Profilbild von evaczyk

evaczyk

Lesejury Star
offline

evaczyk ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit evaczyk über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2022

Internationale Familienküche mit Profi-Tipps

Casa Zarrella
0

Als jemand, dessen Fernsehkonsum sich hauptsächlich auf Nachrichten, Reportagen und Spielfilme konzentriert, habe ich offensichtlich Defizite (die mir allerdings nichts ausmachen): Es gibt so viele Promis ...

Als jemand, dessen Fernsehkonsum sich hauptsächlich auf Nachrichten, Reportagen und Spielfilme konzentriert, habe ich offensichtlich Defizite (die mir allerdings nichts ausmachen): Es gibt so viele Promis oder Reality-Stars, sogenannte Influencer sowieso, von denen ich noch nichts gehört habe. Oder von denen ich zwar gehört habe (es dürfte schwierig sein, durchs westeuropäische/nordamerikanische Leben zu gehen und nicht irgendwann mit dem Namen Kardashian konfrontiert zu werden), aber das war´s dann auch schon.

Im Fall von Jana Ina Zarella geht es mir mal wieder so: Die Dame scheint einen gewissen Bekanntheitsgrad zu haben, aber ich habe keinerlei Ahnung, warum. Ist aber auch egal. Es geht ums Essen. A la Casa. Und im Fall der Zarella-Familie ist das ein spannender Mix, nämlich brasilianisch (sie) und italienisch (er). Da ich bei südamerikanischem Essen vor allem an Fleischberge denke, war es interessant zu lesen, dass Jana Zarella und ihr Mann vor allem vegetarisch leben, die Kinder aber bislang noch Carnivoren sind. Dass in einer Familie unterschiedliche Ernährungsvorlieben eine ziemliche Herausforderung für das gerade kochende Familienmitglied sind, ist klar. Ich war also gespannt.

Vom Frühstück über Salate, kleine Gerichte und Hauptmahlzeiten gibt es ein buntes und aus gesund klingendes Angebot, der Dinkelporridge mit Beeren dürfte bei mir jedenfalls demnächst mal die Haferflocken ablösen - ich bin gespannt, wie der Geschmacksunterschied ausfällt. Smoothie-Rezepte kann ich ohnehin nie genug haben.

Was jetzt mit dem beginnenden Herbst besonders gut schmeckt, sind meiner Meinung nach Ofengerichte, Suppen und Aufläufe. Das Ofengemüse mit dreierlei Dips (inklusive grüner Soße, in einmal unfrankfurerischer Kombination), Gemüsereis aus dem Backofen, die Süßkartoffel-Kokos-Suppe, die Gnocci mit Kürbis oder das cremige Pilzrisotte mit Petersilie passen da genau. Und was die Zitronenennudeln mit Lachs angeht, die ich schon ausprobiert habe, sage ich nur: lecker!

nicht zuletzt dürfen dolci natürlich nicht fehlen. Vegan und vielversprechend habe ich hier gleich das Bananenbrot mit Walnüssen und Schokolade auf meine to do-Liste gesetzt, denn das klingt nach einer wunderbaren Aromenkombination mit crunch.

Doch es gibt nicht nur Zarella-Familienküche, denn mit Johann Lafer hat auch ein gestandener Profi sen Know-how beigesteuert - im Rezeptteil mit Geling-Tipps, im "theoretischen Überbau" mit "Küchenhelden" die nicht fehlen dürften, Gewürze etwa, Butter und Olivenöl, frische Beeren oder Zitrone. Er plaudert aus dem Nähkästchen oder vielmehr aus der Vorratskammer, wie sich blitzschnell aus dem Vorhandenen etwas zubereiten lässt das allen schmeckt. Auch auf das Thema Zeitmanagement in der Küche wird eingegangen.

Mein Fazit: Übersichtlich, anschaulich mit Profi-Tipps und Rezepten, die nicht nur für Familienhaushalte taugen.

Veröffentlicht am 07.09.2022

Schmuggel, Clans und ein toter Ex

Das letzte Grab
0

Der one night stand der noch ziemlich verkaterten Frankfurter Anwältin Carla Winter kommt zu einem jähen Abschluss, als ihre Sekretärin sie aus dem Schlaf reißt: Sie soll sofort zur Kanzlei kommen. Ein ...

Der one night stand der noch ziemlich verkaterten Frankfurter Anwältin Carla Winter kommt zu einem jähen Abschluss, als ihre Sekretärin sie aus dem Schlaf reißt: Sie soll sofort zur Kanzlei kommen. Ein Herr vom türkischen Generalkonsulat wolle sie dringend sprechen. Immerhin: Der Mannn sähe aus wie Doktor Schiwago. Doch alle Ähnichkeit mit Omar Sharif verblasst angesichts der unschönen Nachricht, Winters Ex-Mann sei bei einem Autounfall in der Türkei ums Leben gekommen. Ob Winter sich mangels anderer Angehöriger um Überführung und Begräbnis kümmern würde. Und da hatte die Anwältin schon gedacht, es ginge um einen ihrer Klienten aus dem Ruhrgebiet, Oberhaupt eines kriminellen Clans!

Kaum hat Carla Winter in Lukas Erlers Kriminalroman "Das leere Grab" den ersten Schock überwunden, wartet zu Hause der nächste. Denn ihr Haus wurde gründlich auf den Kopf gestellt und der Lover der vergangnen Nacht, den sie zunächst des Vandalismus verdächtigt hatte, ist tot im Kleiderschrank. Der Genickbruch und die Auffindesituation schließen eine natürliche Todesursache aus. Und Clara Winter kann sich nicht einmal an den Namen des Mannes erinnern!

Die volle Tragweite der Vorfälle und die Verbindung zu ihrem Ex Felix erschließt sich erst nach und nach. Abgesehen von Narzissmus und Bindungsunfähigkeit hatte der Mann noch einen Geschäftszweig beim Schmuggel und Verkauf von Raubkunst, den er ihr tunlichst verschwiegen hatte. Der Mann, der Carla Winter darüber aufklärte, ist kurz darauf ebenfalls tot und schon bald ahnt sie, dass auch sie ziemlich weit oben auf der Liste der Menschen ist, die nicht vor Mord zurückschrecken, um in den Besitz einer geschmuggelten Statuette zu kommen. Dummerweise hat die Anwältin keine Ahnung, wo das Kunstwerk sein könnte.

Hilfe in der Not sind die kriminellen Mandanten aus Duisburg mit ihrem verzweigten Netzwerk im türkisch-syrischen Grenzgebiet und ein grummeliger alter Professor. Der Titel des Romans ist ein ziemlicher Spoiler: Es ist wenig überraschend, dass die einsame Beerdigung nicht das letzte ist, was Winter von ihrem Ex zu sehen bekommt.

Enttäuschte Liebe und Loyalität, Druck und Gegendruck, Psycho-Spielchen und brutale Gewalt spielen gleichermaßen eine Rolle. Die Anwältin geht ein hohes persönliches Risiko ein, um die Hintergründe und Hintermänner ihres wohl persönlichsten Falls zu ergründen. Hier ist kein Aktenstudium gefragt, sondern Entschlossenheit. Auch wenn manche Entwicklung nicht völlig überraschend kommt für routinierte Krimileser, bietet "Das leere Grab" spannende Unterhaltung zwischen Orient und Okzident.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.09.2022

Von Nähe und Entfremdung

Intimitäten
0

Intimität kann vielerlei bedeuten - die Beziehung zwischen zwei Menschen, aber auch ein besondere Vertrautheit oder Nähe, den Einblick jedenfalls in eine/n andere/n. In Katie Kitamuras Roman "Intimitäten" ...

Intimität kann vielerlei bedeuten - die Beziehung zwischen zwei Menschen, aber auch ein besondere Vertrautheit oder Nähe, den Einblick jedenfalls in eine/n andere/n. In Katie Kitamuras Roman "Intimitäten" wird das Thema ebenfalls auf unterschiedlichen Ebenen behandelt - zunächst, und vielleicht vordergründig, in der Beziehung einer namenlosen Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu ihrem Liebhaber, der noch mit einer anderen Frau verheiratet ist, die ihn allerdings verlassen hat. Zum anderen die Intimität, die durch Sprache entsteht.

Denn die Amerikanerin, ein klassisches "third culture kid", hat nach dem Tod ihres Vaters New York den Rücken gekehrt. Ihre Mutter ist nach Singapur gezogen und sie stellt fest, dass sie ohne Familie in denUSA wurzel- , ja heimatlos ist. Ihr Jahresvertrag in Den Haag ist ein Testlauf, um festzustellen, ob die Niederlande ihr neues Land werden könnten, die Beziehung zu Adriaan lässt viel dafür sprechen, doch dann fliegt der auf einmal zur Noch-Ehefrau nach Portugal, um ein paar Dinge zu klären und bleibt wochenlang auf Tauchstation. Dass einer seiner Bekannten, der Anwalt Kees, impliziert, Adriaan wolle seine Ehe retten, macht es nicht einfacher. Vermeiden kann die Dolmetscherin den Mann nicht - er gehört dem Verteidigerteam in einem Fall an, in dem sie neuerdings dolmetscht.

Und hier ist die zweite Ebene der Intimität, denn die Dolmetscherin ist dem Angeklagten, einem Ex-Präsidenten aus einem westafrikanischen Land, buchstäblich nahe, wenn sie ihm während der Verhandlung und bei Anwaltsbesprechungen das Gesagte ins Ohr flüstert. Ein Widerspruch entsteht für sie, denn der Mann, den sie als höflich, beherrscht, zurückhaltend erlebt, soll verantwortlich sein für ethnischen Hass, für Verbrechen jener Monstrosität, wie sie in Den Haag verhandelt werden.

Der Fall erinnert an den von Laurent Gbagbo, den Ex-Präsidenten der Elfenbeinküste. Auch die Kritik, die immer wieder vor allem aus afrikanischen Staaten am Haager Gerichtshof aufkommt, wird thematisiert: Wer hat das Deutungsprimat über die Vorgänge in anderen Ländern, wo verläuft die Grenze zwischen Menschenrechtsjustiz und postkolonialer Einmischung?

Für die Dolmetscherin geht es auch um Abgrenzung und Selbstschutz - wie schafft sie die Distanz zu dem dem, was in den Zeugenaussage zur Sprache kommt, lässt es nicht zu nahe an sich selbst herankommen? Wie bewahrt sie eine professionelle Haltung, wenn das, was sie hört, quälend und brutal ist? Wie lässt sich der Horror übersetzen?

Es sind gerade die Gerichtsszenen, die Einblicke in die Arbeit der Dolmetscherin, die nicht Partei, aber ganz nah dran ist, in denen mich Kitamura mit ihren detaillierten Beobachtungen am meisten überzeugt. Und auch die Figur einer Frau, die im neuen Land die Chance hat, sich gewissermaßen neu zu erfinden, ist sehr interessant. Ein Abstrich ist für mich dabei, wie die Dolmetscherin bei Begegnung mit Adriaan und Freundinnen oder Kolleginnen stets argwöhnisch auf jede verdächtige Nähe, mögliche Flirterei oder eingebildetes Interesse an ihrem Freund reagiert. Da ist die Protagonistin dann unsouverän und unnötig eifersüchtig, unglaubhaft obendrein angesichts einer Beziehung, die ja selbst noch relativ frisch ist. Diese emotionale Achterbahn hätte ich nicht gebraucht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2022

Traumurlaub gerät zur Lebenskrise

Holiday – Sieben Tage. Drei Familien. Ein tödliches Geheimnis.
0

Es könnte so schön sein: Eine Traumvilla in Südfrankreich in malerischer Umgebung, zusammen mit den drei besten Freundinnen aus Studientagen plus Familien. Doch für die Engländerin Kate ist das traute ...

Es könnte so schön sein: Eine Traumvilla in Südfrankreich in malerischer Umgebung, zusammen mit den drei besten Freundinnen aus Studientagen plus Familien. Doch für die Engländerin Kate ist das traute Zusammensein vergällt, seit sie eine zufällig einen Chat auf dem Handy von Ehemann Sean liest. Er hat offensichtlich Geheimnisse vor ihr, die mit einer Frau mit dem Pseudonym Coral Girl zu tun haben. Für Kate ergibt sich nur eine logische Schlussfolgerung: Ihr Mann hat eine Affäre. Und der Chat legt nahe, dass es sich nur um eine ihrer drei besten Freundinnen handeln kann. Das macht den Vertrauensbruch nur noch schlimmer.

Doch wer kann es sein? Die ehrgeizige Unternehmerin, deren Mann Kate anvertraut, er befürchte, sie habe eine Affäre? Jennifer, die mit Sean zusammen war, als Kate ihn kennenlernte? Oder Weltenbummlerin Izzy, die wie er aus Irland stammte und mit ihm einst die Schule besuchte?

Die Angst um ihre Ehe ist nicht das Einzige, das Kate auf die Urlaubsstimmung drückt. Ihre 16-jährige Tochter Lucy verhält sich seltsam, zieht sich immer mehr zurück. Ist es mehr als pubertierendes Teenagerverhalten? Und hat Jennifers Ehemann Alastair ein etwas zu großes Interesse an der jungen Frau, die nur wenig älter ist als seine eigenen Teenagersöhne? Diese scheinen im übrigen selbst erkannt zu haben, dass das Mädchen, das sie seit der Kindheit kennen, zu einer ziemlich bemerkenswerten jungen Frau herangewachsen ist.

Um gute Stimmung zu machen, nehmen sie auch Kates neunjährigen Sohn Daniel mit zu ihren Unternehmungen. Da der Junge ein ziemlicher Nerd ist, freut sich Kate zunächst darüber. Doch vor allem Jennifers ältester Sohn Jake wird ihr zunehmend unheimlich mit seiner extremen Risikobereitschaft und seine Stimmungsumschwüngen.

Mit „Holiday“ hat T.M. Logan einen spannenden Psychothriller nicht nur für die Ferienzeit geschrieben. Er schafft es, mit Andeutungen und Spuren Kate (und die Leser) immer wieder auf neue Spuren zu lenken, die plausibel erscheinen, bis dann eine neue Entwicklung neue Fragen aufwirft. Bis Antworten auf alle Fragen gefunden werden, wird es jedenfalls sehr dramatisch und auch wenn die Auflösung am Ende schlüssig ist, gib es bei all den Wendungen immer wieder Überraschungsmomente. Nicht nur im Urlaub für spannende Lese-Momente empfohlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.08.2022

Gift, Musik und Oligarchen

Die Cellistin
0

Es gibt schon so viele Bücher um den kunstsinnigen israelischen Agenten und Mossad-Chef Gabriel Allon - da könnte man davon ausgehen, dass Autor Daniel Silva irgendwann die Ideen ausgehen. Doch weit gefehlt ...

Es gibt schon so viele Bücher um den kunstsinnigen israelischen Agenten und Mossad-Chef Gabriel Allon - da könnte man davon ausgehen, dass Autor Daniel Silva irgendwann die Ideen ausgehen. Doch weit gefehlt - "Die Cellistin" weckt angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage Erinnerungen an reale Ereignisse, wenn es etwa um Giftmorde an Ex-Agenten oder sonstigen dem Kreml missliebigen Menschen geht.

Die Verwicklungen russischer Oligarchen in die Politik, die Sicherheitsdienste und ins Organisierte Verbrechen - darüber gibt es non-Fiction-Bücher voll beunruhigender Schilderungen. Das Szenario von "Die Cellistin" wirkt daher ziemlich lebensnah. Und auch die Entwicklung in den USA mit dem Auftrieb der extremen Rechten während der Trump-Präsidentschaft ist leider kein Fantasieprodukt Silvas.

Dabei will sich Gabriel Allon, nicht mehr der Jüngste und nach langer Geheimdienstlaufbahn doch eigentlich vor allem der Kunst und der Familie widmen, die in seinem Agentenleben oftmals zu kurz kamen. Und keinesfalls strebt er eine weitere Amtszeit als Mossad-Chef an. Doch als ein Kremlkritiker vergiftet wird und ausgerechnet eine investigative Journalistin unter Verdacht gerät, kann Allon dies nicht ignorieren, er kannte den Toten.

Internationale Finanzspekulationen, Geldwäsche, Machtspiele und Oligarchen, das ganze passenderweise zwischen London und Zürich - das Setting passt, und Allon kann sich auf Mitstreitet verlassen, die auch aus früheren Bänden vertraut sind. So hat die Arbeit an dem neuen Fall ein bißchen etwas von einem Familientreffen an sich.

Allerdings gibt es hier statt Kaffeetafel und Erinnerungen doppeltes Spiel, digitales und analoges Ausspähen, eine Falle für den obersten Geldwäscher des Kreml und wer weiß, vielleicht sogar für den Mann an der Spitze Ruslands selbst? Ein Trumpf in Allons Kartenset ist eine junge deutsche Finanzexpertin und begabte Cellistin, der der Roman den Titel verdankt. Wie so viele der Frauenfiguren, mit denen Allon zu tun hat, ist sie natürlich wieder unverschämt gut aussehend, aber na ja, wir wissen ja seit James Bond, dass unscheinbare Frauen in Spionagefilmen und -romanen nur als Leiche in den ersten Minuten/Buchseiten taugen, soviel Klischee muss wohl sein.

Bei aller Routine des Autors kommt keine Langweile auf. Der Plot ist spannend, die Umsetzung ebenso. Der Showdown ist diesmal sogar ganz besonders dramatisch. Bleibt nur die Frage, hält Daniel Silva Allon die Treue oder bahnt sich hier gerade eine neue Reihe an?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere