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Veröffentlicht am 18.07.2022

Ein tiefer Blick in die heutige Gesellschaft Südkoreas

Dämmerstunde
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Bak Minu und Dschong Uhi, die beiden so unterschiedlichen Charaktere, leben und arbeiten in Südkoreas Megacity Seoul. Eine Stadt der Gegensätze. Während die einen am Rande stehen, bis zur Erschöpfung arbeiten ...

Bak Minu und Dschong Uhi, die beiden so unterschiedlichen Charaktere, leben und arbeiten in Südkoreas Megacity Seoul. Eine Stadt der Gegensätze. Während die einen am Rande stehen, bis zur Erschöpfung arbeiten und doch nie viel haben werden, haben die anderen keinerlei Existenzsorgen.

Gleich mal begegnen wir Minu, dem erfolgreichen Architekten. In den Slums aufgewachsen, kennt er den täglichen Kampf ums Überleben nur zu gut. Sein Blick zurück zeigt anschaulich, wie es damals war, als er noch unter denen in den Armutsvierteln lebte, immer wieder abgelöst von den heutigen Bildern, von seinem einsamen Leben. Die Familie ist weg, er hatte sowieso keine Zeit für sie, die Arbeit stand stets im Vordergrund. Gefühle werden nicht gezeigt, man lächelt über alles hinweg.

Dem Theater gehört Uhis ganze Leidenschaft, auch wenn sie ihren Lebensunterhalt anderweitig bestreiten muss. Bis zur Erschöpfung malocht sie sich von Job zu Job, ihre Wohnung ist eher eine heruntergekommene Schlafstätte.

Hwang Sok-yong zeichnet anhand dieser beiden Charaktere ein nüchternes Bild der koreanischen Gesellschaft. Am Ende seines arbeitsreichen Lebens erkennt Minu, was er hätte anders, was er hätte besser machen können. "...Ich war ja doch auch ein anderer geworden, mein Horizont war ein anderer und damit auch mein Gefühlshaushalt..." Auch die Ausbeutung derer, die sich am Rande der Gesellschaft befinden, ist stets präsent und mit Uhi sehr anschaulich geschildert. Ihre Rechte stehen lediglich auf dem Papier, Arbeitsvertrag hin oder her. Wer nicht spurt, kann gehen. Der Nächste wartet schon.

Der Autor setzte sich schon früh für die Rechte der Arbeiter ein, war aktiv in der Demokratiebewegung, seine Werke erzählen davon. „Vertraute Welt“ habe ich von ihm gelesen, ich habe hineingeblickt in diese Welt der Gegensätze. Das Hineinfinden in seine „Dämmerstunde“ hat schon etwas gedauert, an die nüchterne und sprunghafte Erzählweise musste ich mich erst gewöhnen. Dranbleiben lohnt sich, vieles erschließt sich nach und nach, die Zusammenhänge werden sichtbar. Die anfangs so unnahbaren Figuren werden zugänglicher, der Erzählstil bleibt zwar kühl und doch begreift man deren Tun, nimmt an deren Leben teil.

„Dämmerstunde“ ist kein Buch, das man nebenbei liest. Die schnell wechselnden Zeitebenen fordern volle Aufmerksamkeit, es ist ein intensiver Blick ins heutige Südkorea, in eine für uns so fremde Welt.

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Veröffentlicht am 11.07.2022

Es brodelt unter der Oberfläche

Lightseekers
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Drei Studenten werden auf grausame Art ermordet. Der Vater eines Opfers beauftragt den Psychologen Dr. Philip Taiwo, der lange in den USA gelebt hat, Licht ins Dunkel zu bringen. Ein Video von den „Okriki ...

Drei Studenten werden auf grausame Art ermordet. Der Vater eines Opfers beauftragt den Psychologen Dr. Philip Taiwo, der lange in den USA gelebt hat, Licht ins Dunkel zu bringen. Ein Video von den „Okriki Three“ kursiert im Netz – der wütende Mob verfolgt sie, foltert sie aufs Grausamste und lässt nicht eher nach, bis sie bis zur Unkenntlichkeit verbrannt sind. Den oder die wahren Täter und deren Hintermänner herauszufiltern, ist ein schier unmögliches Unterfangen. Zumal der Fall für die örtliche Polizei abgeschlossen ist, alle Akten der Staatsanwalt übergeben wurden und von den 23 festgenommenen Personen noch sieben übrig blieben, gegen die Anklage erhoben wurde.

Auf die Justiz ist kein Verlass, Philip geht der Sache nach, ihm zur Seite gestellt ist der ortskundige Chika, sein Chauffeur und Türöffner. Dieser weiß um die Gepflogenheiten dieses durch und durch korrupten Landes. Ihre Nachforschungen sind so manchem ein Dorn im Auge, sie werden unmissverständlich bedroht: „Verschwinde oder verbrenne.“

Warum mussten die drei jungen Männer sterben? Vordergründig ging es darum, dass sie einen anderen Studenten beraubt hatten, sie Mitglieder eines Geheimkults waren. Es steckt aber sehr viel mehr dahinter.

„Lightseekers“ beruht auf einem wahren Fall, es waren Lynchmorde, welche Femi Kayode zu dieser fiktionalisierten Geschichte inspirierte. Er zeigt hier Nigerias sehr düsteres Bild. Ein Land, gezeichnet von Korruption und Gewalt - sein Heimatland. Gegensätze prallen aufeinander – arm und reich, Tradition und Moderne. Die Charaktere sind durchaus realitätsbezogen angelegt, die Handlung bezieht den politischen und den religiösen Ist-Zustand mit ein, das soziale Gefälle wird deutlich.

Ein Thriller, der so ganz anders angelegt ist als viele andere. Schon das Land ist mir fremd, ich lese darüber und bin sprachlos ob der rohen Gewalt. Dass die Staatsgewalt nicht immer Interesse an einer lückenlosen Aufklärung hat, ist auch hierzulande bekannt. Und doch weiß ich es nicht, lese eher einen spannenden Kriminalfall mit ethnischem Hintergrund, der mir viele Informationen liefert. Es brodelt unter der Oberfläche, man spürt es nur zu deutlich.

Eine fordernde, gesellschaftskritische Lektüre mit vielschichtigen Charakteren, deren Ende für meinen Geschmack ein wenig zu verklärt ist. Atmosphärisch und dicht erzählt, ein gelungenes Debüt.

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Veröffentlicht am 08.07.2022

Bei sich ankommen

Die Selbstliebe Illusion
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Ganz entspannt und ohne Stress – ja, so kamen mir die etwa 3 ½ Stunden vor. Der Autor selbst hat diesem Hörbuch seine Stimme verliehen, hat die sieben Selbstliebe-Irrtümer durchleuchtet und den Weg, wie ...

Ganz entspannt und ohne Stress – ja, so kamen mir die etwa 3 ½ Stunden vor. Der Autor selbst hat diesem Hörbuch seine Stimme verliehen, hat die sieben Selbstliebe-Irrtümer durchleuchtet und den Weg, wie man bei sich ankommt, gut vermittelt.

Normalerweise bin ich ja nicht so der Typ für diese Art Bücher und doch wollte ich mal reinhören und bin hängengeblieben - was eigentlich alles aussagt. Wenn man ohne Stress, mit viel Zeit und Muße zuhört und nicht das Gefühl hat, all dies schnellstens hinter sich zu bringen. Die entspannende Musik dazu ist gut gewählt.

Zwischendurch und dann zum Schluss kann ich für mich feststellen, dass ich, je älter ich werde, zu genau dieser Denkweise gefunden habe. Dem Selbstoptimierungs-Wahn habe ich mich sowieso nie ausgesetzt, habe immer meinen Wohlfühl-Weg gesucht und bin den auch gegangen.

Für all jene, die in der täglichen Tretmühle stecken, sich dabei aber zunehmend überfordert fühlen, ist dieses Hörbuch, das es auch als Printausgabe gibt, zu empfehlen. Mehr Gelassenheit, in sich hineinhören – man merkt dem Buch, dem Hörbuch an, dass Ruediger Schache weiß, wovon er schreibt und spricht.

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Veröffentlicht am 08.07.2022

Kurzweiliges Lesevergnügen

Der Mann in den Dünen
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Lena Lorenzen ist zurück! Das LKA in Kiel hat sie wieder, jedoch macht die Schreibtischarbeit sie nicht gerade glücklich. Als Reinhard Doormann vermisst wird, wird Lena nach Sylt gerufen. Der Hamburger ...

Lena Lorenzen ist zurück! Das LKA in Kiel hat sie wieder, jedoch macht die Schreibtischarbeit sie nicht gerade glücklich. Als Reinhard Doormann vermisst wird, wird Lena nach Sylt gerufen. Der Hamburger Reeder hat sich vom Tagesgeschäft zurückgezogen und lebt überwiegend in seiner Sylter Villa. Marc und Susanne, seine beiden ehelichen Kinder, sind hier. Auch Sven, sein unehelicher Sohn, hat sich dazugesellt. Bald stellt sich heraus, dass es sich um eine Entführung handelt. Nicht alle Familienmitglieder sind kooperativ. Lena, die ihren jungen Kollegen Johann wieder an ihrer Seite hat, begegnen sie nicht gerade freundlich, ihre teils unwirsche Art ist deutlich spürbar. Spätestens als am Strand Blutspuren entdeckt werden, deutet alles auf ein Gewaltverbrechen hin.

Der mittlerweile neunte Band um die Inselkommissarin hat alles, was einen spannenden Krimi ausmacht. Rund um den Vermisstenfall menschelt es, die Charaktere sind allesamt glaubhaft angelegt.

In der Familie Doormann herrscht nicht immer eitel Sonnenschein. Die Firmenspitze sollte in der renommierten Reederei neu geregelt werden, Eifersüchteleien und Grabenkämpfe bleiben nicht aus. Wenn dann plötzlich der Senior auf mysteriöse Weise verschwindet, wird jeder Einzelne durchleuchtet. Aber nicht nur sie, auch Außenstehende hätten durchaus ein Motiv.

Lena und Johann sind ein gutes Team, auch ihr Privatleben gehört dazu. Die Ermittlungen stehen dabei schon im Vordergrund, zu Lenas Leben gehören aber auch Erck und Bent, ihr kleiner Sohn. Auch über Johann erfahren wir ein wenig - all dies wohl dosiert. Der Spagat zwischen Beruflichem und Privatem ist nicht immer einfach, ist aber tägliche Realität.

Die Aufklärungsarbeit und das Private zwischendrin sind immer glaubhaft, gut nachvollziehbar und an keiner Stelle überzogen. Die Figur der Lena ist sehr authentisch, als junge Mutter hat sie immer ein schlechtes Gewissen sowohl ihrem Mann als auch ihrem Kind gegenüber und doch will sie sich in ihrem Traumberuf wieder einbringen, beides ist wichtig für sie. Und sie ist gut in dem, was sie tut.

„Der Mann in den Dünen“ und Anna Johannsen haben mir kurzweilige Lesestunden beschert. Der Fall ist aufgeklärt, die überraschende Wendung hat sich gegen Schluss abgezeichnet, ein lesenswerter Krimi, der Lust auf den nächsten Band macht.

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Veröffentlicht am 05.07.2022

Vergiftete Freundschaften

Syltstille
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Es beginnt gemächlich, als ob man sich erst mal einrichten, die Gegend erkunden müsste. Anna ist Landschaftsarchitektin, Ehefrau und Mutter des kleinen Christopher, auch Pepper, ihr Hund, passt hervorragend ...

Es beginnt gemächlich, als ob man sich erst mal einrichten, die Gegend erkunden müsste. Anna ist Landschaftsarchitektin, Ehefrau und Mutter des kleinen Christopher, auch Pepper, ihr Hund, passt hervorragend in die Familie. Ihr Mann Nick ist Polizist und mit Uwe, seinem Kollegen, versucht er die Todesumstände eines Bauunternehmers aufzuklären. Ausgerechnet Anna hat ihn gefunden, als sie bei einer Kundin den Auftrag durchsprechen will.

Es ist der zweite Fall um Anna Bergmann, ich habe der ungekürzten Hörbuchausgabe gelauscht. Die Hörbuchsprecherin Ulla Wagener hat mich 9 Stunden und 25 Minuten am doch recht turbulenten Geschehen teilhaben lassen. Diese Turbulenz war anfangs so gar nicht zu spüren, hat sich aber dann doch gesteigert, je weiter ich ihr zuhörte.

Zuweilen hatte ich das Gefühl, als ob dem Tod um den Bauunternehmer nicht viel Bedeutung beigemessen wird. Dreht sich die Nebenstory doch eher um Annas Privatleben. Um ihre ehemalige Mitschülerin Stella, die sie bei einem Klassentreffen wiedertrifft. Schon damals waren sie sich eher in Feindschaft abgeneigt und doch meint man, die beiden wären die allerbesten Freundinnen, zumindest gibt sich Stella so.

Und dann nimmt auch der ursprüngliche Todesfall, der sich als Mordfall herausstellt, Fahrt auf. Verdächtig machen sich so einige und jedem würde man die Tat zutrauen. Es geht um Neid und Missgunst, um Eifersucht und Rache. Die Charaktere sind ziemlich klischeebehaftet – die einen sind die Guten und die anderen haben all das, was man als das Böse bezeichnen könnte. Das Ende war dann für meine Begriffe doch ein wenig überzogen.

„Syltstille“ hat neben den unterhaltsamen Elementen so einiges mehr zu bieten. Letztendlich vermengen sich der eigentliche Mordfall und das vermeintlich Private ganz gut. Aus dem anfänglich gemächlich Dahinplätschernden ist ein spannender Krimi vor herrlicher Kulisse geworden.

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