Wichtiges Thema, blasse Figuren
Die Pachinko-KugelnClaire ist nach Japan gereist, um ihre koreanischen Großeltern, die schon seit 50 Jahren dort leben, zu besuchen und mit ihnen noch ein letztes Mal in die Heimat zu reisen. Der Großvater betreibt eine ...
Claire ist nach Japan gereist, um ihre koreanischen Großeltern, die schon seit 50 Jahren dort leben, zu besuchen und mit ihnen noch ein letztes Mal in die Heimat zu reisen. Der Großvater betreibt eine Pachinko-Halle und verbringt fast seine gesamte Zeit dort; die Beziehung zur Großmutter ist merklich abgekühlt – auch weil Großeltern und Enkelin keine gemeinsame Muttersprache haben. Um sich die Tage bis zur Abreise zu vertreiben, gibt Claire Mieko, einem zehnjährigen, stillen Mädchen Nachhilfe in Französisch.
„Die Pachinko-Kugeln“ ist nach „Winter in Sokcho“ der zweite ins Deutsche übersetzte Roman der Autorin Elisa Shua Dusapin, die – wie ihre Protagonistin – französische und koreanische Wurzeln hat. Die Handlung wird von Claire selbst in der Gegenwartsform und der Ich-Perspektive erzählt, so dass wir unmittelbar am Geschehen teilnehmen. Auf diese Weise entsteht eine persönliche, aber auch wenig literarisierte Textform, die an Tagebucheinträge erinnert.
Hauptthema der Geschichte ist sicherlich die Frage nach der eigenen Identität. Claires Großeltern sind schon so lange in Japan, dass sie den Bezug zu ihrem Heimatland fast verloren haben. Die Reise dorthin schieben sie immer wieder auf, denn was sollen sie nach so langer Zeit dort noch finden? Für die Japaner jedoch werden sie immer „Zainichi“ bleiben, koreanische Einwanderer. Enkelin Claire ist ihr Koreanisch verloren gegangen, als sie Französisch lernte – so fehlt eine gewisse sprachliche Verbindung zu den Großeltern.
So, wie Claire sich in Japan manchmal verloren fühlt, so verloren fühlte ich mich in der Handlung des Romans. Besonders der Sinn und Zwecks des Strangs um die zurückhaltende Schülerin Mieko wollte sich mir nicht recht erschließen. Die beiden verbringen zwar gemeinsam Zeit, eine Barriere bleibt aber stets bestehen. Die Mutter wünscht, ihre Tochter möge wie Claire ins Ausland gehen, was weiter geschieht, bleibt aber offen. Auch der Titel gebende Pachinko-Parlour des Großvaters taucht nur selten auf und wird zu einem Symbol seiner Hassliebe zu Japan.
Fazit: Wichtiges Thema, aber die Figuren bleiben blass.