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Veröffentlicht am 20.09.2022

Verwirrspiel der besonderen Art

Lukusch
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Der Regisseur und Autor Benjamin Heisenberg hat mit seinem Debütroman "Lukusch" eine interessante und unterhaltsame Mischung aus Texten, Bildern, Genres und Perspektiven der Charaktere erschaffen. Doch ...

Der Regisseur und Autor Benjamin Heisenberg hat mit seinem Debütroman "Lukusch" eine interessante und unterhaltsame Mischung aus Texten, Bildern, Genres und Perspektiven der Charaktere erschaffen. Doch worum geht es? Anton Lukusch kommt dreizehnjährig, 1987, ein Jahr nach Tschernobyl, aus der Ukraine nach Westdeutschland. Er wird begleitet von seinem gleichaltrigen Freund Igor. Die beiden sind auf fast paranormale Art und Weise miteinander verbunden und unzertrennlich. In Deutschland wird Anton zum Schachgenie, an dem alle verdienen möchten. 30 Jahre später taucht Igor überraschend als Schachgroßmeister auf und Simon Ritter, der Sohn der Gastfamilie, in der die beiden Jungen während ihres Aufenthalts in der Bundesrepublik Deutschland lebten, versucht den nunmehr verschwundenen Anton zu finden.

Der Roman präsentiert sich als eine Sammlung von Fundstücken, die in einer Aneinanderreihung von Kurzgeschichten die Suche nach dem verschwundenen Wunderkind Anton dokumentiert. Heisenberg kombiniert geschickt Bildmaterial, Zeitungsausschnitte, Dialogsequenzen, Plakate, Protokolle und Themen. So entsteht eine sich immer weiter steigernde Spannung, die bis zum Ende anhält. Die Lesenden bleiben mit dem Ich-Erzähler Simon auf der Fährte Antons und dem Mysterium seines Verschwindens. Nebenbei erfährt man vieles über die Lebensgeschichten der Protagonisten, ihre Beweggründe, Intentionen und die zeitgeschichtlichen Rahmenbedingungen. Was davon wahr ist und was fake, müssen die Leser*innen im Verlauf der Geschichte selbst entscheiden.

Das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, berührt, im besten Sinne irritiert und verwirrt. Meine absolute Leseempfehlung für diesen Roman.

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Veröffentlicht am 26.08.2022

Literaturhotspot im Paris der 1920er Jahre

Die Buchhändlerin von Paris
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Kerri Maher versetzt die Lesenden mit ihrer Romanbiografie in das Paris der 1920er Jahre. Wir begegnen der Amerikanerin Sylvia Beach und begleiten sie bei der Gründung der berühmtesten Buchhandlung von ...

Kerri Maher versetzt die Lesenden mit ihrer Romanbiografie in das Paris der 1920er Jahre. Wir begegnen der Amerikanerin Sylvia Beach und begleiten sie bei der Gründung der berühmtesten Buchhandlung von Paris: Shakespeare & Company. Die internationale Literaturszene geht bei ihr ein und aus und Sylvia verlegt und veröffentlicht schließlich mit großer Leidenschaft und Opfern James Joyce "Ulysses". Doch die Autorin thematisiert nicht nur die Geschichte der Buchhandlung. Die Leser*innen erfahren auch viel über Sylvias Privatleben und ihre große Liebe Adrienne Monnier, sowie das Leben der Stammgäste von Shakespeare & Company wie Ezra Pound, Ernest Hemingway, Gertrude Stein, Paul Valéry und anderen.

Das Buch hat es von der ersten Seite an geschafft, mich in die Zeit und das Leben von Sylvia Beach mitzunehmen. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, neben ihr zu stehen, den Gesprächen mit den Autoren und Kunden in der Buchhandlung zu lauschen und mit meinen Fingern über die Rücken der Bücher im Laden zu streichen. Auf der letzten Seite kam es mir vor, als ob ich eine Menge neue Freunde gewonnen hätte. Ach ja, und meine Leseliste ist nach der Lektüre ein ganzes Stück länger geworden.

Gelungen fand ich ebenfalls, dass die Autorin im Nachwort erklärt hat, was an der erzählten Geschichte der Wahrheit entspricht und was nicht. Ergänzend dazu hat sie dem Buch eine ausgewählte Literaturliste beigefügt.

Das Buch verspricht ein exquisites Lesevergnügen für alle Fans der Literatur der 1920er Jahre, von Buchhandlungen und dem Ambiente jener Zeit - und nicht zu vergessen, von Paris.

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Veröffentlicht am 14.08.2022

Tatort Sächsische Schweiz

Wolfshappen
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Mit "Wolfshappen" hat Thea Lehmann ihren siebten Fall um den Kommissar Leo Reisinger veröffentlicht.

Im Nationalpark wird ein toter Wolfsschützer gefunden und die ermittelnden Beamten geraten zwischen ...

Mit "Wolfshappen" hat Thea Lehmann ihren siebten Fall um den Kommissar Leo Reisinger veröffentlicht.

Im Nationalpark wird ein toter Wolfsschützer gefunden und die ermittelnden Beamten geraten zwischen die Fronten der Jäger innen und der Wolfsschützerinnen. Die Lesenden erfahren viel über die Argumente beider Seiten, sind bei den Ermittlungen immer ganz nah am Geschehen. Thea Lehmann schafft es mit Humor, leiser Ironie und bildreichen Beschreibungen, den Fall spannend und lebendig darzustellen. Die Protagonisten sind oft unbequem, schräg, auf jeden Fall bemerkenswert. Mit einer großen Portion Lokalkollorit begleiten wir Kommissar Reisinger im Beruf aber auch im gar nicht so einfachen Privat- und Liebesleben. Mich hat das Buch bis zur letzten Seite spannend unterhalten. Besonders überrascht hat mich das Ende!

Ein Kriminalroman, der zum Nachdenken anregt und dabei ausgezeichnet unterhält. Meine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 27.07.2022

Brennpunkt: Weltstadt Paris

Die Arena
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Die iranischstämmige Autorin und Filmemacherin Négar Djavadi erzählt in ihrem Gesellschaftsroman Die Arena über ein Paris, dass Touristen selten zu sehen bekommen. Ort der Handlung ist der Osten von Paris, ...

Die iranischstämmige Autorin und Filmemacherin Négar Djavadi erzählt in ihrem Gesellschaftsroman Die Arena über ein Paris, dass Touristen selten zu sehen bekommen. Ort der Handlung ist der Osten von Paris, die Banlieue, jener verstädterte Bereich außerhalb des Stadtzentrums, in einem Umkreis zwischen Belleville und Jaurès, bis zum Kanal Saint-Martin. Der Protagonist Benjamin Grossmann, selbst in einem Problemviertel aufgewachsen, kehrt nach seinem Erfolg als Europachef des amerikanischen Streaming-Anbieters BeCurrent, als Besucher dorthin zurück. Der Verlust oder Diebstahl seines Mobiltelefons setzt eine immer größer werdende Spirale von Ereignissen und Gewalt, beschleunigt durch die sozialen Medien, in Gang.

Besonders gefallen hat mir, dass zu Beginn des Romans ein Interview mit Négar Djavadi
abgedruckt ist, in dem sie über ihren Roman spricht. Die Lesenden erfahren hier Eckdaten zum Lebenslauf der Autorin und bekommen Informationen zu ihrem Roman und den darin beschriebenen Figuren.

Ein hochaktueller Roman, der die Schicksale vieler Menschen milieuübergreifend beschreibt, der zeigt, wie labil das Zusammenleben in der Großstadt und in den Außenbezirken ist, was soziale Medien und deren Nutzer anrichten können, den Alltag und das Elend der Geflüchteten und Migranten, erzählt von Siegern und Besiegten und all das in einem atmosphärischen Ton, der die Leser*innen mitreißt. Dieser Roman hat mich nachhaltig beeindruckt und lässt mich auch nicht mehr los, nachdem ich die letzte Seite beendet habe.

Meine uneingeschränkte Empfehlung an alle, die gern spannend geschriebene, gesellschaftskritische Romane mit Tiefgang lesen.

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Veröffentlicht am 16.07.2022

Die dunkle Seite des Internets

Dieser Beitrag wurde entfernt
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Hanna Vervoets hat mit "Dieser Beitrag wurde entfernt" keinen Wohlfühlroman geschrieben. Auf schmalen 107 Seiten bekommen die Lesenden Einblicke in den (Arbeits-)alltag von sogenannten Contentmoderatorinnen ...

Hanna Vervoets hat mit "Dieser Beitrag wurde entfernt" keinen Wohlfühlroman geschrieben. Auf schmalen 107 Seiten bekommen die Lesenden Einblicke in den (Arbeits-)alltag von sogenannten Contentmoderatorinnen - Menschen, die täglich verstörende Bilder und Videos mit Inhalten wie Tierquälerei, Gewalt, Selbstverletzung und Hassreden aus den Userbeiträgen auf den sozialen Medien herausfiltern.

Die Protagonistin Kayleigh ist eine solche Contentmoderatorin und arbeitet unter prekären Bedingungen für ein Unternehmen, das von ihr verlangt, mindestens 500 Beiträge pro Tag zu sichten und ihr maximal 7 Minuten Pause während der Arbeitszeit gewährt. Selbst beim Toilettengang läuft die Stoppuhr. Zunächst gefällt Kayleigh die Arbeit, sie wird besser bezahlt als in ihrem vorherigen Job in einem Callcenter und sie schafft es, die schrecklichen Bilder mit professioneller Distanz zu behandeln. Schließlich verliebt sie sich in ihre Kollegin Sigrid und ihr Leben scheint gut zu laufen. Doch plötzlich brechen Kollegen zusammen, hängen Verschwörungstheorien an und Sigrid distanziert sich zunehmend von ihr. Auch für Kayleigh verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen richtig und falsch und ihre Sichtweise auf die Welt verschiebt sich nach und nach gefährlich durch die täglichen Bilder der Gewalt.

Trotz der Kürze des Romans schafft es die Autorin, dieses wichtige Thema ins Bewusstsein der Lesenden zu rücken. Besonders gefallen hat mir am Ende ihre Liste mit Empfehlungen von Quellen für Leser
innen, die sich zu diesem Thema näher informieren möchten. Der Roman schildert teilweise drastische Beiträge auf den sozialen Medien. Dies ist nichts für schwache Nerven oder Leserinnen mit einer lebhaften Phantasie. Aber auch Themen wie Drogenkonsum, prekäre Arbeitsbedingungen, extreme politische Einstellungen, psychische Erkrankungen und LGBT-Beziehungen kommen zur Sprache. Ich finde dieses intensive Buch als Denkanstoß dazu, wie bestimmt und manipuliert wird, wie und was wir in den Medien zu sehen bekommen sehr wichtig. Die Autorin versteht es, geschickt die persönliche Geschichte von Kyleigh mit aktuellen gesellschaftlichen Themen zu verbinden.

Der Roman hat mich teilweise verstört und aufgerüttelt. Ich habe es in einem Zug durchgelesen, doch er wirkt noch immer nach. Meiner Meinung nach sollte jede
r, der soziale Medien nutzt und / oder frequentiert sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Das Buch ist ein guter Beitrag in diese Richtung. Aufgrund der eindringlichen, gut verständlichen Schreibweise der Autorin und der gesellschaftlichen Relevanz des Themas, erhält der Roman von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

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