Profilbild von mimitatis_buecherkiste

mimitatis_buecherkiste

Lesejury Star
online

mimitatis_buecherkiste ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mimitatis_buecherkiste über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.07.2022

Ein Winter in Schottland

1979 - Jägerin und Gejagte
0

Alison Burns, genannt Allie, ist eine junge Journalistin, die beim Boulevardblatt Clarion in Glasgow arbeitet. Sie ist jung und voller Ideale, macht sich aber gleichzeitig keine Illusionen darüber, dass ...

Alison Burns, genannt Allie, ist eine junge Journalistin, die beim Boulevardblatt Clarion in Glasgow arbeitet. Sie ist jung und voller Ideale, macht sich aber gleichzeitig keine Illusionen darüber, dass sie sich in der Welt des Journalismus als Frau behaupten muss. Es ist 1979, der Winter ist hart, neben Schneestürmen und Stromausfällen gibt es viele andere Themen, über die geschriebenen werden kann, wenn man nicht gerade eine Frau ist und zudem beim Zeitungsverlag nur zum einfachen Fußvolk zählt. Als Daniel Sullivan, Danny genannt, Allie um Hilfe bei einem Fall von Steuerhinterziehung bittet, ist dies der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit, aber auch einer Freundschaft. Noch ahnen beide nicht, in welches Wespennest sie stoßen werden, als Allie durch Zufall auf eine Verschwörung stößt.

Mit diesem Buch fängt die Autorin eine neue Reihe um die Journalistin Allie Burns an. Jeder Teil wird zeitlich ein Jahrzehnt auseinanderliegen und wie beim vorliegenden Band wichtige historische Fakten berücksichtigen. Ich finde, dass dies eine wunderbare Art ist, geschichtlich etwas dazulernen zu können. Es gab einige Informationen, die mir absolut neu waren und die dazu geführt haben, dass ich die ein oder andere Bildungslücke schließen konnte. Hauptsächlich betrifft dies Schottland, wo die Handlung spielt, was ich persönlich sehr interessant fand.

Die Story ist anfangs ein wenig trocken, Steuerhinterziehung ist ein ernstes Thema, das aber nicht dazu geeignet ist, mein Interesse lange zu fesseln. Das war interessant, aber spannungstechnisch blieb da viel Luft nach oben. Der Charakter von Allie hat Ecken und Kanten, so richtig einordnen konnte ich die Figur noch nicht. Ich denke aber, dass sich dies im Laufe der Buchreihe ändern wird. In der Mitte zieht die Story etwas an und die Spannung ist mehr zu spüren, als dann eine Wendung kommt, die ich befürchtet, aber nicht erwartet habe, ist der Schock dennoch groß. Durch die letzten Seiten bin ich geflogen und war fast traurig, als es zu Ende ging. Kein Buch, das man mal eben nebenher liest, ein Kriminalroman, der hervorragend recherchiert und großartig umgesetzt wurde. Von mir gibt es vier Sterne und eine Leseempfehlung. Ich freue mich bereits sehr auf den nächsten Teil.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.06.2022

Die Hoffnung ist in uns

Schnee im Mai
0

Es handelt sich hier um ein Buch mit neun Kurzgeschichten, die sich fast alle um die Stadt Magadan drehen, die im äußersten Nordosten Russlands liegt. Die Wege der Menschen in diesen Geschichten kreuzen ...

Es handelt sich hier um ein Buch mit neun Kurzgeschichten, die sich fast alle um die Stadt Magadan drehen, die im äußersten Nordosten Russlands liegt. Die Wege der Menschen in diesen Geschichten kreuzen sich, das aber nicht immer offensichtlich, sodass es mir irgendwann ein großes Anliegen war, herauszufinden, in welcher Verbindung sie zueinander stehen. Es erzählt ein Mann seine Lebensgeschichte und erst später passt ein Ereignis im Leben seiner Tochter dazu. Ein anderes Mal erfahre ich die Geschichte einer Frau, deren Enkelin mich viele Seiten später mit einer eigenen Episode entzückt. Da ein Onkel, da eine Oma, immer wieder ordne ich Personen ihrer Familie zu. Gar nicht so einfach, wenn die tatsächlichen Namen den Kosenamen weichen, nur der Verwandtschaftsgrad genannt wird oder ein russischer Ausdruck. Da kann das angehängte Glossar nur bedingt helfen, wenn ich es auch bei vielen Begriffen sehr hilfreich fand. Dennoch war ich nicht verwirrt, das meiste ergab sich von selbst.

Die Stories fand ich dabei sehr interessant, ganz besonders, weil diese in verschiedenen Jahrzehnten spielten. Daraus resultiert, dass ich sehr viel über die jeweiligen Umstände, die zu dieser Zeit in Russland herrschten, erfahren habe. Das war äußerst faszinierend, wenn auch manchmal sehr befremdlich, wenn zum Beispiel die sogenannte Kommunalka erwähnt wurde, bei der es sich um eine Gemeinschaftswohnung handelt, in der jede Familie ein Zimmer bewohnt und sich ansonsten Küche und Bad teilen muss. Feste Koch- und Waschzeiten natürlich inklusive. Eine Wohngemeinschaft, in der jede Person ein Zimmer bewohnt, kann ich mir vorstellen, aber dass ganze Familien so wohnen, ist für mich undenkbar.

Viele dieser Stories haben mich sehr berührt. Diese Menschen, die oft ohne viele Privilegien aufgewachsen sind, manche gänzlich ohne, die uns hier gar nicht mehr auffallen; ob warmes Wasser oder eine Toilette, dieser Luxus ist nicht jedem vergönnt, nicht einmal die eigenen vier Wände. Und trotzdem sind manche Träume und Hoffnungen so alltäglich, so schrecklich normal, dass es wehtut und das soll es wohl auch. Eine wunderbare Sammlung von Kurzgeschichten, die mir Lust darauf macht, mehr von dieser Autorin lesen zu wollen. Von mir gibt es vier Sterne und eine Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.06.2022

Spaßiger Horror

Clown im Maisfeld
0

Quinn zieht mit ihrem Vater in die Kleinstadt Kettle Springs, ihr Vater will dort als Arzt praktizieren. Bereits an ihrem ersten Schultag macht sie die Bekanntschaft einer Clique, die in dem Ruf steht, ...

Quinn zieht mit ihrem Vater in die Kleinstadt Kettle Springs, ihr Vater will dort als Arzt praktizieren. Bereits an ihrem ersten Schultag macht sie die Bekanntschaft einer Clique, die in dem Ruf steht, Unruhe zu stiften und überall anzuecken. Entgegen ihrem Naturell freundet sie sich mit den Jugendlichen an und begleitet diese zur großen Party in einer Scheune, die Mitten in einem Maisfeld steht. Als plötzlich die lokale Werbefigur in Fleisch und Blut auf der Party auftaucht und mit einer Armbrust schießt, ist schnell klar, dass dies kein Spaß, sondern blutiger Ernst ist. Der Clown Frendo hat es auf die Jugendlichen abgesehen und er ist nicht allein gekommen.

Von Anfang war beim lesen eine unterschwellige Gefahr zu spüren, ein wenig Unbehagen, ein leichter Nervenkitzel und immer wieder das Gefühl, dass da etwas nicht stimmt, obwohl ich nicht klar benennen könnte, was es ist, das mich so fühlen ließ. Es erinnerte mich an frühere Bücher von Stephen King, der dieses Gefühl auch immer gut durch seine Erzählungen entstehen lassen konnte. Anfangs passierte nicht so viel, eher gemächlich arbeitete ich mich durch das Buch, aber dann auf einmal überschlugen sich die Ereignisse und das Gemetzel ging los. Atemlos blätterte ich durch das Buch, kämpfte gedanklich mit und roch förmlich das Entsetzen und die Angst. Die Auflösung war schlüssig, obwohl ich diese nicht ganz so realistisch fand, aber das müssen solche Storys auch nicht sein.

Das Buch ist in der All-Age-Reihe des Festa Verlages erschienen, das heißt, dass es von Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen gern gelesen wird. Ich würde es aufgrund der einfachen Sprache und des Inhalts tatsächlich auch ab 16 Jahren zuordnen. Die Gewalt sowie die Morde werden nicht übermäßig genau beschrieben, dennoch würde ich für sensible Leser eine Warnung aussprechen, denn es ist definitiv kein Kinderbuch. Von mir gibt es vier Maiskolben ähm Sterne und eine Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.06.2022

Frieden

#Antikriegslyrik
0

Es handelt sich bei diesem Buch um einen kleinen, aber feinen Lyrikband, erschienen beim Trabanten Verlag. In diesem Büchlein sind Gedichte gegen den Krieg versammelt. Diese verhindern zwar keine Gewalt ...

Es handelt sich bei diesem Buch um einen kleinen, aber feinen Lyrikband, erschienen beim Trabanten Verlag. In diesem Büchlein sind Gedichte gegen den Krieg versammelt. Diese verhindern zwar keine Gewalt und führen auch nicht dazu, dass dieser sinnlose Krieg beendet wird, aber sie versuchen, in Worte zu fassen, was unfassbar ist.

„Grauer Himmel
Blätterlose Bäume voller Blut
Am einsamen Busch keimt der Frühling
Frieden gesucht“
Patricia Horn (Seite 64)

Nicht alle Gedichte haben mir gefallen, aber das müssen sie auch nicht. Es sind Gedankenfetzen, Worte gegen den Krieg und Sätze für den Frieden. Nicht mehr und nicht weniger. Lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 04.06.2022

Suche nach Heimat

Wodka mit Grasgeschmack
0

Zwei Söhne beschließen, die Heimat ihrer Eltern zu besuchen, sie packen ihre betagten Eltern ins Auto und fahren mit ihnen Richtung Osten, nach Schlesien, besuchen dort die Dörfer der Kindheit von Mutter ...

Zwei Söhne beschließen, die Heimat ihrer Eltern zu besuchen, sie packen ihre betagten Eltern ins Auto und fahren mit ihnen Richtung Osten, nach Schlesien, besuchen dort die Dörfer der Kindheit von Mutter und Vater, folgen der Spur ihrer Vertreibung aus der Heimat, lauschen gebannt ihren Erlebnissen aus der Vergangenheit.

Wo ist Heimat? Ist Sehnsucht etwas Schönes und wo ist der Unterschied zwischen Vertreibung und Flucht? Diese und andere Fragen stellt sich einer der Söhne, der uns durch die Geschichte führt und Emotionen in mir weckt, die ich nicht erwartet habe. Er stellt diese Fragen den Eltern, die mal mehr, mal weniger erzählen, denn nicht immer sind Erinnerungen willkommen, nicht immer ein Erinnern gewollt. Die Geschichte der Flucht und der Vertreibung aus Schlesien ist nicht so populär, wie die Geschichte der Gräuel der Deutschen gegenüber verschiedenen Ethnien, aber es ist eine, die ebenfalls erzählt werden muss und nicht in Vergessenheit geraten darf.

„Ein Junge, der so vieles ansehen muss, der sich abends in den Schlaf weint, der Bedrohung und Ohnmacht empfindet, die ihm zu einem Gefühl werden, das er nie mehr los wird und in seine Seele einschließt. Nach der Vertreibung wird man ihm erklären, dass er schwere Schuld auf sich geladen habe, alle Deutschen hätten gemeinsam diese Schuld, und dass sie auch die kommenden Generationen beträfe. Er wird das alles nicht verstehen.“ (Seite 103)

Der ungewöhnliche Schreibstil hat mir gefallen, besonders der Perspektivwechsel, wenn es um Gefühle der Eltern ging, war geschickt gewählt. Viele Passagen fand ich emotional und bewegend, auch die Sicht des Sohnes hat mich sehr berührt. Ein spannendes Stück Geschichte und ein lesenswertes Buch. Von mir gibt es vier Sterne und eine Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere