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Veröffentlicht am 21.07.2022

Selbstporträt einer unsympathischen Mörderin

How to kill your family
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Der Ausgangspunkt für Bella Mackies „How to kill your family“ ist eine simple Lovestory: Eine außereheliche Affäre bleibt nicht ohne Folgen, der reiche Schnösel entzieht sich der Verantwortung, kehrt in ...

Der Ausgangspunkt für Bella Mackies „How to kill your family“ ist eine simple Lovestory: Eine außereheliche Affäre bleibt nicht ohne Folgen, der reiche Schnösel entzieht sich der Verantwortung, kehrt in den Schoß der feinen Familie zurück, die Mutter kämpft ihr gesamtes Leben mit dieser Zurückweisung und Enttäuschung und packt dieses Trauma auf die Schultern des Kindes, das im Laufe der Jahre einen eigenen Weg findet, damit umzugehen.

Grace, das ehemalige Kind, ist mittlerweile erwachsen. Und Grace sitzt momentan für einen Mord, den sie nicht begangen hat, hinter Gittern. Aber sie ist dennoch nicht unschuldig, hat Blut an den Händen. Ihre Enttäuschung über den abwesenden Vater hat sich in Hass verwandelt. Sie hat beobachtet, akribisch geplant und schließlich die Familien ihres Vaters getötet. Sie ist zwar damit davongekommen, sitzt jetzt aber dennoch in einer Zelle, mag mit den Mithäftlingen nicht reden und schreibt deshalb einen Rückblick auf ihr Leben.

Dabei versorgt sie die Leser nicht nur mit Einzelheiten zu ihren Taten, sondern schwadroniert zusätzlich endlos über alles, was ihr gerade so durch den Kopf geht. Männer, Millenials, Babyboomer, die Reichen und den allgemeinen Zustand der Welt. Way too much. Anfangs mögen ihre rotzigen und durchaus auch schwarzhumorigen Kommentare ja noch einen gewissen Charme haben, aber mit ansteigender Seitenzahl werden diese zunehmend ermüdender und man möchte ihr nur noch ein entnervtes Komm-endlich-auf-den-Punkt zurufen. Dazu kommt diese unglaubliche Arroganz, gepaart mit unterschwelligen Hassgefühlen gegenüber allen und jedem, die aus ihren Bemerkungen spricht und mich absolut nicht für ihre Person einnehmen konnte. Als Gesamtbild betrachtet lassen ihre Auslassungen eher die Vermutung zu, dass es sich bei Grace um eine Soziopathin handelt, die im Erwachsenenalter keinen Weg gefunden hat, sich von den Verletzungen der Kindheit zu befreien.

Veröffentlicht am 18.07.2022

Zwei Frauen, zwei Epochen, ein Thema

Die versteckte Apotheke
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Zwei Zeitebenen, zwei Handlungsstränge. Zwei Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand und Verantwortung für sich selbst und ihr Handeln übernehmen.

Nella lebt im London des ausgehenden 18. Jahrhunderts. ...

Zwei Zeitebenen, zwei Handlungsstränge. Zwei Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand und Verantwortung für sich selbst und ihr Handeln übernehmen.

Nella lebt im London des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Sie betreibt eine Apotheke, deren Dienst weniger darauf ausgerichtet ist, Krankheiten zu heilen, sondern vielmehr Frauen durch spezielle Kräutermischungen zu helfen, sich von unliebsamen Menschen in ihrem Umfeld zu befreien. Eine Frau, die ihren Weg geht. Im Verborgenen.

In der Gegenwart hat Caroline die Nase von ihrem betrügerischen Ehemann voll, packt ihren Koffer und fliegt nach London, um sich über ihre Gefühle klar zu werden. Beim Mudlarking am Themse-Ufer findet sie ein Apothekenfläschchen mit einer Gravur, das ihre Neugier weckt. Und sie erinnert sich an die Frau, die sie vor ihrer Ehe war, bevor sie ihre Träume begraben und den Wünschen ihres Mannes untergeordnet hat. Noch ist ihr nicht bewusst, dass diese Auszeit einen Wendepunkt in ihrem Leben markieren wird.

Natürlich hat man das so ähnlich schon gelesen. Allerdings haben sich die Autorinnen dann meist in ihren historischen Romanen auf eine Epoche beschränkt, was insgesamt ein runderes, ein stimmigeres Bild abgibt. Aber auch wenn die Verbindung zwischen den beiden Zeitebenen der Autorin nicht sonderlich gut gelungen und ein Spannungsbogen eher nicht vorhanden ist, kann ich diesen Schmöker all jenen empfehlen, die auf der Suche nach einem unterhaltsamen und leicht zu lesenden Roman sind, der sie für ein paar Lesestunden mit in eine weiter zurückliegende Vergangenheit nimmt.

Veröffentlicht am 12.07.2022

Rebus geht die Luft aus

Ein Versprechen aus dunkler Zeit
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Jeder neue Krimi mit einem meiner Lieblingsschotten wird sehnlichst erwartet. So auch „Ein Versprechen aus dunkler Zeit“, Band 23 der Reihe, in dem John Rebus in einem Fall gefordert wird, dessen Aufklärung ...

Jeder neue Krimi mit einem meiner Lieblingsschotten wird sehnlichst erwartet. So auch „Ein Versprechen aus dunkler Zeit“, Band 23 der Reihe, in dem John Rebus in einem Fall gefordert wird, dessen Aufklärung ihm ganz besonders am Herzen liegt. Warum? Weil seine Tochter ihn um Hilfe bittet.

Dass Rebus gesundheitlich angeschlagen ist, Zigaretten und Whisky abgeschworen hat, wissen wir mittlerweile. Jetzt hat er endlich die notwendige Konsequenz gezogen und ist in eine Wohnung im Erdgeschoss umgezogen. Noch hat Siobhan Clarke, die ihm beim Umzug hilft, nicht alle Kisten ausgepackt, als ihn ein Anruf seiner völlig aufgelösten Tochter Samantha erreicht. Ihr Lebensgefährte ist verschwunden. Ohne Nachricht, ohne Ankündigung. Und obwohl Rebus alles andere als ein Familienmensch und das Verhältnis zu seiner Tochter mehr als angespannt ist, lässt er alles stehen und liegen, setzt sich in sein Auto, fährt umgehend zu Tochter und Enkelkind in den äußersten Norden Schottlands und setzt alles daran, den Schwiegersohn in spe zu finden. Tot oder lebendig.

Zuhause in Edinburgh ermitteln Siobhan und der ihr überraschend zur Seite gestellte Malcolm Fox im Fall eines getöteten saudischen Millionärssohnes und versuchen in dessen Oberschicht-Clique Hinweise dafür zu finden, wer ein Interesse an seinem Tod haben könnte. Parallel dazu nimmt ein alter Bekannter Kontakt zu Fox auf. Big Ger Cafferty, der in die Jahre gekommene Boss der Edinburgher Unterwelt, braucht Fox‘ Hilfe und schlägt ihm einen Deal vor. Natürlich nicht, ohne eine entsprechende Belohnung in Aussicht zu stellen.

Mich konnte dieser Band leider nicht überzeugt, und das hat verschiedene Gründe. Obwohl Rebus‘ graue Zellen wie eh und je hervorragend funktionieren, fehlt ihm der Schwung, wirkt er gezeichnet und müde. Ihm geht die Luft aus, was leider auch auf diesen Krimi zutrifft. Es fehlt die Härte und die Unnachgiebigkeit, die wir von Rebus kennen, wenn er sich in einen Fall verbeißt. Und wo bleibt Rankins kritischer Blick auf die gesellschaftlichen Verwerfungen, die üblicherweise Teil der Handlung sind? Es gibt zwar die eine oder andere Randbemerkung, aber diese bleiben hinsichtlich der Story fast gänzlich ohne Relevanz. Und dann das Ende. Gosh, banaler geht’s ja kaum.

Der Krimi liest sich sehr gefällig. Keine Haken, keine überraschenden Wendungen, absolut vorhersehbar. So, wie man es aus unzähligen anderen Büchern dieses Genres kennt. Vielleicht hat sich Rankin dann doch zu sehr von Rebus‘ aktueller Lektüre inspirieren lassen. Lee Child und Karin Slaughter. Autsch.

Veröffentlicht am 27.06.2022

Monsieur Bannalec, das geht besser!

Bretonische Nächte
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Der Autor kennt die Bretagne wie seine Hosentasche und hat schon wiederholt die verschiedenen Facetten dieser Region aufgezeigt. Es sind immer die Alleinstellungsmerkmale der Handlungsorte, denen er seine ...

Der Autor kennt die Bretagne wie seine Hosentasche und hat schon wiederholt die verschiedenen Facetten dieser Region aufgezeigt. Es sind immer die Alleinstellungsmerkmale der Handlungsorte, denen er seine Aufmerksamkeit widmet. Landschaftliche oder kulinarische Highlights, kulturelle und historische Besonderheiten, außergewöhnliche architektonische Kleinode, wie die liebevoll restaurierte Abbye des Anges aus dem 16. Jahrhundert, nahe der Bucht von Aber Wrac’h im Finistère, deren Umgebung er auch in „Bretonische Nächte“ stimmungsvoll und kenntnisreich in Szene setzt.

Kadegs 89-jährige Tante ist verstorben, nachdem zahlreiche Vorboten ihren nahen Tod angekündigt haben. Das allein wäre nicht außergewöhnlich und keine Ermittlung wert, aber dann wird Kadeg nachts auf dem Gelände ihres Anwesen niedergeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Das nehmen nicht nur Kommissar Dupin sondern auch Kadegs Teamkollegen persönlich und setzen alles daran, den Täter/die Täterin dingfest zu machen.

Mittlerweile ist die Reihe beim elften Band angelangt und zeigt leichte Ermüdungserscheinungen. Über weite Strecken hat man den Eindruck, dass sich der Autor nicht entscheiden kann, welches Motiv er den gewalttätigen Übergriffen zugrunde legen soll. Die Handlung plätschert mehr oder weniger vor sich hin, die Anzahl der Verdächtigen ist wie immer übersichtlich. In der Erbmasse ist jede Menge Geld im Spiel, um dessen Verteilung es die eine oder andere Unstimmigkeit gibt. All das reicht aber bei Weitem nicht, um Spannung zu erzeugen und das Interesse an der Auflösung hochzuhalten. Der Berg kreist und gebiert schlussendlich eine Maus, sprich, auf den letzten Metern wird ein Motiv aus dem Hut gezaubert, das zumindest mich nicht überzeugen konnte. Das ist weder komplex noch raffiniert, und die Vermutung liegt nahe, dass dem Autor langsam aber sicher die Ideen ausgehen.

Das Tüpfelchen auf dem i ist jedoch die Schlusssequenz, ein müder Cliffhanger und eine überflüssige Konzession an die Leserschaft.

Veröffentlicht am 21.06.2022

Für Einsteigerinnen geeeignet

Die Liebenden von Bloomsbury – Virginia und die neue Zeit
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Seit Romanbiografien in den letzten Jahren inflationär den Markt überschwemmen, stehe ich diesem Genre zugegebenermaßen skeptisch gegenüber. Nun also „Die Liebenden von Bloomsbury“ über die Frauen der ...

Seit Romanbiografien in den letzten Jahren inflationär den Markt überschwemmen, stehe ich diesem Genre zugegebenermaßen skeptisch gegenüber. Nun also „Die Liebenden von Bloomsbury“ über die Frauen der Bloomsbury Group, und dann gleich noch im Dreierpack. Den Anfang macht Virginia Woolf, kein Postergirl oder die Frau von Soundso, sondern eine ernst zu nehmende Autorin, die seit „A room of one’s own“ vielen Frauen Inspirationen für ein selbstbestimmtes Leben geliefert hat. Die Autorin Stefanie H. Martin schreibt auch Young Adult Romane (überhaupt nicht mein Fall), hat aber auch über Charlotte Brontë promoviert, was eine gewisse Kompetenz vermuten lässt.

Beschrieben werden die Anfänge der Bloomsberries im Zeitraum zwischen 1903 bis 1909, einer Gruppe gut ausgebildeter junger Intellektueller, meist Absolventen der Universität Cambridge, die sich zu Diskussionsrunden über Literatur, Kunst und Wissenschaft im Haus der Stephen-Geschwister Virginia, Vanessa, Toby und Adrian am Gordon Square 46 in Bloomsbury, wobei es im viktorianischen Zeitalter eher unüblich ist, dass Frauen an diesen Zirkeln teilnehmen. Aber es gibt Situationen, in denen man sich gegen Konventionen auflehnen muss, denn nur so besteht eine Chance auf Veränderung. Das ist Virginia zwar bereits früh klar, aber noch bewegt sie sich in diesem vorgegebenen gesellschaftlichen Rahmen, auch wenn ihr Sinnen und Trachten darauf ausgelegt ist, für ihre schreibende Kunst zu leben. Anfangs sind es zwar nur Essays, die sie in verschiedenen Publikationen platzieren kann, aber wir wissen, dass es ihr gelingen, aber sie auch verzehren wird.

Diese Annäherung an Virginia Woolf ist historisch zwar korrekt, aber eben doch sehr populär aufbereitet. Dennoch eignet sich der gut lesbare Roman für „Neulinge“ durchaus als Einstieg in Virginias Leben und Werk. Bleibt zu hoffen, dass die Lust der Leserinnen geweckt wird, Virginia Woolf im Original bzw. der Übersetzung zu lesen.