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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Mühlviertler Gift
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Das Team rund um Oskar Stern hat sich noch kaum von Edwins Tod erholt hat, als ein, in der Politik gut bekannter Geschäftsmann auf einer Parkbank sitzend tot aufgefunden wird. Schnell ist klar, dass der ...

Das Team rund um Oskar Stern hat sich noch kaum von Edwins Tod erholt hat, als ein, in der Politik gut bekannter Geschäftsmann auf einer Parkbank sitzend tot aufgefunden wird. Schnell ist klar, dass der Mann vergiftet worden ist.

Um Mara Grünbrecht, Edwins Verlobte aus ihrer Trauer herauszuholen, beschließt Chefinspektor Oskar Stern, sie in die Ermittlungen einzubeziehen, vor allem als klar wird, dass der Tote seine Ehefrau regelmäßig schwerst misshandelt hat. Stern zählt auf Maras Instinkt und darauf, dass die Ehefrau des Mordopfers eher mit einer Frau als mit einem Mann über ihr Martyrium spricht.

Natürlich sind die nahen Angehörigen in erster Linie verdächtig. Vor allem in diesem Fall, in dem die Mutter und die Schwester der Witwe einen Freudentanz aufführen und auch noch wie Pech und Schwefel zusammenhalten.

Doch ist die Lösung des Falls wirklich so simpel?

Meine Meinung:

Eva Reichl hat hier einen ganz tollen Krimi geschrieben. Zum einem thematisiert sie das Trauma, wenn ein Kollege im Dienst stirbt und zum anderen schreibt sie über häusliche Gewalt, die quer durch alle Gesellschaftsschichten präsent ist.

Gut gelungen ist die Gratwanderung bei der Trauerbewältigung um Edwins Tod (siehe „Mühlviertler Kreuz-4“). Der Dienst, der durch den Verlust eines Kollegen stark belastet ist, muss weitergehen. Die Kollegen sind da ziemlich gefordert und der Neue im Team hat es nicht wirklich leicht. Doch Oskar Stern ist ein guter Vorgesetzter, der auch die manchmal unwirsch reagierende Mara Grünbrecht zur Räson bringt.

Eva Reichl legt sowohl für die Leser als auch für die Ermittler zahlreiche Spuren, von denen die eine oder andere anfangs viel verspricht, um anschließend in einer Sackgasse zu münden.

Die Charaktere sind sehr gut angelegt. Sie dürfen ihre Ecken und Kanten haben, sowie Gefühle wie jeder Mensch zeigen.

Schmunzeln musste ich, als Mara den Dienstwagen havariert hat, das Team auf ein neues, schnelles Fahrzeug hofft und alle enttäuscht werden.

Fazit:

Ein sehr gut gelungener Krimi, der ernste Themen anspricht und sehr gut auflöst. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.08.2022

Open Your Mind - mit und ohne Chemie

Yoga, Tee, LSD
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Open Your Mind – mit und ohne Chemie!

Andrea Jungaberle ist Notfallmedizinerin und Anästhesistin. Als solche sind ihr Drogenge- und missbrauch sehr gut bekannt. Zusätzlich forscht sie seit Jahren intensiv ...

Open Your Mind – mit und ohne Chemie!

Andrea Jungaberle ist Notfallmedizinerin und Anästhesistin. Als solche sind ihr Drogenge- und missbrauch sehr gut bekannt. Zusätzlich forscht sie seit Jahren intensiv zum Thema Bewusstseinserweiterung. Nun hat sie dieses Sachbuch geschrieben.

Obwohl es hier um ein ernstes Thema geht, kommt auch der Humor nicht zu kurz. Jedes Kapitel hat einen Songtext als Überschrift:

Let`s Talk About Drugs, Baby
It Ain´t Me Babe - Was hat das alles mit dir zu tun?
Skandal im Sperrbezirk - legale und illegale BEwusstseinsänderung
Money for Nothing - Von Gurus, Möchtegern-Experten und dreisten Abzockernn
Walking on the Moonv- Erleben in psychedelischen Erfahrungen
No Milk Today - nichtpaharmakologische Techniken, um das Bewusstsein zu erweitern
Light my Fire - Alkohol, Nikotin und Koffein
Black Hole Sun - Antidepressiva und Antipsychotika
The Drugs don`t Work - Opiate, Beruhigungsmittel, Ketamin, Stimulantien und Cannabis
The End Of The World We Know It - Psychedelika und Entaktogene
Losing My Religion - Das Problem der kulturellen ANeignung und die gesellschaftliche Verantwortung
Major Tom To Ground Control - Integration und bewusster Substanzgebrauch
I Just DIed In Your Arms Tonight - Tripsitting, Notfälle und und psychische Störungen
Wind Of Change - Magic Mushrooms auf Rezept

Die Autorin lädt in ihrem Buch die Leser ein, sich eingehend mit dem Thema zu beschäftigen und zu hinterfragen, was Drogen eigentlich wirklich „können“ und was nicht.

Der Schreibstil ist weder reißerisch noch verharmlosend, sondern fachlich fundiert. Die zahlreichen weiterführenden Tipps regen an, sich mit der Materie weiter zu beschäftigen.

Fazit:

Das Buch ist unterhaltsam, persönlich und mit großem Engagement geschrieben. Risken und Nebenwirkungen? Eine Horizonterweiterung für diejenigen, die sich mit diesem Thema befassen wollen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 05.08.2022

Eine Hommage an einen fast Vergessenen

Gareth Jones
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„Gareth Jones – Chronist der Hungersnot in der Ukraine 1932/33“


Dieses Buch des polnischen Autors Mirosław Wlekły ist die Biografie eines zu Unrecht längst Vergessenen: Gareth Jones.

Wer ist er nun, ...

„Gareth Jones – Chronist der Hungersnot in der Ukraine 1932/33“


Dieses Buch des polnischen Autors Mirosław Wlekły ist die Biografie eines zu Unrecht längst Vergessenen: Gareth Jones.

Wer ist er nun, dieser Gareth Jones?

Gareth Jones (1905-1935) war ein walisischer Journalist, der in den Jahren 1930, 1931 und 1933 mehrere Reisen in die Sowjetunion unternommen hat. Als Politberater des britischen Premierministers David Lloyd George war er der erste und einzige westliche Journalist, der sich zu jener Zeit in der Ukraine aufgehalten hat und über die dortige Hungersnot berichtet hat. Diese als Holodomor in der Geschichte bekannte Katastrophe ist kein Naturereignis, sondern ein von Josef Stalin bewusst herbeigeführter Tod an der ukrainischen Bevölkerung. Die Bauern wurden enteignet, des Viehs, des Saatgutes und der Ernte beraubt. Wer sich weigerte, dem Kolchos beizutreten wurde entweder gleich ermordet oder nach Sibirien verschleppt. Warum? Das Getreide wurde gegen harte Devisen exportiert, um Maschinen zur Industrialisierung der Landwirtschaft zu kaufen.

Gareth Jones hat dies alles dem Westen berichtet und wurde nicht ernst genommen. Im Gegenteil, man hat seine Recherchen hinuntergespielt und ihn mundtot gemacht. In der Sowjetunion wurde er Persona non grata.

Auf seiner letzten Reise nach Mandschuko, einem von den Japanern zwischen 1932 und 1945 errichteten Kaiserreich in der (eigentlich) chinesischen Mandschurei, wurde Garth Jones entführt und vermutlich vom sowjetischen Geheimdienst ermordet.

Meine Meinung:

Der Holodomor - Töten durch Hunger - war mir zwar bekannt, doch Gareth Jones war es nicht.
Dies Biografie vermittelt einen besonderen Eindruck dieser Jahre. Der Journalist hat Adolf Hitler und seine Gefolge kennengelernt und ist sogar mit ihm in einem Flugzeug geflogen. Dabei sollen die denkwürdigen Worte gefallen, dass wenn das Flugzeug abstürze, die Weltgeschichte eine andere sein würde. Weiter erhalten wir Einblick in die zaudernde Haltung des britischen Premierministers David Lloyd George und in den Wahnsinn Josef Stalins.

Vernichtung der Ukraine um jeden Preis? Kommt uns das bekannt vor? Dass das erste Todesopfers eines Krieges (und sei es ein Krieg gegen die eigenen Bürger) die Wahrheit ist, zeigt dieses Buch deutlich. Niemand im Westen wollte über die schrecklichen Ereignisse in der Ukraine der dreißiger Jahre lesen. Journalistenkollegen und Politiker haben Gareth Jones mundtot gemacht.

Zahlreiche Ausschnitte aus Briefen und einige Fotos bringen uns die Person Gareth Jones näher. Interessant die These, dass George Orwell, nach einem Treffen mit Gareth Jones, zu seinem Buch „Animal Farm“ inspiriert worden ist.

Mirosław Wlekły, geboren 1978, Reporter, Autor von sechs Sachbüchern und Co-Autor von fünf auf Fakten beruhenden Theaterstücken lebt in Warschau.


Das Buch wurde für das Finale des Literaturpreises »Juliusz« 2020 nominiert, der für die beste polnische Biografie des Jahres vergeben wird. 2020 vom ukrainischen Verlag Choven verlegt, wurde das Buch vom PEN-Club der Ukraine als eines der besten Bücher des Jahres bewertet.


Fazit:

Diese Biografie ist die Geschichte eines Journalisten, der den Mut hatte, die Wahrheit über die Situation in der Ukraine öffentlich auszusprechen und dafür mit seinem Leben bezahlt hat. Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 03.08.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Auge um Auge, Mord um Mord
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Nach einer größeren Pause lässt Autor Peter Wehle seinen Hofrat Magister Ludwig Halb wieder ermitteln. Eigentlich hat er gar keine Zeit dazu, denn er steckt mitten in den Vorbereitungen zur Hochzeit mit ...

Nach einer größeren Pause lässt Autor Peter Wehle seinen Hofrat Magister Ludwig Halb wieder ermitteln. Eigentlich hat er gar keine Zeit dazu, denn er steckt mitten in den Vorbereitungen zur Hochzeit mit seiner Delia.

Der fünfte Fall für Halb und sein Team beginnt recht eigenartig: Eine Gruppe Ritter überfällt zwei ältere Ehepaare und raubt ihre Wertsachen. Ein Mann kommt nach einem Herzinfarkt gerade noch mit dem Leben davon. Dieser Überfall wird nicht der einzige bleiben und letztlich gibt es auch Tote.

Nun fragt man sich, wer dahinter steckt bzw. wohin die Truppe verschwindet, denn Ausrüstung und Pferde lassen sich ja nicht ganz so leicht verstecken. Bei den Ermittlungen trifft Hofrat Halb auf einen alten Bekannten, der im neuen Gewand seine Verbrecherkarriere weiterführt. Und auch Delias Vergangenheit, die man tunlichst unter den Tisch kehren möchte, kommt wieder ins Spiel.

Meine Meinung:

Peter Wehle hat mit seinem Hofrat Halb einen sympathischen Ermittler geschaffen. Immer wieder macht sich der Autor über die Titelsucht in Österreich lustig. Überhaupt trägt Humor, manchmal schwarz und bitterböse, zum Erfolg dieser Reihe bei. Daneben wird den Tafelfreuden inklusive Mehlspeisorgien gefrönt.

Obwohl es zu Beginn ziemlich gemächlich zugeht, nimmt der Krimi schnell an Fahrt auf und entwickelt sich zu einer komplexen Geschichte, die in einem furiosen Showdown endet.

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Immer wieder blitzen Wiener Charme sowie das für Österreich typische „ein bisserl was geht immer“ durch.

Mir ist Hofrat Ludwig Halb und sein Team ans Herz gewachsen. Ich freue mich schon auf einen nächsten Fall und hoffe, diesmal nicht so lange darauf warten zu müssen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 5. Fall für Hofrat Magister Ludwig Halb, der mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.08.2022

Fesselnd bis zur letzten Seite

Flammen über der Marsch
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Mit diesem 8. Fall für Lyn Harms ist Autorin Heike Denzau ein wahres Meisterstück gelungen.

Eigentlich soll einem Brandstifter das Handwerk gelegt werden, der in der Marsch sein Unwesen treibt. Als die ...

Mit diesem 8. Fall für Lyn Harms ist Autorin Heike Denzau ein wahres Meisterstück gelungen.

Eigentlich soll einem Brandstifter das Handwerk gelegt werden, der in der Marsch sein Unwesen treibt. Als die Feuerwehr abermals zu einem Brand gerufen wird, werden zwei tote Frauen gefunden, wobei eine der beiden in einem nahen Bach ertränkt worden ist. Hat der Brandstifter seine „Arbeitsweise“ geändert? Denn bislang gab es nur Sachschaden.

Die Ermittlungen von Lyn Harms und ihren Kollegen führen sie nicht nur zur Familie der beiden Opfer, sondern auch zu einem Vermisstenfall, der bereits vier Jahre zurückliegt.

Je mehr sich die Polizei mit dieser Familie beschäftigt, desto klarer wird: Hier liegen zahlreiche Geheimnisse verborgen. Wie tief diese Abgründe sind, lest bitte selbst.

Meine Meinung:

Als Vielleserin bin ich schon zahlreichen KrimiautorInnen begegnet, doch kaum eine schafft es, mich so zu fesseln wie Heike Denzau.

Der Krimi beginnt beinahe ruhig und entwickelt sich immer mehr zu einer Abfolge von Verbrechen, um das Vorhergegangene zu vertuschen. Das Sprichwort der alten Römer „crimen criminem invocat“ übersetzt: „Ein Verbrechen zieht weitere nach sich“, passt hier perfekt.

Ihre Figuren sind durchdacht, scheinen Menschen wie du und ich zu sein, doch niemand weiß um die tiefen Abgründe dieser Personen. Dass sich einige der irdischen Gerichtsbarkeit entziehen, ist durchaus verständlich, wenn auch mehr als feige.

Sehr gut sind die Passagen, in denen die Leser quasi im Kopf des Täters sitzt, gelungen. Dieses Selbstmitleid, in dem sich der Täter suhlt, ist sowohl für die Ermittler als auch für die Leser schwer zu ertragen. Das beweist auch Reaktion der Polizisten.

So quasi als „Gegenmittel“ zur intensiven Polizeiarbeit dürfen wir aktiv am Familienleben von Lyn Harms teilnehmen. Hier sorgen die beiden Töchter und das Nesthäkchen Emil für heitere Momente. Die Autorin schafft hier eine ausgewogene Mischung, die mir sehr gut gefällt. Bin schon neugierig, ob die Figur der Doro in den nächsten Fällen eine Rolle spielen wird. So Spökenkieker sind eine Bereicherung in jedem Krimi.

Fazit:

Ein kriminalistisches Meisterstück, dem ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.