gebrandmarkt und doch so lebenshungrig
Der Hunger nach LebenHinfallen, Krone geraderücken und vorsichtig wieder aufstehen – so kann man den Lebensweg von Noah in einem Satz beschreiben. Dieser junge Ukrainer aus Großweide ist gebrandmarkt durch die missglückte ...
Hinfallen, Krone geraderücken und vorsichtig wieder aufstehen – so kann man den Lebensweg von Noah in einem Satz beschreiben. Dieser junge Ukrainer aus Großweide ist gebrandmarkt durch die missglückte Ausreise seiner Familie im Jahr 1930. Damals ist er gerade 10 Jahre alt und als sein Vater wegen dieser Flucht als Volksverräter verurteilt wird, beginnt für Noahs Familie ein Leben der Entbehrungen, der Schikanen und der Verluste. Ella Zeiss ist es mit diesem Schicksalsroman sehr gut gelungen die damaligen Verhältnisse in der Ukraine in bewegende Worte zu fassen. Da kann der Leser nicht ohne eigene Emotionen weiterlesen. Immer, wenn ich gedacht habe – jetzt findet Noah endlich einen/seinen Weg – werden ihm wieder neue Steine in den Weg gelegt. Die Entbehrungen, der ständige Hunger wie auch die Lebensbedingungen der Familie sind mir sehr zu Herzen gegangen. Diese Zeit ist in die Geschichte der Ukraine als Holodomor (Aushungerung) eingegangen. Mit seinen 10 Jahren musste Noah frühzeitig erwachsen werden. Da der Vater im Gefängnis darbte, musste er als Familienoberhaupt für Essen sorgen. Eine äußerst demütigende wie aussichtslose Aufgabe in dieser Zeit. Und immer hieß es achtsam wegen Fangfragen durch Spitzel und die Staatsicherheit zu sein. Ein Leben, ohne offene Gedankenäußerung und in der ständigen Gefahr verraten und verurteilt zu werden. Für mich waren das sehr emotional aufgeladene, aber auch spannende Lesestunden. Von mir gibt’s 4,5 Lese-Sterne und ich bin schon jetzt neugierig ob und wie es mit Noah und Jakobine weitergeht.