Schöner Roman über eine bewegte Familiengeschichte
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues KleidZuerst ein Mal muss ich feststellen, dass ich den Titel „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht,blaues Kleid“ einen echten Zungenbrecher finde, den ich mir einfach nicht merken kann. Der Bezug zum ...
Zuerst ein Mal muss ich feststellen, dass ich den Titel „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht,blaues Kleid“ einen echten Zungenbrecher finde, den ich mir einfach nicht merken kann. Der Bezug zum Titel wird im Buch erklärt und ist wirklich treffend, trotzdem spricht mich der Buchtitel leider überhaupt nicht an. Umso schöner finde ich die Covergestaltung, die mir ausgesprochen gut gefällt. Das Buch enthält eine bewegende Familiengeschichte, die ich sehr spannend fand.
Zum Inhalt: Hannah lebt so vor sich hin, ohne so recht voranzukommen. Zwischen Doktorarbeit und der Affäre mit einem verheirateten Mann, gibt es nichts, für das sie brennt. Bis sie bei ihrer Großmutter einen Brief aus Israel findet, der alles verändern soll und Hannahs Welt ins Wanken bringt.
Das Buch spielt in verschiedenen Zeitebenen und beleuchtet das Leben von Hannah, ihrer Oma Evelyn und deren Mutter Senta und umreißt damit einen Rahmen von fast 100 Jahren. Es erzählt die Geschichte dreier Frauen, auf der Suche nach ihrem Lebensweg und den Widrigkeiten, denen sie sich stellen müssen.
Den geschichtlichen Hintergrund des Nationalsozialismus und Krieges finde ich gut ins Buch eingebunden, es gibt dem ganzen einen zeitlichen und sozialgeschichtlichen Rahmen, ohne selbst zu viel Platz einzunehmen. Besonders die Ausschnitte über die Goldmanns haben mir gut gefallen und waren gleichwohl einnehmend, wie berührend.
Die drei Frauen, die den Großteil der Geschichte ausmachen wirken jede auf ihre Art unnahbar, fast schon fehl am Platz. Ich glaube ich habe noch nie weniger Sympathie für Hauptfiguren empfunden. Die Beziehungen der Frauen der Familie untereinander scheinen generell unter keinen guten Stern zu stehen, was sich gefühlt auch auf den Leser überträgt.
Die Geschichte um die gestohlenen Bilder und die Schnitzeljagd nach weiteten Hinweisen, fand ich spannend und unterhaltsam. Insgesamt ist dieses Buch einfach toll geschrieben. Sehr atmosphärisch, leicht melancholisch mit einem Hauch von „was wäre wenn“.
Mir hat das Buch gut gefallen.