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Veröffentlicht am 21.08.2017

Agententhriller der klassischen Art

Der Preis, den man zahlt
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Spanien, November 1936: Das Land befindet sich seit einem halben Jahr im Bürgerkrieg. Die junge Republik kämpft gegen rechte Putschisten unter General Franco. Auf Seiten der linken nationalen Volksfront ...

Spanien, November 1936: Das Land befindet sich seit einem halben Jahr im Bürgerkrieg. Die junge Republik kämpft gegen rechte Putschisten unter General Franco. Auf Seiten der linken nationalen Volksfront stehen Sozialdemokraten, Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten, Franco wird unterstützt durch das Militär, diverse rechte Gruppen und die Falangisten und außerdem durch die deutschen und die italienischen faschistischen Regierungen. Jede Gruppierung hat ihren eigenen Führer und es gibt viele konkurrierende Geheimdienste, unter ihnen den SNIO mit Sitz in Salamanca, das sich unter der Kontrolle der Putschisten befindet.

Lorenzo Falco ist Agent des SNIO und Lieblingsspion seines Chefs. Im November soll er die Leitung eines besonders heiklen Auftrags übernehmen: die Befreiung eines Falangisten-Führers in Alicante, das fest unter der Kontrolle der Nationalisten steht. Zusammen mit einer Gruppe von Falangisten und dem deutschen Geheimdienst soll ein perfekt geplanter Sturm auf das Gefängnis stattfinden. Jeder muss sich auf den anderen verlassen können, aber nicht jeder spielt mit offenen Karten, und so gerät Falco bald zwischen die Fronten…

Sehr spannender und cleverer Spionagethriller der klassischen Art und Auftakt einer Serie um den Spion Falco. Der Autor verknüpft geschickt und klug die historischen Hintergründe mit einer spannenden Rahmenhandlung und er versteht es, die komplizierten und für den Laien oftmals verwirrenden Gruppierungen und ihr Anliegen verständlich zu machen. Sein Schreibstil ist anspruchsvoll, aber dennoch eingängig und fesselnd. Die aufregende und auch schreckliche Epoche des spanischen Bürgerkrieges, an dessen Ende Franco als Sieger hervorging und danach lange Zeit als Diktator herrschte, spielt eine große Rolle in der Geschichte, sie ist der Ursprung der Handlung. Die Figuren sind Kinder ihrer Zeit, es gibt Gewinner und Verlierer des Krieges. Die Zerrissenheit, die Angst, aber auch der politische Fanatismus und die Brutalität aller Beteiligten werden sehr plastisch dargestellt.

Die Geschichte ist gänzlich aus der Perspektive des Agenten Falco verfasst, auf ihn konzentriert sich alles. Falco ist ein charismatischer Mensch, der sich seiner Wirkung auf Frauen sehr bewusst ist und diese auch sehr aktiv zu seinem Vorteil zu nutzen weiß. Er ist charmant, intelligent, kühl, berechnend und kaltblütig. Sein Lebenslauf wird dem Leser nach und nach eröffnet, allerdings auch nur grob, gegenüber seinen Mitmenschen bleibt er gänzlich verschlossen. Freundschaften oder gar Beziehungen existieren nicht, die engste Bindung ist die zu seinem Chef, und zu ihm hat er auch das größte Vertrauen. Trotz seiner Zugehörigkeit zum SNIO wird nicht klar, welcher politischen Richtung er zuneigt. Grundsätzlich ist er sich selbst der nächste und er weiß sich herauszuhalten. Bei der Operation muss er sich auf ihm unbekannte, sehr unterschiedliche Menschen verlassen, und hier zeigen sich sein starker Charakter und Führungswille. Mit seinen teilweise brutalen Äußerungen eckt er auch häufig genug an und macht sich unbeliebt. Aufgrund dessen und aufgrund seiner Handlungen ist er alles andere als ein sympathischer Charakter, eher zwiespältig und polarisierend, aber als Figur ist er sehr dominant, so dass man als Leser sofort unglaublich mit ihm mit lebt. Die anderen Charaktere, besonders die männlichen, bleiben in meinen Augen eher blass.

Als weiblichen (Gegen-)Part hat der Autor Falco Eva Rengel zur Seite gestellt. Sie ist ganz anders als die Frauen, die Falco sonst so aufreißt, unweiblich, ungepflegt, hart im Nehmen, extrem selbstbewusst und undurchsichtig. Ich muss gestehen, dass sie mir im Laufe der Zeit immer unsympathischer wurde. Ihre „stillen Blicke“ gingen mir nach einiger Zeit ebenso auf die Nerven wie ihre ständigen Unterstellungen, Äußerungen könnten gegen sie als Frau gerichtet sein. Mit ihr konnte man sich so gar nicht identifizieren, allerdings auch mit keiner anderen weiblichen Protagonistin. Sie blieb mir im gesamten Buch fremd, insofern hielt sich mein „Mitleben“ mit ihrer Person auch sehr in Grenzen, ganz anders bei Falco, der nach bester Agentenmanier in lebensbedrohliche Situationen kommt, dem man aber wünscht, heil wieder heraus zu kommen.

Fazit: Starker Autor, tolles Buch! Der Autor verwebt sein historisches Fachwissen klug und unprätentiös mit einer spannenden Handlung, die durchaus einige überraschende Wendungen bereithält, und er schreckt auch vor brutalen und blutigen Szenen nicht zurück. Ein gewisses Interesse an historischen Begebenheiten ist von Vorteil und die Bereitschaft, sich vielleicht einmal ein bisschen mit den Hintergründen zu befassen. Dies trägt zumindest zum besseren Verständnis bei. Der Roman ist nichts zum Herunterlesen, obwohl gar nicht einmal so dick, ist die Handlung kompakt und teilweise verworren, aber nie langweilig. Dass der Autor ein großer Erzähler ist, hat er hinlänglich bewiesen, und auch dieser Auftakt um den charmanten Spion ist sehr gelungen und macht Lust auf Mehr!

Veröffentlicht am 13.06.2017

sehr spannender Psycho-Thriller - Fortsetzung folgt

Teufelskälte
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Gard Sveen „Teufelskälte“ – Rezension

Tommy Bergmann, Ermittler bei der Kripo in Oslo, wird zu einem mysteriösen Mord hinzugezogen: Ein totes junges Mädchen, schrecklich zugerichtet, die alle Anzeichen ...

Gard Sveen „Teufelskälte“ – Rezension

Tommy Bergmann, Ermittler bei der Kripo in Oslo, wird zu einem mysteriösen Mord hinzugezogen: Ein totes junges Mädchen, schrecklich zugerichtet, die alle Anzeichen eines bekannten Serientäters trägt. Nur sitzt dieser, Anders Rask, seit 1988 in einer geschlossenen Anstalt. Ist er etwa nicht der Mörder? Bergmann und das Ermittlerteam werden auf verschiedene Ermittlungsstränge angesetzt, Bergmann selbst auf einen alten Fall, bei dem er damals als junger Polizist dabei war, die Vorgesetzten fordern schnelle Ergebnisse. Als Mitarbeiterin wird ihm ausgerechnet Susanne Bech zugeteilt – alleinerziehende Mutter und noch in der Probezeit. Bergmann beginnt immer mehr an der Täterschaft des Verurteilten zu zweifeln. Nicht nur kämpft er mit seinen eigenen Dämonen, er wird außerdem noch mit seiner Anfangszeit als Polizist und seinem ersten Fall und mit seiner trüben Vergangenheit konfrontiert.

Super spannender 2. Fall für den doch sehr eigenwilligen Osloer Ermittler Tommy Bergmann. Leider ist dieser Band nicht abgeschlossen, es folgt noch ein weiterer Band, der dann hoffentlich die Lösung präsentiert. Man muss sich also noch gedulden und das ist natürlich sehr geschickt vom Autor. Geschichte und Fall fesseln, so dass man unbedingt wissen muss, wie es weiter- beziehungsweise ausgeht. Schreibstil und Plot lassen nichts zu wünschen übrig, die Geschichte ist spannend, die Atmosphäre typisch für Skandinavien-Krimis düster, die Charaktere haben alle ihre sehr dunklen Schattenseiten, allen voran Bergmann, der alles andere als ein Sympathieträger ist. Mit seiner dunklen Vergangenheit, seinen ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden und nicht zuletzt seinem Hang zur Gewalt polarisiert er nicht nur den Leser, auch Vorgesetzte und Mitarbeiter haben so ihre Probleme mit ihm. Er ist ein Anti-Held, dem man an sich nicht zutraut, den Fall zu lösen, zu tief ist er emotional verstrickt, und seine Vorgehensweise ist auch nicht gerade überzeugend oder logisch. Er hat mit fast vierzig den niedrigsten Rang in der Polizeihierarchie und bekommt mit Susanne Bech eine zwar sympathische Person zugeteilt, die aber nicht gerade als Leistungsträgerin verschrien ist. Beide können sich nicht einschätzen und machen lieber Alleingänge, der Informationsfluss ist generell eher schleppend. Nichtsdestotrotz versucht Bergmann sein Gewaltproblem in den Griff zu bekommen, er reflektiert seine Handlungen und sein Verhalten und versucht sich zu bessern. Er hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und will den Fall unbedingt lösen. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr stzellen sich auch Bergmann und Bech aufeinander ein und beginnen, sich aufeinander zu verlassen und zu helfen.

Trotz aller Zwiegespaltenheit dem Ermittler gegenüber muss ich sagen, dass mir sowohl Plot als auch Fall und Personen sehr zugesagt haben und ich sehr mit Tommy und Susanne mitgefiebert habe, ich war sofort gefesselt, was wohl auch dem geschuldet ist, dass sehr viel Psychologie eine Rolle spielt. Die oftmals angedeutete erotische Spannung zwischen den Personen hätte man sich meines Erachtens in vielen Szenen schenken können, es stört aber auch nicht, da es nicht ausufert. Der Autor verzichtet auf allzu blutige Details, er baut die Spannung sehr subtil auf, mit Andeutungen, die Raum für Fantasie lassen. Alle Protagonisten haben in irgendeiner Form psychische Probleme oder sind zumindest aus psychologischer Sicht interessant, die Charaktere sind generell vielschichtig und besonders Bergmann und Bech hadern sehr viel mit sich und ihrer Arbeit. Bei Bech kommt noch die zusätzliche Brisanz hinzu, dass sie persönlich betroffen ist. Sie ist durch ihre Tochter verwundbar und wird selbst zum Opfer.

Fazit: Der in vier Teile sehr strukturiert aufgebaute Thriller überzeugt mit fesselnden Charakteren, schaurig-düsterer Atmosphäre und einem spannenden Fall. Der Autor hat einen sehr überzeugenden Schreibstil und versteht es ausgezeichnet Spannung aufzubauen und den Leser zu fesseln. Für alle Fans des abgründigen und psychologischen Thrillers dringend zur Lektüre empfohlen. Die Leserschaft wartet ungeduldig auf die Fortsetzung!

Veröffentlicht am 02.03.2026

Freiheit, Aufbruch, Umbruch - Die Geschichte der Lister Bücherfrauen geht weiter

Die Bücherfrauen von Listland. Der Duft des Strandhafers
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Ein halbes Jahr nach ihrem ereignisreichen Aufenthalt bei Fenja Lorenzen im Listland auf Sylt kehrt die Journalistin und Podcasterin Anna auf die Insel zurück, um nach Fenjas verschwundener Schwester Martje ...

Ein halbes Jahr nach ihrem ereignisreichen Aufenthalt bei Fenja Lorenzen im Listland auf Sylt kehrt die Journalistin und Podcasterin Anna auf die Insel zurück, um nach Fenjas verschwundener Schwester Martje zu suchen und den Fragen, die bei ihrer ersten Recherche offengeblieben sind, nachzugehen. Martjes Spur führt Anna weit in die Vergangenheit, weg von Sylt auf die nordfriesischen Schwesterinseln und bis nach Husum. In der Gegenwart führt sie das Schicksal erneut mit Fenjas Sohn Eric zusammen, in den sie sich verliebt hat, der sich aber für seine Familie entschieden hatte. Inmitten des Gefühlswirrwarrs versucht Anna herauszufinden, was damals mit Martje wirklich geschah.

Wunderschön geschriebene Fortsetzung des ersten Bandes, der in bewährter Manier auf zwei Zeitebenen die Geschichte Annas und Fenjas fortführt und aufdeckt, was damals mit Fenjas Schwester Martje geschah. Aus den Perspektiven Annas in der Gegenwart und der Martjes in der Vergangenheit kommen nach und nach die mal tragischen, mal aufregenden Ereignisse aus Martjes Leben an Licht. Originelle Einschübe sind erneut die Passagen aus der Sicht eines Hauses, der Hütte im Dünental, die die Geschichte in ihren schützenden Wänden hautnah miterlebt und kommentiert.

Die Autorin bleibt ihrem Stil treu und spinnt in gefühlvoller, nie kitschiger Manier sehr kenntnisreich und mit Liebe zu Land und Leuten und zur Literatur die Geschichte der Lister Bücherfrauen und ihrer Biografin Anna weiter. Gekonnt verwebt sie Vergangenheit und Gegenwart und führt uns Schritt für Schritt, wie Bo der Klabautermann, aus dem Nebel der Nordsee zur Erkenntnis. Annas Rechercheergebnisse in der Gegenwart stehen dabei in direktem Verhältnis zur Geschichte Martjes in der Vergangenheit, ohne dass sich das Erzählte doppelt. Wie in einer Zeitreise begegnen sich die Figuren mitunter unbewusst und im Geheimen und erst im Nachhinein hebt sich der Vorhang.

Ich mochte erneut besonders Anna und ihre kluge, ruhige und zugewandte Art, ihre Hartnäckigkeit und nichts zuletzt ihre Emotionalität. Sie ist tief verwoben mit der Geschichte der Bücherfrauen und des Landstrichs und kann nicht mehr ohne leben. In ihrer Verliebtheit zu Eric versucht sie vernünftig zu sein, kommt aber nicht gegen ihre Gefühle an. Sie ist offen für neue Erkenntnisse und Menschen und jeder bekommt einen Platz in ihrem Herzen. Ihre eigene Geschichte in der Vergangenheit wird leider gar nicht mehr erwähnt, stattdessen wird der Fokus auf Gegenwart und Zukunft gelegt. Sie ist definitiv eine starke Hauptfigur.

Mit der Figur der Martje hingegen wurde ich nicht so richtig warm. Anders als beim ersten Band mit Fenjas Mutter und Großmutter konnte ich nicht so mit ihr mitleben, weil ich ihre Entscheidung oftmals nicht nachvollziehen konnte. Sie handelt inkonsequent und egoistisch, ist defensiv und in meinen Augen zwar eigenwillig, aber nicht unbedingt willensstark. Etwa verwischt sie bewusst ihre Spuren nach dem Unglück und verschwendet dabei keinen Gedanken an ihre sich sorgende Familie, dann wieder vermisst sie sie und fragt sich, wie es ihnen wohl geht. Dabei müsste sie nur Kontakt aufnehmen. Warum sie keinen Weg zurück mehr sieht, erschloss sich mir nicht. Auch Gespräche zur Lösung ihres Vaterkonflikts und jegliche weitere Annäherungsversuche blockt sie immer wieder ab und versinkt stattdessen in Selbstmitleid und Trauer. Von Männern lässt sie sich fast willenlos benutzen, wie sie überhaupt ein sehr getriebener Mensch ist. Die Erkenntnis, dass sie eben wie die Frauen ihrer Familie auch eine Lister Bücherfrau ist, kommt ihr erst im hohen Alter. Ihre langsame Entwicklung und wenig ausgeprägte Selbsterkenntnis trübten phasenweise das Lesen ihrer Passagen etwas.

Fast schon ein bisschen zu flott ging es mir auf das Ende zu, bei dem sich alles zum Guten wendet. Ein bisschen mehr hintergründiges Drumherum hätte nicht geschadet. Sehr berührend fand ich aber die Wiedervereinigung der beiden Schwestern in ihrer Heimat und ihre verzeihende Zuneigung.

Fazit: Dieser zweite Band um die Lister Bücherfrauen ist ein schönes Wiedersehen lieb gewonnener Figuren und stilistisch einwandfrei. Die Geschichte liest sich sehr gut und man verfolgt gerne Annas Recherchen und die Ereignisse auf zwei Zeitebenen. Mit kleinen Abstrichen eine gelungene Fortführung der Familiengeschichte rund um die Lister Bücherfrauen und eine Hommage an den wilden, rauen und urigen Landstrich ihrer Heimat und ihrer Kultur.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Kampf zwischen Gut und Böse, verpackt in einer feurigen Liebesgeschichte

Imperia - you let the fire in
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Die junge Jara lebt in Imperia, einer Stadt, die ausschließlich von Frauen bewohnt wird. Als Tochter der Führerin Timere wird sie zur Kriegerin ausgebildet, einer Kampfmaschine, die jegliche Gefühle zu ...

Die junge Jara lebt in Imperia, einer Stadt, die ausschließlich von Frauen bewohnt wird. Als Tochter der Führerin Timere wird sie zur Kriegerin ausgebildet, einer Kampfmaschine, die jegliche Gefühle zu unterdrücken hat. Timere regiert mit eiserner Hand und duldet keinerlei Kritik. Als Jaras beste und einzige Freundin Tohru verhaftet und in den sogenannten Randbezirk verbannt wird, setzt Jara alles daran, sie zu retten. Im Randbezirk stellt sie fest, dass es eine Welt außerhalb Imperias gibt, in der Frauen und Männer gemeinsam leben, und dass sich Widerstand gegen Imperia gebildet hat. Jara lernt eine völlig neue Welt kennen und alles, was sie bisher kannte, wird auf den Kopf gestellt.

Debütroman der Autorin und gelungener Auftakt einer Trilogie um eine junge Kriegerin, die eine neue Welt und die Liebe kennenlernt und für die alles, was sie bisher als wahr erachtet hat, ins Gegenteil verkehrt wird. Auch wenn Jara unterschwellig spürt, dass etwas nicht stimmt, trifft sie die Erkenntnis, dass ihr Leben eine Lüge war, wie ein Schlag ins Gesicht.

Der Fokus der Geschichte liegt auf dem Kampf Gut gegen Böse, die von den gegensätzlichen Städten Imperia und Luces verkörpert werden. Während Imperia kalt und künstlich ist, in getrennte Bezirke aufgeteilt ist und die Bewohnerinnen eine klar zugewiesene Aufgabe haben, ist Luces bunt und natürlich, die Menschen sind gesellig und freundlich und alle bringen sich in die Gemeinschaft ein. Das dystopische Imperia wird von der tyrannischen Timere regiert, die gottgleich herrscht, keine anderen Götter neben sich duldet und die jegliche Emotionen unterdrücken lässt, da sie sie als Schwäche ansieht. In Luces hingegen gibt es einen demokratisch gewählten Rat und die Menschen sind tolerant gegenüber jedweder Lebens- und Liebesform. Da ist es kein Wunder, dass Jara zunächst vollkommen überfordert ist von den vielen, für sie widersprüchlichen Eindrücken, die auf sie einprasseln.

Die Figur der Jara ist der Autorin meines Erachtens außerordentlich gut gelungen und ich habe sofort mit ihr mit gelebt und gelitten, sie ist authentisch und mitreißend und ihre Persönlichkeit ist gut herausgearbeitet. Besonders schön fand ich den Erkenntnis-Prozess, den Jara durchmacht, aus einem emotionslosen Leben kommend öffnet sie sich mehr und mehr für die alternative Lebensweise, sie passt sich an und stürzt sich in den Kampf für die Freiheit. Auch ihre Selbstzweifel, ihre Verzweiflung und ihr Mut kommen sehr gut rüber, sie ist selbst reflektiert und empathisch. Neben ihr blieb manch andere Figur eher blass, die in meinen Augen mehr Potential gehabt und von der ich mir eine tiefergehende Beschreibung gewünscht hätte. Auch ihrem männlichem Gegenstück Aidan konnte ich merkwürdigerweise nicht allzu viel abgewinnen, ich fand ihn anstrengend und in seiner Widersprüchlichkeit nicht wirklich authentisch. Die beiden als Paar haben mich insgesamt nicht restlos überzeugt.

Grundsätzlich ist die Geschichte gut erzählt und fesselnd, und besonders das offene Ende macht Lust auf die Fortsetzung. Sprachlich gesehen ist es eingängig geschrieben, wenn auch nicht unbedingt abwechslungsreich. Manche Wendungen werden recht häufig wiederholt, Tohru etwa grinst oft frech. Stilmäßig passt es zu einem Jugendbuch, Amazon gibt als Altersempfehlung zwischen 16 und 18 Jahren an. Sehr schön fand ich die Bedeutung von Namen. In Imperia wird den Verbannten der Name genommen, die Person wird zur Namenlosen und verliert damit ihre Persönlichkeit und verkümmert. Nahezu jeder Name hat eine Bedeutung, dabei bedient sich die Autorin aus verschiedenen Sprachen. Luces etwa ist die Stadt des Lichts und der Hoffnung, vor Timere zittern alle und die Menschen in Luces haben gemäß ihrer Gabe Namen. So besitzt Aidan seinem Namen gemäß die Gabe des Feuers, was wiederum den sehr passenden Untertitel erklärt.

Dennoch gab es für mich ein paar Längen und Schwächen. Die Autorin entwirft zwei interessante, gegensätzliche Welten, in der Menschen mystische Gaben besitzen und die durch Magie entworfen und geschützt werden. Wie die Magie funktioniert, bleibt jedoch zu oberflächlich, ebenso wie die psychologischen und gesellschaftlichen Aspekte des Lebens in Luces und Imperia. Vielleicht ist dies aber auch den Vorlieben der jugendlichen Zielgruppe geschuldet. Von den Gaben war ich sehr fasziniert und hätte mir gewünscht, mehr darüber zu erfahren. Mir erschloss sich nicht, wieso Jara ihre Gabe nicht annimmt und ausbaut, und auch was es mit ihrer Fähigkeit, Emotionen in Farben wahrzunehmen, auf sich hat, wird nicht näher erläutert.

Vorab und auch hinten im Buch wird vor den spicy Liebes- und den brutalen Gewaltszenen gewarnt, weil sie triggern könnten. Beides hält sich in meinen Augen in vernünftigen Grenzen. Die spicy Szenen sind durchaus feurig und detailverliebt geschrieben, ich fand sie nur übertrieben häufig und teilweise etwas langatmig. In der Wiederholung liegt eben auch eine gewisse Langeweile und es nutzt sich ab. Erst spät kommt nach einer längeren Ruhepause in der Geschichte wieder Spannung auf, nämlich dann, wenn man sich zum Aufbruch nach Imperia rüstet.

Fazit: Grundsätzlich hat mir die Geschichte gut gefallen und besonders Jara hat es mir angetan. Sie ist eine starke Hauptfigur und ein vielschichtiger Charakter. Das clever gemachte offene Ende tut sein Übriges, dass man auf jeden Fall wissen will, wie es weitergeht. Passt sehr gut für die jugendliche Leserschaft, ältere Semester haben aber sicher auch ihre Freude dran. Ich hoffe sehr, dass wir als Leser in den Folgebänden noch tiefer in die Magie der Gaben und die Funktionsweise der beiden gegensätzlichen Städte eintauchen dürfen.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Grausames Spiel um Leben und Tod

Blutwild
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Vor sechs Jahren ist die ehemalige Kriminalkommissarin Anka ihrem sadistischen Peiniger entkommen. Dies kostete sie einen ihrer Unterschenkel und sie leidet seitdem an Panikattacken. Als sie einen Hilferuf ...

Vor sechs Jahren ist die ehemalige Kriminalkommissarin Anka ihrem sadistischen Peiniger entkommen. Dies kostete sie einen ihrer Unterschenkel und sie leidet seitdem an Panikattacken. Als sie einen Hilferuf auf ihrem Handy mit GPS-Koordinaten bekommt, siegt ihre Neugier. Am Zielort erwartet sie das nackte Grauen und ihre geheime Befürchtung, dass der Falsche für das Verbrechen im Gefängnis sitzt, scheint sich zu bewahrheiten. Ist ihr Entführer zurück und will sie erneut quälen? In ihr erwacht die Polizistin und sie beginnt zu recherchieren, bis der Worst Case eintritt: Anka wird erneut entführt.

Blutiger und actionreicher Thriller mit sadistischem, sehr grausamem Täter und starker Protagonistin, die nicht Opfer sein will und sich ihren Ängsten stellt. Die sehr passende Umschlaggestaltung springt ins Auge und hätte nicht besser gewählt sein können. Mit Anka lebt man sofort mit, ihre völlig verständliche Neugier und die ehemalige Kommissarin in ihr lassen sie Nachforschungen anstellen und ihre Zweifel stetig wachsen. Da ihr keiner ihrer ehemaligen Kollegen glaubt, wird sie selbst tätig. Einzig in ihrer Nachbarin und Freundin Izzy findet sie eine Zuhörerin und Unterstützerin.

Die eher geringe Seitenzahl des Thrillers täuscht, die Geschichte ist inhaltlich kompakt und wird mit Rückblenden zwischen Gegenwart und unterschiedlich lange zurückliegender Vergangenheit erzählt. Während in der Gegenwart die Geschehnisse aus Ankas Sicht beschrieben und tiefe Einblicke in ihre Ängste und ihr Seelenleben gewährt werden, gehen die Rückblicke mit Perspektivwechseln einher. Hier stechen besonders die Passagen, die aus Tätersicht erzählt werden, ins Auge. Mir gefiel die perfide Persönlichkeit des Täters sehr gut, sein Hintergrund und die daraus entstandenen Traumata und der psychologische Aspekt daran, auch wenn ich fand, dass dieser Aspekt generell etwas zu kurz kam. Da schon das Vorwort die Richtung aufweist, wo es hingeht, hätte ich mir mehr Einblicke in die gestörte Seele des Täters gewünscht.

Etwa ab der Hälfte der Geschichte tritt dann der Worst Case ein, die erneute Entführung und der Beweis, dass Anka recht hatte. Ein brutales und perfides Spiel um Leben und Tod beginnt, bei dem das Blutwild gejagt wird. Die Menschenjagd ist sehr spannend und als Leser folgt man atemlos den immer wieder auftretenden Wendungen von Gefangennahme und erneutes Entkommen. Besonders gefesselt haben mich hier die Darstellung der Erschütterung von Ankas Vertrauen sowie die Situationen, wenn sie ihrem Peiniger gegenübersteht. Beides sind eigenwillige und dominante Persönlichkeiten und trotz ihrer Traumata starke Charaktere mit großem Überlebenswillen. Dieses Psychoduell hätte ich gerne noch ausführlicher verfolgt. Dennoch war es sehr spannend zu lesen, wie Anka immer eine Lösung findet und sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden will. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden findet seinen Höhepunkt im aufregenden Finale mit einer überraschenden Aktion einer Protagonistin, die man so nicht erwartet hätte.

Was weitgehend unterging, war die Ermittlungsarbeit von Ankas ehemaligen Kollegen, die sie zunächst nicht ernst nehmen, dann aber doch aktiv werden müssen und beim Finale plötzlich und aus für mich nicht hundertprozentig nachvollziehbaren Gründen auftauchen. In meinen Augen hätte man die Menschenjagd immer mal wieder durch das Einspielen der Ermittlungstätigkeiten unterbrechen und so die Spannung auf das Finale erhöhen können. Die Charaktere der Ermittler blieben demgemäß eher blass.

Fazit: Solider und spannender Thriller, der von den starken Täter-Opfer-Persönlichkeiten und ihrem Duell lebt. Einiges in der Storyline wäre meiner Ansicht ausbaufähig und ausführlicher zu beschreiben gewesen, dennoch fesselt die Geschichte von der ersten Zeile an und sie lässt sich dank des sehr eingängigen Schreibstils der Autorin sehr flüssig lesen. Nichts für Fans des Whodunnit-Krimis, aber für alle, die blutige Action mögen.

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