im Dorf herabschießt. Aber die detailgetreuen Beschreibungen beschränken sich nicht nur auf den Ort des Geschehens, auch die Personen in diesem Regionalkrimi werden genauestens und sehr glaubwürdig dargestellt. Kann es sein, dass hier wirklich (fast) alle so nett und beliebt sind, wie es bei Carolins Einstand in der Bibliothek den Anschein hat?

Fesselnd und flüssig ist Karina Ewalds Schreibstil, der Blickwinkel aus Carolins Sicht, allerdings nicht in der Ich-Form, sondern aus der eines neutralen Erzählers, ist stimmig und lässt den Leser ganz unmittelbar Carolins Eindrücke und Gedanken miterleben. Etliche Dialoge in Mundart lassen das Ganze zusätzlich recht authentisch wirken, ohne für Ortsfremde unverständlich zu sein. So entspinnt sich dieser Kriminalfall rasch zu einer spannenden Geschichte, welche von der Polizei im Nu abgehandelt würde, stünden dem nicht Caros Spürsinn und Agatha Christies Vorlagen entgegen, was ihr selber bald den Spitznamen „Miss Marple“ einträgt.

Logisch durchdacht, durchsetzt mit feinem Humor und kurzweilig vom ersten bis zum letzten Kapitel – welche übrigens nicht fade durchnummeriert sind, sondern jeweils passende Überschriften tragen – präsentiert sich Karina Ewalds erster Österreich-Krimi und sorgt für genussvolle Lesestunden. Meine Empfehlung dafür gibt es jedenfalls!



Titel Bitterwasser

Autor Karina Ewald

ISBN 978-3-7104-0310-1

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 320 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 25. Mai 2022

Verlag Servus

Reihe Ein Bad-Gastein-Krimi

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.06.2022

Verdächtig

Walpurgisnacht
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Während seine Frau mit Freunden auf Kreuzfahrt geht, soll der emeritierte Münchner Geschichtsprofessor Gregor Cornelius vier Wochen lang das Haus seines Patensohnes in Neukirchen hüten. Wer glaubt, dass ...

Während seine Frau mit Freunden auf Kreuzfahrt geht, soll der emeritierte Münchner Geschichtsprofessor Gregor Cornelius vier Wochen lang das Haus seines Patensohnes in Neukirchen hüten. Wer glaubt, dass es im Dorf mordslangweilig wird, ist sich jedoch des geflügelten Wortes nicht bewusst. Just nach Cornelius‘ Eintreffen wird in der Walpurgisnacht der junge Frauenheld Sascha Eichinger umgebracht. Ohne konkrete Absicht erfährt der Professor Details über den Toten und gerät schnell in den Sog der Ermittlungen. Bald scheint jeder im Dorf ein Motiv zu haben.

Detailreich und mit liebevollen Einzelheiten durchsetzt stellt Karoline Eisenschenk Professor Cornelius vor und schickt ihn alsbald in das idyllisch anmutende Bauerndorf. Rasch lernt der gesellige Pensionist seine Nachbarn kennen, muss aber schon bald feststellen, dass es mit dem scheinbaren Dorffrieden nicht allzu weit her ist. Je mehr er hört und sieht, umso mehr spinnt er sich seine eigenen Ideen zusammen und kommt der Polizei nicht nur einmal in die Quere. Meist liegt er aber gar nicht so verkehrt.

Rasch wechselnde Szenen, kurzweilige Kapitel und eine Menge verdächtiger Dorfbewohner bringen Tempo und Spannung ins Geschehen. Viele Kleinigkeiten werden geschickt angedeutet, Hinweise eingestreut, sodass die Handlung durchgehend stimmig und logisch abläuft. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, muss sich der Herr Professor doch mit modernen Küchengeräten und etlichen Handwerkern auseinandersetzen. Neben Cornelius sind auch die anderen Figuren fein herausgearbeitet und bestens vorstellbar. Fast radelt man selber von einem Dorfende zum anderen und hält da und dort einen Plausch.

Erfrischend im Schreibstil und mit passenden Überraschungen und Wendungen besticht dieser Regionalkrimi, sodass ich gerne eine Leseempfehlung für Walpurgisnacht abgebe.



Titel Walpurgisnacht

Autor Karoline Eisenschenk

ISBN 978-3-86906-298-3

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 216 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 25. März 2012

Verlag Allitera / Buch & Media

Veröffentlicht am 27.05.2022

Drei junge Damen in der DDR

Die Freundinnen vom Strandbad (Die Müggelsee-Saga 1)
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Das Strandbad am Müggelsee, Juli 1956. Martha schreibt an einem vom Vater aufgegebenen Text, Clara übt den perfekten Sprung in den See und Betty führt ihren neuen Bikini aus. Als ein älterer Herr weiter ...

Das Strandbad am Müggelsee, Juli 1956. Martha schreibt an einem vom Vater aufgegebenen Text, Clara übt den perfekten Sprung in den See und Betty führt ihren neuen Bikini aus. Als ein älterer Herr weiter draußen im See zu ertrinken droht, eilen ihm die drei Mädchen zu Hilfe und wachsen zu einem unzertrennlichen Trio zusammen.
Nach diesem Einstieg vergeht einige Zeit und wir begleiten dann drei junge Damen, die ihre letzten Jahre vor dem Abitur verleben. Martha stammt aus einer regimetreuen Familie und engagiert sich bei der FDJ, Betty träumt vom Film und Clara schwebt eine Karriere als Weltraumforscherin vor, ohne Anpassung und Beziehungen allerdings undenkbar im Osten. Und dann – wird über Nacht Stacheldraht aufgezogen – wie werden sich die Unzertrennlichen entscheiden? Wer bleibt? Wer flieht?
Ab der ersten Zeile nimmt Julie Heiland den Leser mit in das Leben von Martha, Betty und Clara. Marthas Notizen sind ein gelungener Einstieg, gepunktete Kleider und gelegte Haare lassen sofort Bilder der Zeit erwachen, der Duft von Prasselkuchen verführt noch dazu das Näschen und der Klang von Amiga-Schallplatten spiegelt die Stimmung im Strandbad absolut spürbar wider. Dazu noch einzelne Wortgruppen wie „ein richtijes Frollein“ und man ist selbst mit allen Sinnen zurückversetzt in die 1950er Jahre in Ostberlin. Die vielen liebevoll geschilderten Details lassen die Geschichte der drei so unterschiedlichen Mädchen zu einem wahren Lesevergnügen werden, im Grunde fühlt es sich fast so an, als wäre man als Leser die unsichtbare Nummer Vier im Bunde.
Einzelne Alltagsszenen füllen die Kapitel, welche sich abwechselnd den drei Mädels und deren Sicht widmen und wie aus dem echten Leben gegriffen sind. Genau das ist es auch, warum die Erzählung so real wirkt, nicht aufgesetzt, sind gekünstelt, nicht erfunden. Die erste Liebe, Schule, FDJ-Gruppen und vieles mehr wird thematisiert, Träume, welche sich an die Realität anpassen müssen, Gedanken, die man besser für sich behält. Wer ist Freund, wer ist Feind? Wände haben Ohren. Die Jugendzeit der DDR-Kinder ist nicht unbeschwert. Dennoch suchen Martha, Betty und Clara ihr Glück, auch wenn ihre Vorstellungen von Freiheit und erfülltem Leben recht gegensätzlich ausfallen.
Kurzweilig und flüssig, spannend, interessant und unterhaltsam präsentiert sich Heilands Schreibstil, sodass man am liebsten ohne Pause das ganze Buch durchlesen möchte. Man freut und ängstigt sich gemeinsam mit dem sympathischen Trio, fiebert mit an aufregenden Stellen und überlegt, ob so manche Entscheidung klug ist. Schon ist die letzte Seite verschlungen und es bleibt nur noch das gebannte Warten auf die Fortsetzung mit den Freundinnen vom Strandbad – Wogen der Freiheit, die am 28. Juli 2022 erscheinen wird.
Ein absolut gelungener und empfehlenswerter Einstieg in die Müggelsee-Saga!

Titel Die Freundinnen vom Strandbad, Wellen des Schicksals
Autor Julie Heiland
ISBN 978-3-548-06559-5
Sprache Deutsch
Ausgabe Flexibler Einband, 624 Seiten
ebenfalls erhältlich als ebook und Hörbuch
Erscheinungsdatum 27. Mai 2022
Verlag Ullstein
Reihe Die Müggelsee-Saga, Band 1

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.05.2022

Paris im Krieg

Morgen werden wir glücklich sein
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Von klein auf sind Marie, Amiel und Geneviève Nachbarinnen, bald wachsen sie zu einem unzertrennlichen Trio zusammen. Als 1940 jedoch die Deutschen Paris einnehmen, geht jede der Mittzwanzigerinnen anders ...

Von klein auf sind Marie, Amiel und Geneviève Nachbarinnen, bald wachsen sie zu einem unzertrennlichen Trio zusammen. Als 1940 jedoch die Deutschen Paris einnehmen, geht jede der Mittzwanzigerinnen anders mit der Situation um: Lehrerin Marie entscheidet sich für die Résistance, Jüdin Amiel hilft ihr, indem sie ärztliche Hilfe anbietet und Geneviève geht den Weg des vermeintlich geringsten Widerstandes, um weiterhin als Pianistin auftreten zu dürfen, sie spielt fortan für die deutschen Besatzer. Eine Trennung aufgrund ihrer ganz grundsätzlich unterschiedlichen Haltung scheint unausweichlich und tatsächlich kommt alles noch viel schlimmer als anfangs befürchtet.

Aufgrund eingehender Recherchen trifft die fiktive Handlung dieses Romans auf sehr viele historisch belegte Details (Razzia des Wintervelodroms, Internierungslager in Vénissieux, „horizontale Kollaboration“ u.v.m). Dazu kommen die drei hervorragend charakterisierten jungen Frauen, deren Schicksal in den Jahren 1940 – 1945 beleuchtet wird. Ängste, Sorgen, kurzzeitige Glücksgefühle lassen die Zeit im von den Boches besetzten Paris lebendig werden und den Leser hautnah all das miterleben, was die Freundinnen und ihre Weggefährten durchmachen mussten. Korte zeigt mittels der drei Figuren unterschiedliche Reaktionen auf den Krieg auf und lässt Verständnis für alle zu, vermeidet pauschale Urteile über Richtig und Falsch, Schuld oder Unschuld.

Von Beginn weg fesselt die Autorin mit einem einnehmenden und spannenden Schreibstil, die kurzen Kapitel zweier Enkelinnen lassen einen interessanten Blick auf die längerfristigen Folgen des Kriegsgeschehens zu. Gefährliche Szenen, die einen den Atem stocken lassen, werden elegant und ohne grausame Einzelheiten verfasst, die Brutalität und die psychischen und physischen Auswirkungen sind trotzdem spürbar und beklemmend. Somit schafft es Korte, den Roman mit extrem authentischen und realistischen Bildern zu zeichnen, ohne jedoch abstoßend oder zu bestialisch zu werden.

Kortes Ziel, Ungerechtigkeiten bis in die heutige Zeit hinein aufzuzeigen und der Aufruf, mutig für eine bessere Welt zu kämpfen, ist vollends aufgegangen. Diesen Roman sollte man unbedingt gelesen haben – sowohl inhaltlich als auch stilistisch ganz klar fünf Sterne wert!



Titel Morgen werden wir glücklich sein

Autor Lea Korte

ISBN 978-3-492-50455-3

Sprache Deutsch

Ausgabe Flexibler Einband, 432 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook

Erscheinungsdatum 26. Mai 2022

Verlag Piper

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Veröffentlicht am 26.05.2022

Kluftinger, der kultige Klischee-Kommissar

Affenhitze (Kluftinger-Krimis 12)
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Netgalley-challenge-Spezial-Rezension

A: War das dein erster „Kluftinger“?

B: Ja, bisher habe ich diese Reihe nicht so wahrgenommen. Der Titel „Affenhitze“ hat mich aber angesprochen und ich habe das ...

Netgalley-challenge-Spezial-Rezension

A: War das dein erster „Kluftinger“?

B: Ja, bisher habe ich diese Reihe nicht so wahrgenommen. Der Titel „Affenhitze“ hat mich aber angesprochen und ich habe das Buch im Urlaub – ebenso bei recht hohen Temperaturen – genossen.

A: Was hat dir dabei besonders gefallen?

B: Erst einmal hat mich die Hauptfigur, der Kluftinger überzeugt und so oft zum Lachen gebracht. Er ist ja wirklich durch und durch Klischee behaftet, aber gerade deshalb ist er so einzigartig. Und auch die anderen Figuren sind stark überzeichnet und recht unterhaltsam charakterisiert.

A: Wie sieht es mit dem Kriminalfall aus?

B: Auch hier kann ich nur Lob aussprechen. Die paläontologischen Details sind bestens recherchiert und verständlich ins Geschehen eingebaut. Der Urzeitaffe Udo in der Affenhitze – ein gelungenes Thema für den Mord in der Tongrube. Auch wenn die Ermittlungen nicht stets im Vordergrund stehen, so ist der Fall logisch und konsequent bis zur Aufklärung aufgebaut.

A: Die Kluftinger-Krimis stammen ja von einem Autorenduo. Gibt es da ab und zu einen argen Stilbruch oder abrupte Einschnitte im Lesefluss?

B: Nein. Überhaupt nicht. Das Buch scheint wie aus einem Guss und besticht durch einen überaus lesenswerten und humorvollen Schreibstil. Die vielen privaten Details lassen manchmal den Krimi in den Hintergrund rücken, aber jede Szene ist absolut lesenswert und ich kann mir nicht vorstellen, dass man da etwas hätte streichen sollen. Langweilig werden die 560 Seiten jedenfalls nie.

A: Wodurch hebt sich dieser Krimi von anderen ab?

B: Auch hier ist Kluftiger das „Zugpferd“. Er tappt von einem Fettnäpfchen ins nächste und ist dennoch einfach ein liebenswerter, konservativ denkender Kerl, dem seine Familie und sein Team überaus wichtig sind. Die lustigen Episoden heitern das Ganze perfekt auf und vermitteln somit vergnügliche Lesestunden.

A: Was denkst du, wirst du die früheren Bände auch einmal lesen?

B. Priml. Dass ich die nicht früher entdeckt habe! Ja, auf jeden Fall muss ich mir ansehen, wie alles begonnen hat und welche Fälle bisher aufgeklärt worden sind. Und Kult-Klufti als junger Ehemann und Vater – da bin ich natürlich auch neugierig …

Also – ein durch und durch lesenswerter Band, den ich wärmstens weiterempfehle! Ich vergebe heiße fünf Sterne.



Titel Affenhitze

Autor Volker Klüpfel, Michael Kobr

ISBN 978-3-550-20146-2

Sprache Deutsch

Ausgabe Fester Einband, 560 Seiten

ebenfalls erhältlich als ebook und Hörbuch

Erscheinungsdatum 28. April 2022

Verlag Ullstein

Reihe Kommissar Kluftinger, Band 12

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