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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.12.2022

Lügen haben kurze Augenbrauen

Mimik
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Menschen, die an deinem Gesicht ablesen können, ob man lügt oder die Wahrheit sagt, waren mir schon immer unheimlich. Hannah Herbst ist so eine, sogar beruflich: Mimikresonanz-Expertin. Nur weiß sie nichts ...

Menschen, die an deinem Gesicht ablesen können, ob man lügt oder die Wahrheit sagt, waren mir schon immer unheimlich. Hannah Herbst ist so eine, sogar beruflich: Mimikresonanz-Expertin. Nur weiß sie nichts mehr davon, als sie verletzt und gefesselt in einem Hotelzimmer wieder zu sich kommt. Bei ihr ist ein verurteilter, flüchtiger Psychopath. Und der zwingt sie, sich ein Video anzusehen. Eine Frau gesteht in diesem, ihre Familie ermordet zu haben. Irgendwie kommt ihr die Frau bekannt vor, aber sie kann sich leider an überhaupt nichts mehr erinnern. Ja so fängt alles an, und ungebremst geht es auch so weiter. Eine rasante Aufnahme einer spektakulären Nacht, mit mehreren Fluchten, vielen Morden und so einigen Psychopathen. Was einen am Anfang noch total gefesselt hat, war nach einigen Kapiteln einfach nur noch drüber. Und auch das Ende war nicht sehr überraschend, denn es blieben ja nicht mehr viele übrig, und dass die dann nicht so ganz knusper sind, war ja auch klar. Aber die Erklärungen waren mir dann doch zu abenteuerlich. Der Schreibstil war gewohnt temporeich und fesselnd, hat für mich die Handlung jedoch nicht so wirklich rausgerissen.

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Veröffentlicht am 29.10.2022

Eine andere Familie

Frau in den Wellen
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„Frau in den Wellen“ von Beatrix Kramlovsky
Joni hat eine sagenhafte Karriere. Für ihren Job reist sie um die ganze Welt. In Wien leben ihre Kinder bei ihrem Ex-Mann. Diese sehen ihre Mutter nur selten, ...

„Frau in den Wellen“ von Beatrix Kramlovsky
Joni hat eine sagenhafte Karriere. Für ihren Job reist sie um die ganze Welt. In Wien leben ihre Kinder bei ihrem Ex-Mann. Diese sehen ihre Mutter nur selten, erleben die Besuchszeit jedoch sehr intensiv. Kraft und Erfüllung erfährt Joni durch ihre zahlreichen Freunde, diese sie auf ihrem Weg begleiten. Dann jedoch wird ihr Lebensmodel auf eine harte Probe gestellt. Sie sanften Wellen um Joni beginnen zu wogen und drohen, sie in die tiefe zu reißen.
Gerade hier, beim Schreiben dieser Rezension wird für mich sehr deutlich, wie schwer es mir fällt, diesen Roman zusammenzufassen. Die Handlung plätschert sehr lange vor sich hin, bis zum letzten Drittel des Buches endlich mal etwas zu passieren scheint. Wobei ich auch diese Handlung sehr konstruiert empfand. Die Figuren, inklusive Joni blieben für mich total farblos. Nur ein einziges Mal hatte ich das Gefühl ihren Charakter begreifen zu können. Aber auch dieser Moment war dann schnell wieder verflogen. Das von dem ich glaubte, dass es den Hauptbestanteil des Buches ausmachen würde, nämlich den Konflikt zwischen dem Muttersein und der Karriere, wurde für mich nicht realistisch dargestellt. Joni geht ihren Weg (weg von der Familie), eine andere übernimmt ihre Mutterrolle, aber Konflikte gibt es nicht. Alle sind zufrieden und glücklich und haben volles Verständnis für den anderen. Auch scheint Joni mehrere Liebhaber an unterschiedlichen Orten zu haben und auch das wirft keine oder einfach nicht thematisierte Konflikte auf. Vieles wird in diesem Roman nicht gesagt, warum blieb mir leider verborgen. So blieb die Geschichte und auch die Protagonisten für mich unnahbar und konnte mich nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 05.09.2022

Morbide Theologin

Die Ewigkeit ist ein guter Ort
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Mitten im Gebet am Bett einer Sterbenden entfällt der jungen Pastorin Elke der Text des „Vater unser“. Die Worte wollen ihr einfach nicht mehr über die Lippen kommen. Sie stellt fest, dass ihr auch sonst ...

Mitten im Gebet am Bett einer Sterbenden entfällt der jungen Pastorin Elke der Text des „Vater unser“. Die Worte wollen ihr einfach nicht mehr über die Lippen kommen. Sie stellt fest, dass ihr auch sonst alles abhanden gekommen ist was von Gott handelt und sie schon ihr ganzes Leben lang begleitet. „Gottdemenz“ nennt sie es. Ihr Leben gerät völlig aus den Fugen, denn ihr Fundament scheint auf Sand gebaut zu sein. Oder ist die Basis rissig geworden, nach dem Tod ihres Bruders?
Mich hat der Klappentext und auch die Leseprobe total neugierig gemacht. Auch der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Doch schnell wurde mir die Protagonistin unsympathisch und hier Handeln für mich nicht mehr nachvollziehbar. Der morbide Charme hatte sich schnell abgenutzt und wandelte sich in Ekel. Dazwischen waren leider auch oft Passagen die ich langweilig fand und nicht ganz verstand was sie zur Geschichte beitragen sollten. Insgesamt fehlte mir das Verständnis für die Hauptfigur, da sie doch häufig kindlich fast kindisch wirkte. Leider war dieses Buch für mich kein literarisches Highlight.

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Veröffentlicht am 05.04.2022

Vom Fressen und Fallen

Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron
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„Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron“ von Yade Yasemin Önder
Ihr türkischer Vater stirbt durch einen Unfall als sie noch ein Kind ist. Sie, die namenlose Protagonistin, bleibt mit ihrer Mutter ...

„Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron“ von Yade Yasemin Önder
Ihr türkischer Vater stirbt durch einen Unfall als sie noch ein Kind ist. Sie, die namenlose Protagonistin, bleibt mit ihrer Mutter zurück. Lieblosigkeit, Einsamkeit und das Trauma des Verlustes lassen sie verwahrlosen. Als Jugendliche gerät sie in einen Strudel aus Bulimie, Mobbing und Sexsucht. Der Roman ist sehr wort- und bildgewaltig. Die Emotionen die dadurch erzeugt werden sind jedoch abstoßend und bedrückend. Genussvolles wird übermäßig übertrieben bis es widerlich anmutet. Szenen driften immer wieder ins Surrealistische ab, bis sie zur Unkenntlichkeit verzerrt werden. Ein weiteres stilistisches Mittel ist die permanente Wiederholung in verschiedenen Facetten der Erzählkunst, ebenso die seitenlange Aufzählung scheinbar sinnloser Dinge. Leider war dies auf die Dauer ermüdend und auch die Aussage ging für mich dabei etwas verloren. Auch wenn ich zwischendrin Zeilen meiner Lieblingsband entdeckt habe konnte mich dieser Roman leider nicht abholen. Beeindruckt hat mich jedoch der extrem bildhafte und extravagante Schreibstil der Autorin.

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Veröffentlicht am 18.03.2022

Mythen und Kolibris

Legend Academy, Band 1 - Fluchbrecher
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Graylee war schon immer etwas speziell und unangepasst. Und auf ihrer Schule hat sie nur einen wahren Freund. Als die Vertrauenslehrerin ihr und ihren Eltern eine spezielle Schule empfiehlt, zögern die ...

Graylee war schon immer etwas speziell und unangepasst. Und auf ihrer Schule hat sie nur einen wahren Freund. Als die Vertrauenslehrerin ihr und ihren Eltern eine spezielle Schule empfiehlt, zögern die Adoptiveltern nicht lange und fahren Graylee zu dieser Schule nach Texas. Doch hier ist erst recht nichts normal. Plötzlich findet sie sich in der Welt der Mythennachfahren wieder. Sie soll eine von ihnen sein? Ihre Visionen deuten darauf hin, aber so richtig fühlt sie sich auch hier keiner Gruppe zugehörig. Schon bald geschehen seltsame Dinge und ein alter Fluch scheint reaktiviert worden zu sein.
Leider habe ich mich beim Lesen etwas schwergetan. In den Anfang bin ich sehr gut reingekommen aber dann entwickelte sich die Story immer zäher. Ich hatte das Gefühl es werden stets zwei Schritte vor und einer zurück gemacht. Viele Szenen und Dialoge waren ohne großen Mehrwert für die Handlung, sodass ich das Gefühl hatte hier wird etwas künstlich in die Länge gezogen. Graylees Ungeschicklichkeit war am Anfang noch niedlich und manchmal auch witzig, auf die Dauer aber etwas zu viel und vorhersehbar. Vieles wiederholte sich auch permanent wie Graylees Gestolper oder die zuckenden Augenlider missgünstiger Mitschüler. Sehr niedlich waren dagegen die Kolibris. Die gaben dieser Mythenwelt erst den richtigen Fantasytouch. Die letzten 50 Seiten ließen dann noch einmal etwas Spannung aufkommen, wohl um neugierig auf den zweiten Band zu machen. Für mich leider kein Grund diesen auch noch zu lesen.

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