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Veröffentlicht am 16.06.2022

Schönes Leseerlebnis auf der Isle of Skye

Das Geheimnis von Ardmore Castle
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Darum geht’s:
Ivy Ferguson ist auf der Isle of Skye aufgewachsen. Nach einer schwierigen Kindheit hat sie jedoch schon die erste Gelegenheit genutzt, die Insel zu verlassen und aufs Festland zu ziehen. ...

Darum geht’s:
Ivy Ferguson ist auf der Isle of Skye aufgewachsen. Nach einer schwierigen Kindheit hat sie jedoch schon die erste Gelegenheit genutzt, die Insel zu verlassen und aufs Festland zu ziehen. Dennoch ist sie heute noch von der rauen Natur auf der Insel fasziniert und nimmt mit gemischten Gefühlen den Auftrag an, die Antiquitäten im Ardmore Castle zu überprüfen. Der griesgrämige Schlossherr macht ihren Job alles andere als leicht. Unterstützung bekommt sie jedoch von seinem Neffen Calum, der auch ihr Herz schneller schlagen lässt. Als dann durch ihre Recherchen ein unfassbares Geheimnis aufgedeckt wird, erscheint ihre Familiengeschichte in einem ganz neuen Licht und muss neu geschrieben werden.

So fand ich’s:
Constanze Wilken hatte mich schon mit früheren Werken begeistern können und so freute ich mich sehr auf neuen Lesestoff von ihr. Und auch diesmal hat sie es geschafft, mich in eine für mich unbekannte Region mitzunehmen und mir das Gefühl zu geben, mich direkt auf der Isle of Skye zu befinden und den rauen Wind um die Nase zu spüren. Ihre Begeisterung für diesen Flecken Erde ist jedenfalls immer wieder zwischen den Zeilen zu spüren.

Oberflächlich betrachtet klingt der Plot nicht wirklich neu. Doch die Autorin hat ihren Roman mit dem Thema der schottischen Crofter in einen spannenden und für mich neuen geschichtlichen Rahmen gebettet, der meine Neugier weckte und mich dazu brachte, ein bisschen mehr über die Crofter nachzulesen. Sie hat hier meiner Meinung nach ein weiteres Mal ihr Talent für akribische Recherchen unter Beweis gestellt.

Das Buch ist bestimmt eher etwas für romantische Seelen. Aber die Gefühlsebene ist hier sehr gut ausbalanciert und wird zu keinem Moment zu kitschig. So war „Das Geheimnis von Ardmore Castle“ ein sehr schönes Leseerlebnis für mich und ich würde jederzeit gerne wieder mit Constanze Wilken neue Regionen und unbekannte historische Begebenheiten erkunden.

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Veröffentlicht am 07.06.2022

Frech, flott & unkompliziert

Nur noch eine Folge!
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Darum geht’s:
Michael Mittermeier hatte sich bereits vor fünfundzwanzig Jahren mit seinem ersten Soloprogramm „Zapped“ als TV-Junkie geoutet. Seitdem hat sich fernsehtechnisch einiges getan und der Autor ...

Darum geht’s:
Michael Mittermeier hatte sich bereits vor fünfundzwanzig Jahren mit seinem ersten Soloprogramm „Zapped“ als TV-Junkie geoutet. Seitdem hat sich fernsehtechnisch einiges getan und der Autor nutzte die Corona-Zeit, um auf fünfzig Jahre Fernsehen zurück zu schauen. Entstanden ist ein humorvoller, manchmal auch schonungsloser Rückblick im Comedy-Stil auf unvergessliche TV-Momente.

So fand ich’s:
Eines habe ich mit Michael Mittermeier gemeinsam – leider ist es nicht das Comedy-Talent, sondern die Leidenschaft für Filme und Serien. So hatte mich schon vor vielen Jahren sein Bühnenprogramm „Zapped“ begeistert. Erst konnte ich es mir gar nicht so gut vorstellen, wie eine solche Comedy wohl in Buchform rüberkommt. Aber inzwischen frage ich mich, warum ich bisher solche Bücher eher stiefmütterlich behandelt habe.

Michael Mittermeier hat für „Nur noch eine Folge!“ sein „Zapped“-Programm als Basis genommen. So war natürlich einiges nicht neu für mich. Aber ich konnte immer wieder „Ach-ja-Momente“ genießen. Und es ist dem Autor durchaus gelungen, den Bogen von damals zum heutigen modernen TV-Geschehen zu spannen.

Der Schreibstil ist frech, flott und unkompliziert – genau wie der Autor selbst. Ich hatte beim Lesen auch immer seine Stimme und vor allem auch sein Lausbubenlachen im Ohr. Das Buch liest sich fast zu schnell – und das sage ich als Leseschnecke. . Daher habe ich es lieber häppchenweise gelesen, um länger etwas davon zu haben. Ich habe es sehr genossen, immer wieder laut zu lachen, egal wo ich gerade war. Ich bin sicher, dass mich mancher Mitreisender in Bahn und Bus um meine köstliche Lektüre beneidet hat.

Michael Mittermeier schreibt genauso wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Er erzählt Anekdoten immer mit einem Augenzwinkern und kann auch wunderbar über sich selbst lachen. Und das macht für mich dieses Buch auch aus. Man darf keine tiefschürfende Literatur erwarten, was auch ganz bestimmt nicht sein Ziel war. Er möchte die Menschen unterhalten und meiner Meinung nach ist ihm das hervorragend gelungen.

Für mich war „Nur noch eine Folge!“ eine lustige und erfrischende Abwechslung vom grauen Alltag. Es ist ein Büchlein, das ich bestimmt immer wieder Mal zur Hand nehme, um darin zu schmökern. Wer gerne lacht, ist hier vollkommen richtig!

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Veröffentlicht am 25.05.2022

Pfiffiges Mädchen mit besonderer Gabe

Violet und Bones
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Darum geht’s:
Violet kommt als Tochter eines Bestattungsunternehmers täglich mit dem Tod in Berührung. Doch gerade auch durch ihre besondere Gabe, mit Verstorbenen zu kommunizieren, hat sie einen guten ...

Darum geht’s:
Violet kommt als Tochter eines Bestattungsunternehmers täglich mit dem Tod in Berührung. Doch gerade auch durch ihre besondere Gabe, mit Verstorbenen zu kommunizieren, hat sie einen guten Weg gefunden, mit diesem sensiblen Thema umzugehen. In Bones, einem streunenden Windhund, den Violets Familie aufgenommen hat, hat sie einen treuen Begleiter gefunden. Als sie eines Tages den jungen Oliver, der erst tot auf dem Leichentisch ihres Vaters lag, ohne jegliche Erinnerung auf dem Friedhof umherirrend vorfindet, werden ihre Detektivinstinkte geweckt und sie setzt mit Hilfe von Bones alles daran, das Geheimnis um Oliver zu lösen. Als Mädchen im 19. Jahrhundert stehen ihr da nicht alle Türen offen und sie muss lernen, sich durchzusetzen.

So fand ich‘s:
Ein starkes Mädchen, das die Grenzen, die ihr die damalige Zeit auferlegt, zu durchbrechen sucht, eine besondere Gabe und ein mysteriöser Kriminalfall sind Elemente, die in einem Buch zusammen genommen mich schon fast magisch anziehen. 😉 Und meiner Meinung nach ist es der Autorin absolut gelungen, daraus eine fesselnde und kurzweilige Geschichte zu stricken.

Mich hat das Buch jedenfalls bestens unterhalten. Violet hat mich mit ihrer pfiffigen und aufgeweckten Art rasch für sich eingenommen. Auch ihr Vater, der Bestattungsunternehmer Veil, hat das Herz am rechten Fleck und war einer meiner Lieblinge. Die Figuren sind jedenfalls alle charakteristisch und lebendig gezeichnet.

Der Erzählstil ist recht einfach und schnörkellos gehalten, also ideal für die junge Leserschaft. Es herrscht durchweg eine unaufgeregte Spannung, die ab und an ein wenig verhalten rüberkommt. Da sehe ich noch Luft nach oben und bin gespannt, ob sich die Autorin im zweiten Band dahingehend steigern kann.

Violets Reifeprozess in diesem ersten Teil hat mir schon sehr gut gefallen und ich bin gespannt, wie sie sich zukünftig noch weiterentwickelt. Ich glaube, ich muss gar nicht mehr extra erwähnen, dass ich mich auf die Fortsetzung freue.

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Veröffentlicht am 23.05.2022

Fesselnd & unterhaltsam

Flug 416
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Darum geht’s:
Bill Hoffman, erfahrener Pilot bei Coastal Airways und Vater von zwei kleinen Kindern, beginnt ahnungslos seinen Dienst als Kapitän, um Flug 416 planmäßig von Los Angeles nach New York zu ...

Darum geht’s:
Bill Hoffman, erfahrener Pilot bei Coastal Airways und Vater von zwei kleinen Kindern, beginnt ahnungslos seinen Dienst als Kapitän, um Flug 416 planmäßig von Los Angeles nach New York zu fliegen. Kaum ist das Flugzeug abgehoben, erhält er die Nachricht, dass seine Frau und die beiden Kinder von einem Terroristen in dessen Gewalt gebracht wurden. Dieser fordert von Bill, dass er das Flugzeug zum Absturz bringt. Ansonsten würde er die Familie des Piloten töten. Bill schafft es, seine Crew darüber zu informieren. Doch der Entführer deutet an, dass er einen Komplizen an Bord hat und Bill weiß nicht mehr, wem er noch vertrauen kann. Gleichzeitig verbünden sich die Kabinencrew mit ein paar Passagieren, um den Kampf um Leben und Tod aufzunehmen.

So fand ich’s:
Gleich vorneweg: Das Buch beschert dem Leser genau das, was die Kurzbeschreibung verspricht. Schon die ersten Seiten sind temporeich erzählt. Wobei es meiner Meinung nach den Prolog nicht unbedingt gebraucht hätte. Für mich waren es ein paar grausige Details zu viel und ich war froh, dass die Autorin sich danach auf die psychische Ebene des Thrillers konzentrierte, was viel mehr nach meinem Geschmack war.

Der Plot entwickelte einen immer stärkeren Sog und es war manchmal wirklich schwierig, das Buch beiseite zu legen, da die Autorin das Spiel mit kleinen Cliffhangern am Ende der Kapitel immer mehr auf die Spitze trieb. Es war so einiges vorhersehbar. Doch die Autorin schaffte es auch immer wieder mal, mich mit unerwarteten Twists zu überraschen, so dass zu keinem Moment Langeweile aufkam.

Für mich hat das Buch sehr viel von einem typisch amerikanischen Action-Film mit stereotypen Protagonisten und gängigen Heldenfiguren. Wenn man das mag und bereit ist, sich auf das einzulassen, wird man mit diesem Buch sehr spannend und kurzweilig unterhalten. Ich habe mich tatsächlich hin und wieder dabei ertappt, wie ich schier den Atem angehalten habe und gerade zum Schluss hin, wurden immer mehr Emotionen geweckt. Dabei blitzte immer wieder auf, wie sehr die Welt des Fliegens der Autorin, die selbst auch als Flight Attendant tätig war, am Herzen liegt.

Mir bot „Flug 416“ fesselnde und unterhaltsame Lesestunden und ich bin froh, dass ich zurzeit keine Flugreise geplant habe. Wohl wäre mir dabei jedenfalls nicht. So gesehen, hat die Autorin alles richtig gemacht.

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Veröffentlicht am 29.04.2022

Eine Geschichte und Figuren, an die man gerne zurückdenkt

Das unglaubliche Leben des Wallace Price
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Darum geht’s:
Wallace Price ist ein skrupelloser Anwalt, für den alleine die Arbeit und der Erfolg zählen, das Menschliche bleibt auf der Strecke. Es verwundert also nicht, dass nach seinem plötzlichen ...

Darum geht’s:
Wallace Price ist ein skrupelloser Anwalt, für den alleine die Arbeit und der Erfolg zählen, das Menschliche bleibt auf der Strecke. Es verwundert also nicht, dass nach seinem plötzlichen Tod nur wenige Menschen an seiner Trauerfeier teilnehmen. Und dann findet er sich in einem seltsamen Teeladen, der sich als eine Art Zwischenwelt herausstellt, wieder. Dort soll ihn der Fährmann Hugo auf das Jenseits vorbereiten. Doch Wallace ist noch nicht bereit für seine letzte Reise und es wird ihm erlaubt, noch eine Weile dort zu verweilen. Diese Zeit wird Wallaces Einstellung zum Leben und zum Tod für immer verändern.

So fand ich‘s:
„Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte“ war definitiv eines meiner Jahreshighlights in 2021 und so hibbelte ich T.J. Klunes neuem Buch richtiggehend entgegen. Möglicherweise war es gerade diese hohe Erwartungshaltung, die mich zu Beginn der Lektüre dann ein wenig ausgebremst hat. Ich brauchte hier tatsächlich einige Kapitel, bis ich richtig in der Geschichte angekommen war. Es waren dann auch in erster Linie der lockere Erzählstil sowie die Liebe des Autors zu seinen Figuren, die wieder intensiv spürbar war, die mich durchhalten ließen. Ab einem gewissen Punkt – so genau kann ich ihn nicht lokalisieren – hat mich dann die Geschichte doch noch gepackt und von dem Moment an war ich total gefesselt von einem Thema, das vom Leser einiges abverlangt.

In der Tat bereitet das Thema Sterben und das „Danach“ meistens großes Unbehagen. Doch dem Autor gelingt es hier aus einer unbequemen Thematik eine sensible und herzerwärmende Geschichte zu machen. Dabei kommt es nicht drauf an, was man glaubt, was einen nach dem Tod erwartet und ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, der Autor wolle mir seine Überzeugung aufdrängen. Im Gegenteil: Es geht hier eigentlich viel mehr um das Leben als um das Sterben und wie wichtig Vertrauen, Hoffnung und Loslassen sind.

T.J. Klune hat sensible Themen wie Verlust, Selbstmord und gar Kindstod sehr einfühlsam verpackt. Dieses Buch unterscheidet sich auch deutlich vom Parnassus-Buch und ist zum Beispiel um einiges melancholischer und ernster. Trotzdem bleibt der Autor seinem unbeschwerten Schreibstil treu, was der Geschichte trotz schwerer Kost eine gewisse Leichtigkeit schenkte.

Trotz Startschwierigkeiten hat der Autor es schlussendlich auch mit diesem Buch geschafft, mich zu berühren und zum Nachdenken zu bringen, mich laut lachen und mich gleichzeitig ein schwieriges Thema genauer betrachten zu lassen. Und ich werde immer wieder sehr gerne – vor allem auch beim Teetrinken - an diese Geschichte und die liebevoll gezeichneten Figuren denken.

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