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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2022

Fesselnde Komposition aus Thriller und mystischen Elementen

Todesspiel. Die Nordseite des Herzens
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„Todesspiel“ von Dolores Redondo ist ein atmosphärischer und spannender Psychothriller über Amaia Salazar, eine talentierte Detektivin aus Nordspanien, die dem FBI-Agenten Aloisius Dupree dabei hilft, ...

„Todesspiel“ von Dolores Redondo ist ein atmosphärischer und spannender Psychothriller über Amaia Salazar, eine talentierte Detektivin aus Nordspanien, die dem FBI-Agenten Aloisius Dupree dabei hilft, einen bösartigen Serienmörder von Familien, der auch als der „Komponist“ bezeichnet wird und der die Zerstörung durch Naturkatastrophen ausnutzt, um seine Taten zu verschleiern, zu finden. Die Jagd nach dem „Komponisten“ findet hierbei vor der tragischen Kulisse von New Orleans während des Hurrikans Katrina statt.

Es gibt mehrere Handlungsstränge sowie zwei Verbrechensermittlungen, einmal die um den Komponisten und die andere Ermittlung hat was mit Dupree eigener Vergangenheit und den Baron des Todes zu tun. Beide Ermittlungen spiegeln auch das Leben und die Vergangenheit von Dupree und Amaias verstörender Kindheit in Spanien wider. Nebenbei greift der Thriller auch die tragischen Ereignisse und den menschlichen Verlust von Katrina auf.

All dies wird wunderbar atmosphärisch düster, teils auch poetisch beschrieben - die Beschreibungen der Schauplätze und Charaktere sind ebenso fesselnd wie die Handlung. Die Verzweiflung, die Zerstörung, die Atmosphäre – alles war so perfekt inszeniert und man spürte die Größe des Erlebten förmlich.
Einmal angefangen mochte man gar nicht mehr aufhören zu lesen.

Neben der in sich schlüssigen und gut konstruierten Thrillerhandlung mit einigen psychologischen und mystischen Aspekten, der auch dem Glauben vor Ort aufgreift, kann ebenso die glaubwürdige Charakterzeichnung der Haupt- wie Nebencharaktere überzeugen. Besonders gut gefallen hat mir Amaia. Sie ist eine bemerkenswerte Frau. Jung, stark und mutig ist Amaia eine angeborene Detektivin. Darüber hinaus ist sie eine Fährtenleserin, die mit der Fähigkeit ausgestattet ist, das Böse zu erkennen oder aufzuspüren. Dupree hat einen guten Grund für seine Zusammenarbeit mit ihr.

Das Geheimnis um den Serienmörder, New Orleans, der Hurrikan Katrina, Rückblicke in Amaias Vergangenheit und die bemerkenswerten Charaktere machen „Todesspiel“ zu einem packenden und mystischen Thriller, der spannend von Anfang bis Ende ist und einen darüber hinaus auch nicht so schnell wieder loslässt.

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Veröffentlicht am 27.07.2022

Fesselnd erzählte italienische Familiengeschichte

An den Ufern von Stellata
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Die Familie Casadio ist eine Bauernfamilie, die in Stellata, in einem Kolonialhaus lebt, das am Ufer des Po gebaut wurde. Alles beginnt mit der Hochzeit von Giacomo Casadio und Viollca Toska. So vermischt ...

Die Familie Casadio ist eine Bauernfamilie, die in Stellata, in einem Kolonialhaus lebt, das am Ufer des Po gebaut wurde. Alles beginnt mit der Hochzeit von Giacomo Casadio und Viollca Toska. So vermischt sich die bäuerliche Tradition des Casadio mit der Magie des fahrenden Volkes von Viollca Toska, bestehend aus Glauben, Visionen und Tarotkarten. Im Jahr 1800, nach dem Tod ihres Mannes, hat Viollca eine schreckliche Vision von der Zukunft der Familie, in der eine falsche Ehe, Schwangerschaft und dunkles Wasser zu einem tragischen und unerklärlichen Tod führen werden. Die schreckliche Prophezeiung von Viollca schwebt von nun an über die Familie Casadio, die man dann über mehrere Generationen hinweg begleitet wie sie leben, sterben, das Land bearbeiten, in den Krieg ziehen, an revolutionären Aufständen teilnehmen, sich verirren und sich wieder finden.
Dies alles wird mit 200 Jahren italienischer Geschichte verknüpft. Die Verflechtung der fiktiven Geschichte der Familie Casadio mit der italienischen Geschichte ist neben dem atmosphärisch tollen und teilweise leicht poetischen Schreibstil, das was mir am besten am Roman gefallen hat.

Insgesamt hat mir der Roman sehr gut gefallen: Die Geschichte war interessant und wurde toll sowie sehr atmosphärisch erzählt, sodass sie einen von Anfang bis Ende fesseln konnte. Jede Generation von Charakteren hat etwas Eigenes und Einzigartiges in die Geschichte eingebracht und dafür gesorgt, dass keines der ihnen gewidmeten Kapitel langweilig oder oberflächlich war.

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Veröffentlicht am 25.06.2022

Lesenswerte queere Coming-of-Age-Story mit magischen Elementen

Yadriel und Julian. Cemetery Boys
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Yadriels Familie fällt es schwer zu akzeptieren, dass er trans ist, und sie werden ihm definitiv nicht erlauben, an dem traditionellen Ritual teilzunehmen, bei dem er ein Brujo wird. Entschlossen, seinen ...

Yadriels Familie fällt es schwer zu akzeptieren, dass er trans ist, und sie werden ihm definitiv nicht erlauben, an dem traditionellen Ritual teilzunehmen, bei dem er ein Brujo wird. Entschlossen, seinen Wert zu beweisen, führt er das Ritual selbst durch und plant dann, mit seiner besten Freundin Maritza, den Geist seines ermordeten Cousins Miguel zu finden, damit er seine Seele befreien kann. Das Problem: Er beschwört den falschen Geist. Stattdessen ruft er Julian, einen Unruhestifter von seiner Highschool, zu sich. Julian weiß nicht, warum oder wie er gestorben ist, und möchte herausfinden, was passiert ist und dass für seine Freunde gesorgt wird. Er bittet Yadriel um seine Hilfe. Yadriel stimmt widerwillig zu, aber die Dinge werden schwieriger, als er merkt, dass er Gefühle für Julian hat und seine Seele nicht freigeben möchte.

"Yadriel & Julian - Cemetery Boys" ist eine wunderschön erzählte Geschichte über die Schwierigkeiten, dass die eigene Familie einen so zu akzeptiert und so liebt, wie man eben ist. Zudem ist es auch eine wirklich einfallsreiche und magische Fantasie voller Latinx-Traditionen, die den Leser*innen im Buch begegnet. Ich habe die Kombination aus Latinx-Kultur, magischen Elementen und Queerness einfach geliebt. Dieses Buch schafft es genau darzustellen, wie es sich anfühlt, wenn Familien- und Community-Mitglieder behaupten, sie unterstützen einen, aber einen mit unpassenden Kommentaren oder Handlungen zeigen, das dem nicht so ist. Man spürt, wie sehr dieses Verhalten Yadriel weh tut.

Alles in allem ist „Yadriel & Julian – Cemetery Boys“ ein guter YA-Roman, der mit einer magischen, inklusiven und authentischen Handlung zu überzeugen weiß und zusammen mit den gut gezeichneten und liebenswerten Charakteren einfach nur Spaß macht zu lesen.

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Veröffentlicht am 19.06.2022

When all hell breaks loose...

City on Fire
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„City on Fire“ spielt Ende der 1980er Jahre in Providence, Rhode Island, und es braut sich ein Krieg zwischen den irischen und italienischen Familien zusammen, ausgelöst durch eine schöne Frau. Achtzehn ...

„City on Fire“ spielt Ende der 1980er Jahre in Providence, Rhode Island, und es braut sich ein Krieg zwischen den irischen und italienischen Familien zusammen, ausgelöst durch eine schöne Frau. Achtzehn Monate später wird sich für alle Beteiligten alles geändert haben.
Hauptcharakter von „City on Fire“ ist Danny Ryan und er ist der perfekte Antiheld wie er im Buche steht, aber was für ein liebenswerter. Danny ist voller Fehler aber als Leserin fühlt man sich zu ihm hingezogen und man hofft, dass er Heil aus der ganzen Sache herauskommt.

Was die Geschichte richtig zum Leben erweckt und ihr Tiefe verliehen hat, sind die vielen verschiedenen Perspektiven, aus denen sie erzählt wird und die ständig wechseln ohne dabei zu verwirren. Der Autor hat es dabei geschafft jeden Charakter seine eigene Stimme zu geben, sie waren nicht nur Handlungselemente, sondern Personen mit eigenen Gedanken und Gefühlen, die mal mehr oder weniger sympathisch rüberkommen, dabei aber nie ihre Authentizität verliere.

„City on Fire“ ist ein Page-Turner, der von der ersten Seite an die Leser
innen fesselt und von dem man mit seinen düsteren und authentischen Dialogen und Charakteren nicht genug bekommen kann. Er ist atmosphärisch und spannend geschrieben und wie es sich für einen guten Gangster- bzw. Mafia-Thriller auch gehört voller Blut und Gewalt. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 18.06.2022

Eine Liebesaffäre erzählt in Versen

Verheizte Herzen
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Ana ist eine erfolgreiche Anwältin in einer britischen Anwaltskanzlei, die sich routinemäßig mit Familienstiftungen und Testamenten befasst. Obwohl sie die Frau eines Schullehrers und Mutter von zwei kleinen ...

Ana ist eine erfolgreiche Anwältin in einer britischen Anwaltskanzlei, die sich routinemäßig mit Familienstiftungen und Testamenten befasst. Obwohl sie die Frau eines Schullehrers und Mutter von zwei kleinen Kindern ist, beginnt Ana eine leidenschaftliche Affäre mit einem unglücklich verheirateten Kunden namens Connor, einem Architekten, der mit seiner Frau Rebecca drei Söhne im Teenageralter hat. Während das Buch nicht gerade für die Affäre spricht oder sie als eine gute oder positive Sache darstellt, können einige der kurzen Einblicke in Anas Leben ihre Handlungen erklären, ohne sie zu entschuldigen. Connor stirbt dann bei einem Verkehrsunfall und befindet sich Ana nun in engem Kontakt mit der plötzlich verwitweten Rebecca aufgrund Connors Testament. Ana wird dann nach und nach Teil von Rebeccas Leben, um irgendwie mit Connors Tod umgehen zu können. Ana ist nicht gerade die sympathischste Hauptfigur aber sie ist nicht böswillig. Sie ist fehlerhaft und in einem seelisch schlechten Zustand nach Connors Tod.

Der Roman wird aus der Sicht Anas und im Prosastil, was dem Tempo und dem Erzählfluss der Geschichte geholfen hat und auch die Einzigartigkeit des Romans ausmacht. Es verleiht bestimmten Wörtern mehr Kraft und Prägnanz und versetzt die Leser*innen in den Geist einer Frau, die nach dem Tode eines geliebten Menschen nicht mehr klar denken kann. Die Prosa war herzzerreißend und ich fühlte mich Ana so nahe, dass ich ihren Kummer und ihre Besessenheit miterlebte. „Verheizte Herzen“ ist ein außergewöhnlicher und bewegender Roman, der einen nicht so schnell loslässt. Lesenswert!

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