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Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein Kater und wie er die Welt sieht

Zweistein oder Das Brummen der Welt
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Auch wenn es so wirkt, dieses Buch ist nicht nur etwas für Katzenfreunde. Denn: Katzenfreunde und Katzenbesitzer werden sich hier in so manchen Episoden wiedererkennen. Alle anderen erkennen ihnen bekannte ...

Auch wenn es so wirkt, dieses Buch ist nicht nur etwas für Katzenfreunde. Denn: Katzenfreunde und Katzenbesitzer werden sich hier in so manchen Episoden wiedererkennen. Alle anderen erkennen ihnen bekannte Katzenbesitzer und –freunde. Mit herrlich frischen, unverfälschten „Gedanken“ eines Katers unterhält die Autorin Franziska Wolffheim hier Leser von Groß bis Klein. Doch nicht nur die Menschen bekommen bei Zweistein, dem gescheiten Kater mit dem grauen Fell, ihr Fett weg. Auch die Katzen seiner Umgebung und andere Tiere tauchen in den kurzen Abschnitten immer wieder auf. Und nicht nur über diese grübelt Zweistein, damit der Tag vergeht, er ist auch ein kleiner Philosoph. Das Wetter, die Erde und der Himmel, Regenbogen, Düfte, die Wohnungseinrichtung und auch Mozart bieten ihm Gelegenheit, sich darüber auszulassen. Mal positiver, mal eher gleichgültig und von manchen Dingen ist er sehr genervt. Da kann man schon einmal ans Auswandern denken. Nur um dann festzustellen, wie gut man es als Kater hat und schon beschließt Zweistein zu bleiben. Ab und an denkt Zweistein sehr menschlich, dann hat er wieder sehr „katzenbezogene“ Gedanken, soweit man das als menschlicher Leser überhaupt beurteilen kann. Vielleicht sollte ich das Buch einmal meinem Kater zum Lesen geben…
Eine nette Abwechslung bieten auch die Zeichnungen von Stefanie Clemen, die mal zu Zweisteins Situation passen und mal einfach so niedlich daherkommen. Doch auch wenn es dadurch so aussehen mag, ist dieses Buch kein Kinderbuch an sich. Manche Geschichten lassen sich sicher gut vorlesen, doch auch ernste oder wissenschaftlichere Themen werden behandelt, über die man dann mit Kindern noch ein weniger genauer reden kann.
Dieses Buch mag aufgrund seiner geringen Seitenanzahl unterschätzt werden und je nach Herangehensart kann man es sicher auch „nur“ als niedliche Unterhaltung lesen oder sich aber von Zweistein inspirieren lassen, tiefer über so manches nachzudenken und sich vielleicht mit anderen darüber auszutauschen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Nervenkitzel an der walisischen Küste

Sturm über dem Meer
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„Roman“ steht auf diesem tollen Buch und das ist einerseits gut gewählt, aber andererseits verschweigt es ein bisschen, wie gut und packend der Inhalt ist. Im Detail: In den erzählerischen Part, in dem ...

„Roman“ steht auf diesem tollen Buch und das ist einerseits gut gewählt, aber andererseits verschweigt es ein bisschen, wie gut und packend der Inhalt ist. Im Detail: In den erzählerischen Part, in dem der Leser viel über Wales, seine Geschichte, seine Bewohner und wahre sowie fiktionale Vergangenheit erfährt, fließen sehr stimmig noch eine Krimigeschichte (die sich fast zum Thriller auswächst) und eine Lovestory mit ein.
Im Wesentlichen wechseln sich dabei zwei Handlungsstränge ab: Der von Sam Goodwin, die in der Gegenwart als Archäologin bedeutsame Funde an der walisischen Küste beim kleinen Ort Borth untersucht und der, in dem der Leser gut 60 Jahre in die Vergangenheit dieses Ortes reist und dabei Sams Großmutter Gwen als junge Frau und all ihre Bekannten, Freunde und ihren Mann kennenlernt.
Diesen Mann, Arthur, Sams Großvater, gibt es nur in diesen Abschnitten, ist er doch sechs Jahre nach der Hochzeit gestorben. Für Gwen und ihre drei Kinder zumindest, auch wenn die Umstände nie geklärt wurden und seine Leiche nie – im wahrsten Sinn des Wortes – auftauchte. Als Fischer, der er war, wurde angenommen, er sei auf stürmischer See ertrunken.

Behutsam enthüllt die Autorin durch Sams Arbeit und ihre Umtriebigkeit im Ort, was damals geschah und lässt Sam, die durch ihr plötzliches Auftauchen vieles im Ort durcheinanderbringt (so auch den kauzigen, aber sehr sympathischen Werftbesitzer Luke), in der Gegenwart langsam die Ereignisse von damals entrollen und die Puzzleteile der finsteren Geschichte, die Borth birgt, zusammensetzen. Wie im wahren Leben sind aber nicht alle damit glücklich und es kommt zu einigen Zwischenfällen.
So vielfältig die Leute eines Dorfes auch sein können, Constanze Wilken hat es geschafft, nahezu alle Facetten an Zwischenmenschlichem und unterschiedlichen Persönlichkeiten in die wenigen Bewohner von Borth und Umgebung zu legen, die es gibt. Nicht nur die Charaktere sind in sich stimmig (wenn man auch nicht alle ihre Überzeugungen teilen muss), auch die Landschaftsbeschreibungen und die geschichtlichen Exkurse zeugen davon, dass sich die Autorin einerseits in Wales selbst gut auskennt und auch vor umfangreicher Recherche nicht zurückschreckt.
Der Schreibstil ist locker und leicht, passt zu dem Erzählten und die Wechsel der Handlungsstränge bieten genug Kurzweil und Spannung, um das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu wollen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Zwischen Lächeln und Tränen

Der Tag, an dem Marilyn starb
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Dieser Roman schafft es, trotz des traurigen Themas, den Leser immer wieder zum Schmunzeln zu bringen. Oft deshalb, weil man sich in der einen oder anderen Figur selbst erkennt. Doch auch wer nicht – wie ...

Dieser Roman schafft es, trotz des traurigen Themas, den Leser immer wieder zum Schmunzeln zu bringen. Oft deshalb, weil man sich in der einen oder anderen Figur selbst erkennt. Doch auch wer nicht – wie Hauptfigur Ethie – seine Mutter verlor, als er noch ein Kind war, wird von ihren klaren und direkten Schilderungen zu Tränen gerührt. In diesem Teil des Buches, der in der Gegenwart spielt, beschreibt Ethie, wie ihre Familie, allen voran ihr Vater, mit diesem schweren Schicksalsschlag umgeht. Sie will wissen, was genau passiert ist, tut sich schwer, zu akzeptieren, dass ihre Mutter nie wieder nach Hause kommen wird. Und mitten in diese Trauerphase platzt ein unbekanntes asiatisches Mädchen, das immer ihr Haus beobachtet. Ethie geht zusammen mit ihrem Bruder Kipper dieser Fremden nach und stößt mit der Zeit auf ein vom Vater gut gehütetes Geheimnis.
Unterbrochen werden Ethies Schilderungen von Rückblenden in den zweiten Weltkrieg, in dem ihr Vater für Kanada in Asien stationiert war. Seine Erlebnisse dort lassen den Leser besser verstehen, warum er in der Gegenwart meist sehr abwesend ist und viel Alkohol trinkt. Außerdem erklären diese Jahre auch, woher das Mädchen kommt, das auf das Haus der trauernden Familie starrt.

Mit einer packenden Unverblümtheit und Direktheit schreibt Donna Milner den Großteil des Buches über sehr schlimme und schreckliche Tatsachen, doch sie schafft es, dass sie den Leser zwar berührt, aber nicht verschreckt. Während der Kriegsszenen weiß man als Leser, dass der Vater heimkehren wird, auch wenn ihm und seinen Kameraden noch so unmenschliche Dinge zustoßen. Und in der Gegenwart lässt die Autorin den Leser hoffen, dass die Familie alles hinbekommt, näher zusammenrückt und letztlich stärker aus alldem hervorgehen wird. Ab und zu rückt das Geheimnis um das fremde Mädchen dabei fast in den Hintergrund und man fühlt sich zwischen den Gefühlen der Familienmitglieder so hin- und hergerissen als würde man zwischen ihnen auf dem Sofa im Wohnzimmer sitzen.

Veröffentlicht am 11.07.2026

Eine ebenso hartnäckige wie nicht einfache Ermittlerin

Waldnacht
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Ich war neugierig, hier ein “#1”-Buch zu lesen. “Waldnacht” ist der Start einer Serie. Kommissarin Sakka Pienni, aus Nordschweden nach Stockholm gezogen, ist eine eher typische nordische Krimiheldin. Wir ...

Ich war neugierig, hier ein “#1”-Buch zu lesen. “Waldnacht” ist der Start einer Serie. Kommissarin Sakka Pienni, aus Nordschweden nach Stockholm gezogen, ist eine eher typische nordische Krimiheldin. Wir erfahren ein wenig zu ihrer Abstammung und dass sie persönlich auch einige Dinge mit sich herumträgt. Natürlich ist sie eine begabte Ermittlerin, ansonsten könnte sie ihren Alltag wohl gar nicht so erfolgreich meistern.

Wer darüber hinwegsehen kann, dass Pienni als Figur zwar nicht übermenschlich, aber speziell veranlagt ist, bekommt einen spannenden, flott lesbaren Krimi serviert. Autorin Lina Bengtsdotter (bekannt durch die Charlie-Lager-Reihe) spielt hier gerne mit Gegensätzen. Die Betuchteren gegen jene, die es nicht sind, die, die es sich “richten können” gegenüber jenen, die das nicht können (oder es nicht tun).

Am Ende verwebt sie ihre Fäden gekonnt in ein Finale. Es bleiben keine wesentlichen Fragen offen, wenngleich ich mir noch etwas mehr Details zu den Taten aus Tätersicht gewünscht hätte.

Veröffentlicht am 26.04.2026

Zwischen Idylle, Hingabe und großen Hürden

Gekommen, um zu bleiben
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Vorweg: Ich kannte Madeleine Becker bisher weder durch ihre Bücher noch durch Social Media. Aber da ich immer wieder auch bewusst etwas abseits meiner Krimis/Thriller lese und hier Österreich auch eine ...

Vorweg: Ich kannte Madeleine Becker bisher weder durch ihre Bücher noch durch Social Media. Aber da ich immer wieder auch bewusst etwas abseits meiner Krimis/Thriller lese und hier Österreich auch eine große Rolle spielt, war ich neugierig. 

Mir gefiel, dass sie einerseits ihre Situation (kaufte mit ihrem Lebensgefährten Lukas  einen alten kleinen Bauernhof in der Steiermark und bewirtschaftet diesen mit ihm und den gut 30 Tieren) erklärt, wie es dazu kam, dass sie nun so lebt (leben kann) wie sie das tut und gleichzeitig nicht zu sehr romantisiert. 

Zu sagen, ab morgen steige ich aus allem aus und bin Selberversorger auf einem Hof, mag ja aus der Umwelt- und der Entschleunigungsperspektive interessant sein, dennoch ist es so, dass die Art Landwirtschaft, die sich viele vorstellen und die Art, die auch wirklich ein ausreichendes Einkommen bringt, komplett verschieden sind. Madeleine und Lukas betreiben Landwirtschaft, aber leben müssen sie von ihren jeweiligen Jobs als Rettungssanitäter bzw. Autorin. 

“Gekommen, um zu bleiben” zeigt die schönen, aber auch die vielen harten Seiten des vermeintlich so idealen “Aussteigerlebens”. Wirklich auszusteigen ist natürlich nicht möglich, die beiden stecken jede Minute ihrer Freizeit in die Renovierung der Gebäude auf dem Hof und die Betreuung der Tiere bzw. Pflege von Beeten, Wiesen und Bäumen. 

Es gibt Lichtblicke, aber auch Schattenseiten und viel Trauriges vom Leben auf dem Hof. Vieles kann man sich als “Stadtmensch” gar nicht vorstellen. Plötzlich schätzt man Dinge, die selbstverständlich sind, wieder umso mehr. Öffentliche Wasserversorgung gibt es auf dem Hof zum Beispiel nicht. 

Zwischen den Erlebnissen auf dem Hof und der harten, aufreibenden Arbeit gibt es auch Einblicke in zwei damit zusammenhängende Bereiche. Einerseits bekommt man auch ein bisschen mit, was so ein Alltag mit einer Beziehung anstellt; andererseits wirft die Autorin auch einen Blick auf die “Branche” an sich. 

Da sie vor diesem kleinen Hof auf dem fast-Erbhof ihres Lebensgefährten gelebt und gearbeitet hat, kennt sie auch diesen Zugang zur Landwirtschaft. Druck, Automatisation, Profit - was alles zur konventionellen Landwirtschaft gehört. Sie versteht also beide Seiten - die “produzierende” und die “ökologische”. Ich dividiere das einmal so pauschal auseinander, auch wenn das eine nicht immer das andere ausschließen muss. 

Wie auch Madeleine Becker im Buch bedaure ich, dass sich da die Fronten anscheinend so verhärtet haben und die einen als Tierquäler, die anderen als Öko-Fuzzis gesehen und verurteilt werden. Und so wird aus einem eigentlich harmlosen, gewissermaßen öffentlichen Tagebuch auch ein Denkanstoß für den Leser selbst. Was kann ich dazu beitragen, unsere Bauern, unsere Lebensmittelproduktion, zu unterstützen, aber den Druck auf die Umwelt, der durch das “zu viel” immer größer wird, nicht noch zu befeuern?