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Veröffentlicht am 04.06.2023

Ein Vergleich drängt sich auf - und tut dem Roman nicht gut

Tochter des Marschlands
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Eine Frau, die aus den Marschlanden der südlichen USA stammt. Die eine schwierige Kindheit hatte und schon früh ihren Vater verlor. Deren großes Talent es ist, Vögel so real zu zeichnen, dass man glaubt, ...

Eine Frau, die aus den Marschlanden der südlichen USA stammt. Die eine schwierige Kindheit hatte und schon früh ihren Vater verlor. Deren großes Talent es ist, Vögel so real zu zeichnen, dass man glaubt, sie würden sich gleich vom Papier erheben... das kommt euch bekannt vor? Mir auch! Denn die Parallelen zu „Der Gesang der Flusskrebse“ sind einfach nicht zu übersehen. Doch ich fürchte, die Autorin hat sich damit keinen Gefallen getan...

Das Schwierige dabei ist ja, dass Leser dann mit einer gewissen Erwartungshaltung an das Buch herangehen - die „Flusskrebse“ haben so viele Menschen auf der ganzen Welt begeistert, der Film hat Millionen ins Kino gelockt - ist es da clever, eine Geschichte zu präsentieren, die fast auf jeder Seite zum direkten Vergleich animiert? Ich denke nicht, und meiner Meinung nach kann man da auch nur verlieren - zumal gegen einen solch bekannten Weltbestseller.

Zwar ist die Geschichte hier etwas anders gestrickt. Sie spielt in der Gegenwart und die Protagonistin Loni ist aus den Marschlanden nach Washington DC gegangen, um ihre Vergangenheit abzustreifen. Aufgrund eines familiären Notfalls kehrt sie jedoch zurück in den Ort in ihrer Kindheit, der geprägt war vom frühen Tod ihres Vaters - und obwohl jeder sagt, dass es ein Unfall war, als er mit dem Boot hinausfuhr und dann ertrank, kann Loni das auch im Erwachsenenalter noch nicht wirklich glauben. Deshalb geht sie erneut auf Spurensuche.

Obwohl also die Story durchaus Unterschiede zum „Vergleichsbuch“ aufweist, gibt es genau so viele Parallelen - Boote und Kanus spielen eine sehr große Rolle. Das Misstrauen unter den Menschen ist sehr deutlich spürbar. Die Schönheit, aber auch Tücken der Marschlande werden in den Fokus genommen. Naturbeschreibungen tragen entscheidend zum Leseerlebnis bei. Und so kann man gar nicht anders als zu vergleichen - doch leider erreicht die Tochter der Marschlande bei weitem nicht so viel Tiefe und Mystik wie „Der Gesang der Flusskrebse“.

Das Buch liest sich sehr flüssig, man ist auch hier mit Bildern vor dem geistigen Auge schnell mitten im Geschehen und daher denke ich, dass auch dieser Roman mit Sicherheit viele Freunde finden kann. Insbesondere wer die Stimmung und das Setting der „Flusskrebse“ geliebt hat, kann hier weiter in dieser besonderen Atmosphäre schwelgen.

Mein persönlicher Eindruck konnte sich jedoch leider nicht von den „Flusskrebsen“ als Vergleichsmaterial lösen, so dass mir die Tochter des Marschlandes an vielen Stellen zu bekannt vorkam und von mir kaum als eigenständige Geschichte wahrgenommen werden konnte. Zu dominant war für mich der Vergleich, den ich einfach beim Lesen nicht aus dem Kopf bekam.

Daher kann ich das Buch nur eingeschränkt empfehlen - denn diejenigen, die Delia Owens gelesen haben, könnten es als „Abklatsch“ empfinden. Für diejenigen unter euch, die stimmungsvolle Romane in landschaftlich herausragenden Settings lieben, könnte es aber definitiv etwas sein. Falls es irgendjemanden gibt, der den „Gesang der Flusskrebse“ noch nicht kennt... dann macht man mit diesem Buch ebenfalls keinen Fehler - denn ich könnte mir vorstellen, eine völlig unvoreingenommene Perspektive lässt einen den Roman definitiv mehr genießen.

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Veröffentlicht am 11.03.2023

Wenn Geschichte über Generationen nachwirkt

Als Großmutter im Regen tanzte
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Von einem Geheimnis aus Kriegszeiten, das noch über Generationen nachwirkt, erzählt Trude Teige in Als Großmutter im Regen tanzte .

Leider konnte mich das Buch nicht ganz so packen wie erhofft, einige ...

Von einem Geheimnis aus Kriegszeiten, das noch über Generationen nachwirkt, erzählt Trude Teige in Als Großmutter im Regen tanzte .

Leider konnte mich das Buch nicht ganz so packen wie erhofft, einige Erzählstränge erschienen mir zu lang und ausufernd, andere - die aus meiner Sicht wichtig waren - wiederum zu kurz. Es hat auch recht lange gedauert, bis mir die Figuren mit ihren (ohne Frage dramatischen) Erlebnissen nahekamen. Vielleicht war es für mich einfach nicht das richtige Buch zur richtigen Zeit.

Sehr interessant fand ich es aber, wie eine nichtdeutsche Autorin - in diesem Fall eine Norwegerin - das Thema Nachkriegszeit in Deutschland sieht und darstellt. Wer sich dafür interessiert, für den könnte das Buch die richtige Wahl sein.

Ihr solltet außerdem dazu greifen, wenn ihr geschichtlich interessiert seid und noch nie vom Massensuizid von Demmin 1945 gehört habt (mir war das bisher kein Begriff). Wenn ihr darüber etwas erfahren möchtet, kann euch das Buch etwas vermitteln.

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Veröffentlicht am 03.02.2023

Eine Geschichte mit viel Potential – einiges davon verschenkt

Soraya (Ikonen ihrer Zeit 8)
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Soraya ist ein junges, privilegiertes deutsch-persisches Mädchen. Aufgewachsen in Persien und in hochdotierten Internaten, z. B. in der Schweiz, wird der Schah von Persien (bzw. zu dieser Zeit schon Iran) ...

Soraya ist ein junges, privilegiertes deutsch-persisches Mädchen. Aufgewachsen in Persien und in hochdotierten Internaten, z. B. in der Schweiz, wird der Schah von Persien (bzw. zu dieser Zeit schon Iran) auf sie aufmerksam. Er sucht nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau dringend eine passende Nachfolgerin, die gleichzeitig repräsentieren kann und ihm einen Thronerben schenkt… seine Wahl fällt auf Soraya.

Und puh, hier wurde erstmal ganz tief in die Kitschkiste gegriffen… Soraya als Märchenprinzessin in einer hollywoodreifen ersten Hälfte des Buches, in der Sätze fielen wie „Es war ihr erster gemeinsamer Tanz, aber es fühlte sich an als hätten beide ihr Leben lang nichts anderes getan als miteinander zu tanzen.“ Kurzum – für mich wars ein bisschen drüber, zu viel Schmonzette und zu wenig Persönlichkeit.

In der zweiten Hälfte des Buches ging es dann um Sorayas eher unglückliche Zeit auf dem Thron, die vor allem wegen ihrer langjährigen Kinderlosigkeit ein unrühmliches Ende findet. Doch die Zeit der Ehe von Mohammad Reza Pahlavi und Soraya fiel in eine historisch unheimlich interessante Zeit, die von Machtwechseln und dem Kampf um Bodenschätze geprägt war.

Unheimlich gern hätte ich über diese Zeit mehr erfahren, doch für meinen Geschmack war die Handlung zu sehr (nur) auf Soraya und ihren Mann beschränkt und zu wenig verwoben mit den geschichtlichen Hintergründen. Diese wurden zu schnell abgehandelt, was sich für mich manchmal wie ein Auszug aus einem Wikipedia-Artikel las. Z. B. wurde die aufwendige Flucht des Paars wegen Morddrohungen (aus dem Iran über mehrere Stationen nach Rom) auf einer halben Seite abgehandelt.

Soraya wird in dem Buch als sehr soziale Person dargestellt, der andere Menschen sehr am Herzen lagen. So wird zum Beispiel erläutert, wie sie in Berlin eine Stiftung für arme „Trümmerkinder“ gründet, damit diese ein Dach über dem Kopf, Betreuung und Bildung erhalten. Leider stellt sich im Nachwort heraus, dass diese Stiftung der künstlerischen Freiheit der Autorin entsprang. Aus Internetrecherchen nach dem Lesen des Buches hat sich bei mir aber ebenfalls das Bild einer sehr wohlwollenden Herrscherin mit viel sozialem Verständnis herausgebildet. Man sollte nur wissen, dass die hier beispielhaft (aber dafür sehr ausführlich) geschilderte soziale Arbeit von Soraya in Deutschland nicht historisch belegt ist.

Alles in allem habe ich dieses Buch zwar gern gelesen, weil es einfach sehr flüssig geschrieben ist (so als sähe man einen Film über Soraya), aber es haben sich für mich doch einige Kritikpunkte herausgestellt, so dass es für mein Leseempfinden über 3 Sterne nicht hinauskommt.


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Veröffentlicht am 11.10.2022

Sehr guter Plot, aber (zu) viele Charaktere...

Der Sturm
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Es gibt Bücher, da wünsche ich mir einen „Beipackzettel“ ;) Diesem hätte definitiv ein Personenregister gut getan, denn diese komplexe Geschichte um Schuld und Strafe führt auf den ersten 50 Seiten so ...

Es gibt Bücher, da wünsche ich mir einen „Beipackzettel“ ;) Diesem hätte definitiv ein Personenregister gut getan, denn diese komplexe Geschichte um Schuld und Strafe führt auf den ersten 50 Seiten so viele Charaktere ein, dass einem schon ein wenig der Kopf schwirrt. Doch worum gehts?

Kieran kommt mit seiner Freundin und seiner kleinen Tochter nach Jahren zurück in seinen Heimatort in Tasmanien. Er hatte den Ort nach einer Katastrophe verlassen - damals waren bei einem Sturm nicht nur sein Bruder und dessen Geschäftspartner bei einem Bootsunfall, sondern auch ein 14jähriges Mädchen ums Leben gekommen. Kieran fühlt sich schuldig, da sein Bruder und dessen Partner beim Versuch, ihn aus einer Felsenhöhle am Strand zu retten mit dem Boot gekentert und ums Leben gekommen waren. Was mit dem Mädchen passierte, ist immer noch ungeklärt. Und jeder im Ort hat im Zusammenhang mit der damaligen Katastrophe scheinbar noch Geheimnisse...

Als kurz nach Kierans Ankunft plötzlich eine junge Kellnerin ermordet am Strand aufgefunden wird, geraten die mühsam aufrecht erhaltenen Masken der Bewohner ins Rutschen. Was ist passiert - und wie hängt das alles mit den Ereignissen von damals zusammen? Und wieso ist bei beiden Ereignissen Kierans dementer Vater der Letzte gewesen, der die Frauen lebend gesehen hat?

Man sieht schon - bei diesem Plot muss man dran bleiben. Die Geschichte lebt von den Interaktionen und Gesprächen zwischen den Bewohnern, die immer wieder Spielraum für Interpretationen lassen und unterschwellig andeuten, dass viel mehr zwischen den Gesprächspartnern mitklingt als nur das, was gerade ausgesprochen wird. Das lässt die Leser mitfiebern, weil es Neugier weckt - aber man muss auch zwischen den Zeilen lesen und aufmerksam bleiben, damit einem nichts entgeht. Insofern bin ich der Meinung, dass das Buch die Leser schon ziemlich fordert.

Der Plot an sich ist allerdings wirklich sehr gelungen - das merkt man zwar erst ganz am Ende, wenn sich die Fäden langsam entwirren und man Stück für Stück ein klares Bild von den Ereignissen bekommt, die damals im Sturm wirklich passiert sind und die im Erzählstrang der Gegenwart zum Tod der Kellnerin geführt haben. Allerdings muss man dazu schon dran bleiben bis zum Schluss und ich könnte mir vorstellen, dass das einigen Lesern nicht so leicht fällt bei den verwirrend vielen Charakteren und dem Beziehungsgeflecht zwischen ihnen.

Fazit:
Eine gute Geschichte mit interessanter Auflösung, für die man sich allerdings Zeit nehmen sollte, damit man von Anfang an alles im Blick behält und die Charaktere und ihre Entwicklung zuordnen kann. Kein Buch zum „einfach mal schnell weglesen“.



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Veröffentlicht am 02.10.2022

Mais, noch mehr Mais… und Liebe

Lake Paradise – Ein Zuhause für das Glück
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Nebraska, USA. Das kleine Städtchen Lake Paradise ist schon seit Generationen ein Zentrum des Maisanbaus. Hier aufgewachsen ist Lexi, 23, blonde Locken… man stellt sich ein typisches American Girl vor. ...

Nebraska, USA. Das kleine Städtchen Lake Paradise ist schon seit Generationen ein Zentrum des Maisanbaus. Hier aufgewachsen ist Lexi, 23, blonde Locken… man stellt sich ein typisches American Girl vor. Doch auch der in New York lebende Architekt Aaron hat seine Wurzeln in Lake Paradise, obwohl er das am liebsten vergessen würde. Wegen eines Trauerfalls in der Familie kommt er nach Jahren das erste Mal wieder in die Stadt.

Es kommt wie es kommen muss – Lexi und Aaron treffen sich, die Chemie stimmt ab der ersten Sekunde… und der Weg bis zum Happy End ist natürlich steinig. Aber genau das möchten die Leser ja in solchen Büchern haben. Eine idyllische Umgebung, einen charmanten Protagonisten, eine Frau, in die sie sich hineinversetzen können.

Dies ist mir diesmal leider nicht ganz so gut gelungen. Ich weiß nicht, ob es daran lag, das Lexi mit ihren gerade mal 23 Jahren (aber bereits mit einem großen emotionalen Rucksack auf dem Rücken) und ich 20 Jahre und damit eine ganze Generation voneinander entfernt sind. Ich schiebe es einfach darauf ;)

Ich hatte kurz vorher „Blaubeerjahre“ aus der Kalifornische-Träume-Reihe von Manuela Inusa gelesen und war wieder einmal sehr angetan von dem Buch. Umso mehr tat es mir leid, dass ich mich für die neue Geschichte nicht ganz so begeistern konnte.

Der Funke wollte nicht ganz überspringen und z. B. die Tratschtanten des Ortes kamen mir manchmal einen Tick zu missgünstig vor. Gerade gegenüber dem „Barden“ des Ortes, der jeden Tag ein Gedicht zu den Geschehnissen in Lake Paradise verbreitete, erschienen sie mir doch sehr hämisch und mir tat der selbsternannte Ortschronist direkt ein bisschen leid. Nach meinem Empfinden ist bei den Nebenfiguren die Balance aus verschroben und liebenswert nicht ganz gelungen – aber wie gesagt, das ist mein persönliches Empfinden gewesen.

Da das Buch mit der Liebesgeschichte zwischen Aaron und Lexi, dem kleinstädtischen Charakter, den vielen kleinen Verwirrungen und den Nebenfiguren alle Zutaten für einen Wohlfühlroman hat, bin ich mir sicher, dass das Buch viele Fans finden wird. Mir persönlich gefällt die Kalifornien-Reihe ein wenig besser, aber ich denke, dass alle Freunde von Liebes-/Wohlfühlromanen auf jeden Fall in dieses Buch reinlesen sollten und testen, ob sie dem Charme des idyllischen Lake Paradise verfallen!

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