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Veröffentlicht am 26.06.2017

Der melancholische Osten

Nilowsky
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Markus zieht wiederwillig mit seinen Eltern an den Rand von Berlin. Während seine Eltern sich direkt in ihr neues Leben im Chemiewerk stürzen, kann Markus sich zunächst nicht so recht anfreunden mit der ...

Markus zieht wiederwillig mit seinen Eltern an den Rand von Berlin. Während seine Eltern sich direkt in ihr neues Leben im Chemiewerk stürzen, kann Markus sich zunächst nicht so recht anfreunden mit der neuen Umgebung. Dann lernt er jedoch Rainer Nilowsky kennen, der so ganz anders ist als er selbst. Markus aus gutem Hause und Nilowsky, der seinem alkoholkranken Vater in der Kneipe aushilft. Und doch entsteht zischen Chemiewerk, der Eckkneipe den Afrikanern eine ganz besondere Freundschaft, die durch Carola auf eine harte Probe gestellt wird.

In diesem zutiefst melancholischem Buch begleiten wir eine wirklich einmalige Freundschaft zwischen 3 Personen über viele Jahre hinweg. Markus, Rainer und Carola scheinen den rechten Weg im Leben nicht zu finden. Das Leben der 3 zeichnet eine einzigartige Milleustudie der damaligen Zeit und wie grausam das Leben sein kann. Eine unbeschwerte Jugend sucht man in diesem Buch vergeblich und auch das Leben danach ist von Depression und Verzicht aus Freundschaft gezeichnet. Rainer, so einzigartig wie er ist, kann durch Skurilität und Witz zunächst überzeugen, am Ende hat man jedoch nur Mitleid mit einem Jungen, den das Leben im Stich gelassen hat.

Der Schreibstil unterstreicht den melancholischen Grundton des Werkes. Nilowsky hat seine ganz eigene Sprache, die zunächst befremdlich erscheint, jedoch im Laufe der Zeit so ans Herz wächst, als wäre man ebenfalls Nilowskys Freund. Eindringliche Beschreibungen der Umgebung und Gesellschaft zeichnen ein einmaliges Bild der damaligen Gesellschaft, sodass man gefangen scheint in der Zeit und im Leben der Personen. Unterstützt wird dies von dem sicherlich manchmal schwer zu lesenden Berliner Dialekt, jedoch unterstützt dieser das einmalige Bild und die Stimmung des Romans. Man wird sofort gefesselt von den einzigartigen Lebensansichten von Rainer und auf kindliche Weise kann man ihm nur zustimmen. Je weiter das Leben fortschreitet und je mehr man von seinem Leben erfährt, umso bedrückter wird man. Jedoch zeigt das Buch auf erstaunliche Weise den Wert von Freundschaft, an der es festzuhalten lohnt.

Was der Umschlag schon verspricht, kann das Buch letztendlich auch halten: Nilowsky ist ein ganz besonderer Roman, der die Stimmung der Zeit und dieser einzigartigen Freundschaft auf unvergleichliche Weise einfängt und den Leser mit auf eine Reise nimmt, die einen zunächst sprachlos und ehrfürchtig des eigenen Lebens zurück lasst und einem doch so viel mehr gibt als zunächst angenommen.

Veröffentlicht am 26.06.2017

Tragisches Wintermärchen

Das Schneemädchen
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Tief in den Weiten von Alaska leben Mabel und Jack. Ein hartes Leben in der rauen unbarmherzigen Natur, welches die beiden alleine Bestreiten müssen und wollen. Denn der Schatten des verlorenen Kindes ...

Tief in den Weiten von Alaska leben Mabel und Jack. Ein hartes Leben in der rauen unbarmherzigen Natur, welches die beiden alleine Bestreiten müssen und wollen. Denn der Schatten des verlorenen Kindes hängt auch noch nach mehreren Jahren über Ihnen; unausgesprochener Schmerz, den auch die kältesten Winter nicht zum Schweigen bringen wollen. Bis eines Tages Ihr ganz persönliches Schneemädchen in Ihr Leben tritt und ein faszinierendes Märchen beginnt.

Eowyn Ivey, selbst in Alaska aufgewachsen und noch immer dort zu Hause, vermag es uns Ihre Heimat unglaublich realistisch näher zu bringen. Schon mit den ersten Sätzen taucht man ab in die Weiten von Alaska, die wilde Natur des Landes. Und so schnell man auch ankommt an diesem Land, man möchte bis zur letzten Seite und darüber hinaus nicht mehr gehen. Die Beschreibungen der Natur sind so detailverliebt, so realistisch, man glaubt selbst vor Ort zu sein. Dazu wird die Geschichte von Mabel und Jack auf eine einfühlsame und trotzdem raue Art erzählt, wie sie wunderbar zum Ort und zur damaligen Zeit passen. Die Figuren sind nicht immer allzu glatt und glänzen durch Menschlichkeit. Selbst die Nebenfiguren schließt man sofort in sein Herz und behällt sie auch abseits der Buchseiten noch im Herzen. Der Schreibstil ist leise und melodisch und glänzt durch sprachliche Finesse, die einen am Anfang zweifeln lässt am Autor und sich selbst; und die sich letztendlich so herrlich in die Geschichte fügt.

Ein Buch, welches einen gefangen nimmt und so schnell nicht mehr gehen lässt. Ruhig, schön, traurig, melancholisch - diese Geschichte hat einfach alles, um den Leser zu verzaubern.

Veröffentlicht am 26.06.2017

Abtauchen in fremde Welten

Hyddenworld
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Alleine die tolle Aufmachung von Hyddenworld vermag den Leser in seinen Bann zu ziehen, doch hat man dieses Buch erstmal aufgeschlagen, taucht man sofort in die faszinierende Welt der Hydden ab.

Die Hydden ...

Alleine die tolle Aufmachung von Hyddenworld vermag den Leser in seinen Bann zu ziehen, doch hat man dieses Buch erstmal aufgeschlagen, taucht man sofort in die faszinierende Welt der Hydden ab.

Die Hydden sind ein kleines, wenn auch liebenswertes Volk und die beschriebenen Charaktere wachsen einem sofort ans Herz. Man begibt sich mit Jack auf eine Reise und in angenehm kurzen Kapiteln deckt sich einem nach und nach ein weiteres Geheimnis auf und man taucht ab in eine spannende Welt, die William Horwood hier erschaffen hat. Der Schreibstiel ist locker und das Buch lässt dich dadurch angenehm lesen. Horwood vermag es mit seinen Beschreibungen der Weltern und Personen darin, Bilder im Kopf entstehen zu lassen, die einen so schnell nicht mehr loslassen.

Der Auftakt von Hyddenworld ist ein Muss für jeden Fantasy-Fan und wer Freude an aufregenden Welten hat und diese gemeinsam mit liebenswerten Charakteren entdecken möchte, sollte sich das Buch nicht entgehen lassen.

Veröffentlicht am 31.03.2026

Zwischen Wellen, Zweifel und neuen Wegen

Summer Tides
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Scarlett hat genug von ihrem Leben in London, von einer Beziehung, die ihr nicht guttut und einem Alltag, der sie mehr erschöpft als erfüllt. Kurzerhand wagt sie einen Neuanfang in St. Ives in Cornwall, ...

Scarlett hat genug von ihrem Leben in London, von einer Beziehung, die ihr nicht guttut und einem Alltag, der sie mehr erschöpft als erfüllt. Kurzerhand wagt sie einen Neuanfang in St. Ives in Cornwall, wo sie einen Strandkiosk eröffnen will. Doch der Plan scheitert schneller als gedacht, denn sie wurde betrogen und steht plötzlich vor dem Nichts. Während sie versucht, sich dennoch etwas Neues aufzubauen, trifft sie auf Jonah, den Bruder ihrer früheren Ferienfreundin. Zwischen alten Erinnerungen, neuen Gefühlen und unerwarteten Herausforderungen geraten Scarletts Pläne zunehmend ins Wanken. Als dann auch noch ihr Ex-Freund auftaucht, wird klar, dass sie sich nicht nur ihrem neuen Leben stellen muss, sondern auch ihrer Vergangenheit.

Der Roman begeistert vor allem von seinem Setting. Cornwall wird schön atmosphärisch beschrieben und es entsteht sofort ein sommerliches Gefühl, mit Meeresrauschen, wechselhaftem Wetter und einem starken Gemeinschaftsgefühl im Ort. Diese Kulisse trägt die Geschichte und sorgt für echtes Wohlfühl-Feeling. Der Schreibstil ist dabei leicht, flüssig und angenehm zu lesen. Perspektivwechsel zwischen Scarlett und Jonah bringen Abwechslung, ebenso wie kleine Elemente wie Chatverläufe, die die Geschichte auflockern. Emotional trifft das Buch viele richtige Töne und schafft es, sowohl Freundschaft als auch Liebe greifbar zu machen. Scarlett ist sehr menschlich und nahbar, mit Unsicherheiten und Fehlern, die sie authentisch machen. Sie ist stellenweise recht sprunghaft, naiv und wenig reflektiert, was es nicht immer leicht macht, sich mit ihr zu identifizieren. Jonah hingegen ist sympathisch und ruhig, bleibt aber auch etwas blass. Die Liebesgeschichte selbst ist stimmig und emotional, es fehlt aber etwas Tiefe und überraschende Wendungen. Aber mit den Nebenfiguren kann das Buch punkten und einem tollen starken Gemeinschaftsgefühl, das sich durch die Geschichte zieht. Gerade diese zwischenmenschlichen Momente verleihen dem Roman Wärme und Charme.

Ein atmosphärischer Wohlfühlroman mit sommerlichem Setting und emotionalen Themen rund um Neuanfang, Liebe und Selbstfindung. Trotz kleinen Schwächen bei der Figurenzeichnung und der Handlung bietet Summer Tides unterhaltsame Lesestunden und den gewissen Urlaubsflair.

Veröffentlicht am 30.03.2026

Gefühle lassen sich nicht verhandeln

Terms of Attraction 1. The Knockout Contract
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Lainey, Medizinstudentin mit einem eher chaotischen Familienleben, braucht dringend ein Date für die Hochzeit ihrer Stiefschwester, um den Verkupplungsversuchen ihrer Mutter zu entgehen. Die Lösung ist ...

Lainey, Medizinstudentin mit einem eher chaotischen Familienleben, braucht dringend ein Date für die Hochzeit ihrer Stiefschwester, um den Verkupplungsversuchen ihrer Mutter zu entgehen. Die Lösung ist ein Deal mit Parker Westfield, dem berüchtigten College-Boxer und Bad Boy inklusive Vergangenheit, die beide lieber vergessen würden. Was als Fake-Dating-Vereinbarung beginnt, entwickelt sich schnell zu mehr. Zwischen Familienfeier, intensiver Nähe und Parkers wichtigem Kampf verschwimmen die Grenzen zwischen Abmachung und echten Gefühlen zunehmend. Während beide versuchen, die Kontrolle zu behalten, wird klar, dass für Parker längst mehr auf dem Spiel steht als nur ein Sieg im Ring.

Der Roman spielt mit einer guten Mischung aus Tropes: Fake Dating, Bad Boy trifft Good Girl und jede Menge knisternde Spannung und gerade diese Mischung sorgt für einen unterhaltsamen Einstieg und eine schöne Dynamik, die einem beim Lesen sofort abholt. Die Chemie zwischen Lainey und Parker ist dabei spürbar und entwickelt sich glaubwürdig von einem Zweckbündnis hin zu echten Emotionen. Der Schreibstil ist leicht, modern und sehr zugänglich. Auch die Dialoge und die emotionale Entwicklung der Figuren tragen dazu bei, dass man sich gut in die Geschichte hineinziehen lassen kann. Parker erfüllt dabei vieles, was man sich von einem Book Boyfriend erwartet: nach außen hart, innerlich verletzlich. Die Handlung selbst folgt zwar bei vielen Entwicklungen bekannten Mustern des Genres, und bietet wenig Überraschung, kann aber dadurch mit ihrem Komfort-Level überzeugen. Man fühlt sich sofort zuhause in der Geschichte. Der Fokus auf Romance und Drama lässt andere Aspekte wie die sportliche Handlung oder tiefere Konflikte aber teilweise etwaszu sehr im Hintergrund bleiben.

Ein unterhaltsamer, gefühlvoller Roman mit viel Chemie, bekannten Tropes und genau der richtigen Portion Drama, der eher auf Vertrautes als auf Überraschungen setzt.