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Veröffentlicht am 09.08.2022

Wunderbare Lesemomente

Sturm über dem Inselsalon
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Als der Erste Weltkrieg ausbricht haben auch die Menschen auf der Nordseeinsel Norderney hart zu kämpfen. Die Urlaubsgäste kommen nicht mehr und somit haben viele Familien kein Einkommen mehr. Da die meisten ...

Als der Erste Weltkrieg ausbricht haben auch die Menschen auf der Nordseeinsel Norderney hart zu kämpfen. Die Urlaubsgäste kommen nicht mehr und somit haben viele Familien kein Einkommen mehr. Da die meisten Männer in den Krieg gezogen sind, müssen die Frauen nun allein zurechtkommen. Frieda führt nun den Inselsalon mit ihrer Schwiegermutter Jakomina durch die harten Zeiten und auch ihre Freundin Grete schlägt sich als Krankenschwester mühsam durch. Sie warten gemeinsam auf Nachrichten von ihren Ehemännern. Doch leider fordet der Krieg auch auf Norderney viele Opfer. Als der Krieg endlich zu Ende ist, schöpfen die Menschen neue Hoffnung. Frieda wird schnell klar, daß sie sich mit dem Inselsalon den neuen Zeiten anpassen muß. Sie stellt dafür ihr ganzes Leben auf den Kopf.

"Sturm über dem Inselsalon" ist der zweite Teil einer Familienchronik auf der Nordseeinsel Norderney. Sylvia Lott erzählt darin die Geschichte einer Familie, die einen Friseursalon betreibt und versucht, jeder Zeit und Mode gerecht zu werden. So wird zuerst der Kaiser und seine Gefolgschaft sehr verehrt und danach wird die neue Zeit genauso gefeiert. Man versucht, sich stets anzupassen. Die harte Kriegszeit beschreibt Sylvia Lott sehr lebendig. Die Verluste, die die Familien hinnehmen müssen, sind enorm und man spürt deutlich die Angst der Menschen um ihre Angehörigen. Um den Zusammenhalt der Inselgemeinschaft kann man die Bewohner nur beneiden. Das ist wohl etwas ganz besonderes und funktioniert nur in einer so kleinen Gemeinschaft.
Das Buch schließt an den ersten Teil nahtlos an. Es ist auch genauso unterhaltsam und sorgt für schöne Lesemomente. Außerdem macht Lust auf Teil drei!

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Veröffentlicht am 30.07.2022

Wahnsinnig gut!

Das Gotteshaus
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Pfarrerin Jack Brooks wird von Nottingham in das kleine Dorf Chapel Croft versetzt. Für sie und ihre Tochter Flo bietet sich dadurch ein Neustart. Doch Chapel Croft hat eine finstere Geschichte. Vor 500 ...

Pfarrerin Jack Brooks wird von Nottingham in das kleine Dorf Chapel Croft versetzt. Für sie und ihre Tochter Flo bietet sich dadurch ein Neustart. Doch Chapel Croft hat eine finstere Geschichte. Vor 500 Jahren wurden acht Märtyrer verbrannt, vor 30 Jahren verschwanden zwei Mädchen für immer und vor 2 Monaten erhängte sich ein Pfarrer in der Kapelle. Das Dorf ist Jack und Flo gegenüber zweigeteilt - manche reagieren abweisend, andere freundlich. Doch ist diese Freundlichkeit echt? Und was hat es mit den Erscheinungen der brennenden Mädchen auf sich?

"Das Gotteshaus" von C. J. Tudor hat mich vollends begeistert. Es beinhaltet wirklich alles. Krimi, Horror und ein wenig Humor findet sich auch. Das Buch beginnt schon richtig gruselig, ich konnte es von der ersten Seite an nicht mehr aus der Hand legen. Die Frage, was es mit dem Exorzismus auf sich hatte, zieht sich durch das ganze Buch. Ebenso wie die Frage, warum sich Reverend Fletcher erhängt hat. Das Buch hat neben dem Geschehen in Chapel Croft noch einen zweiten Handlungsstrang - ein Mann, der auf der Suche nach jemandem ist. Langsam kristallisiert sich heraus, daß er Jack sucht. Und sie ist auf der Flucht vor ihm. Doch warum? In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Auch die Dorfbewohner geben Rätsel auf. Abweisend bis freundlich - hier stoßen Jack und Flo auf beides. Doch wem können sie trauen? Oder wird mit ihnen ein falsches Spiel gespielt? C. J. Tudor schreibt auf wunderbar fesselnde Weise. Ihre Art, dieses extrem spannende Buch mit etwas Humor aufzulockern, hat mich begeistert. Man erhält hier z. B. Vergleiche mit "Inspector Barnaby". Das fand ich extrem witzig. Überhaupt schreibt sie sehr locker und anschaulich. Man fühlt sich direkt nach Chapel Croft versetzt und kann sich dieses Dorf genau vorstellen. Aber auch die spannenden Szenen wirken real, rauben den Atem und die gruseligen Elemente erzeugen Gänsehaut, so genau sind sie beschrieben.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen und es bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 28.07.2022

Bewegend

Die karierten Mädchen
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Klara ist 21 Jahre alt und erblindet, als sie plötzlich auf die Idee kommt, ihre Lebenserinnerungen auf Kassetten zu sprechen. Sie beginnt, als sie im Jahr 1929 als junge Lehrerin eine Stelle in einem ...

Klara ist 21 Jahre alt und erblindet, als sie plötzlich auf die Idee kommt, ihre Lebenserinnerungen auf Kassetten zu sprechen. Sie beginnt, als sie im Jahr 1929 als junge Lehrerin eine Stelle in einem Kinderheim in Oranienbaum antritt. Eines Tages wird dort ein kleines jüdisches Mädchen namens Tolla abgegeben. Die Kleine faßt zu Klara sofort vertrauen. Die Not dieser Jahre trifft auch das Kinderheim und Klara sieht keinen anderen Weg, als sich mit den Nationalsozialisten zu arrangieren. Sehr spät merkt sie, mit welchen menschenverachtenden Parolen diese das Volk aufhetzen. Die Gefahr für Juden wird immer größer. Damit Tolla bei ihr bleiben kann gibt, sie das Kind als ihr eigenes aus. Da Klara inzwischen eine Vorzeigeschule der neuen Regierung leitet, kommen immer wieder Nazi-Größen zu Besuch. Klara kann Tolla nicht mehr verstecken. Sie hat große Angst, daß ihre Lüge ans Licht kommt und trifft eine harte Entscheidung.

Alexa Hennig von Langes Buch "Die karierten Mädchen" ist ein ganz besonderes Buch. Die Autorin verarbeitet darin die Erinnerungen ihrer Großmutter, die tatsächlich über 130 Kassetten besprochen hat. Ich stelle es mir aufregend vor, die Stimme der Großmutter nach ihrem Tod zu hören und ihren Erinnerungen zu lauschen. Ob man ihr jemals zu ihren Lebzeiten so nahe gekommen ist, ist fraglich. Die Geschichte beschreibt ein ungewöhnliches Leben. Wer hat damals schon Kontakt zu den Nazi-Größen gehabt? Trotzdem wirft die Handlung Fragen auf., die sich jeder in dieser Zeit stellen mußte: Wie weit geht der Selbsterhaltungstrieb und was kann ich ohne Regung mitansehen? Hier trifft der Bibelspruch: "Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein" voll zu. Es sind nicht die Erinnerungen allein, die so ans Herz gehen. Auch die warmherzige und liebevolle Erzählweise der Autorin macht die Geschichte so richtig angenehm. Man erlebt deutsche Geschichte aus der Sicht des einfachen Volkes und erfährt dabei noch kuriose Einzelheiten (Sonntagsbraten). "Die karierten Mädchen" ist ein Buch, das ich so schnell nicht vergessen werde!

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Veröffentlicht am 28.07.2022

Perfekte Unterhaltung

Das Flüstern des roten Ahorns
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Hannah ist vor vielen Jahren im Streit mit ihrer Großmutter Dora auseinander gegangen. Als ihre Eltern sich getrennt haben, hat Dora sich auf die Seite des Vaters gestellt und jeden Kontakt zu Hannah und ...

Hannah ist vor vielen Jahren im Streit mit ihrer Großmutter Dora auseinander gegangen. Als ihre Eltern sich getrennt haben, hat Dora sich auf die Seite des Vaters gestellt und jeden Kontakt zu Hannah und ihrer Mutter abgebrochen. Doch nun hatte Dora einen Unfall und Hannah wurde um Hilfe gebeten. Sie soll die Pension ihrer Großmutter in dem kleinen Ort Quesnel weiterführen. Also macht Hannah sich auf den Weg nach Kanada. Schon auf der Fahrt dorthin macht sie Bekanntschaft mit dem alleinerziehenden Nick. Die Begegnung verläuft nicht gerade harmonisch und wird auch nicht besser, denn Nick wohnt mit seiner Tochter in der Pension von Hannahs Großmutter. Er scheint ein düsteres Geheimnis zu hüten und läßt niemanden nahe an sich heran. Gerade deshalb wird Hannahs Neugierde geweckt. Irgendwann merkt sie, daß der kühle Nick gar nicht so übel ist. Da hat sie ihr Herz aber schon an ihn verloren und ihr Leben wird total auf den Kopf gestellt.

"Das Flüstern des roten Ahorns" ist eine wirklich nette Geschichte für einen gemütlichen Tag im Liegestuhl. Mit ihrem lockeren Schreibstil sorgt Kate Dakota für gute Laune. Die Personen dieser Geschichte sind alle liebenswert. Das Thema einer furchtbaren Krankheit wird nicht beschönigt, aber auch nicht dramatisiert. Der Roman zeigt, daß mit guten Freunden und einer Familie, die zusammenhält, vieles machbar ist. Die Handlung wird durch die Krankheit aber nicht runtergezogen. Dem Leser wird in dieser Geschichte ganz viel geboten. Pannen, Situationskomik, sogar eine Schatzsuche und natürlich Liebe! Es ist alles dabei, was für gute Unterhaltung sorgt. Dieses Buch ist ein absoluter Wohlfühlroman, der für entspannte Stunden sorgt!

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Veröffentlicht am 27.07.2022

Wieder einmal richtig gut gelungen

Surfermord in Neuharlingersiel. Ostfrieslandkrimi
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Als der Immobiliengutachter Theo Thönes nicht zu einem Gerichtstermin erscheint, macht sich sein Mandant Ingo Bauhagen auf die Suche nach ihm. Er findet den begeisterten Kite-Surfer erdrosselt in seinem ...

Als der Immobiliengutachter Theo Thönes nicht zu einem Gerichtstermin erscheint, macht sich sein Mandant Ingo Bauhagen auf die Suche nach ihm. Er findet den begeisterten Kite-Surfer erdrosselt in seinem Camper in Neuharlingersiel. Die Wittmunder Kripo rund um Nina Jürgens hat einiges zu tun, denn es gibt mehrere Eigenschaften von Theo, die ihm Feinde gemacht haben. Er hat sich sowohl durch seine Gutachten, die durchaus Existenzen bedroht haben, als auch durch seinen Hang zu Frauen nicht gerade beliebt gemacht. Außerdem gab es noch einen handfesten Streit mit einem anderen Surfer. Es muß in viele Richtungen ermittelt werden....

"Surfermord in Neuharlingersiel" ist bereits der 15. Fall für die Kripo Wittmund. Rolf Uliczka schafft es jedoch perfekt, die einzelnen Bände so zu schreiben, daß man jederzeit neu einsteigen kann. Die Fälle selbst sind abgeschlossen. Natürlich wird immer mal kurz auf alte Fälle Bezug genommen und die Ermittler entwickeln sich privat weiter, jedoch wird alles notwendige kurz erklärt, so daß keine Wissenslücken entstehen. Die Mitarbeiter der Kripo Wittmund sind durchweg sympathisch dargestellt und mir mittlerweile so vertraut wie gute Freunde. Es ist immer wieder schön, wenn ich an ihrem Leben teilhaben kann. Der Fall selbst ist auch diesmal wieder sehr spannend. Es gibt sehr viele Spuren, immer neue Verdächtige und das Ende bietet hier, wie von Rolf Uliczka gewohnt, eine dicke Überraschung. Der Autor schafft es, den Leser mit seinem ihm eigenen Stil an das Buch zu binden. Die Kapitel sind kurz und übersichtlich, nach jedem Kapitel wechselt der Schauplatz - dadurch wird man animiert immer nochmal ein Kapitel mehr zu lesen. Rolf Uliczka schreibt sehr detailliert. Sowohl seine Charaktere, als auch die Landschaft Ostfrieslands werden hier lebendig. Man merkt, daß Rolf Uliczka mit Herzblut schreibt!

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