Schon wegen der sprachlichen Meisterleistung absolut lesenswert!
EuphorieElin Cullhed beleuchtet in diesem Roman das letzte Jahr in Sylvia Plaths Leben - ein Jahr der Extreme, war es doch gleicheiermaßen von größter Schaffenskraft und größter Zerrissenheit geprägt.
Ich liebe ...
Elin Cullhed beleuchtet in diesem Roman das letzte Jahr in Sylvia Plaths Leben - ein Jahr der Extreme, war es doch gleicheiermaßen von größter Schaffenskraft und größter Zerrissenheit geprägt.
Ich liebe Sylvia Plaths Werke, hatte mich aber noch nicht näher mit ihrer Person und ihrem Leben beschäftigt - so war ich sehr gespannt auf "Euphorie".
"Euphorie" begeistert schon durch das sprachliche und stilistische Talent der Autorin sowie der hervorragenden Arbeit der Übersetzerin. Sicher ist es ein Werk, das man, sowohl im Hinblick auf die Sprache als auch im Hinblick auf den Inhalt, langsam und aufmerksam, ohne Ablenkungen lesen muss; das man immer erst mal auf sich wirken lassen und verarbeiten muss; doch auch hierin bestand für mich gerade der Reiz. Schon in sprachlicher Hinsicht ist "Euphorie" eine Meisterleistung, ein Genuss und absolut lesenswert.
Ich hatte das Gefühl, Sylvia Plath wirklich kennenzulernen, tiefe Einblicke in dieses letzte Jahr ihres Lebens, in ihr Denken, Fühlen und Handeln, in die Person und die Schriftstellerin zu bekommen - und auch in ihre Ehe mit Ted Hughes. Ebenso wird die Entwicklung hin zur Trennung absolut greifbar.
Obwohl ich diesen Roman sehr gerne gelesen habe und er mir sowohl Sylvia als auch Ted ziemlich nahe gebracht hat, blieb er doch ein Stück hinter meinen Erwartungen zurück. So hätte ich gerne noch etwas mehr über ihre Arbeit und Werke erfahren. Zudem endet der Roman vor ihrem Suizid - man kann es löblich finden, dass dieser dem Leser erspart wird, doch es hat für Leser, die sich noch nicht näher mit Sylvia Plath beschäftigt haben, den Nachteil, dass sie eben doch nicht alles über sie erfahren, dass "Euphorie" also insofern nicht wirklich vollständig ist und man daher nach der Lektüre etwas unbefriedigt zurückbleibt. Ein Nachwort hätte den Roman daher sehr gut abgerundet; ein solches habe ich wirklich vermisst. Denn so bleiben Fragen offen, die man nicht klären kann, ohne selbst zu recherchieren und weiterführende Literatur hinzuzuziehen: Wie starb Sylvia Plath wirklich? Wie ging es mit Ted Hughes und Assia weiter? Wer war Ted Hughes wirklich? Was hatte Sylvias Suizid mit Assia und deren Schwangerschaft, was hatte Assias Suizid mit Sylvia zu tun?
Am Ende fragte ich mich, was nun Realität und was Fiktion war; was noch geschehen, aber nicht in diesen Roman eingeflossen ist; was ich nun also immer noch nicht weiß; wie vollständig das Bild wirklich ist, das "Euphorie" von Sylvia Plath zeichnet; oder wie fern sie mir nach dieser Lektüre doch noch ist.
Auch meine Meinung bezüglich Ted Hughes und Assia änderte sich wieder, nachdem ich im Anschluss an die Lektüre näher zu den beiden recherchierte. Insofern hatte ich leider das Gefühl, dass Elin Cullhed die Personen nicht ganz den wahren Gegebenheiten entsprechend gezeichnet hat, dass wichtige Dinge ausgelassen wurden - dabei war genau das meine Erwartung: Ich wollte erfahren, wer und wie diese Personen, allen voran natürlich Sylvia Plath, wirklich waren.
Es spricht wiederum sehr für "Euphorie", dass das Interesse des Lesers geweckt ist und man im Anschluss an die Lektüre unbedingt noch mehr nicht nur über Sylvia Plath, sondern auch über Ted und Assia lesen und erfahren möchte.
Fazit: Sprachlich herausragend, auch inhaltlich sehr interessant. Es erfolgt eine erste und ziemlich intensive und gelungene Annäherung an Sylvia Plath. Wenn man sie jedoch wirklich und vollständig kennenlernen will, dann muss man selbst aktiv werden, recherchieren und weiterführende Literatur hinzuziehen. Wenn man das jedoch weiß, dann wird man von "Euphorie" nicht enttäuscht. Ich würde den Roman jedem empfehlen, der Freude an Sprache hat und bisher nur Sylvia Plaths Werke kennt, sich nun auch mit ihrer Person und ihrem Leben beschäftigten will. Denn trotz der aufgezeigten Schwächen empfand ich "Euphorie" als großartig und absolut lesenswert.