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Veröffentlicht am 29.08.2022

Spannend

Die Vergessene
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Andrea Oliver ist jetzt US-Marshal, ihr erster Einsatz führt sie nach Longbill Beach. Gut 24 Stunden nach ihrer Diplomverleihung bearbeitet sie nun zwei verschiedene Fälle: Mit Debuty Leonard Bible bildet ...

Andrea Oliver ist jetzt US-Marshal, ihr erster Einsatz führt sie nach Longbill Beach. Gut 24 Stunden nach ihrer Diplomverleihung bearbeitet sie nun zwei verschiedene Fälle: Mit Debuty Leonard Bible bildet sie ein Team, sie sind für die Sicherheit einer Richterin verantwortlich, nachdem diese Morddrohungen erhalten hat. Außerdem will sie unbedingt dafür sorgen, dass ihr Vater hinter Gitter bleibt. Sie ist davon überzeugt, dass er ein längst vergessenes Mädchen ermordet hat, den Beweis für seine Schuld will sie erbringen.

Das Cover passt sich dem Gelesenen an, nach vier Jahrzehnten ist „Die Vergessene“ eher schemenhaft, ihr Licht ist noch nicht ganz erloschen und so ganz vergessen ist sie nicht denn jeder, der damals mit ihr zu tun hatte, erinnert sich noch gut an sie und vor allem an jenen Abend, als das Unheil seinen Lauf nahm.

Auf zwei Zeitebenen wird abwechselnd erzählt, beide Erzählstränge waren für sich genommen spannend. Es beginnt vierzig Jahre vorher, Emily will nun doch auf den Abschlussball, ihre langjährige Clique ist auch da. Der Abend verläuft jedoch ganz anders, als sie es sich vorgestellt hat. Das Gestern wechselt sich ab…

… mit dem Heute, mit Oliver und ihrem neuen Job. Sie ist zwar Anfängerin und doch erkennt Bible ihr Potential. Er ist ein alter Hase und hat eine ganz eigene Art, ihr den Job näher zu bringen. Seine Marshal-Regeln etwa, für die er sehr sinnige Metapher wählt, wie seine Regel Nummer fünf, in der er ihr rät, sich auf eine Sache zu konzentrieren: „Du kannst nicht zwei Pferde mit einem A…. reiten.“ Die beiden mögen sich von Anfang an, sie sind ein super Team.

Durch die ersten 100, 150 Seiten musste ich mich zwar nicht quälen, aber doch überwinden, weiterzulesen. So nach und nach lernte ich sie alle besser kennen, nicht nur die beiden Marshalls, ein wenig auch ihr Umfeld in der genau richtigen Dosis. Die Charaktere waren gut gezeichnet, jeder hatte seine Eigenheiten, sodass ich sie mir gut vorstellen konnte und doch kam mir keiner der Personen nahe, sie alle hatten eine beinahe unnahbare Aura um sich, die ich nicht immer zu durchdringen vermochte.

Die beiden Erzählstränge haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, aber im Laufe der Ermittlungen nähern sie sich an, es kommt tief Verborgenes ans Licht, das für so manchen sehr unangenehme Folgen nach sich zieht. „Manchmal denken sie sich Lügen aus, um den Verdacht auf jemanden anderen zu lenken.“ Dieser Satz passt sich so manchem hier Agierenden perfekt an.

Karin Slaughter hat mir trotz des holprigen Einstiegs spannende Lesestunden beschert, es hat sich gelohnt, dran zu bleiben.

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Veröffentlicht am 24.08.2022

Ein gelebtes Leben – der erste Teil

Die karierten Mädchen
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Die mittlerweile 93jährige Klara hat immer noch einen sehr wachen Verstand, betont auch gelegentlich, dass sie noch nie gefallen ist. Gut zu Fuß ist sie dennoch nur bedingt, da ihr Augenlicht sie im Stich ...

Die mittlerweile 93jährige Klara hat immer noch einen sehr wachen Verstand, betont auch gelegentlich, dass sie noch nie gefallen ist. Gut zu Fuß ist sie dennoch nur bedingt, da ihr Augenlicht sie im Stich gelassen hat – sie ist blind. Und voller Erinnerungen, von denen sie nun endlich erzählen will. Mit einer Hand voll Kassetten fängt sie an, es werden immer mehr, sie hat das starke Bedürfnis, ihre Geschichte zu erzählen…

…welche mir Tessa Mittelstaedt nähergebracht hat. Die ungekürzte Hörbuchfassung von Hörbuch Hamburg dauert 11 Stunden und 27 Minuten, es waren schon kurzweilige Stunden, die mich aber zuweilen ob dem naiven Umgang mit dem Gedankengut und der Handlungsweise der Nationalsozialisten fassungslos machten.

Die junge Klara bekommt eine Anstellung in einem Kinderheim, sie ist sofort mit Leib und Seele dabei, zudem kann sie dadurch ihre Familie finanziell unterstützen. Bald wird die kleine Tolla ins Heim gebracht, vorgesehen war ursprünglich für sie nur ein kurzer Aufenthalt.

Unsere Geschichte beginnt 1929 inmitten der Weltwirtschaftskrise und zieht sich bis zur Zeit des Nationalsozialismus. Das Heim gerät in finanzielle Turbulenzen, die staatliche Bezuschussung steht auf wackligen Füßen und die Nähe zu den immer stärker werdenden neuen Machthabern ist deutlich spürbar. Das Kinderheim wird ganz nach dem Geschmack der Nationalsozialisten in ein Frauenbildungsheim umgestaltet. Und mittendrin Klara, die alles mitmacht – zum Wohle der Einrichtung?

Die Erzählung beleuchtet hauptsächlich die Zeit vor 70 Jahren, um immer wieder nahtlos im Heute zu landen. Ob dieser harte Übergang dem Hörbuch, dem Vorlesen geschuldet ist, kann ich nicht beurteilen. Diese abrupten Schnitte sind gewöhnungsbedürftig, anfangs musste ich zurückspulen, da ich dachte, Sequenzen überhört zu haben. Dem war aber nicht so. Schnell aber gewöhnte ich mich an diese Art des Vortrages, es hat dann schon gepasst. Ich wollte ja Klaras Geschichte hören, die mir die Sprecherin mit ihrer klaren, hellen Stimme gut vermittelt hat.

Alexa Henning von Lange hat erst zwanzig Jahre nach dem Tod ihrer Großmutter die 130 Tonbandkassetten gehört und aus deren Erinnerungen so einiges in „Die karierten Mädchen“ einfließen lassen. Und sie hat viel recherchiert, die Dramatik der damaligen Zeit mit den Schilderungen auf den Kassetten verwoben. So haben sich Fiktion und Wirklichkeit zu einem homogenen Ganzen vermengt. Klara Möbius ist eine Romanfigur, die so oder so ähnlich hätte agieren können.

„Die karierten Mädchen“ ist das erste von drei Büchern, die Klaras Geschichte weitererzählen. Die Figur der Klara wird als unkritisch abgetan, sie ist eher Mitläuferin, schlängelt sich durch, geht den Weg des geringsten Widerstandes, obwohl sie es auch dank ihres Umfeldes besser wissen müsste. Mit Tolla als Gegenpart ist sie die Kämpferin, die sehr wohl um die Gefährlichkeit weiß, der sie sich aussetzt, indem sie ein jüdisches Mädchen mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln beschützen will.

Es ist eine interessante Lebensgeschichte, kurzweilig erzählt mit einem langen, sehr informativen Nachwort der Autorin. Auf die beiden nächsten Teile bin ich gespannt, Klara und ihre Familie inklusive Tolla werde ich weiterverfolgen.

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Veröffentlicht am 20.08.2022

Politthriller

Die Cellistin
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Gabriel Allon, der 21. Für mich jedoch ist es der erste Band der Reihe um diese Figur.

Eine rasante Jagd durch Europa geht weiter, für mich hat sie gerade erst begonnen. Ein Agententhriller, so wie man ...

Gabriel Allon, der 21. Für mich jedoch ist es der erste Band der Reihe um diese Figur.

Eine rasante Jagd durch Europa geht weiter, für mich hat sie gerade erst begonnen. Ein Agententhriller, so wie man es sich ihn vorstellt. Und immer wieder holt die Wirklichkeit, das aktuelle Zeitgeschehen mit all ihren bekannten Aggressoren, die fiktive Geschichte ein. Ich hatte beim Lesen so manches Déjá vu. Rasant geht es zu, die „Cellistin“ ist ein sehr politisches Buch, die so blitzgescheite wie musikbegabte Bankerin ist allgegenwärtig, die neutrale Schweiz ist ein Eldorado für Geldwäscher. Auch der israelische Geheimdienst mischt mit, der britische ebenso, das Nervengas Nowitschok wird nicht nur hier gebraucht, es ist ein aus den Medien allseits bekanntes Mittel, unliebsame Gestalten auszuschalten.

Ja, es war eine spannende Jagd mit allem, was dazugehört. Die zu allem bereiten, machtbesessenen Männer sind gut gezeichnet, sie haben einen hohen Wiedererkennungswert. Zwischendurch hatte ich aber schon das Bedürfnis, das Buch zur Seite zu legen und durchzuatmen. Der Geschichte konnte ich problemlos folgen, auch und gerade durch die Aktualität und doch war es ein sich in weiten Teilen wiederholender Thriller, der voll auf Action setzt.

Ein sehr gut nachgezeichneter, erschreckend aktueller Politthriller, dessen Figuren allesamt erkennbar sind. Etwas zu actionreich in Szene gesetzt.

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Veröffentlicht am 20.08.2022

Fesselndes Thrillerdebüt

Das siebte Mädchen
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Chloe Davis hat ihre eigene Praxis, sie ist Psychologin und beileibe nicht frei von Zwängen. Nach außen hin führt sie das perfekte Leben, die Hochzeit mit Daniel steht an. Daniel - ihr Bruder warnt sie… ...

Chloe Davis hat ihre eigene Praxis, sie ist Psychologin und beileibe nicht frei von Zwängen. Nach außen hin führt sie das perfekte Leben, die Hochzeit mit Daniel steht an. Daniel - ihr Bruder warnt sie… „er kennt dich nicht, Chloe. Und du kennst ihn nicht.“ Das Band zwischen den Geschwistern ist stark, eine Tragödie hat sie zusammengeschweißt. Ihr Vater sitzt im Gefängnis, er wurde als sechsfacher Mörder verurteilt.

Stacy Willinghams Thrillerdebüt fesselt, die Charaktere sind lebensnah dargestellt, die Leser sind ganz nah an Chloe. Ihre Sicht auf ihr heutiges Dasein, auf ihre Patienten, auf ihren Verlobten ist in großen Teilen nachvollziehbar, auch wenn ihre Ängste und Zwänge etwas abgehoben scheinen. Sie driftet immer wieder in die Vergangenheit ab, es ist ein gekonntes Wechselspiel zwischen dem traumatischen Gestern und dem Heute, 20 Jahre später. Die damals verschwundenen Mädchen, von denen immer noch jede Spur fehlt, hat Chloe gekannt. Und jetzt geht es wieder los, zwei weitere Mädchen sind weg, gefundene Schmuckstücke ein Indiz dafür, dass es sich um einen Nachahmungstäter handeln muss.

Ihren Alltag, ihre Erinnerungen, die ganze Dramatik von damals gilt es aufzudröseln. War es wirklich so oder hatte gar sie selbst mehr damit zu tun? Wie sieht es mit ihrer näheren Umgebung aus? Ihre innere Zerrissenheit ist spürbar und je weiter ich lese, desto skeptischer betrachte ich auch sie. Mein Misstrauen ist beinahe grenzenlos, jeder der hier agierenden könnte die Mädchen auf dem Gewissen haben. Die Autorin macht das sehr geschickt, die streut Zweifel, zerstreut sie wieder.

Ein gut gemachter Thriller mit klar gezeichneten Figuren, dessen Auflösung man schon erahnen kann. So einiges deutet darauf hin und doch bleibt es bis zum Ende spannend.

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Veröffentlicht am 16.08.2022

Gelungener Auftakt

Bruch
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Felix Bruch, der titelgebende Held dieser Kriminalgeschichte, ist ein eigenbrötlerischer, bärbeißiger, sehr wortkarger Typ, der sehr an den Nerven seiner aus Hamburg hier nach Dresden versetzten Kollegin ...

Felix Bruch, der titelgebende Held dieser Kriminalgeschichte, ist ein eigenbrötlerischer, bärbeißiger, sehr wortkarger Typ, der sehr an den Nerven seiner aus Hamburg hier nach Dresden versetzten Kollegin Nicole Schauer zerrt.

Ein 12jähriges Mädchen ist verschwunden, es gibt keine Spur von ihr. Schon einmal ist hier ein Mädchen verschwunden, nach zwei Wochen ist sie zwar wieder aufgetaucht, aber sie schweigt bis heute.

Bruch und Schauer sind ein ungewöhnliches Ermittlerduo. Wobei sie sich schon bemüht, den verschlossenen Bruch zu knacken, aber sie hat keine Chance. Er ist und bleibt ein Einzelgänger, hat so seine eigenen Methoden. Denkt gar nicht daran, ihr seine Gedanken mitzuteilen. Die Ermittlungen verlaufen schleppend, keiner will etwas wissen. Ein verfallener Dreiseithof wird näher durchleuchtet – haben sie was übersehen? Der Fall an und für sich ist mysteriös, er scheint auf weite Strecken unlösbar und doch müssen sie alles dran setzen, das Mädchen zu finden. Können sie darauf hoffen, dass auch sie wieder auftaucht wie das andere Mädchen Jahre zuvor? Ein komplexer Fall mit eigenwilligen Charakteren, denen man ihr Verhalten abnimmt, je mehr man von ihnen und von ihrer Vorgeschichte weiß.

Das Hörbuch vom Argon Verlag habe ich mir von Stefan Kaminski vorlesen lassen. Er hat eine hervorragende Arbeit geleistet, seine Figuren waren allesamt gut auseinanderzuhalten. Man merkt, dass er viel Erfahrung als Schauspieler, Synchron- und Hörbuchsprecher hat, er wurde u. a. mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Nur die Dresdner Mundart, den Obersächsischen Dialekt, der vermehrt hier einfließt, mag ich nicht so gerne hören, er klingt in meinen Ohren nicht so gut. Und doch habe ich ihn über weite Strecken gehört, wenn auch nicht unbedingt genossen. Entschädigt wurde ich mit Kaminskis so einnehmendem Vortrag, sowohl Bruch als auch Schauer waren als Personen sehr lebendig, ihre Schrulligkeit, ihre Eigenheiten direkt greifbar.

Bruch ist so ganz anders als viele seiner kriminalistischen Ermittlerkollegen, auch Schauer ist nicht ohne. Ganz nebenbei: Ihre Vornamen habe ich sowieso vergessen, was dem Fall aber keinen Abbruch tut. Sie sind Typen – beide. Und ich gehe davon aus, dass ich sie wieder treffen werde. Weil – ich mag diese etwas verschrobenen Charaktere. Die beiden werden sich zusammenraufen, auch wenn es dauern mag, dessen bin ich mir ganz sicher.

„Bruch: Ein dunkler Ort“ ist gelungen. Ich warte gespannt auf den nächsten Fall.

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