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Veröffentlicht am 28.07.2022

Vergiss mich nicht

Schlaft, Kinder, schlaft (Ewert Grens ermittelt 2)
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Kriminalkommissar Ewert Grens ist kein sympathischer Zeitgenosse, früher oder später verscherzt er es sich mit allen Mitmenschen, sogar mit denen, die er mag. Als er von dem Verschwinden eines kleinen ...

Kriminalkommissar Ewert Grens ist kein sympathischer Zeitgenosse, früher oder später verscherzt er es sich mit allen Mitmenschen, sogar mit denen, die er mag. Als er von dem Verschwinden eines kleinen Mädchens erfährt, recherchiert er fieberhaft, obwohl der Fall längst abgeschlossen ist. Schließlich zieht er Parallelen zu einem fast identischen Fall, als sein Chef ihn beurlaubt, weil er der Meinung ist, dass Grens Abstand und Ruhe braucht. Statt Urlaub zu machen, ermittelt Grens privat weiter und stößt auf menschliche Abgründe, die er sich in seinen schlimmsten Alpträumen nicht hätte vorstellen können.

Dies ist der zweite Fall für Ewert Grens und leider habe ich den Vorgänger noch nicht gelesen, obwohl das Buch bereits lange auf meiner Wunschliste steht. Ich hatte hier aber dennoch zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, als würde mir Vorwissen fehlen. Zwar gibt es viele Andeutungen zu einer der beteiligten Personen und auch hinsichtlich Grens wurden nicht alle meine Fragen beantwortet, aber dennoch hat mich das nicht gestört, weil die laufende Ermittlung meine volle Konzentration gefordert hat. Der Titel lässt vielleicht vermuten, was der Buchrücken verrät; es geht um das Darknet, genauer gesagt um Kindesmissbrauch. Wer in dieser Hinsicht empfindlich ist oder generell das Thema meidet, sollte vom Buch Abstand nehmen. Ich bin nicht zartbesaitet, was das Thema angeht, aber diese Geschichte brachte mich fast an meine Grenzen.

Die Story fängt harmlos an, steigert sich aber immer weiter, um in einem Finale zu münden, das mich sprachlos zurückgelassen hat. Hierbei gab es keine Stelle, die langweilig gewesen, kein Kapitel, das ohne Spannung ausgekommen wäre, keine Seite war zu viel. Der zeitweilige Wechsel der Sichtweisen hat mir sehr gefallen und auch die Zuordnung mancher Aktionen durch Angabe von Datum oder Uhrzeit war klug gewählt. Das machte es leichter, der Geschichte zu folgen, die manchmal einen passenden Zeitsprung tat. Ganz besonders gefiel mir übrigens der Kriminalkommissar. Grens ist ein zerrissener, aber unglaublich interessanter Charakter, von dem ich noch mehr erfahren möchte. Dies bleibt nicht das letzte Buch des Autors, das ich gelesen habe.

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Veröffentlicht am 27.07.2022

Brennende Welt

Im Feuer
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Die Polizistin Lilly Hed hat sich aus privaten Gründen aus der Großstadt Stockholm ins beschauliche Nynäshamn versetzen lassen. Es ist Sommer, die Hitze unerträglich und bald kommen Brände hinzu, die kaum ...

Die Polizistin Lilly Hed hat sich aus privaten Gründen aus der Großstadt Stockholm ins beschauliche Nynäshamn versetzen lassen. Es ist Sommer, die Hitze unerträglich und bald kommen Brände hinzu, die kaum zu bändigen sind. Als dem ersten Todesfall der nächste folgt, ist unklar, ob es sich um Unglücksfälle oder ein Verbrechen handelt. Lilly beginnt zu ermitteln, als ihre Vergangenheit sie doch noch einzuholen droht.

Dies ist der erste Teil einer neuen Buchreihe um Lilly Hed und ich bin bereits jetzt ein großer Fan. Der Schreibstil ist sehr angenehm und mir gefiel auch der Aufbau des Buches sehr; die in unregelmäßigen Abständen zwischen Lilly und anderen Beteiligten wechselnde Perspektive wurde unterbrochen durch Nachrichtentexte, dazwischen gab es geheimnisvolle Erinnerungen einer unbekannten Person. Dieser Wechsel sorgte für angenehme Abwechslung und eine permanente Spannung. Der fiktive Fall war total interessant, wobei die Autorin hier sehr geschickt ein ernstes und sehr reales Thema eingebaut hat, nämlich den Klimawandel. Hierbei hat sie die Thematik aber weder überstrapaziert, noch erschöpft, was mir angenehm aufgefallen ist. Das Privatleben von Lilly wurde ebenfalls thematisiert, sodass ich mir ein gutes Bild von ihr als Person machen konnte. Das Buch war unglaublich spannend, das letzte Drittel sogar sehr dramatisch, die Auflösung schlüssig und absolut befriedigend. Ein wirklich toller Start der Buchreihe, der mich vollends überzeugen konnte. Ich freue mich bereits sehr auf die Fortsetzung, die leider erst in einem Jahr erscheint, aber Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Von mir die volle Punktzahl und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 24.07.2022

Kleine Freuden

Schläft ein Lied in allen Dingen
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Das nächste kleine Bändchen im Hosentaschenformat ist bei mir eingezogen und ergänzt meine kleine Sammlung. Eine schöne und interessante Auswahl an Gedichten von Goethe, Rilke, Busch, aber auch Joachim ...

Das nächste kleine Bändchen im Hosentaschenformat ist bei mir eingezogen und ergänzt meine kleine Sammlung. Eine schöne und interessante Auswahl an Gedichten von Goethe, Rilke, Busch, aber auch Joachim Ringelnatz und vielen anderen mehr oder weniger bekannten Künstlern. Mit schönen Illustrationen ergeben diese ein weiteres tolles Werk zum blättern, lesen, vorlesen und natürlich auch zum verschenken. Volle Punktzahl gibt es von mir für dieses zauberhafte Büchlein.

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Veröffentlicht am 18.07.2022

Wir sind unendlich

Unser Plan für die Welt
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Asha ist zu Schulzeiten in Cyrus verliebt, er aber nimmt sie gar nicht wahr, im Laufe der Zeit vergisst sie ihn. Sie geht ihren Weg und findet gerade zu sich selbst, als Cyrus eines Tages unerwartet wieder ...

Asha ist zu Schulzeiten in Cyrus verliebt, er aber nimmt sie gar nicht wahr, im Laufe der Zeit vergisst sie ihn. Sie geht ihren Weg und findet gerade zu sich selbst, als Cyrus eines Tages unerwartet wieder vor ihr steht. Der Zauber ist ungebrochen, innerhalb von zwei Monaten heiraten die beiden und ziehen zusammen. Gemeinsam mit Jules, dem besten Freund von Cyrus, gründen sie ein Start-up und stürzen sich in die Entwicklung einer App für Menschen, die keiner Religion angehören wollen. Was anfangs so leicht klingt, entwickelt einen unglaublichen Sog und nach einiger Zeit auch eine seltsame Eigendynamik, die die Beziehung der Freunde zueinander auf die Probe stellt.

Anfangs konnte ich die Story nicht genau einordnen, es war unklar, ob es eine Liebesgeschichte oder eher doch ein Buch über eine innovative Idee, die zum Erfolg führt, sein soll. Ich hatte das Gefühl, der Autorin selbst war dies auch nicht von vornherein klar. Irgendwie ist es beides und harmoniert wider Erwarten ganz wunderbar. Es wurden viele Themen angeschnitten, ob Rassismus, Sexualität, Diversität oder Fragen zum Klimawandel, es gibt kaum etwas, was ausgelassen wurde. Dies war allerdings okay, denn zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass ich bekehrt oder missioniert werden sollte. Im Gegenteil fand ich es interessant, wie diese Themen fast spielerisch in das Geschehen eingebaut worden sind. Als hätte die Autorin sich freigeschrieben, wurde die Story mit jeder Seite komplexer und die Geschichte immer spannender, bis der Zeitpunkt kam, an dem ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Immer wenn ich dachte, ich wüsste, wo die Reise hingeht, hat die Geschichte mir eine lange Nase gezeigt. Glücklich war ich mit vielen Entscheidungen von Asha nicht, aber es waren nicht meine, insofern hielt sich meine Entrüstung in Grenzen. Die Kombination aus Job und Privatleben führt zu vielen Verwicklungen und nimmt eine Wendung, die ich nicht erwartet habe. Hierbei zieht sich ein feiner Humor durch das Buch, der genau meinen Geschmack getroffen hat. Ironie und Sarkasmus stehen oft im Vordergrund und lockern so manche Szene auf, was mir sehr gefallen hat. Ein wunderbares Buch, das die volle Punktzahl verdient und für das ich gerne eine Leseempfehlung gebe.

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Veröffentlicht am 14.07.2022

We Are the Champions

Das Leben vor uns
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Anja und Milka sind zusammen aufgewachsen, die besten Freundinnen wohnen am Stadtrand von Moskau und genießen dort ihre Kindheit und Jugend, probieren sich aus. Es sind die Achtzigerjahre, die letzten ...

Anja und Milka sind zusammen aufgewachsen, die besten Freundinnen wohnen am Stadtrand von Moskau und genießen dort ihre Kindheit und Jugend, probieren sich aus. Es sind die Achtzigerjahre, die letzten Jahre der Sowjetunion brechen an. Als eine Tragödie passiert, nimmt die Unbeschwertheit ein plötzliches Ende und nichts ist mehr so, wie es einmal war.

„Wie glücklich wir damals waren, wie unschuldig - und unsere Freundschaft ebenso rein und heil wie unsere Träume.“ (Seite 231)

Im ersten Teil des Buches erzählt Anja über ihre Kindheit, vorrangig ihre Beziehung zu Milka, ihre beste Freundin seit Kindesbeinen. Die Freundschaft zwischen den beiden ist so tief und schön, es war eine Freude, Anjas Erzählungen zu folgen. Die politische Situation in Russland in den Achtzigerjahren wird thematisiert, nimmt aber nicht zu viel Raum ein, der Fokus liegt auf der Beziehung der beiden Mädchen zueinander. Ich fühlte mich in meine eigene Jugend zurückversetzt und schwelgte oft in Erinnerungen. Die Selbstverständlichkeit, mit der Anja die Lebensumstände in Russland in der damaligen Zeit schildert, fand ich bewundernswert. Keine Klage, kein Gejammer, es ist ein entbehrungsreiches Dasein, das klaglos hingenommen wird, in allem wird das Schöne gesucht und das Leben zelebriert.

Dieses unbeschwerte Leben hat ein Ende, als die Mädchen sechzehn Jahre alt sind, und etwas schlimmes passiert, das zu einer Tragödie führt. Ich selbst habe als Erwachsene Ähnliches erlebt und fühlte mich getriggert. Ich habe mitgefühlt, mitgelitten und mitgeweint, ohne Frage war dies der emotionalste Teil der Geschichte für mich. In dem zweiten Teil geht es um das Leben danach, um die Frage, wie man damit umgeht, wie verarbeitet man ein solches Trauma? Es war sehr spannend, zu verfolgen, wie das junge Mädchen älter wird und zur Frau reift, wie ihr Leben verläuft und wie die Vergangenheit trotzdem immer wieder Einfluss nimmt.

Ein interessanter Einblick in die Geschichte Russlands, ein Buch über das Erwachsenwerden, Freundschaft, Familie und Heimat. Ein tolles Debüt, das ich gerne empfehle und mit voller Punktzahl bewerte.

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