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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2025

Eindringlich aber sperrig

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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Anna Maschik entfaltet eine vier Generationen umspannende Familiengeschichte, die am ersten Tag des 20. Jahrhunderts beginnt und von der am Ende als einzige übrig gebliebenen Alma erzählt wird.
Die Zitronenscheibe ...

Anna Maschik entfaltet eine vier Generationen umspannende Familiengeschichte, die am ersten Tag des 20. Jahrhunderts beginnt und von der am Ende als einzige übrig gebliebenen Alma erzählt wird.
Die Zitronenscheibe des Titelbildes offenbaren sich erst auf den letzten Seiten, bis dahin nimmt man als Leser am Leben aller Familienmitglieder einige Momente teil. Das Augenmerk liegt hierbei auf den Fauen der Familie, die sich bei allen Unterschieden am Ende doch sehr ähnlich sind.
Die Sprache der Autorin ist beobachtend und analysierend, viele der kurzen Kapitel enthalten ein nüchternes Fazit des Gesagten in Listenform. Dieser Erzählstil ist recht unbequem und sperrig, trotzdem liest sich das Buch gut, man muss sich allerdings darauf einlassen. Durch den kargen Stil bleibt das Buch kurz, ufert nicht aus und schafft es trotzdem Atmosphäre zu vermittelt; vielleicht grade dadurch, dass vieles unerwähnt bleibt.

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Veröffentlicht am 20.04.2025

Gruselige Blasmusik

Die Stadt der Schattenschläfer und die Melodie der Albträume
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Schon der Klappentext liest sich wie ein Albtraum, man stelle sich nur vor in so einer Stadt zu leben, in der man Tag für Tag mit Blasmusik malträtiert wird und andere Musik und Instrumente in den Köpfen ...

Schon der Klappentext liest sich wie ein Albtraum, man stelle sich nur vor in so einer Stadt zu leben, in der man Tag für Tag mit Blasmusik malträtiert wird und andere Musik und Instrumente in den Köpfen der menschen schlichtweg nicht existieren.

Klar dass man hier als Heavy Metal Fan nicht länger bleiben kann und so beginnt die abenteuerliche Geschichte von Elly, die dem Humtata entfliehen will und unvermutet neue Freunde findet, aber auch ein gruseliges Geheimnis tief unter der Stadt entdeckt. Elly und ihre Freunde haben mir gut gefallen, sie setzten ein Zeichen für das Anderssein und Gegen-den-Strom-Schwimmen.

Die Geschichte hatte ich mir ein wenig anders vorgestellt und habe mich gefreut, wie sie sich entwickelt hat, die Geschichte der Schattenschläfer, die Bedeutung von Musik und die etwas gruselige Atmosphäre haben mir gefallen und auch unsere 13-jährige Leseratte war von dem Buch begeistert.

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Veröffentlicht am 06.10.2022

In vieler Hinsicht untypisch

Tohrus Japan
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Mit Tohru Nakamura reiht sich ein weiterer Sternekoch in die Reihe der Kochbuchautoren ein, dieses Buch sticht jedoch aus der Masse hervor, da es mit einer gewissen Exotik aufwarten kann.
Optisch erfüllt ...

Mit Tohru Nakamura reiht sich ein weiterer Sternekoch in die Reihe der Kochbuchautoren ein, dieses Buch sticht jedoch aus der Masse hervor, da es mit einer gewissen Exotik aufwarten kann.
Optisch erfüllt das Buch dann auch alle Erwartungen, die Gerichte sind appetitlich und ansprechend fotografiert, die Struktur ist übersichtlich und klar gegliedert, aus dem Inhaltsverzeichnis ist ersichtlich, dass die Rezepte nach ihrer Hauptzutat in Kapitel unterteilt sind, zusätzlich gibt es am Ende des Buches ein ausführliches Register, das die einzelnen Rezepte nach Zutaten gruppiert sowie ein Glossar. Letzteres ist überaus hilfreich, wenn man wie ich mit den meisten Zutaten überhaupt nichts anfangen kann. Ebenso nützlich ist die Warenkunde zu Beginn jedes Kapitels, in der auf Besonderheiten und Zubereitung der jeweiligen Hauptzutat eingegangen wird.
Bevor es mit den Rezepten losgeht, erwartet den Leser erstmal eine vierzigseitige Einleitung über Lebensstationen und Werdegang des Autors, die man getrost überspringen kann, immerhin erklärt sie aber denjenigen, die die Rezepte nicht japanisch genug finden, woher der deutsche Einfluss kommt.
Mein Hauptkritikpunkt an diesem Kochbuch ist, dass viele Zutaten selbst für Großstädter nicht unbedingt einfach zu beschaffen sind, wahrscheinlich muss man in einer Metropole wie Frankfurt, München oder Berlin leben, oder aber man besorgt sich die Zutaten online. Als Kritik an einem japanischen Kochbuch ist das wahrscheinlich banal, denn natürlich werden exotische Zutaten verwendet, allerdings werden die Rezepte dadurch nicht unbedingt brauchbar zum Nachkochen, da mit der Rarität der Zutaten auch ein gewisser Preis einhergeht.
Ich werde daher versuchen, Rezepte, die mich ansprechen, entsprechend abzuwandeln und andere Zutaten zu verwenden, vielleicht ist auch das ein oder andere in einem Asiamarkt in meiner Nähe erhältlich, Reisessig, Sojasoße und Sesamöl haben wir immer ohnehin meist im Haus und Sake und die ein oder andere Alge sind sicher auch einfach zu bekommen.
Alles in allem ist "Alles außer Sushi" ein nicht alltägliches Kochbuch, das aus diesem Grund auch nicht für jeden zu empfehlen ist, wer jedoch mal einen Abstecher in die japanische Küche wagen möchte, kann durchaus einen Blick auf die Rezepte werfen und findet sicher etwas zum Ausprobieren, schön anzusehen ist das Buch allemal.
Ob die Rezepte nun "typisch japanisch" sind oder nicht, kann ich nicht beurteilen, da ich die "typisch japanische Küche" nicht kenne, allerdings heißt das Buch ja auch "Tohrus Japan" und erhebt damit meiner Meinung nach nicht den Anspruch, ein japanisches Kochbuch zu sein. Schon aus dem Klappentext geht hervor, dass der Autor deutsche und japanische Wurzeln hat, die ihn kulinarisch geleichermaßen beeinflusst haben und mit persönlich sind die Rezepte japanisch genug.

Veröffentlicht am 28.08.2022

Wer war's und wie? Ein japanischer Kriminalroman

Die rätselhaften Honjin-Morde
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Der Erzählstil mutet sonderbar altmodisch an und ein Blick in das Impressum erklärt auch warum: Die Originalausgabe erschien bereits 1973, die Handlung spielt in den 1930er Jahren. Auch das Cover hat eine ...

Der Erzählstil mutet sonderbar altmodisch an und ein Blick in das Impressum erklärt auch warum: Die Originalausgabe erschien bereits 1973, die Handlung spielt in den 1930er Jahren. Auch das Cover hat eine her schlichte und etwas altmodische Aufmachung, die mir sehr gut gefällt. Das alles tut der Lektüre keinen Abbruch, man muss sich aber auf den für die heutige Zeit ungewohnten Stil einlassen.

Die Erzählung ist eine klassische Whodunit-Mystery, die ein Verbrechen in einem geschlossenenen Raum darstellt und durch Wendungen an den entsprechenden Stellen die Handlung vorantreibt und verschiedene Verdächtige präsentiert, wie man es aus klassischen Krimis kennt.

Alles in allem ist "Die rätselhaften Honjin-Morde" ein gut konstruierter und gut erzählter Kriminalroman, für den europäischen Leser sind viele Dinge allerdings schwer nachzuvollziehen, die für die Handlung wichtige Koto z.B. musste ich erst recherchieren um eine Vorstellung von diesem Instrument zu bekommen.

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Veröffentlicht am 03.09.2021

Ekel Walter

Barbara stirbt nicht
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Barbara stirbt nicht, zumindest redet Herr Schmidt sich das selbst ein und reagiert unwirsch auf die lästigen Nachfragen von Barbaras zahlreichen Bekannten nach dem Befinden seiner Frau. Umso beharrlicher ...

Barbara stirbt nicht, zumindest redet Herr Schmidt sich das selbst ein und reagiert unwirsch auf die lästigen Nachfragen von Barbaras zahlreichen Bekannten nach dem Befinden seiner Frau. Umso beharrlicher versucht der alte Grantler, der bislang um alles, was mit Haushaltsführung auch nur im Entferntesten zu tun hat, einen weiten Bogen gemacht hat, seine Frau, die nach einem Schwächeanfall das Bett nicht mehr verlässt, wieder auf die Beine zu bringen und diesen tückischen Haushalt in den Griff zu bekommen.

Barbara macht allerdings keine Anstalten, wieder aus dem Bett zu kommen, und alle anderen scheinen das auch zu wissen, Herr Schmidt jedoch schaltet auf stur, was er offenbar am besten kann.

Am Anfang hat er noch nicht einmal eine Vorstellung davon, wie man Kaffee kocht, am Ende meistert er selbst komplizierte Gerichte mit Bravour, immer in der Hoffnung, Barbara zum Essen zu bewegen. Dass ihm dabei ausgerechnet zynische Kochsendungskommentatoren im Internet und ein gelangweiltes, mürrisches Mädchen helfen, hätte er sich sicher früher nicht träumen lassen. Wie eine Zwiebel schält man beim Lesen Schicht um Schicht von der Ehe zwischen Barbara und Herrn Schmidt und erhält erst gegen Ende einen vollständigen Einblick in die Geschichte der beiden, was die Geschichte so gut konstruiert und lesenswert macht, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Herr Schmidt erinnert mich ein wenig an Ekel Alfred aus der Fernsehserie „Ein Herz und eine Seele“ und ist bedauerlicherweise noch ein wenig unsympathischer als dieser, das ist für mich der einzige Wermutstropfen an der Geschichte.

Ein wenig sympathischer hätte die Autorin ihre Hauptperson meiner Meinung nach doch darstellen dürfen, ohne dem mürrischen Alten die Glaubwürdigkeit zu nehmen, man würde gerne Mitleid mit ihm haben, aber er ist halt ein widerlicher Mensch. Der bisweilen trockene Humor der Autorin, wenn es um die Schilderung seiner Eigenheiten und Ideen geht, ließ mich das Buch dennoch gerne zu Ende lesen.

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