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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2022

Schwächer als von Tess Gerritsen gewohnt

Mutterherz
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Tess Gerritsen erzählt diese Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und ihr Schreibstil ist wie gewohnt absolut flüssig und schnell zu lesen. Leider gibt es in „Mutterherz“ sehr viele Kapitel aus der ...

Tess Gerritsen erzählt diese Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und ihr Schreibstil ist wie gewohnt absolut flüssig und schnell zu lesen. Leider gibt es in „Mutterherz“ sehr viele Kapitel aus der Sicht von Janes Mutter Angela. Zuerst noch ganz amüsant, fand ich ihre Geschichte irgendwann jedoch eher langweilig und zu konstruiert. Durch die vielen Kapitel aus Angelas Sicht, kam der Mordfall, sowie auch das Privatleben von Jane und Maura diesmal eindeutig zu kurz. Von den beiden (eigentlichen) Protagonistinnen hätte ich gerne mehr gelesen.
Der Fall (der leider immer wieder von Angelas Kapiteln unterbrochen wird), das Zusammenführen der losen Fäden und auch die Auflösung - die schon relativ früh zu erahnen ist - haben mir wieder gut gefallen, doch ich habe die typische Spannung der Rizzoli und Isles Reihe vermisst. Das Buch ist meiner Meinung nach eher ein Spannungsroman, als ein Thriller.

Fazit: Ich habe bisher mit Begeisterung alle Bücher dieser Reihe gelesen und auch „Mutterherz“ hat mich gut unterhalten, auch wenn es leider schwächer als gewohnt ist.

Veröffentlicht am 30.08.2022

Temporeich und spannend

Die Spur − Er wird dich finden
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Inhalt: In Lissabon, sowie auch nur wenige Tage später in Salzburg, werden makaber zur Schau gestellte Leichen gefunden: Beide Toten wurden an belebten Plätzen als Statuen aufgestellt. Inga Björk und Christian ...

Inhalt: In Lissabon, sowie auch nur wenige Tage später in Salzburg, werden makaber zur Schau gestellte Leichen gefunden: Beide Toten wurden an belebten Plätzen als Statuen aufgestellt. Inga Björk und Christian Brand, zwei Topermittler von Europol, werden mit der Aufklärung beauftragt, denn die Fälle scheinen miteinander in Verbindung zu stehen. Die Spur führt die beiden zu einer Eliteschule für junge Talente in Bologna.

Meine Meinung: „Die Spur“ ist schon der 3. Fall für die Schwedin Inga Björk und den Österreicher Christian Brand, aber für mich war es das erste Buch von Jan Beck. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, hatte ich nicht den Eindruck, wichtiges Vorwissen verpasst zu haben, bis auf die Weiterentwicklung der beiden Protagonisten. Das hat mich aber auch nicht sehr gestört, ich war nur überrascht, dass die beiden sich auch bei dem dritten gemeinsamen Fall noch siezen.
Die Morde habe ich als sehr grausam und auch als absurd empfunden, konnte aber darüber hinwegsehen, da das Buch insgesamt sehr spannend ist und die Leiden der Opfer nicht allzu detailreich oder grausam geschildert werden. Da die Fälle, sowie auch die Spuren, denen die Ermittler nachgehen, länderübergreifend sind, wechseln nicht nur die relativ kurzen Kapitel schnell, sondern auch die Schauplätze, sowie die Erzählperspektiven. Daraus und natürlich auch aus dem permanent ansteigenden Spannungsbogen, entsteht ein ziemlich schnelles Tempo und ein Lesesog, dem ich mich schlecht entziehen konnte. Auch der Schreibstil gefällt mir gut, nur mit den beiden Protagonisten muss ich mich noch etwas anfreunden, vor allem Björk kann ich bisher nicht richtig einschätzen. Da ist es gut, dass Teil 1 „Das Spiel“ schon hier bereitliegt.
Von der Aufklärung hatte ich etwas Spektakuläreres erwartet, auch wenn ich die Zusammenhänge so nicht vorausgesehen habe.

Fazit: Ein temporeicher, gut konstruierter und spannender Thriller, der mich neugierig auf die zwei Vorgänger gemacht hat.

Veröffentlicht am 26.08.2022

Bewegender Gesellschaftsroman

Was auf das Ende folgt
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Inhalt: Eines Nachts verschwindet der 3-jährige Harry Monroe spurlos aus seinem Kinderzimmer. Trotz der intensiven Suche der Polizei gibt es auch Wochen später noch keine Spur von dem kleinen Jungen. Doch ...

Inhalt: Eines Nachts verschwindet der 3-jährige Harry Monroe spurlos aus seinem Kinderzimmer. Trotz der intensiven Suche der Polizei gibt es auch Wochen später noch keine Spur von dem kleinen Jungen. Doch während die verzweifelte Mutter an Türen klopft, immer wieder Plakate aufhängt und sich mit Alkohol und Männern abzulenken versucht, geht das Leben in der kleinen kalifornischen Kleinstadt Tall Oaks weiter. Jeder kennt hier jeden, und jeder hat Mitgefühl, aber auch eigenen Sorgen und Probleme. Und so wird jeder zum Verdächtigen und schließlich kommen gut gehütete Geheimnisse ans Licht …

Meine Meinung: „Was auf das Ende folgt“ ist kein Kriminalroman, wie man vielleicht zuerst vermuten würde. Das Verschwinden des kleinen Jungen ist eher die Rahmenhandlung und roter Faden, der sich durch die Geschichte zieht und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Einwohnern von Tall Oaks deutlich macht. Und so wechselt die Handlung sehr oft zwischen den ungewöhnlich vielen Charakteren. Am Anfang fiel es mir wegen dieser Vielzahl an Personen nicht leicht, den Überblick zu behalten, doch ich konnte tatsächlich fast alle relativ schnell zuordnen. So gut wie alle Einwohner von Tall Oaks haben ihre speziellen Eigenheiten und werden teilweise skurril und humorvoll, teilweise aber auch traurig und erschütternd beschrieben. Die meisten Charaktere waren mir nicht besonders sympathisch, andere sind mir mit der Zeit richtig ans Herz gewachsen, so wie z.B. der großspurige Teenager Manny, der gerne Gangster werden möchte, aber eigentlich einen weichen Kern hat. Über ihn musste ich am häufigsten Schmunzeln.
Durch viele Geheimnisse, die nur angedeutet werden, gibt es ebenso viele Verdächtige und so war ich eine zeitlang auf der falschen Spur. Das Ende fand ich sehr emotional und es hat mich ziemlich hart getroffen, denn mit dieser Auflösung hatte ich nicht gerechnet.
Der Schreibstil von Chris Whitaker lässt sich sehr schnell und flüssig lesen und durch die vielen Perspektivwechsel und kurzen Abschnitte, kam ich sehr schnell mit dem Lesen voran. Obwohl die Geschichte tragisch ist, gibt es durchaus auch einige humorvolle Abschnitte.

Fazit: „Was auf das Ende folgt“ ist ein bewegender Gesellschaftsroman, bei dem sehr viele problembelastete und ungewöhnliche Charaktere aufeinandertreffen, von denen mir einige sicher noch eine Weile in Erinnerung bleiben werden.

Veröffentlicht am 30.07.2022

70er Jahre Markisen im Ruhrpott

Der Markisenmann
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Inhalt: Nach einem von ihr verschuldeten tragischen Vorfall wird die 15-jährige Kim in den Sommerferien kurzerhand zu ihrem leiblichen Vater abgeschoben. An Roland Papen, von Kims Stiefvater ironisch nur ...

Inhalt: Nach einem von ihr verschuldeten tragischen Vorfall wird die 15-jährige Kim in den Sommerferien kurzerhand zu ihrem leiblichen Vater abgeschoben. An Roland Papen, von Kims Stiefvater ironisch nur „der feine Herr Papen“ genannt, kann Kim sich allerdings nicht erinnern, denn sie war erst zwei Jahre alt, als er sie und ihre Mutter verließ. Seitdem hatten sie keinen Kontakt.
Natürlich hat sich Kim in ihrer Phantasie ein Bild von ihm gemacht und als sie ihn zum ersten Mal sieht, ist sie maßlos enttäuscht. Ein kleiner Mann, mit dünnem Haar und schiefer Brille. Und zu allem Überfluss lebt er in einer Lagerhalle und verkauft hässliche Markisen aus Restbeständen der ehemaligen DDR. Doch nach und nach werden Vater und Tochter zu einem tollen Team und der Sommer wird für beide unvergesslich…

Meine Meinung: Jan Weiler erzählt die Geschichte aus der Sicht der damals 15-jährigen Kim. Inzwischen ist sie um die dreißig Jahre alt und erinnert sich an diesen besonderen Sommer.
Das Cover ist so hässlich wie die Markisen, die Ronald Papen verkauft. Hätte ich nicht im Internet gegeisterte Rezensionen gelesen, so hätte ich das Buch auf keinen Fall beachtet. Das ist schade, denn hinter dem Cover steckt eine gute Geschichte.
Kim ist eine verwöhnte und unzufriedene 15-jährige, der es zwar nicht an materiellen Dingen fehlt, dafür aber an Verständnis und Liebe. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und dem jüngeren Halbbruder, der die volle Aufmerksamkeit und Zuneigung der Eltern bekommt. Kim fühlt sich unverstanden und es kommt zu einer plötzlichen und völlig unerwarteten Reaktion von ihr, die für ihren Bruder schmerzvolle und weitreichende Folgen hat. Den Urlaub bei ihrem leiblichen Vater hält sie für eine Strafaktion und verhält sich zunächst bockig.
Ronald Papen wohnt in seiner Lagerhalle und verkauft im Haustürgeschäft ziemlich erfolglos seine Markisen. Er nimmt die Arbeit als seine Strafe für etwas an, das wir erst am Ende des Buches erfahren. Er ist ein bescheidener Mann und scheinbar zufrieden mit seinem Leben. Seine Tage sind durchstrukturiert und haben meistens den gleichen Ablauf. Weder stellt er Kim Fragen, noch versucht er, sie zu erziehen und macht dadurch unbewusst alles richtig. Er wird als ziemlich skurril, aber auch äußerst liebenswert beschrieben, ebenso wie seine Freunde, mit denen er abends in Rosis Pilztreff zusammensitzt. Alle Charaktere sind mir im Laufe der Geschichte ans Herz gewachsen.
Durch Kims manchmal etwas fragwürdige und absurde Ideen, verkaufen sie zusammen mehr Markisen als jemals zuvor und erleben einige sehr schräge und witzige Situationen.
Je besser Kim und Ronald sich kennenlernen, desto mehr mögen sie sich und es macht Spaß die beiden auf ihrem tragisch komischen Weg zu begleiten. Denn „Der Markisenmann ist eigentlich eine ernste Geschichte über nicht wieder gutzumachende Fehler in der Vergangenheit, über das Erwachsenwerden und über Freundschaft und Familienbande. Jan Weiler ist es gut gelungen, die Tragik mit Humor zu verbinden und eine unterhaltsame Geschichte zu schreiben.

Veröffentlicht am 27.07.2022

Positive und schöne Geschichte

Die Melodie der Bienen
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Inhalt: Die 44-jährige Alice hat vor einem Jahr ihren Mann verloren. Seitdem lebt sie allein und ihr ganzer Lebensinhalt sind ihre Bienenvölker. Um jede einzelne Biene, die sie verliert, tut es ihr leid. ...

Inhalt: Die 44-jährige Alice hat vor einem Jahr ihren Mann verloren. Seitdem lebt sie allein und ihr ganzer Lebensinhalt sind ihre Bienenvölker. Um jede einzelne Biene, die sie verliert, tut es ihr leid. Doch sie weiß auch, dass sie bei der Arbeit mit den mehr als hunderttausend Bienen Unterstützung braucht. Dann lernt sie den 18-jährigen Jake kennen, der seit einem dummen Unfall im Rollstuhl sitzt und nicht weiß, wie es weitergehen soll. Kurzentschlossen nimmt sie ihn bei sich auf. Schließlich kommt noch der junge Harry dazu, der sich auf Alices Stellenanzeige meldet. Harry ist vorbestraft, äußerst schüchtern und hat Angst vor Bienen, ist aber dringend auf den Job angewiesen. Diese drei so unterschiedlichen Menschen finden zueinander und lernen dabei ihr Schicksal anzunehmen und positiv in die Zukunft zu schauen.
Als Jake eines Tages erkennt, dass das Summen der Bienen sich verändert hat, findet Alice schnell den Grund dafür heraus und riskiert bei dem Versuch, die Bienen zu retten sogar ihre Arbeitsstelle.

Eileen Garvin erzählt die Geschichte - Ihren Debütroman - ruhig und unaufgeregt und man erkennt schnell, dass sie weiß wovon sie schreibt, denn sie ist selbst Imkerin. Sie verpackt auf unterhaltsame Weise viele interessante Informationen und Wissenswertes über Bienen in ihrer Geschichte und man spürt ihre Liebe zu den kleinen Lebewesen. Zudem gibt es am Anfang jeden Kapitels eine kurze Information über Bienen. Auch die Beschreibungen der ländlichen Umgebung sind gut gelungen, so dass ich beim Lesen ein Bild vor Augen hatte.
Die Autorin beschreibt ihre drei Protagonisten warmherzig und authentisch. Alice, Jake und Harry haben jeder eine schwierige und berührende Vergangenheit, mit deren Folgen sie nun zurecht kommen müssen. Ihr Zusammenleben, Respekt und Verständnis und schließlich die Sorge um das Leben der Bienen, schweißt sie zusammen. Ich fand sie alle drei liebenswert, aber Jake habe ich von Anfang an am meisten gemocht und seine positive Entwicklung und seine Freude an der Arbeit mit den Bienen hat mich ganz besonders berührt.
Ein weiterer Aspekt dieses Romans sind die Auswirkungen von chemischen Düngemitteln auf die Umwelt (u.a. auf die Bienen) und Alices Protest dagegen.
Insgesamt hat mir der Roman wirklich gut gefallen, doch es gibt durchaus auch immer mal wieder Längen.

Fazit: „Die Melodie der Bienen“ ist ein ruhiges und positives Buch über drei Menschen, die gemeinsam den Mut finden, ihr Leben neu anzupacken. Und ein Buch über mehr als hunderttausend Honigbienen, über die ich viel gelernt habe und die ich jetzt mit ganz anderen Augen sehe. 4 Sterne