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Veröffentlicht am 03.10.2022

Gelungener Auftakt

Wenn der Schatten kommt
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Eichstätt bekommt eine neue Kriminalpolizei-Inspektion. Kaum hat diese eröffnet, haben Hauptkommissar Konrad Bergmann und seine Kollegin Tessa Plank ihren ersten Mordfall aufzuklären. In der Altmühl wurde ...

Eichstätt bekommt eine neue Kriminalpolizei-Inspektion. Kaum hat diese eröffnet, haben Hauptkommissar Konrad Bergmann und seine Kollegin Tessa Plank ihren ersten Mordfall aufzuklären. In der Altmühl wurde die Leiche einer Seniorin gefunden. Es sieht nach einem natürlichen Tod aus, jedoch stellen sich die Fragen wer sie ist und wie sie in die Altmühl kam. Am Tatort wurde ein Ohrring gefunden, dessen Besitzerin ermittelt werden kann. Dann überschlagen sich die Ereignisse. Tessa Plank verschwindet spurlos und in der Altmühl werden zwei weitere Senioren tot aufgefunden. Konrad Bergmann entdeckt bei seinen Ermittlungen ein Tagebuch, dessen Inhalt verstörend ist...

"Wenn der Schatten kommt" ist der Auftakt einer neuen Krimireihe von Carmen Mayer. Dieser Auftakt ist für mich komplett gelungen! Man bekommt einen spannenden Kriminalfall voller Höhen und unvorhersehbaren Wendungen, der den Leser packt und bis zum Schluß nicht mehr los läßt. Geschickt läßt die Autorin immer wieder Tagebucheinträge einfließen, die den Leser streckenweise schaudern lassen und die Spannung noch höher treiben. Man weiß gar nicht, was spannender ist: die Tagebucheinträge oder die Gegenwart. Besonders toll waren die Beschreibungen der neuen Dienststelle. Die Charaktere mußten alle erst neu miteinander zurecht kommen - und stehen direkt vor solch einem Fall. Das Zusammenraufen wird hier richtig gut beschrieben und man merkt, wie nach und nach ein Team entsteht. Nebenbei wird man in eine schöne Gegend entführt, die durch den bildhaften Schreibstil lebendig wird.
Dieser Serienauftakt ist rundum gelungen! Ich hoffe sehr, daß dieses Team noch weiter ermitteln wird!

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Veröffentlicht am 01.10.2022

King kann einfach alles

Fairy Tale
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Charlie Read verlor mit 3 Jahren seine Mutter bei einem Unfall, sein Vater wurde daraufhin Alkoholiker. Er leistet, falls sein Vater den Alkoholismus besiegt, ein Versprechen, das sein Leben verändern ...

Charlie Read verlor mit 3 Jahren seine Mutter bei einem Unfall, sein Vater wurde daraufhin Alkoholiker. Er leistet, falls sein Vater den Alkoholismus besiegt, ein Versprechen, das sein Leben verändern wird. Denn als er 17 Jahre alt ist, findet er durch das Jaulen des Hundes Radar des mysteriösen Nachbarn Mr. Bowditch, diesen mit gebrochenem Bein in seinem Garten. Von nun an kümmert er sich um den alten Mann und seinen alten Hund. Auf dem Sterbebett verrät Mr. Bowditch Charlie das Geheimnis eines geheimen Ganges in eine fremde Welt. Charlie begibt sich mit Radar hinunter in die unterirdische Welt. Er erlebt Abenteuer, begegnet Riesen und Kreaturen, die er sich nicht hätte träumen lassen können und wird für die Bewohner der Retter aus einem bösen Fluch. Doch kann er seine Mission erfüllen?

"Fairy Tale" ist einfach unbeschreiblich toll. Stephen King beweist hier eindrucksvoll, wie vielseitig sein Talent ist. Ein Märchen für Erwachsene - und es hat funktioniert! Man begegnet hier Riesinnen, Meerjungfrauen, Adligen und natürlich auch King-typischen Monstern. Und ja - es gibt auch Szenen, die brutal sind. Wie in jedem Märchen. Das Buch beginnt mit der Vorgeschichte von Charlie. Diese nimmt schon einige Seiten in Anspruch, ist aber für die spätere Geschichte wichtig und überhaupt nicht langatmig, sondern einfach schön und spannend zu lesen. Man lernt Charlie dadurch genau kennen und kann seine Handlungsweise verstehen. Er ist ein völlig normaler Junge, der mit seinem besten Freund Mist baut und trotzdem sympathisch ist. Ich fand seine Sorgen um seinen Vater, Mr. Bowditch und Radar sehr rührend. King hat hier Charaktere geschaffen, die ich allesamt mochte. Auch in der Märchenwelt wimmelt es von sympathischen Charakteren, die ihr Bündel zu tragen haben. Man fühlt mit ihnen richtig mit und würde sie gern selbst vor den Monstern beschützen und helfen, den Fluch zu brechen. Stephen King schreibt auch in diesem Buch in seiner typischen Art. Er schafft es, allein durch seine Sprache eine Welt auferstehen zu lassen, die fremdartig und sehr lebendig ist. Man sieht alles detailliert vor sich und spürt Freude und Wohlbefinden ebenso wie Angst und Schmerz.
Mit "Fairy Tale" knüpft Stephen King meiner Meinung nach an seine alten Erfolge an - und ist eines meiner Lieblingsbücher von ihm!

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Veröffentlicht am 28.09.2022

Ein ganz besonderes Buch

Zur See
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Die Familie Sander lebt seit fast 300 Jahren auf einer Nordseeinsel. Immer sind die Männer zur See gefahren. Doch nun ist alles anders: Hanne Sanders Mann lebt als Vogelwart auf einer Vogelschutzinsel, ...

Die Familie Sander lebt seit fast 300 Jahren auf einer Nordseeinsel. Immer sind die Männer zur See gefahren. Doch nun ist alles anders: Hanne Sanders Mann lebt als Vogelwart auf einer Vogelschutzinsel, ihr Sohn Ryckmer hat sein Kapitänspatent verloren und den zweiten Sohn Henrik hat es nie aufs Meer gezogen. Ihre Tochter Eske pflegt im Insel-Seniorenheim alte Seefahrer. Sie liebt laute Musik und hasst die Touristen, die die Insel in Beschlag nehmen. Doch dann dauert es nur ein Jahr und das Leben der Familie Sander gerät total aus den Fugen. Alles ändert sich und nichts wird wieder so, wie es einmal war.

Dörte Hansen räumt in ihrem Buch "Zur See" gründlich mit den Illusionen vom idyllischen Leben auf einer Nordseeinsel auf. Sie erzählt von einer Familie, in der rein gar nichts so ist, wie man sich die heile Welt dort vorstellt. Zudem geht sie mit dem Tourismus und besonders mit den Touristen hart ins Gericht. Es ist manchmal zum Lachen, wenn sie die Menschen beschreibt, die wie Heuschrecken über die Insel herfallen. Ich habe mir fest vorgenommen, nie so zu sein wie diese Typen.
Zuerst mußte ich mich an den etwas ungewöhnlichen Schreibstil gewöhnen. Die Sprache steckt voller Poesie - ich habe zu Beginn beinahe erwartet, daß sich die Zeilen reimen. Doch dann war ich von diesem Buch total begeistert. Die beschriebenen Personen wirken mit ihren Macken so lebendig, daß man glaubt, sie schon lange zu kennen und sich gut in sie hineinversetzen kann
Dieses Buch wird mir lange im Gedächtnis bleiben, so wie es besondere Bücher immer tun.

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Veröffentlicht am 26.09.2022

Umwerfend gut

Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein
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Im Jahr 1906: Die junge Adelheid kann ihr Glück kaum fassen. Sie, Tochter eines armen Tagelöhners, hat auf Schloss Liebenberg eine Stelle als Stubenmädchen bekommen. Mit ihrem Verdienst kann sie ihre Familie ...

Im Jahr 1906: Die junge Adelheid kann ihr Glück kaum fassen. Sie, Tochter eines armen Tagelöhners, hat auf Schloss Liebenberg eine Stelle als Stubenmädchen bekommen. Mit ihrem Verdienst kann sie ihre Familie unterstützen. Doch ihr Glück beschert ihr auch viele Neider. Besonders das Hausmädchen Lydia macht Adelheid das Leben auf Schloss Liebenberg schwer. Nur zum Diener Viktor fühlt Adelheid sich hingezogen, obwohl der sehr zurückhaltend ist. Durch eine Intrige wird Adelheid zum Hausmädchen herabgesetzt und muß sich nun mit Hedda ein Zimmer teilen. Das erweist sich bald als großes Glück, denn die beiden Mädchen werden Freundinnen. Gemeinsam erleben sie einen Skandal, der das Kaiserreich erschüttern wird.

Die Idee von Hanna Caspian, ihren Roman "Schloss Liebenberg - Hinter dem hellen Schein" aus der Sicht der Bediensteten zu schreiben, erweist sich als genial. Das Buch hat mich von Anfang bis Ende total gefesselt. Auf der einen Seite ist das Luxusleben der Herrschaften und auf der anderen Seite erlebt man die bittere Not der Bevölkerung. Das Personal im Schloss arbeitet bis zum Umfallen und bleibt trotzdem immer arm. Es muß ständig Angst haben, die Stellung zu verlieren. Deshalb wagt niemand, daß System in Frage zu stellen. Die historische Geschichte um Schloss Liebenberg wurde von Hanna Caspian geschickt mit den fiktiven Schicksalen der Hausangestellten kombiniert. Daraus entstand ein packender Roman, der so schnell keinen Leser kalt lassen wird. Ein unbedingtes Muß für alle Fans von Downton Abbey!

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Veröffentlicht am 24.09.2022

Man muß es wirken lassen

Findelmädchen
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Helga und ihr Bruder Jürgen kommen im Jahr 1955 aus Frankreich zurück nach Köln zu ihrem Vater. Die Mutter ist seit dem Ende des Krieges verschwunden. Der Vater gibt seinen Kindern ein Zuhause, aber er ...

Helga und ihr Bruder Jürgen kommen im Jahr 1955 aus Frankreich zurück nach Köln zu ihrem Vater. Die Mutter ist seit dem Ende des Krieges verschwunden. Der Vater gibt seinen Kindern ein Zuhause, aber er will mit ihnen nicht über die Vergangenheit sprechen. Jürgen findet sofort Arbeit, aber Helga möchte sehr gerne auf ein Gymnasium gehen. Stattdessen meldet ihr Vater sie auf einer Haushaltsschule an. Als sie ein Praktikum im Waisenhaus machen muß, ist sie entsetzt. Die Kinder werden dort mißhandelt und gequält. Besonders die kleine Bärbel hat es schwer, denn sie ist ein "Besatzerkind". Helga versucht das Mädchen zu beschützen und geht dabei auch ungewöhnliche Wege.

Selten hat mir eine Geschichte so aufs Gemüt geschlagen wie "Findelmädchen" von Lilly Bernstein. Das Leid der Kinder in einem "christlichen" Waisenhaus ist unvorstellbar. Wie können Menschen sich auf Gott berufen und dann den Kindern so etwas antun? Lilly Bernstein hat in ihrem Roman einen unaufgeregten, aber sehr zu Herzen gehenden Ton getroffen. Nicht nur das Leid der Waisenkinder, auch das harte Leben der Menschen nach dem Krieg hat sie einfühlsam beschrieben, ebenso wie die Rechtlosigkeit der Frauen. Man fühlt beim Lesen mit den Menschen und kann sich doch heute kaum noch vorstellen, wie es war, Hunger zu haben und in Ruinen zu wohnen. Man spürt aber auch den Aufbruch in eine neue Zeit. Die Menschen sind bereit, aus den Trümmern Neues aufzubauen und arbeiten hart dafür.
Dieses Buch gibt seinen Lesern einen neuen Blick auf viele Probleme unserer Zeit. Man sollte es auf sich wirken lassen.

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