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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.06.2022

Magisch

Der Zopf
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Die Lebenswege der drei Protagonistinnen Smita, Giulia und Sarah könnte unterschiedlicher nicht sein. Smita entstammt in Indien der Kaste der Unberührbaren. Sie kämpft für ihre Tochter, damit diese ein ...

Die Lebenswege der drei Protagonistinnen Smita, Giulia und Sarah könnte unterschiedlicher nicht sein. Smita entstammt in Indien der Kaste der Unberührbaren. Sie kämpft für ihre Tochter, damit diese ein anderes, ein besseres Leben führen kann. Giulia lebt in Sizilien, arbeitet bei ihrem Vater in seiner Perücken-Fabrik mit Jahrhunderte langen Tradition. Nach einem Unfall ihres Vater muss sie feststellen, dass sie zahlungsunfähig sind. Sarah, die erfolgreiche Anwältin muss während ihrer Krebserkrankung feststellen, dass sie ausgebootet wird.

Drei Schicksale, die anfänglich nichts miteinander verbindet, werden von Laetitia Colombani kunstvoll miteinander verflochten.
Die Lebensbereiche der drei Protagonistinnen könnten nicht weiter voneinander entfernt sein. Smita, die täglich mit bloßen Händen die Exkremente in den Häusern der Landbesitzer entfernt und wenn sie Glück hat, Essensreste zugeworfen bekommt. Ansonsten ernährt sich ihre kleine Familie von Ratten, die ihr Mann fängt. Dieses Schicksal will sie ihrer Tochter ersparen. Aber ihr Weg ist gefährlich, weil nicht wenige, die fliehen wollten, wieder eingefangen und bestraft wurden.
Giulia aus Sizilien muss, um ihren Betrieb zu retten neue Wege gehen, die nicht der Tradition entsprechen. Widerstand der eigenen Mutter und Schwester boykottieren ihre Träume.
Sarah, die Spitzenanwältin, die Alles für ihre Karriere geopfert hat, muss nach langem Kampf beobachten, wie ihr alles genommen wird.
Es hat schon etwas magisches, wie Laetitia Colombani diese Schicksale miteinander flicht.

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Veröffentlicht am 28.05.2022

Irish gut

Boom Town Blues
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Patrizia (Patsy) Logan, Kriminalhauptkommissarin beim LKA München, genießt eine Auszeit bei ihrer irischen Cousine in Dublin.
Ein Giftmord während eines Empfangs in der österreichischen Botschaft zwingt ...

Patrizia (Patsy) Logan, Kriminalhauptkommissarin beim LKA München, genießt eine Auszeit bei ihrer irischen Cousine in Dublin.
Ein Giftmord während eines Empfangs in der österreichischen Botschaft zwingt sie zur Unterbrechung um der irischen Polizei beratend zur Seite zu stehen, denn das Opfer ist ein deutsche junge Frau.
Bei „der Frau der Stunde“, wie sie in München genannt wird, wird es nicht bei einer Beratung bleiben.


Dies ist mein erster Krimi aus der Patsy-Logan-Reihe.
Gut gefallen hat mir, dass Patsy Logan aus der eigenen Perspektive erzählt. Sie beschönigt nichts und blickt desillusioniert auf ihre Karriere und ihre zu Scheitern drohenden Ehe. Unsicherheit und Zögerlichkeit finden sich nicht in ihrer Ermittlungsarbeit. Sie geht forsch und ohne Blick für Konsequenzen voran. Genauso empfinde ich auch ihre Sprache und somit auch den Schreibstil der Autorin.
Sehr gut dargestellt wurde Irlands Situation während der Finanz-und Immobilienkrise. Es wird deutlich wer von der Krise letztendlich noch profitiert und wer den Schaden hat.
Das immer noch starke Misstrauen gegenüber den kriminell organisierten Nordiren, die vor Jahren Religionskämpfe provozierten, findet auch seinen Platz in diesem Krimi. Ich denke, dass muss auch deutlich gemacht werden, da es immer noch unter der Oberfläche brodelt.
Ein Irland-Krimi, wie ich ihn mag.

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Veröffentlicht am 16.05.2022

Sprachlos machend

Perfect Day
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Über vierzehn Jahre macht ein Serienmörder (der Schleifchenmörder) Berlin unsicher. Er entführt kleine Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren und tötet sie, indem er ihnen die Pulsader aufschneidet.
Als ...

Über vierzehn Jahre macht ein Serienmörder (der Schleifchenmörder) Berlin unsicher. Er entführt kleine Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren und tötet sie, indem er ihnen die Pulsader aufschneidet.
Als plötzlich der renommierte Philosophieprofessor und Anthropologe Walter Lesniak aufgrund erdrückender Indizien festgenommen wird, versucht seine Tochter Ann den Spuren auf den Grund zu gehen, um ihren Vater zu entlasten.


Die Sprecherin Sandrine Mittelstädt passt hervorragend zu dem Buch. Sowohl die Passagen mit der kleinen Ann als auch die der erwachsenen waren glaubwürdig. In manchen Passagen hätte ich mir eine männliche Stimme gewünscht, aber ich glaube, das hätte vielleicht manches vorzeitig aufgedeckt. Sandrine Mittelstädts Stimme war angenehm und trotzdem konnte man Anns Verzweiflung und Fassungslosigkeit gut in der Stimme erkennen.
Der Inhalt des Buches hat mich mehr als einmal innenhalten lassen und sprachlos gemacht.
Was für eine Geschichte, möchte man da ausrufen!
Sie hat mich gefesselt. Sie wurde wunderbar erzählt, eigentlich entblättert. Anfänglich hatte sie einige Längen, aber gemeinsam mit Ann kamen wir dem Serientäter immer näher.
Die Charaktere werden von allen Seiten beleuchtet und oft trügt der erste Eindruck. Mehr möchte ich gar nicht beschreiben, um mich nicht zu verplappern.
Abschließend habe ich mir einige Male „Perfect Day“ von Lou Reed angehört, dessen Lied im Roman mehrmals erwähnt wurde. Mir ist dabei aufgefallen, dass die Stimmung dieses Liedes im Roman immer wieder auftaucht und somit dem Roman einen bestimmten Sound gibt.
Das wirkt nach.

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Veröffentlicht am 22.04.2022

Tragisch

Nordlicht - Die Toten im Nebel
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Rasmus Nyberg, Ermittler aus Esbjerg, steht mal wieder vor einer schweren Entscheidung, Karriere machen in Esbjerg/Südjüland oder ein Schreibtischjob in Kopenhagen in der Nähe seiner Tochter. Der Leichenfund ...

Rasmus Nyberg, Ermittler aus Esbjerg, steht mal wieder vor einer schweren Entscheidung, Karriere machen in Esbjerg/Südjüland oder ein Schreibtischjob in Kopenhagen in der Nähe seiner Tochter. Der Leichenfund in einer Lagerhalle in Esbjerg lässt ihn die Entscheidung vertagen.
Wenige Tage später wird in Leck/Deutschland, nahe der dänischen Grenze, eine zweite Leiche gefunden. Schnell werden Parallelen zum dänischen Fall sichtbar.
Vibeke Boisen und Rasmus Nyberg rufen die länderübergreifende Sonderkommission zusammen.


Dieses ist mein vierter Fall der beiden begnadeten Ermittler und ihrer Sondereinheit.
Mich begeistert diese Reihe, weil die Unterschiede zwischen Dänen und Deutschen nicht nur aufgezeigt, sondern auch ihre Stärken hervorgehoben und zusammengeführt werden.
Die beiden Hauptermittler könnten unterschiedlicher nicht sein, aber das war auch immer eine ihrer Stärken. In diesem Buch ist das etwas anders.
In diesem Fall habe ich den Eindruck, dass sich die Tragik und Düsternis durch das gesamte Buch zieht. Ich möchte jetzt hier nicht spoilern, aber verpasste Chancen, tragische Todesfälle, mangelndes Vertrauen, Einsamkeit und Sprachlosigkeit prägen diesen Krimi. Mir fehlt der feine Witz und das Geplänkel zwischen Rasmus und Vibeke und vor allem ihr Vertrauen untereinander.
Der Kriminalfall an sich war spannend, tragisch in jeder Hinsicht und genial gelöst. Interessant daran fand ich, dass er von zwei Seiten gelöst wurde und beide Parteien fast gleichzeitig die Lösung hatten.
Ich hoffe auf noch viele neue Fälle der Truppe und dass sie Wege aus der Düsternis finden.

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Veröffentlicht am 21.04.2022

Trauma Bewältigung

Eiszeit für Beck
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Nick Beck, ehemaliger LKA-Ermittler, gerade dabei sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, wird vom LKA zu einem Aufsehen erregenden Tatort gerufen. Eigentlich hat er mit der Mordkommission nichts mehr ...

Nick Beck, ehemaliger LKA-Ermittler, gerade dabei sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, wird vom LKA zu einem Aufsehen erregenden Tatort gerufen. Eigentlich hat er mit der Mordkommission nichts mehr zu tun.
Die Umstände und die Auffinde Situation lassen jedoch befürchten, dass der „Elbripper“ wieder aktiv ist. Seine verpatzte Festnahme war der Grund für Becks Absturz vor zwei Jahren.

Dieser Folgeband über Beck und den „Elbripper“ hat mir noch besser, als das erste Buch gefallen.
In diesem Buch beobachten wir Leser, wie Beck versucht in sein Leben wieder Ordnung zu bringen. Jetzt muss er sich aber wieder mit seinem Trauma „Elbripper“ auseinandersetzen. Er muss seinen Profiler-und Jagdinstinkt befeuern, ohne wieder daran zugrunde zu gehen. Das wurde gut vom Autor ge- und beschrieben.
Die Figur Lea erschien mir dieses Mal allerdings überzogen. Ich bin selbst 3-fache Mutter und habe mich nie als krank und schonungsbedürftig empfunden, während meiner Schwangerschaften. Aber ich hätte niemals im 9. Monat der Schwangerschaft einen vermeintlichen Tatort, wo die Täter noch anwesend sind, nur mit einem einzigen Kollegen betreten. Das erscheint mir doch unglaubwürdig.
Abgesehen davon fand ich den Krimi spannend, unterhaltsam und vor allem die verschiedenen Sichtweisen interessant geschrieben.

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