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Morlin

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.08.2022

Eine Flucht vor Nazideutschland – berührend geschrieben

Svendborg 1937
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Die Familie Dinkelspiel – bestehend aus den Eltern mit ihren drei Kindern Ricarda, Meret und Friedrich – fliehen 1937 auf Grund der immer stärker werdenden Repressalien gegenüber Juden, aus Stuttgart nach ...

Die Familie Dinkelspiel – bestehend aus den Eltern mit ihren drei Kindern Ricarda, Meret und Friedrich – fliehen 1937 auf Grund der immer stärker werdenden Repressalien gegenüber Juden, aus Stuttgart nach Dänemark. Sie kommen bei einer Tante unter, die ihr Deutsein schon lange abgelegt hat und die Familie eher aus Pflichtbewusstsein (und gegen eine Aufwandsentschädigung), als denn aus Hilfsbereitschaft aufnimmt. Wobei ich es mir auch als sehr schwierig vorstelle, wenn eine Eigenbrötlerin auf einmal eine fünfköpfige Familie im Haus hat. Das sie es überhaupt macht, muss man ihr trotz allem hoch anrechnen.

Wir erfahren, wie die Familie und deren einzelnen Mitglieder, mit der Situation als Flüchtling in einem fremden Land, mit einer Sprache die sich nicht sprechen, zurechtkommen. Insbesondere die Gefühle und Erlebnisse der beiden jungen Mädchen stehen dabei im Fokus.

Mich hat das Buch sehr berührt und es hat mir auch vor Augen geführt, was für die Menschen eine Flucht aus ihrem Heimatland und das Leben im Exil bedeutet. Wie hilf- und ratlos man ist. Wie man nicht verstehen kann, warum ausgerechnet einem selber das passiert. Und wie man gegen alle Widrigkeiten mit seinem Leben weiter macht, weiter machen muss. Am Ende finden viele der Flüchtlinge eine neue Heimat, auch wenn sie die alte Heimat nie ganz loslassen wird.

Ein tolles Buch, das ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 09.07.2022

Tolle Fortsetzung von „Stay away from Gretchen“

Was ich nie gesagt habe
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„Was ich nie gesagt habe“ ist eine tolle Fortsetzung von „Stay away from Gretchen“. Wieder erzählt die Autorin die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Zum Einen begleiten wir Tom und Greta in der heutigen ...

„Was ich nie gesagt habe“ ist eine tolle Fortsetzung von „Stay away from Gretchen“. Wieder erzählt die Autorin die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Zum Einen begleiten wir Tom und Greta in der heutigen Zeit (2016 – 2019). Wir knüpfen dabei direkt an die Ereignisse aus dem Vorgängerband an.

In der zweiten Erzählebene lernen wir die Lebensgeschichte von Konrad kennen, dem Ehemann von Greta. Gerade diese Kapitel fand ich ganz besonders spannend. Die Autorin webt dabei wieder viele historische Details in den Roman ein. Mir war z.B. nicht bekannt, dass im zweiten Weltkrieg deutsche Kriegsgefangene durchaus in die USA überführt wurden und dort in Lagern auf den Baumwollfeldern arbeiteten. Sehr gelungen fand ich auch, wie man Stück für Stück erfahren hat, warum Konrad so geworden ist, wie er ist. Und ich musste manchmal echt schlucken. Ein wirklich emotionales Buch.

Jetzt bin ich auf den nächsten Roman von Susanne Abel gespannt. Ob die Geschichte um Gretchen weiter geht? Oder wird sie sich einem ganz anderen Thema widmen? Aber egal was, ich werde es bestimmt lesen!

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Veröffentlicht am 19.03.2022

Ein Krieg prägt auch die nächsten Generationen

Für diesen Sommer
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Schon die erste Szene des Buches hat mich gepackt: Franziska steht vor der Tür ihres Elternhauses. Drinnen ist ihr gebrechlicher und pflegebedürftiger Vater. Und sie zögert die Klingel zu betätigen. Am ...

Schon die erste Szene des Buches hat mich gepackt: Franziska steht vor der Tür ihres Elternhauses. Drinnen ist ihr gebrechlicher und pflegebedürftiger Vater. Und sie zögert die Klingel zu betätigen. Am Liebsten würde sie einfach wieder umdrehen und, wie sie es schon so oft getan hat, weglaufen. Doch diesen Sommer wird die sich vor der Verantwortung nicht drücken. Sie wird sich ihrer Familie und ihren Erinnerungen stellen.

Ich finde, die Autorin beschreibt den Einfluss von Krieg auf Familienstrukturen und späteren Generationen sehr gut. Auch wenn die Eltern über den Krieg kaum gesprochen haben. Über die Flucht, die Verluste, die zertrümmernden Städte, die erlebten Trauma. So hat all das die Eltern geprägt und das überträgt sich auf Franziska und ihre ältere Schwester Monika. Auch ein Krieg der schon lange vorbei ist, beeinflusst und begleitet die nächsten Generationen.

Ein tolles Buch, das ich sehr gerne gelesen habe. Als kleines I-Tüpfelchen kam noch hinzu, dass ich in Darmstadt wohne und ich die im Buch beschriebenen Orte dementsprechend direkt vor Augen hatte.

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Veröffentlicht am 15.03.2022

Die Unsichtbaren

Mongo
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Als Harry einen panischen Anruf von seiner Frau Katja erhält, befürchtet er das Schlimmste. Den Satz „Ich bin schwanger!“ hätte er dabei allerdings nicht erwartet. Doch die Bedenken von Katja rühren daher, ...

Als Harry einen panischen Anruf von seiner Frau Katja erhält, befürchtet er das Schlimmste. Den Satz „Ich bin schwanger!“ hätte er dabei allerdings nicht erwartet. Doch die Bedenken von Katja rühren daher, dass sie einen älteren Bruder mit Trisomie 21 hat. Und Katja weiß eben, welche Anfeindungen ihr Bruder Marcus und ihre Familie dadurch erleben mussten.

Für Harry ist das Ganze dagegen etwas völlig Neues und zunächst versucht er analytisch an die Sache heranzugehen. Er möchte möglichst viele Sichtweisen berücksichtigen, um seine eigene Sichtweise zu prüfen und zu hinterfragen.

Dabei beginnt er in seiner Kindheit. Welche Erfahrungen und Erlebnisse hatte er damals mit behinderten Menschen? Wie ist sein Umgang und Erleben mit Katjas Bruder Marcus? Wie sichtbar sind Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen in unserer Gesellschaft überhaupt? Und Harry stellt mehr und mehr für sich fest, dass man letztendlich keine Pro- und Contraliste erstellen kann. Es zählt nur der Mensch und der ist immer unendlich wertvoll, egal welche Einschränkungen dieser hat.

Für mich war es eine spannende, humorvolle und intensive Lektüre. Auf gerade mal 224 Seiten hat es der Autor geschafft, das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und gleichzeitig viel Herz und Gefühl in die Darstellung der Protagonisten zu legen. Ein echtes Jahreshighlight!

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Veröffentlicht am 14.03.2022

Schöne neue Welt

Die Kinder sind Könige
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Melanie ist gerade im besten Teenageralter, als Fernsehsendungen a la „Big Brother“ auf den TV-Kanälen ausgestrahlt werden. Für sie es eine Offenbarung. So leicht kann man also berühmt werden. Doch ihre ...

Melanie ist gerade im besten Teenageralter, als Fernsehsendungen a la „Big Brother“ auf den TV-Kanälen ausgestrahlt werden. Für sie es eine Offenbarung. So leicht kann man also berühmt werden. Doch ihre eigenen Versuche in der Fernsehwelt der Reality-Formate Fuß zu fassen, sind nicht wirklich erfolgreich. Jahre später bietet Youtube neue Möglichkeiten. Um immer mehr Likes und Klicks zu generieren, „vermarktet“ Melanie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre beiden kleinen Kinder. Bis eines Tages ihre Tochter Kimmy spurlos verschwindet.

Das hört sich zunächst nach einem Thriller an, ist es aber bei Weitem nicht. Delphine de Vigan setzt sich hier sehr kritisch mit der aktuellen Mediengesellschaft auseinander und insbesondere mit der Vermarktung von Kindern. Das alles wurde in einen sehr spannenden und lehrreichen Roman verpackt.

Natürlich kannte ich vieles, was hier zur Sprache kommt. Bei einigen Details war ich aber wirklich überrascht, dass es so etwas gibt. Eine der Protagonisten des Buches sagte es treffend: „Man muss es sehen, um es zu glauben“.

Für mich war es eine erschreckende und nachdenklich machende Lektüre. Was tun wir hier unseren Kindern an? Berühmt um jeden Preis? Wollen Kinder das wirklich?

Ich kann das Buch absolut empfehlen! Und ich werde mir auf jeden Fall auch die anderen Bücher von Delphine de Vigan ansehen.

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