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Veröffentlicht am 18.03.2023

Der Blick auf das Schicksal der Medusa

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
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Natalie Haynes ist eine Geschichtenweberin und so webt sie in ihrem neuesten Buch "Stone Blind. Der Blick der Medusa" ein Netz aus vielstimmigen Geschichten in dessen Mitte sich die der Medusa wiederfindet. ...

Natalie Haynes ist eine Geschichtenweberin und so webt sie in ihrem neuesten Buch "Stone Blind. Der Blick der Medusa" ein Netz aus vielstimmigen Geschichten in dessen Mitte sich die der Medusa wiederfindet. Nach der Begegnung Medusas mit Poseidon im Tempel der Athene nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Die Autorin verzichtet jedoch darauf, Medusa als das Monster, darzustellen, das unsere Popkultur heute kennt. Vielmehr öffnet sie den Blick auf ein sterbliches Wesen mit Gefühlen, Wünschen und Sehnsüchten, auf der Suche nach ihrer Identität. Auch ihr Mörder, der vermeintliche Held Perseus, wird anders beschrieben, als die Leser*innen es vielleicht erwarten.

Der durchweg gut lesbare Schreibstil, die wechselnden Perspektiven, Geschichten und Intrigen der Götter sowie der neue Blick auf das Schicksal der Medusa machen das Buch spannend und gut verständlich. Für alle, die in der griechischen Mythologie nicht ganz so bewandert sind, befindet sich am Ende ein Personenverzeichnis, dass die wichtigsten Protagonisten noch einmal kurz erklärt. Alles in allem hat das Buch viele Ebenen, je nachdem mit welcher Intention es gelesen wird. Die emotionale, sensible Sprache der Autorin, wenn sie über einige der Protagonistinnen schreibt, ist so intensiv, dass ich mich den beschriebenen Gefühlen nicht entziehen konnte. Dies gibt der ganzen Nacherzählung einen feministischen Twist und eine Anbindung an aktuelle Diskurse, z. B. die #Metoo-Debatte. Aber auch die Fragen, was ein Monster ist und was ein Held, was eine Familie bedeutet und ein zu Hause, werden behandelt.

Das Buch hat mich bis zur letzten Seite gerührt, überrascht, wütend gemacht und nachdenklich. Ich kann es allen empfehlen, die die Aktualität der alten Geschichten der griechischen Mythologie erleben möchten.

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Veröffentlicht am 28.02.2023

Wie viele Chancen verdient die Liebe?

The Love Test – Versuch’s noch mal mit Liebe
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Die Literaturliebhaberin Allison hat es endlich geschafft und beginnt mit dem Promotionsprogramm, von dem sie schon immer geträumt hat. Unerwartet trifft sie dort ihren Ex-Freund Colin wieder, der sie ...

Die Literaturliebhaberin Allison hat es endlich geschafft und beginnt mit dem Promotionsprogramm, von dem sie schon immer geträumt hat. Unerwartet trifft sie dort ihren Ex-Freund Colin wieder, der sie vor einiger Zeit verlassen hat und dass, nachdem er ihr einen begehrten Preis für akademische Leistungen vor der Nase weggeschnappt hat. Allison ist alles andere als begeistert, doch jetzt konkurriert sie mit ihm um eine äußerst wichtige Assistentenstelle bei ihrer Mentorin. Hat die Liebe in diesem Umfeld noch eine Chance? Oder vielleicht zwei und noch besser drei?

Das Buch ist witzig und mit viel Esprit geschrieben. Allison entspricht als Plus Size Frau nicht immer dem gängigen Schönheitsideal. Sie ist dennoch selbstbewusst und erkämpft sich ihren Platz in der Welt durch Intelligenz, Scharfsinn, Engagement und Gefühl und dass alles hat auch mit Colin zu tun. Beide entwickeln sich weiter und die Frage lautet: Können sich Menschen grundlegend ändern?

In dieser Rivals-to-Lovers Geschichte geht es aber auch um Trauer, Verlust, persönliches Wachstum und darum, seinen Weg zu gehen und zu sich selbst zu finden. Es ist eine wunderbar prickelnde und herzergreifende Liebesgeschichte, die durch ihren Humor unglaublich viel Spaß beim Lesen bringt. Ich habe jede Sekunde mit diesem Buch genossen und musste oft schmunzeln aber noch öfter laut auflachen. Diese Liebesgeschichte ist genau der richtige Auftakt für den kommenden Frühling und Sommer!

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Veröffentlicht am 08.02.2023

Die Reise

Dämmerblicke
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In dem Buch "Dämmerblicke" von Sebastian Radu Groß verbinden sich Lyrik, Gedichte und Kurzgeschichten zu einer tiefgründigen und berührenden Mischung. Der Autor schreibt in sensiblen und treffenden Worten ...

In dem Buch "Dämmerblicke" von Sebastian Radu Groß verbinden sich Lyrik, Gedichte und Kurzgeschichten zu einer tiefgründigen und berührenden Mischung. Der Autor schreibt in sensiblen und treffenden Worten zu den Themen Leben, Tod und so viel mehr. Er nimmt die Lesenden mit auf eine Reise, an deren Ende jeder für sich nachgedacht, erlebt, erinnert, gehofft und gefühlt hat.

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Veröffentlicht am 04.10.2022

Auftragskiller wider Willen

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens
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Lucien Comte de Chacarasse lebt ein unbeschwertes Leben. Er liebt sein Bistro, gutes Essen, guten Wein und schöne Frauen. All dies hat jedoch ein jähes Ende, als er seinem Vater am Sterbebett das Versprechen ...

Lucien Comte de Chacarasse lebt ein unbeschwertes Leben. Er liebt sein Bistro, gutes Essen, guten Wein und schöne Frauen. All dies hat jedoch ein jähes Ende, als er seinem Vater am Sterbebett das Versprechen gibt, die Tradition der Familie fortzusetzen, und damit zum Auftragsmörder wird. Lucien steckt ab sofort in einem echten Dilemma, denn er möchte nicht töten.

"Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens" ist der Auftakt einer neuen Serie des Bestsellerautors Pierre Martin, die ich sehr gelungen fand. Lucien ist ein äußerst sympathischer junger Mann, der sich zu helfen weiß. Der Schreibstil des Autors liest sich flüssig und der Plot des Kriminalromans ist so angelegt, dass ich das Buch in einem Zug durchgelesen habe, weil ich wissen wollte, wie Lucien sein Gewissen mit seinen neuen "beruflichen Aufgaben" vereinbart. Zum Lesespaß beigetragen haben das südfranzösische Setting, die Beschreibung der kulinarischen Köstlichkeiten und die leichte Ironie, mit der sich die Geschichte entwickelt. Ich habe jede Leseminute mit Lucien genossen und freue mich schon sehr auf weitere Abenteuer mit ihm.

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Veröffentlicht am 28.09.2022

Countdown für das Leben

Die Mauersegler
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Auf 830 Seiten beschreibt Fernando Aramburu in seinem Roman "Die Mauersegler" (aus dem Spanischen übersetzt von Willi Zurbrüggen) einen Countdown der besonderen Art. Toni, Mitte fünfzig, Philosophielehrer, ...

Auf 830 Seiten beschreibt Fernando Aramburu in seinem Roman "Die Mauersegler" (aus dem Spanischen übersetzt von Willi Zurbrüggen) einen Countdown der besonderen Art. Toni, Mitte fünfzig, Philosophielehrer, geschieden mit einem Sohn, zu dem ihm der Zugang fehlt, lebt allein in Madrid mit seinem Hund und beschließt seinen Freitod. Allerdings nicht in einer übereilten Kurzschlusshandlung, sondern er gibt sich genau ein Jahr Zeit, seinen Entschluss in die Tat umzusetzen. In 365 Kapiteln, eines für jeden Tag, reflektiert Toni seine Kindheit, beginnend im franquistischen Spanien der 70er Jahre, seine Ehe und seine Landsleute. All diese Überlegungen bestärken ihn in seinem finalen Plan, seinem Leben ein Ende zu setzen. Seinen Abschied von dieser Welt plant er akribisch, bis etwas geschieht, dass alles ins Wanken bringt.

Dieser Roman ist traurig und lustig zugleich. Er hat mich auf eine sehr ursprüngliche Weise berührt, da er die großen Themen Würde, Leben und Tod behandelt. Der Protagonist erscheint keineswegs immer sympathisch oder bemitleidenswert. Doch niemals hatte ich das Gefühl, dass der Autor seine Figur aufgibt. Letztendlich konnte ich mich auf einer empathischen Ebene mit Toni identifizieren. Die Geschichte begleitet mich, auch nachdem ich das Buch beendet und geschlossen habe, noch weiter. Ein grandioses Werk über die menschliche Seele und das Leben.

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