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Veröffentlicht am 17.06.2022

Halbgott und Verhängnis gleichermaßen

Vater des Regens
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Das ist ihr Vater für Daley Armory, sie kann nicht mit ihm und nicht ohne ihn. Ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter - die beschließt nämlich, als Daley elf Jahre alt ist, ihren egozentrischen und selbstherrlichen ...

Das ist ihr Vater für Daley Armory, sie kann nicht mit ihm und nicht ohne ihn. Ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter - die beschließt nämlich, als Daley elf Jahre alt ist, ihren egozentrischen und selbstherrlichen Mann Gardiner zu verlassen - Gardiner, der auch lustig sein kann und aufmerksam, charmant und einschmeichelnd - solange alles nach seiner Facon geht. Bald schon werden die Wochenenden mit seiner neuen Familie - denn keine Minute hat er es allein ausgehalten - für Daley zur Qual, zumal er das für alle offensichtliche leugnet: er ist Alkoholiker.

Das Buch teilt sich auf in drei Teile, die drei verschiedene Phasen, unterschiedliche Altersstufen in Daleys Leben wiederspiegeln. Daley hat ihren Vater stets geliebt, aber hat er es zurückgegeben? Oder hat er am Ende nur sich selbst geliebt? Ein sehr komplexes Buch ist dies, in dem mit Sicherheit nicht nur gelegentlich Autorin Lily King aus ihrem eigenen Leben, ihren Erfahrungen spricht.

Dass sie schreiben kann, weiß der deutsche Literaturfreund seit "Euphoria", dem grandiosen Roman über eine ménage à trois unter Ethnologen, die sich grob an der Biographie Margaret Meads orientiert und mich begeistert hat - aber nicht so sehr wie dieses davor geschriebene, doch erst jetzt ins Deutsche übertragene, sehr persönliche Buch.

Es erzählt von Bindungen und von Druck, von eigenem wie auch fremd verursachten, von zuviel und von zuwenig Liebe - und es hinterlässt den Leser nicht selten verwirrt und irritiert. Wie kann Daley sich selbst so wenig lieben, dass sie den einen oder anderen Weg geht? Es wurde ihr doch ganz anders vorgemacht vom Vater, der sich selbst stets der Nächste war. Ein Mann, der Daley und ihrem älteren Bruder viel mitgegeben und noch mehr genommen hat.

Ein Mann, über den Daley - denn aus ihrer Perspektive ist der Roman geschrieben - nie anders als mit Liebe spricht, auch in den Momenten, in denen es ihr unendlich schwer fällt. Nein, dies ist keine Rechtfertigung, auch keine Begründung, am ehesten ist es eine Widmung. So war es und Daley ist - fast - durchs Fegefeuer gegangen. Ich persönlich kann sie verstehen und erkenne viele Parallelen in der eigenen Biographie, in der seitens des Vaters lange nicht so viel Schmerz, so viel Druck, so viel Selbstgerechtigkeit aufgebaut wurde. Aber dennoch - dieses Bedingungslose, das manchmal bei der Tochter durchblitzt, das kenne ich auch und es ist auch mir kostbar.

Lily King hat ein kluges und ehrliches Buch geschrieben, in dem sie vieles offenbart und preisgibt - in Familien ticken die Uhren eben anders, man kann nicht alles logisch begründen. Einfach großartig, wie ich finde. Ich wünsche diesem Buch viele Leser!

Veröffentlicht am 17.06.2022

Eindringlich und voller neuer Eindrücke

Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht
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Die dem Thema entsprechend bedrückend und belastend sind, aber das war zu erwarten. Ein sehr, sehr lesenswertes Buch.

Ein irreführender Titel, dasBuch dringt tief in Bewusstsein&Gewissen Nachgeborener:muss ...

Die dem Thema entsprechend bedrückend und belastend sind, aber das war zu erwarten. Ein sehr, sehr lesenswertes Buch.

Ein irreführender Titel, dasBuch dringt tief in Bewusstsein&Gewissen Nachgeborener:muss man unter allen Umständen zu seinen Vorfahren stehen

Veröffentlicht am 13.06.2022

Ungewöhnlich!

Der Fremde
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Und zwar ungewöhnlich packend auf eher stille Art und Weise. Ein Krimi? Stellenweise - zumindest kommen ein Ermittler und eine ehemalige Anwältin vor. Ein Thriller? Auf keinen Fall, würde ich sagen, auch ...

Und zwar ungewöhnlich packend auf eher stille Art und Weise. Ein Krimi? Stellenweise - zumindest kommen ein Ermittler und eine ehemalige Anwältin vor. Ein Thriller? Auf keinen Fall, würde ich sagen, auch wenn selbst davon stellenweise Elemente enthalten sind. Ein Drama? Unbedingt und zwar eines, das aktueller nicht sein kann und von der Autorin Caitlin Wahrer - ihr Erstling, man mag es kaum glauben - höchst eindringlich umgesetzt wurde.

Was geschieht? Nick, ein zwanzigjähriger Student, wird bei einem One-Night-Stand brutalst vergewaltigt. Aufgrund seiner Zuarbeit ist der Schuldige schnell ermittelt und wird "eingelocht". Leider ist es ihm möglich, auf Kaution freizukommen und er schlägt zurück. Auf eine richtig fiese Art, so dass am Ende Nick derjenige ist, der mit Schmutz beworfen wird und dem die wenigsten noch glauben.

Nick hat eine liebevolle Familie hinter sich, die aus seinem siebzehn Jahre älteren Bruder Tony und dessen Frau Julia, einer Juristin, besteht. Auch der ermittelnde Kriminalbeamte steht eigentlich hinter ihm, doch sind diesem vielfach die Hände gebunden.

Die Handlung nimmt zum Ende hin einen ausgesprochen überraschenden Ausgang, den ich so nicht erwarten konnte, der aber schlüssig und für mich sehr passend war. Ein ausgesprochen gelungener Spannungsroman, der zeigt, wie sehr das "Me Too" auch Männer belasten kann!

Veröffentlicht am 07.06.2022

Sehr angewandt!

Heile die Wunden deiner Kindheit
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Mir sagt dieses Buch sehr zu, weil die Autorin fern von allem wissenschaftlichen bzw. pseudowissenschaftlichen Geschwafel sehr angewandt vorgeht!

Ich fühle mich fast wie in einer "echten", also einer ...

Mir sagt dieses Buch sehr zu, weil die Autorin fern von allem wissenschaftlichen bzw. pseudowissenschaftlichen Geschwafel sehr angewandt vorgeht!

Ich fühle mich fast wie in einer "echten", also einer Face-to-Face-Therapie, in der die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Patienten mit einbezogen werden. Das schafft die Autorin aufgrund der vier sehr unterschiedlichen Beispiele, die sie ihrenAusführungen zugrunde legt. Wir lernen Charlotte, Silvia, Jan und Dominik mitsamt ihren "Rucksäcken", also den Päckchen, die sie seit der Kindheit mit sich tragen und nicht loswerden, kennen und finden Gemeinsamkeiten mit ihren Fällen. So erging es zumindest mir: obwohl ich vollkommen andere Voraussetzungen mitbringe als die von Autorin Susanne Hühn beschriebenen, fühlte ich mich dazu imstande, mich mit meinem Rucksack auf den von ihr erläuterten Weg zu begeben.

Denn es ist eine richtiggehende Therapie, der man sich mithilfe dieses Buches unterziehen kann. Die von der Autorin Wegstrecke ist keine einfache und ich bin noch ganz am Anfang, sie hilft mir aber sehr bei der Auseinandersetzung mit mir selbst - das ist der Punkt, an dem ich derzeit stehe. Und die vorgeschlagenen Übungen werden mir sicher dabei helfen, mich selbst und meine Bedürfnisse besser zu verstehen. Ein wirklich wichtiges und hilfreiches Buch!