Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.07.2022

Spannender, wendungsreicher Thriller mit aktueller Thematik und vielen undurchsichtigen Personen. Neben den Gefahren des Internets handelt der Roman von Traumata und schwierigen Familienverhältnissen.

Poppy. Dein Kind verschwindet. Und die ganze Welt sieht zu. (Die Emer-Murphy-Serie 1)
0

Lotte Wiig ist Autorin eines Mamablogs und vermarktet zusammen mit ihrem Ehemann Jens ihr gesamtes Familienleben auf Instagram. Je mehr sie über die zweijährige Tochter Poppy posten, desto mehr Follower ...

Lotte Wiig ist Autorin eines Mamablogs und vermarktet zusammen mit ihrem Ehemann Jens ihr gesamtes Familienleben auf Instagram. Je mehr sie über die zweijährige Tochter Poppy posten, desto mehr Follower und Werbeeinahmen haben sie. Zweifel an der Inszenierung ihres perfekten Lebens kommen Lotte als sie und ihre Tochter von einem Stalker bedroht werden. Dann verschwindet Poppy am Geburtstag ihrer Mutter spurlos, als die Eltern bei einem gesponserten Spa-Aufenthalt sind und Poppy bei ihrem Großvater ist.
Die Polizei ermittelt und hinterfragt, ob es eine Verbindung zu einem vor kurzem entführten kleinem Mädchen gibt, dass jedoch zwölf Stunden später wieder auftauchte. Kommissarin Emer Murphy, die gerade aus einer psychiatrischen Einrichtung entlassen wurde und noch unter Medikamenten steht, stürzt sich in die Ermittlungen, denn die verschwundene Poppy erinnert sie an ein tragisches Ereignis ihrer Vergangenheit, das sie noch nicht verarbeitet hat.
"Poppy - Dein Kind verschwindet. Und die ganz Welt sieht zu" ist der Auftakt einer norwegischen Krimi-Reihe um die Ermittlern Emer Murphy. Es ist ein Thriller mit moderner Thematik, der aus dem Blickwinkel verschiedener Personen geschildert ist. Auf diese Weise erhält man Einblicke in die Familie Wiig, die nicht ganz so perfekt ist, wie sie sich in den sozialen Medien darstellt und in das Leben der Kommissarin Murphy, die selbst ein Päckchen zutragen hat und nach einem Zusammenbruch vor wenigen Wochen noch nicht diensttauglich ist.
Die Handlung wird dabei regelmäßig von Kommentaren auf Lottes Blog oder von Foreneinträgen unterbrochen, was für Abwechslung sorgt und zu Spekulationen führt, ob der Täter unter den bösartigen oder scheinheiligen Kommentatoren sein könnte.
Dabei und durch die Ermittlungen der Polizei kommen immer mehr Details aus Lottes Vergangenheit zutage, so dass fraglich ist, ob es sich um einen klassischen Entführungsfall handelt - insbesondere da es keine Lösegeldforderung gibt - oder ob jemand gezielt Lotte schaden und sich an ihr rächen möchte. Ausgeschlossen werden kann jedoch auch nicht, dass es sich beim Täter um jemanden handelt, der Mitleid mit Poppy hatte und ihr eine bessere Mutter sein möchte.
Der Thriller ist spannend und wendungsreich, da die Mehrzahl der handelnden Personen nicht vertrauenswürdig erscheint und etwas zu verbergen hat.
Der Thriller übt Kritik am Umgang mit Social Media und insbesondere an der öffentlichen Zurschaustellung von Kindern. Gleichzeitig werden die sozialen Netzwerke aber auch nicht nur verteufelt, wenn aufgezeigt wird, wie sich die Online-Community durch Crowdfunding an der Lösung des Falls beteiligt.
Neben den Gefahren des Internets handelt der Roman von schwierigen familiären Konstellationen, von persönlichen Traumata und deren Auswirkungen auf die Gegenwart. Emotional schwankt man zwischen Mitleid und Wut und folgt gebannt die Aufklärung des Falls, in dem es so viele Verdächtige und Motive und so wenig Spuren gibt.
Kommissarin Murphy gilt als intuitive Profilerin, die jedoch aufgrund ihrer Erkrankung stark eingeschränkt ist. Für mich blieb sie in diesem Auftaktband etwas blass und hält damit noch Potential für weitere Bände der Reihe bereit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.07.2022

New York City abseits der Sehenswürdigkeiten. Allerdings beschränken sich die Bilder für meinen Geschmack zu sehr auf Hauseingänge und Fassaden - mögen sie auch noch so hübsch sein.

NEW YORK - Wie es keiner kennt
0

Der Bildband zeigt auf 176 Seiten wunderschöne Bilder des weniger hektischen New Yorks. Die Redakteurin und Fotografin Susan Kaufman hat gezielt ihre Lieblingsorte der Stadt mit der Kamera eingefangen ...

Der Bildband zeigt auf 176 Seiten wunderschöne Bilder des weniger hektischen New Yorks. Die Redakteurin und Fotografin Susan Kaufman hat gezielt ihre Lieblingsorte der Stadt mit der Kamera eingefangen und zeigt mit den Bildern ihr persönliches New York City abseits der Touristenattraktionen. Auf Sehenswürdigkeiten oder Schauplätze, die jeder kennt, wird bewusst verzichtet.
Der Bildband ist übersichtlich in einzelne Stadtteile aufgeteilt, so dass man sich gezielt einen Eindruck von bestimmten Gegenden verschaffen kann. Eingeleitet werden die Kapitel jeweils durch den persönlichen Eindruck der Fotografin zu den Stadtteilen. Am Ende der Abschnitte werden die Lieblingsorte in Form eines kleinen illustrierten Stadtplans noch einmal zusammengefasst.
Viele Bilder - wenig Text. Die Fotografin lässt ihre Bilder sprechen, weist aber in den Bildunterschriften auf den Standort der Gebäude hin, so dass die Möglichkeit besteht, diese selbst aufzusuchen.
Die Mehrzahl der Bilder zeigt schmucke Eingänge, Türen und liebevoll dekorierte Schaufenster - überwiegend Fassaden, die allesamt hübsch anzusehen sind.
Wer schon einmal in New York war oder auch nur Filme und Serien gesehen hat, die dort handeln, wird die typischen Fassaden der Häuser und die charmanten Ecken der Stadt, weg vom Trubel der Massen und modernen Hochhäusern, wiedererkennen.
Für meinen Geschmack hätten die Fotomotive noch vielfältiger sein können, denn mit der Zeit fühlt man sich von der Vielzahl der Fassaden - trotz ihrer architektonischen Besonderheiten - etwas erschlagen.
Es ist nicht wirklich der Eindruck eines New Yorks, wie es keiner kennt, denn es erfolgt eigentlich kein Blick hinter die Fassade. Zudem werden auch berühmte Gebäude gezeigt, die als Filmkulisse dienten.
Das Blättern in dem Bildband, den man jederzeit gerne zur Hand nimmt, ist wie ein Streifzug durch die Stadt und lädt zum Träumen ein und verleitet zum Buchen eines Citytrips. Es ist ein handlicher, kompakter Bildband, der jedoch nicht viel mehr zeigt, als der Instagram-Account von Susan Kaufman, @skaufman4050.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 16.07.2022

Lockerleichte, wendungsreiche Sommerlektüre mit einer sympathischen Protagonistin mit einer Leidenschaft fürs Kochen über einen Neuanfang, Selbstverwirklichung und den Mut, seine Träume zu leben.

Die Liebe fällt nicht weit vom Strand
0

Sophie Petersen ist 29 Jahre alt und arbeitet als Empfangsdame bei der Filmproduktion Triversal. Ihrem Vater zuliebe hatte sie BWL studiert, obwohl sie eigentlich viel lieber Köchin hätte werden wollen. ...

Sophie Petersen ist 29 Jahre alt und arbeitet als Empfangsdame bei der Filmproduktion Triversal. Ihrem Vater zuliebe hatte sie BWL studiert, obwohl sie eigentlich viel lieber Köchin hätte werden wollen. Sie träumt nach wie vor davon, sich selbstständig zu machen und ihre kreativen Gerichte in einem mintfarbenen Foodtruck anzubieten.
Durch einen glücklichen Zufall wird sie vom Fleck weg vom Empfang zum Marketing befördert, um den neuesten Film von Triversal zu bewerben. Bei den Dreharbeiten an der dänischen Nordsee übernimmt sie nicht nur aushilfsweise das Catering sondern lernt auch noch den attraktiven Nick kennen, der sich viel mehr für sie zu interessieren scheint als ihr Freund Tim.

Sophie ist eine unsichere junge Frau, die sich wenig zutraut, sich lieber in Sicherheit wiegt, nur kein Risiko eingeht und sich stattdessen in Tagträumen verliert. Die Beziehung zu Banker Tim gibt ihr Halt, aber romantische Gefühle stellen sich in seiner Gegenwart nicht mehr ein. Die Arbeit am Empfang des Filmunternehmens passt nicht zu ihr und auch die Kollegen sind ihr nicht alle wohlgesonnen. Durch die Arbeit im Marketing erhält sie zumindest die Chance, kreativer tätig zu werden, weshalb sie diese ganz im Gegensatz zu ihrer sonst so zurückhaltenden Art, ergreift.

Der Schreibstil des Romans ist locker-leicht, die Geschichte witzig und unterhaltsam, auch wenn sie durch die Trauer um Sophies Mutter, die im vergangenen Jahr verstorben ist, nachdenkliche und ernste Anklänge hat.
Durch wechselnde Schauplätze und lebendige Nebencharaktere ist die Handlung turbulent und wendungsreich. Sophie sinniert über ihr Leben und entwickelt sich weiter. Sie lernt neue Menschen kennen und hinterfragt ihre zweijährige Beziehung zu Tim.

"Die Liebe fällt nicht weit vom Strand" handelt von einem Neuanfang, von Selbstverwirklichung und dem Mut, seine Träume zu leben. Es ist eine sommerliche Lektüre mit einer sympathischen und authentischen Protagonisten mit einer Leidenschaft fürs Kochen, die sich auch gerne mal mit ihrem Bauch unterhält. Das ständige Grummeln fand ich allerdings etwas irritierend und habe mich tatsächlich gefragt, ob Sophie nicht unter einer Lebensmittelunverträglichkeit leiden könnte.
Die Liebesgeschichte wird nicht in den Fokus gedrängt, sondern entwickelt sich nebenbei, so dass die Romantik in der Geschichte ein wenig kurz kommt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.07.2022

Hitler 2.0? Spannender Thriller um ein bizarres, aber sehr interessantes Gedankenexperiment mit unvorhersehbaren Konsequenzen.

Der Klon
0

Von einer Informantin erhält die Journalistin Mara Erhardt den Hinweis, dass der koreanische Wissenschaftler Moon Dong-soo über Jahre hinweg Hunde und Menschen geklont hat. Ihre Recherchen führen zu Zwillingen ...

Von einer Informantin erhält die Journalistin Mara Erhardt den Hinweis, dass der koreanische Wissenschaftler Moon Dong-soo über Jahre hinweg Hunde und Menschen geklont hat. Ihre Recherchen führen zu Zwillingen nach Berlin, deren Eltern sich aus Verzweiflung über den Unfalltod ihrer ersten Zwillinge im Jahr 2010 an den Wissenschaftler gewandt hatten. Gemeinsam reist sie mit den Zwillingen nach Südkorea, um die Informantin zu treffen und mehr herauszufinden. Diese fühlt sich am Leben bedroht, nachdem ihr Vorgesetzter vermutlich getötet wurde. Offenbar hat er in der Vergangenheit jemanden geklont, was aufgrund seiner Brisanz nicht publik werden soll. Mara stößt bei ihren Recherchen auf Bernd Sörensen, einen deutschen Politiker, dessen rechtspopulistische Partei im Jahr 2033 auf einem gefährlichen Aufwärtstrend ist. Dieser hatte 2007 Moon den Auftrag erteilt, aus einem ungefähr 60 Jahre alten Zahn einen Menschen zu klonen. Adolf Hitler.
Mara ahnt den Scoop ihres Lebens und veröffentlicht ihre Informationen, um zu verhindern, dass sich die deutsche Geschichte wiederholt. Was sie damit anstößt, hat sie nicht berechnet.

"Der Klon" ist ein spannender Thriller um ein bizarres, aber sehr interessantes Gedankenexperiment. Kann es in Deutschland einen Hitler 2.0 geben? Ist ein Klon ein Opfer seiner Gene oder kann er sich individuell entwickeln? Was ist prägender: das Erbgut oder die Erziehung und Umwelteinflüsse?

Die Geschichte, die nur gut zehn Jahre in der Zukunft handelt, erscheint dabei erschreckend real. Nicht nur, dass in einem Labor illegal Menschen geklont werden, sondern auch das politische und wirtschaftliche Szenario, das in Deutschland erschaffen wird, wirkt plausibel. Aus Unzufriedenheit über die Volksparteien und aus Angst vor der wirtschaftlichen Existenz finden die Parolen rechtsgerichteter Parteien, die Nationalismus predigen, ein starkes Deutschland fordern und gegen Überfremdung und die Ausbeutung des kleinen Mannes hetzen, Gehör.
Ob damit eine rechtspopulistische Partei Regierungsverantwortung übernimmt, ein zweiter Hitler an die Macht kommt und es ein Viertes Reich geben wird, ist spannend und wendungsreich inszeniert. Wissenschaftliche, historische und politische Fakten werden dabei nahtlos mit einer fiktiven Geschichte verbunden, was den besonderen Reiz ausmacht. Verschiedene Perspektiven in der Gegenwart im Jahr 2033 und Rückblenden in das Jahr 2007 geben dem Leser einen umfassenden Überblick ohne Spannung einzubußen. Besonders interessant erscheint dabei die Reaktion der Bevölkerung und der Medien, als der Hitler-Klon, ein bekannter Instatuber, öffentlich geoutet wird.

Trotz vieler Fakten überfordert "Der Klon" nicht. Es ist ein Unterhaltungsroman mit einer originellen Idee, die spannend und wendungsreich umgesetzt ist und dabei so authentisch wirkt, dass beängstigend real erscheint, dass ein Viertes Reich durch Manipulation und geschickte Demagogie errichtet werden kann, wenn der entsprechende Nährboden gegeben ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.07.2022

Geschichte über eine verbotene Liebe, Freundschaft und familiäre Bindungen, die Vergangenheit und Gegenwart kreativ mit dem Mysterium um die Dior-Roben verbindet.

Das verlorene Kleid
0

Lucille hat im Gegensatz zu ihrer Mutter eine enge Bindung zu ihrer Großmutter Sylvie. Als diese sie bittet, nach Paris zu fahren, um ein Kleid von Dior, das sie verliehen hatte, zurückzuholen, macht sich ...

Lucille hat im Gegensatz zu ihrer Mutter eine enge Bindung zu ihrer Großmutter Sylvie. Als diese sie bittet, nach Paris zu fahren, um ein Kleid von Dior, das sie verliehen hatte, zurückzuholen, macht sich Lucille ungeachtet ihrer beruflichen Verpflichtungen auf den Weg. Dort erfährt sie, dass ihrer Großmutter acht Kleider gehören, von denen zwei verschwunden sind. Zu den Kleidern gehören Karten, die beschreiben, zu welchen Gelegenheiten eine unbekannte Frau mit den Initialen AA die Kleider getragen hat. Lucille wird neugierig auf eine tragische Liebe aus dem Jahr 1953, die dahinter steckt und wie diese mit ihrer Großmutter zusammenhängen mag.

"Das verlorene Kleid" handelt auf zwei Zeitebenen im Jahr 2017 und 1953. In der Gegenwart gilt es ein Geheimnis der Großmutter um Couture-Roben von Christian Dior zu lüften, während die Vergangenheit sich um Alice Ainsley dreht, der es in ihrer Ehe mit einem britischen Diplomaten nicht an materiellen Dingen mangelt, die jedoch emotional von ihrem Mann vernachlässigt und betrogen fühlt. Auf einem Empfang lernt sie einen Mann kennen, der sie beachtet und in ihr die Vorstellung eines anderen, freien Lebens hervorruft. Sie sehnt sich nach Liebe, Familie und Geborgenheit, ist jedoch gefangen in einer unglücklich Ehe.

Die Geschichte ist bildhaft beschrieben. Sehr anschaulich kann man Lucilles, aber auch Alices Wege durch Paris verfolgen und mit ihnen gemeinsam bekannte Orte und Sehenswürdigkeiten aufsuchen. Dabei bleibt lange undurchschaubar, wie die beiden Zeitebenen zusammenhängen und was es mit der Verbindung der Großmutter mit den Dior-Kleidern auf sich hat.
Die Liebesgeschichte in der Vergangenheit ist sehnsuchtsvoll und romantisch. Man bangt mit Alice, ob sie den Mut aufbringen wird, aus ihrem goldenen Käfig auszubrechen oder ob ihre Liebe tragisch enden wird. Die Liebesgeschichte der Gegenwart ist weit weniger emotional, fügt sich jedoch gut in die Geschichte ein, wobei das schwierige Verhältnis zwischen Mutter und Tochter interessanter erscheint.

"Das verlorene Kleid" führt die/ den Leser*in eindrucksvoll nach Paris und erzählt eine berührende Liebes- sowie eine spannende, konfliktbehafte Familiengeschichte, die dabei die perfekte Balance aus Tragik und Optimismus hält. Es ist eine Geschichte über eine verbotene Liebe, Freundschaft und familiäre Bindungen, die Vergangenheit und Gegenwart kreativ mit dem Mysterium um die Dior-Roben verbindet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere