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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.10.2022

Jugendlicher Whodunit-Roman

Mehr als wahrscheinlich
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„Mehr als Wahrscheinlich“ ist ein inspirierender, hoffnungsvoller Jugendroman, der sich dem Who-Dun-It Prinzip eines Krimis bedient und im Prolog dem Epilog vorgreift um dann die Geschichte im Rückblick ...

„Mehr als Wahrscheinlich“ ist ein inspirierender, hoffnungsvoller Jugendroman, der sich dem Who-Dun-It Prinzip eines Krimis bedient und im Prolog dem Epilog vorgreift um dann die Geschichte im Rückblick zu erzählen. Das Cover ist wunderbar auffällig und mir gefällt, wie es die Vielfältigkeit der Mädchen widerspiegelt. Das Buch selbst hat mir sehr gut gefallen.

Zum Inhalt: Ava, CJ, Jordan und Martha sind Freunde seit dem Kindergarten, als sie sich auf dem Spielplatz im Park kennenlernten. Im letzten Jahr der Highschool versuchend die Mädchen herauszufinden, wie der Rest ihres Lebens beginnen soll und haben dabei mit allerlei persönlichen Problemen zu kämpfen. Und dann soll auch noch der schicksalhafte Ort ihres Kennenlernens abgerissen werden. Können die Mädchen das verhindern? Und legt eine von ihnen vielleicht damit den Grundstein für eine zukünftige Präsidentschaft?

Das Buch beginnt im Prolog quasi am Ende der Geschichte. Eine der vier Freundinnen steht kurz davor, zur Präsidentin der Vereinigten Staaten vereidigt werden. Im Verlauf der Geschichte erfährt der Leser wie sich die Leben der Mädchen im letzten Jahr der Highschool entwickelt haben und welche von ihnen das höchste Amt der USA antritt. Die Perspektiven der Mädchen werden zu gleichen Teilen abwechselnd erzählt.

Besonders gut gefallen hat mit, dass jedes der Mädchen mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat, die sehr divers und dadurch sehr nahbar sind. Ich denke jeder kann sich mit mindestens einem der Mädchen identifizieren, was nicht nur ab ihren unterschiedlichen Ethnien, sozialen Umständen und Sexualitäten liegt. Sie haben auch sehr unterschiedliche Charaktere und Interessen, was ihre Freundschaft so bunt und ausfüllend macht.

Wie ein roter Faden zieht sich zudem der Nebencharakter Logan durch das Leben der Mädchen. Bis zum Schluss ist nicht ganz klar, in welchem Verhältnis er zu jeder von ihnen steht, was für viel Verwirrung sorgt aber toll gemacht ist.

Das Buch ist wirklich schön geschrieben und leicht zu lesen. Es ist voller Herz, Solidarität und Zusammenhalt und die Freundschaft der Mädchen ist einfach wunderbar zu verfolgen. Wir begleiten die Auf und Abs und was am Ende bleibt, ist der bedingungslose Rückhalt der Mädchen füreinander. Eine inspirierende Geschichte

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Veröffentlicht am 02.10.2022

Das Spiel geht weiter

The Inheritance Games - Das Spiel geht weiter
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„The Inheritance Games“ war eines meiner absoluten Highlights aus diesem Frühjahr. Nun geht die Geschichte um Averys mysteriöses Erbe und die Hawthorne Brüder in die nächste Phase. Avery kommt dem Geheimnis ...

„The Inheritance Games“ war eines meiner absoluten Highlights aus diesem Frühjahr. Nun geht die Geschichte um Averys mysteriöses Erbe und die Hawthorne Brüder in die nächste Phase. Avery kommt dem Geheimnis der Familie und damit auch ihrer eigenen Familiengeschichte auf die Spur: Spannung und packende Rätsel sind wieder vorprogrammiert.

Zum Inhalt: Nachdem Avery den ersten Schock um ihr unfassbares Erbe überwunden hat, geht die rätselhafte Schnitzeljagd im Hause Hawthorne in die zweite Runde. Denn auch Xander hat noch eine Aufgabe zu erfüllen und sie hängt mit dem ungeklärten Tod von Tobias Hawthorne II zusammen. Und noch immer ist Avery von Zwietracht und Neid umgeben und muss ein ums andere Mal um ihre Sicherheit bangen. Und dann sind da noch ihre ungeklärten Gefühle für die Hawthorne Brüder.

Auch Band 2 der Reihe ist wieder sehr packend geschrieben, was ich für einen Jugendroman wirklich bemerkenswert finde. Die Rätsel sind wieder sehr vielfältig und äußerst knifflig und es hat mir wirklich gut gefallen, die Lösungen nachzuvollziehen und den Hinweisen zusammen mit Avery und James zu folgen.

Was mir sehr gut gefallen hat ist die stärkere Einbindung der Nebencharaktere Libby und Max, die Avery zusätzlichen Rückhalt geben. Das Buch vertieft die Familiengeschichte der Hawthornes und zeigt endlich Averys Verwicklung damit auf. Dadurch wirkte die Geschichte für mich emotionaler als der erste Band, vor allem weil auch Avery endlich beginnt sich zu öffnen.

Der Band schließt die Geschichte um Tobias II ziemlich gut ab, trotzdem bleiben noch ein par Geheimnisse offen, von denen ich hoffe, dass sie in Band 3 aufgelöst werden. Das Buch hat sich wieder toll lesen lassen und war mit den Verwicklungen der Vergangenheit sehr spannend zu lesen.

Für mich eine sehr starke Fortsetzung, die mir sogar noch ein bisschen besser gefallen hat als Band 1, da die Charakterentwicklung wirklich stark war und ich die Rätsel einen Ticken besser nachvollziehbar fand.

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Veröffentlicht am 28.09.2022

Starke Frauenbilder im Trojanischen Krieg

Wir Töchter von Sparta
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Die Geschichte des Trojanischen Krieges ist schon vielfach erzählt worden und an sich nichts neues. Dich erzählen sie meist die Geschichten der Schlacht, der Helden und der Sieger. Dieses Buch erzählt ...

Die Geschichte des Trojanischen Krieges ist schon vielfach erzählt worden und an sich nichts neues. Dich erzählen sie meist die Geschichten der Schlacht, der Helden und der Sieger. Dieses Buch erzählt die Geschichte der Frauen. Eine Geschichte voller Leid, voller Angst, aber auch von Hoffnung und Stärke.

Zum Inhalt: Helena und Klytämnestra sind die Prinzessinnen von Sparta. Helena ist bekannt für ihre sagenumwobene Schönheit und Klytämnestra soll ihrem Vater auf den Thron folgen. Doch das Schicksal hat etwas anderes für die Schwestern geplant und so wird Klytämnestra mit dem König Agamemnon verheiratet und Helena Thronerbin. Doch die Ehe ist nicht das, was sich die Schwestern erhofft hatten und schon bald, finden sich beide in einem goldenen Gefängnis wieder. Kann das schon alles gewesen sein?

Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Schwestern erzählt, die getrennt verheiratet wurden und sich beide in ein sehr ähnliches Schicksal fügen müssen. Die Geschichte greift viele Elemente auf, die man bereits aus der Geschichte um den Trojanischen Krieg und den Göttermythen kennt. Ein bisschen Hintergrundwissen schadet definitiv nicht, um sich zurecht zu finden, ist aber nicht unbedingt nötig.

Das Buch umreißt einen riesigen zeitlichen Rahmen, was sich immer wieder in Zeitsprüngen von mehreren Jahren bemerkbar macht. Das ist zwar nötig um alle Schlüsselereignisse wiederzugeben, trotzdem hat es für mich unnötig Distanz geschaffen. Gerade bei einer so bekannten Geschichte hätte mir einen kleinerer, dafür tiefergehender Ausschnitt vermutlich besser gefallen.

Trotzdem wird die Situation der Frauen in Griechenland sehr eindringlich und emotional geschildert. Nicht nur die Schwestern taten mir leid, auch die Sklavinnen und all die Frauen die während dieser Zeit geraubt und geschändet wurden. Das Leben im Überfluss aber auch dir Kriegshandlungen werden anschaulich geschildert. Das Buch schafft eine authentische, spannende Atmosphäre. Mal ein interessanter, neuer Blickwinkel auf die Geschichte, der mir gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 28.09.2022

Unfassbar bewegend

Ein Kind namens Hoffnung
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„Ein Kind namens Hoffnung“ ist eine Romanerzählung aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. Dabei stehen hier nicht die Kriegshandlungen oder die Judenverfolgung in Fokus, sondern ein Einzelschicksal, dass ...

„Ein Kind namens Hoffnung“ ist eine Romanerzählung aus der Zeit des zweiten Weltkrieges. Dabei stehen hier nicht die Kriegshandlungen oder die Judenverfolgung in Fokus, sondern ein Einzelschicksal, dass vermutlich stellvertretend für das vieler jüdischer Kinder gesehen werden kann. Eine Geschichte voll Entbehrung, aber auch von Hoffnung.

Zum Inhalt: Pastorentochter Elly ist Köchin bei einer jüdischen Familie. Besonders den Sohn Leon hat sie ins Herz geschlossen und als des Nachts die Nazis an die Tür klopfen, gibt Elly sich als seine Mutter aus, um den Jungen zu retten. Gemeinsam mit ihm flüchtet sie aus und einer ungewissen Zukunft entgegen. In der Hoffnung, die Familie eines Tages wieder vereinen zu können.

Das Buch ist in drei größere zeitliche Abschnitte untergliedert, in denen einige Ereignisse detailliert erzählt werden, andere nur zusammengefasst wiedergegeben. Dabei steht das Schicksal von Elly und Leon zu allen Zeiten im Fokus. Besonders Ellys Einsatz für Leos Leben ist mehr als beeindruckend, da sie dieser Sache alles unterordnet.

Was mir gut gefallen hat, dass es keine Kriegs- bzw. Nachkriegslektüre im herkömmlichen Sinn ist. Die Lebensumstände werden zwar geschildert, es werden aber keine Kriegshandlungen oder ähnliches beschrieben. Wäre der zeitliche Rahmen nicht abgesteckt, könnte es sich auch um eine Flüchtlingsgeschichte zu einer anderen Zeit handeln. Das zentrale Thema ist recht allgemein gefasst: Flucht, Abgrenzung, Vorurteile und Entbehrung lassen sich auch auf andere Zeiten und Länder übertragen.

Das Buch ist toll geschrieben und lässt sich sehr kurzweilig lesen. Was Leo und Elly auf sich nehmen mussten, hat mich sehr mitgerissen und berührt.

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Veröffentlicht am 21.09.2022

Vom planlosen Drogenkonsumenten zum Sternekoch

Kochen am offenen Herzen
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Wenn man Koch und nun Autor Max Strohe googelt, findet man einen Michelin-Stern und einen Bundesverdienstorden. Der Koch und Gastronom ist in einschlägigen Fernsehformaten neben anderen Küchen-Größen zu ...

Wenn man Koch und nun Autor Max Strohe googelt, findet man einen Michelin-Stern und einen Bundesverdienstorden. Der Koch und Gastronom ist in einschlägigen Fernsehformaten neben anderen Küchen-Größen zu sehen und hat es im Leben geschafft. Dass dem nicht immer so war, das Beschreibt Strohe sehr intensiv und eindringlich in seinem autobiografischen Roman „Kochen am offenen Herzen“. Den Titel finde ich total interessant und ansprechend, ein bisschen wie damals „Panikherz“ von Stuckrad-Barre, macht neugierig, man will mehr wissen. Und dieses „mehr“ kriegt man dann auch. Eine Achterbahnfahrt im Drogenrausch mit Happy End, ich finds gut.

Zum Inhalt: Max ist Schulabbrecher und für die gibt es nur eine Möglichkeit: teures Privatinternat, in der Hoffnung fehlende Schulbildung mit Geld zu kompensieren, oder Ausbildung. Da Max ein Interesse fürs Kochen zeigt ist es beschlossene Sache: Ausbildung. Aber Max hat gar keinen Bock auf geordnete Eintönigkeit, stattdessen Party, Rausch, Exzess. Keinen Job behält er sonderlich lange, immerzu zieht es in fort, in neue Gefilde, neue Abenteuer. Ständig blank, ständig drauf- das könnte sein Motto sein. Bis er den Absprung schafft.

Die Art, wie Max Strohe diese Geschichte erzählt ist sehr rasant, es fühlt sich beim Lesen an, als würden sich die eigenen Gedanken überschlagen, immer auf dem Sprung, immer unter Strom. Denn genauso lebt Protagonist Max, der aus der Ich-Perspektive erzählt. Die Wortwahl ist typisch jugendlicher Slang. Oft höhnisch und zynisch, manchmal richtiggehend bösartig und mit der Arroganz der Jugend erzählt Max von Wirkungsstätten, den Menschen um ihn und den Erlebnissen seiner Lehrjahre.

Und zwischendurch ist immer mal wieder Küche. Gerichte und deren Zubereitungen, Aromen und Zutaten werden dem Leser präsentiert, mal eindringlich beschrieben, mal verächtlich aufgezählt, je nachdem was Max von der Wirkungsstätte und der Qualität der Speisen hält. Besonders die kulinarischen Exzesse mit dem Vater bleiben lebhaft in Erinnerung.

Das Buch zu lesen hat mir großen Spaß gemacht und interessante Einblicke geliefert, vor allem da ich Max Strohe vorher zwar als Namen kannte, mir das aber nicht viel gesagt hat. Das Buch zeigt sehr schön, wie bewegend und aufregend, aber auch wie zermürbend und unstet ein Leben sein kann. Und vor diesem Hintergrund ist es unglaublich, was sich Max Strohe aufgebaut aufgebaut hat.

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