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Veröffentlicht am 26.12.2022

Gespenstisches Treiben in Schiltach

Die Kräutersammlerin und der junge Flößer
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Johanna lebt noch immer mit ihrer kleinen Freundin im Wald. Jedoch fühlt sie sich nicht mehr sicher. Eine junge Frau wurde brutal ermordet und nicht weit von ihrer Hütte „entsorgt“. Nach diesem grausamen ...

Johanna lebt noch immer mit ihrer kleinen Freundin im Wald. Jedoch fühlt sie sich nicht mehr sicher. Eine junge Frau wurde brutal ermordet und nicht weit von ihrer Hütte „entsorgt“. Nach diesem grausamen Fund geht die Angst im kleinen Städtchen Schiltach um. Wer ist der Mörder und kommt er gar aus der Nachbarschaft? Flößer Lukas macht sich große Sorgen um Johanna. Die weist diese aber zunächst zurück. Allerdings nur zunächst. Denn auch sie schwebt bald in großer Gefahr ...….

„Die Kräutersammlerin und der junge Flößer“ ist ein weiterer Band, bei dem die Kräutersammlerin Johanna die Hauptrolle spielt. Wieder ist es die dunkle Stimmung des Schwarzwaldes, welche die Autorin gekonnt übermittelt. Nicht nur das Leben in Schiltach, welches von Entbehrungen und Ungerechtigkeit geprägt war, spielt im Buch eine Rolle. Die Armen werden ausgenutzt und es gibt kaum Jemanden, der sich ernsthaft um ihre Gesundheit bemüht. Wäre da nicht eine kräuterkundige Johanna, dann sähe es noch schlechter um die Bedürftigen aus. Dass es nun aber auch noch spuken soll, das können die Schiltacher nicht glauben. Auch Johanna ist nicht davon überzeugt und begibt sich auf eine Suche nach bösen Menschen, die sie in große Gefahr bringt.

Auch der zweite Band der Serie um die Kräutersammlerin ist gelungen. Abwechslungsreich und mit vielen illustrativen Erklärungen geschrieben, hat er mich gut unterhalten. Die Spannung kam ebenfalls nicht zu kurz und das liegt an den zahlreichen Wendungen. Ein schöner Roman für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 02.11.2022

Gut Mohlenberg kommt nicht zur Ruhe

Mehr als die Ehre
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Das Jahr 1941 hält auch für Gut Mohlenberg wieder unliebsame Überraschungen bereit. Nach der Machtübernahme durch die Braunen konnte Friederike nicht mehr verantworten, dass ihr Zuhause als psychiatrische ...

Das Jahr 1941 hält auch für Gut Mohlenberg wieder unliebsame Überraschungen bereit. Nach der Machtübernahme durch die Braunen konnte Friederike nicht mehr verantworten, dass ihr Zuhause als psychiatrische Klinik weitergeführt werden konnte. Sie gestaltete alles um und züchtet Pferde. Das Gut ist also jetzt ein Gestüt. Nicht ungefährlich, da sie noch immer beeinträchtigte Menschen beschäftigt und oft SS-Männer nach Mohlenberg anreisen. Sie kaufen dann eins der edlen Pferde. Auch in der Nachbarschaft tut sich etwas. Ein attraktiver Mann zieht ein. Da er als Witwer recht einsam ist, kümmert Friederike sich um ihn.

Das ist also der dritte Band um Gut Mohlenberg. Frau Metzenthin kennt sich mit der Thematik Euthanasie und „Ballastexistenz“ bestens aus. Das spiegelt sich auch in dem Buch
„Mehr als die Ehre“ wider. Wie sie die damalige Lage schildert und was Menschen wie Friederike und ihre Freunde erlebten, das schrieb sie sehr faktenreich. Selbst die Spannung fehlte auch dieses Mal nicht.

Am Ende des Buches erläutert die Autorin, warum sie bestimmte Worte benutzt, die heute verpönt sind. Eigentlich selbstverständlich, dass in einem historischen Roman, diese Vokabeln vorkommen. Auch das Verhältnis der Männer in den „Schutzstaffeln“ fasst sie hier noch einmal zusammen. Es soll noch einen dritten Band geben, der dann aber die Situation nach dem Krieg schildert.

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Veröffentlicht am 25.10.2022

Wenn das typisch deutsch ist, dann bin ich keine Deutsche

Ein Alman feiert selten allein
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Elif ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Als Kind von Gastarbeitern kennt sie die Traditionen und Bräuche beider Länder. Dass es beim Fest der Feste aber so ausartet, wie bei der Familie ihres ...

Elif ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Als Kind von Gastarbeitern kennt sie die Traditionen und Bräuche beider Länder. Dass es beim Fest der Feste aber so ausartet, wie bei der Familie ihres Freundes Jonas, das hätte sie sich niemals zu träumen gewagt. Ihre Erlebnisse rund um das erste Weihnachtsfest mit Jonas Verwandtschaft erzählt sie in dem Buch
„Ein Alman feiert selten allein“.

Sie sind ein glückliches, junges Paar. Wenn nur die Eltern nicht wären. Elifs wissen nichts von der Verbindung und Jonas freuen sich auf das erste Zusammensein. Elif erzählt von der Einladung im September, über den Heiligen Abend im „trauten Kreis“ bis zum Jahreswechsel ganz alleine mit Jonas. Hauptthema ist nicht nur das Christfest. Sie vergleicht auch immer mal wieder die Eigenarten beider Landsleute.

Nein, schlecht war es nicht, dieses Buch einer „Deutschtürkin“. Oft musste ich schmunzeln und fühlte mich hin und wieder sogar ertappt. Aber nur selten, da es in dieser Familie dann doch zu übertrieben vorgeht. Was mir aber gut gefiel, das waren die wohl typischen Vorurteile, welche klar und deutlich zu Wort kommen. Ob das junge Paar dann nach diesem traumatischen Erlebnis zusammenbleibt und in welcher Weise auch die Familie von Jonas dazugelernt hat, das ist durchaus lesenswert.

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Veröffentlicht am 24.10.2022

Düstere Stimmung in Island

Wand des Schweigens
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Konrád, ein pensionierter Kriminalbeamter, berichtet in dem Buch „Wand des Schweigens“, von einem Kriminalfall, der viele Jahre zurückliegt. Gleichzeitig geht es um einen aktuellen Fall. Hier geschah die ...

Konrád, ein pensionierter Kriminalbeamter, berichtet in dem Buch „Wand des Schweigens“, von einem Kriminalfall, der viele Jahre zurückliegt. Gleichzeitig geht es um einen aktuellen Fall. Hier geschah die Tat allerdings ebenfalls vor etwa 40 Jahren. Konrád möchte mehr über den Sachverhalt wissen, jedoch die ehemaligen Kollegen blocken seine Fragen ab. Also begibt er sich alleine auf Spurensuche.

Der isländische Autor Arnaldur Indriðason hat eine eigenwillige Art des Erzählens. Es dauerte eine Weile, bis ich mich daran gewöhnte. Es lohnte sich aber. Wer allerdings nichts für „Speukenkieker“ übrig hat oder nicht an ihre speziellen Fähigkeiten glaubt, der sollte vielleicht Abstand vom Lesen nehmen. Eine gute Bekannte von Konrád namens Eygló, besitzt nämlich diese Begabung und hilft Konrád bei der Spurensuche.

Ein altes Haus, eine eingemauerte Leiche und ein Kommissar, der auch nach vielen Jahren noch den Mörder seines Vaters sucht, das ist die Story. Es gibt etliche Reisen in die Vergangenheit, die Kapitel sind erfrischend kurz, und die Geschichte hat nur wenige Längen. Ist es ein typischer „Islandkrimi“? Anders, als die deutschen Bücher des Genres auf jeden Fall. Dafür sorgt auch die zuweilen recht düstere Stimmung. Sie wird unter anderem durch Gewaltausbrüche von Männern an ihren Frauen und Kindern hervorgerufen.

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Veröffentlicht am 10.10.2022

Von Chemtrails und Friedensdemos

Bullauge
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Nicht nur die Tatsache, dass er mal wieder seine Freizeit für den Schutz von Demonstranten vergeudete. Dass er aber mit einer Flasche beworfen wird und dabei ein Auge verliert, das haut dem Fass den Boden ...

Nicht nur die Tatsache, dass er mal wieder seine Freizeit für den Schutz von Demonstranten vergeudete. Dass er aber mit einer Flasche beworfen wird und dabei ein Auge verliert, das haut dem Fass den Boden aus. Jetzt ist Polizist Oleander beurlaubt und langweilt sich. Zudem möchte er wissen, wer ihm diese schlimme Verletzung antat. Es treibt ihn um, dass auch seine Kollegen bisher noch keinen Täter dingfest machen konnten. Welch glücklicher Zufall, dass er eine Frau namens Gisela Glaser trifft. Auch sie war auf der Demo und will ihm helfen, den Täter zu finden. Gemeinsam machen sie sich an die Arbeit.

Wie fühlen sich Menschen, wenn sie von Zeitgenossen so schwer verletzt wurden, dass sie nicht mehr arbeiten können? Was geht in ihnen vor, wenn sie angestarrt oder gar verlacht werden? Wenn ihre Behinderung so offensichtlich ist? Nicht nur diese Fragen werden in dem Buch „Bullauge“ perfekt beantwortet. Und das nicht etwa auf der Schiene Mitleid. Nein, so, wie es ist. Das weiß ich aus eigener und leidvoller Erfahrung.

Ein typischer Ani. Nicht einfach zu lesen, da sein Stil gewöhnungsbedürftig ist. Er schreibt gerne durch die Blume und zuweilen auch langatmig. Und trotzdem zieht es mich immer wieder zu seinen neuen Büchern. Dieses hier gefiel mir, da es auch die Problematik von Kreisen mit Rechter Gesinnung zeigt. Und das auch überzeugend. Das Ende war für mich keineswegs vorauszusehen und das macht ein guter Krimi für mich aus.

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