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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2022

Gute Kurzgeschichte, die viel Einblick in forensische Methoden bietet

Kaltes Land
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„Kaltes Land“ ist mein erster Thriller von Michael Tsokos (sieht man von dem mit Sebastian Fitzek verfassten Thriller „Abgeschnitten“ ab). Im Mittelpunkt steht die Berliner Rechtsmedizinerin Sabine Yao, ...

„Kaltes Land“ ist mein erster Thriller von Michael Tsokos (sieht man von dem mit Sebastian Fitzek verfassten Thriller „Abgeschnitten“ ab). Im Mittelpunkt steht die Berliner Rechtsmedizinerin Sabine Yao, die, obwohl persönlich betroffen, die Ermordung ihrer Tante in Kiel untersucht.
Da es sich bei „Kaltes Land“ um eine gut 100-seitige Kurzgeschichte handelt, bleibt nicht viel Platz für eine tiefere Charakterisierung Sabine Yaos oder eine komplexe Mordermittlung. Doch Michael Tsokos beherrscht vor allem sein Fachgebiet, die Forensik. Und so legt er besonderen Wert auf eine gute, übersichtliche rechtsmedizinische Ermittlung, wobei er perfekt die Balance zwischen Fachsprache und Verständlichkeit findet. Die Hintergründe des Mordes und des Täters sind recht schnell klar und auch Sabine Yaos privater Hintergrund (ihre Familienverhältnisse und eine unglückliche Verlobung) können nur kurz, aber dennoch geschickt eingebaut werden. Das Ende lässt einige Fragen offen und wirkt etwas ungeschickt. Aber ein Cliffhanger lässt auf eine Fortsetzung hoffen, dann hoffentlich in einer ausführlicheren Form, die den Personen und der Handlung mehr Platz lässt.
Insgesamt ein netter Band für einen gemütlichen Leseabend, ansprechend geschrieben, aber mit Luft, sich zu entfalten

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Humorvolle Dystopie einer Welt, auf die wir zusteuern

QualityLand
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Eine voll digitalisierte Welt, wo keiner mehr Kontrolle über seine Daten hat
Peter Arbeitsloser, benannt nach dem Beruf seines Vaters, lebt in Qualityland, alle Daten werden gesammelt, die Menschen werden ...

Eine voll digitalisierte Welt, wo keiner mehr Kontrolle über seine Daten hat
Peter Arbeitsloser, benannt nach dem Beruf seines Vaters, lebt in Qualityland, alle Daten werden gesammelt, die Menschen werden in Level eingeteilt, und das System – das keine Fehler macht – bringt für jeden personalisierte Werbung, den passenden Partner und der Versandhandel bringt einem alles, bevor man weiß, dass man es braucht. Mit anderen Worten alles ist OK, oder besser gesagt am OKsten. Doch als Peter etwas geliefert bekommt, was er nun wirklich nicht will, kommt er ins Grübeln über seine Welt.
Marc-Uwe Kling ist eine humorvolle Dystopie gelungen, die unseren Weg in die vollständige Digitalisierung und das Ausschlachten unserer Daten, um unser Leben zu optimieren, weiterdenkt und dabei durchaus einen wahren Kern trifft.
Die Romanhandlung selbst ist eher einfach gehalten, andere Dystopien wie Orwells „1984“ haben da mehr Tiefgang. Grundsätzlich findet man nicht viele neue Gedanken. Den Reiz liegt dann in der Aktualisierung, denn der weltweit größte Onlinehandel TheShop, der schon vorher weiß, was man benötigt, hat wohl nicht zufällig Ähnlichkeiten mit einem real existierenden Online-Händler. Dennoch unterhält der Roman mit seinem Humor und regt dann durchaus auch mal zum Nachdenken an, ob es nicht eher erschreckend ist, was in Qualityland passiert und ob wir nicht schon selbst in Qualityland leben.
Was mir persönlich gefallen hat, ist die Idee, die Handlung immer wieder mit (Qualityland-)Werbung oder Social-Media Beiträge nebst den dazugehörigen Kommentaren zu unterbrechen (die dann im Buch weiß auf schwarz gedruckt sind). Schon das Impressum bietet etwas zum Schmunzeln .
Insgesamt ein guter, nicht allzu anspruchsvoll geschriebener Roman, der auf humorvolle Art unterhält und zum Nachdenken anstoßen kann, auch wenn er nicht den Tiefgang von Orwell, Huxley oder Bradbury hat.
Dennoch eine Leseempfehlung für einen schönen Lesetag.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Pilgerreise an Spaniens Küste mit interessanten Pilgern und Gedanken zum Leben

...und plötzlich Pilger
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Johannes Zenker, Jahrgang 1988, Redakteur einer Norddeutschen Zeitung und verheiratet, beschließt, auf dem spanischen Küstenweg nach Santiago zu pilgern. In Form von Tagebucheinträgen beschreibt er seine ...

Johannes Zenker, Jahrgang 1988, Redakteur einer Norddeutschen Zeitung und verheiratet, beschließt, auf dem spanischen Küstenweg nach Santiago zu pilgern. In Form von Tagebucheinträgen beschreibt er seine Erlebnisse und Erfahrungen.
Das Buch ist über weite Strecken unterhaltsam geschrieben, besonders gelungen sind dabei die Begegnungen mit anderen Pilgern und das Erleben der nordspanischen Natur. Der Stil ist locker und einfach geschrieben, leicht zu lesen.
Schrwieriger und nicht so gut gelungen finde ich die Passagen, wo Johannes Zenker versucht tiefgründigere Gedanken unterzubringen. Zum einen konnten mich seine Gedankengänge oft nicht überzeugen, zudem wirkten sie zuweilen auch aufgesetzt und erzwungen. Als Beispiel nenne ich die „Aufgabe“, die ihm ein Mitpilger gegeben hat, ob der Selbstmord von seinem Bruder richtig gewesen sei. Wenn er dagegen die Pilgergedanken seiner Mitpilger oder die Begegnungen beschreibt, sind seine Erkenntnisse bedeutend besser beschrieben. Seine Begegnung mit „der langsamsten Pilgerin“ zum Beispiel ist sehr gelungen.
Etwas nervend dagegen empfand ich den „running gag“, dass Johannes Zenker mit völlig falschen Schuhen läuft. Was am Anfang noch amüsant rüberkommt, wird bei der fünften und sechsten Erwähnung müde. Zudem wirken seine Reaktionen da eher kindlich.
Insgesamt eine nette, einfache Pilgerwegbeschreibung mit einigen Schwächen.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Launige Unterhaltung für Katzenliebhaber mit kleinen Längen

Pfoten vom Tisch!
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Nach seinen Erfahrungen auf dem Jakobsweg und dem biographischen Werk seiner Kindheit legt Hape Kerkeling nun sein drittes Buch vor und liest praktischerweise auch selbst die Hörbuchfassung, die hier ...

Nach seinen Erfahrungen auf dem Jakobsweg und dem biographischen Werk seiner Kindheit legt Hape Kerkeling nun sein drittes Buch vor und liest praktischerweise auch selbst die Hörbuchfassung, die hier besprochen wird.
Wenn man die Bücher von Hape Kerkeling liest oder hört, merkt man, dass ihm diese eine Herzensangelegenheit sind. Seine Erfahrungen auf dem Jakobsweg und seine Kindheitheit waren dabei sehr persönlich. Und immer, wenn es persönlich wird, haben seine Bücher die größte Stärke.
Sein neustes Werk über seine Liebe zu Katzen ist wohl vor allem auch entstanden, weil durch Corona die Zeit da war, ein neues Buch zu schreiben. Dem Thema fehlt dabei die Tiefe wie bei seinen anderen Büchern, was dem Thema geschuldet ist. Die erste Hälte des (Hör-)Buchs ist dabei die stärkere Hälfte, denn Hape erzählt hier von seinen eigenen Erfahrungen mit Katzen. Beginnend mit einer ersten Erfahrung, die ihm klar machte, dass er der Katzentyp und nicht der Hundetyp ist, seine erste Katze, als er ein Kind war, bis hin zu seinen Leben mit Katzen als Erwachsener. Diese Beschreibungen sind unterhaltsam, lustig und auch mal traurig. Man merkt, besonders beim Hörbuch, dass diese Beschreibungen persönlicher Erfahrung entspringen, und Hape liest dies auch mit der ihm eigenen Art launig und unterhaltsam vor.
Im zweiten Teil geht es mehr um Wissenswertes über Katzen, dies zum Teil in Form von Top-Ten Listen (beliebteste Katzenarten, Katzengesten, …). Das ist leider zum Teil ermüdend, zum Glück kann Hape hier aber auch seine Begeisterung für das Thema vermitteln, was über diese Längen hinweghilft. Auch Esoterisches findet hier (mit einem Augenzwinkern) seinen Platz.
Auch wenn immer wieder einmal Tipps für Katzenhalter eingestreut sind, ist dies mit Sicherheit kein Ratgeber. Katzenbesitzer werden keine großen neuen Erkenntnisse gewinnen und Menschen ohne Katzen werden gut unterhalten, werden sich aber nach der Lektüre wohl keine Katze anschaffen.

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Veröffentlicht am 01.08.2022

Psychospiel mit einigen Längen

Das Wesen
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Der Psychiater Dr. Lichner sass 13 Jahre für den Mord an einem kleinen Mädchen im Gefängnis – unschuldig, wie er immer betonte. Zwei Jahre nach seiner Entlassung steht Bernd Menkhoff, der Kommissar, ...

Der Psychiater Dr. Lichner sass 13 Jahre für den Mord an einem kleinen Mädchen im Gefängnis – unschuldig, wie er immer betonte. Zwei Jahre nach seiner Entlassung steht Bernd Menkhoff, der Kommissar, der ihn hinter Gitter brachte, vor seiner Tür. Dr. Lichner soll seine eigene Tochter entführt haben, eine Tochter, die er nie hatte. Ein Psychospiel zwischen den beiden Feinden beginnt, und die Frage ist, ob Menkhoff damals einen Unschuldigen ins Gefängnis brachte.
Arno Strobel entwickelt eine schnelle Handlung, die einen immer mehr zweifeln lässt, was wahr oder falsch, wer gut oder böse ist Alles liest sich sehr gut, ein echter Pagetuner, die meiste Zeit. Leider gerät die Handlung in der Mitte etwas ins Stocken, weil man das Gefühl hat, dass die Handlung sich im Kreis dreht. Zudem werden die herausstechenden charakteristischen Eigenheiten der Protagonisten zeitweise sehr penetrant herausgehoben. Viele Erklärungen am Ende wirken dann auch eher zufällig oder konstruiert.
Insgesamt ein unterhaltsamer Thriller mit einigen Längen und Unglaubwürdigkeiten.

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