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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.12.2022

Not my cup of tea

Die Beobachterin
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Nach der Trennung von ihrem Mann möchte Elena von vorn anfangen und mietet in einer schwedischen Kleinstadt ein Häuschen. Die Tage sind voller Trauer, das Haus jedoch ist leer. Sie verlässt dieses kaum, ...

Nach der Trennung von ihrem Mann möchte Elena von vorn anfangen und mietet in einer schwedischen Kleinstadt ein Häuschen. Die Tage sind voller Trauer, das Haus jedoch ist leer. Sie verlässt dieses kaum, findet sich in einer minder schweren Depression wieder und meidet den einzigen Kontakt, den sie zur Außenwelt hat fast komplett. Ablenkung findet sie darin, ihre Nachbarn im Haus gegenüber zu beobachten. Scheinbar eine ganz normale Familie. Bis sie eines Tages etwas Seltsames beobachtet. Eine ungewöhnliche Obsession entwickelt sich und ehe sie es sich versieht, ist Elena besessen und steckt ihre eigenen Bedürfnisse fast vollkommen zurück. Nur, um die Familie im Haus gegenüber zu beobachten. Wenn sie sich dabei nicht selbst in Gefahr bringt.

Die Geschichte ist nicht neu und je mehr ich von dieser Sorte lese, umso mehr habe ich das Gefühl, muss sich die Handlung anstrengen, um rauszustechen. Das tat sie in diesem Fall jedoch nicht. Weder durch besondere Erzählmomente, eine ausgefuchste Protagonistin oder besondere Spannungselemente. Ich würde sogar sagen, dass das Buch das schwächste seiner Art ist und mich eher verstört (nicht im guten Sinne) zurückgelassen hat.

Ich wurde nicht warm mit den Charakteren. Weder mit Elena, für die ich keinerlei Sympathie aufbringen konnte, da sie so irrational handelte, dass ich in keiner einzigen Situation hätte mitfühlen oder geschweige denn nachvollziehen hätte können, was in ihr vor sich geht. Sie stößt der einzigen Person vor den Kopf, der offensichtlich noch etwas an ihr liegt, ihrer Schwester. Auch die ist seltsam distanziert, nicht unbedingt eine Sympathieträgerin, also auch hier niemand, auf den man bauen kann.
Ebenso der Nachbarsjunge, der am Anfang Potenzial zeigt, im weiteren Verlauf aber immer seltsamer wird, wurde von meiner Liste gestrichen.

Ich kann leider nicht genau festmachen, was mich am Schreibstil daran hinderte, ihn als leicht und flüssig wahrzunehmen. Ich vermute jedoch, dass es die gekünstelte Ich-Perspektive ist, die nichts mit der locker, leichten Ich-Perspektive der üblichen Geschichten zu tun hat. Das mag aber auch an der Übersetzung gelegen haben. Eventuell lag es aber auch am Detailgrad, der an vielen Stellen einfach zu explizit gewesen ist und dadurch so ausschweifend gewesen ist, dass ich abschweifte.

Sicherlich ein solider Thriller für Menschen, die mit dem Schreibstil und den Charakteren warm werden, ich wurde es leider nicht. Schade.

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Veröffentlicht am 12.10.2022

Drama statt Thriller

A Stranger in the House
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Tom konnt von einem vermeintlich normalen Arbeitstag zurück und freut sich schon auf das Abendessen, das ihm seine Verlobte Karen zubereitet hat. Doch kaum betritt er das Haus, merkt er, dass etwas nicht ...

Tom konnt von einem vermeintlich normalen Arbeitstag zurück und freut sich schon auf das Abendessen, das ihm seine Verlobte Karen zubereitet hat. Doch kaum betritt er das Haus, merkt er, dass etwas nicht stimmt. Das Wasser steht auf dem Herd, aber die Nudeln sind nicht gekocht. Der Salat wurde angefangen zu schneiden, doch niemals beendet. Die Handtasche mit dem Handy und dem Geldbeutel seiner Frau liegen noch dort – das sieht ihr gar nicht ähnlich. Wieso hat sie so überstürzt das Haus verlassen? Und wo ist sie? Krank vor Sorge ruft er die Polizei. Ein Unfall. Und sie erinnert sich nicht, was kurz vorher geschehen ist. Wenig später wird eine Leiche gefunden, die mit Karen in Verbindung gebracht wird. Ist sie die Mörderin? Und wer ist der Tote?

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, jedoch wird bei dieser Erzähltechnik nicht besonders viel von den Emotionen der verschiedenen Charaktere preisgegeben. Natürlich bekommt man von ihren Gedanken mit, aber ich habe ständig das Gefühl, es wird nur an der Oberfläche gekratzt. Keiner der Charaktere gibt mir die Chance, eine Bindung zu ihm aufzubauen, was dazu führte, dass ich keinerlei Sympathie oder Empathie entwickeln konnte. Somit waren mir die Charaktere schlichtweg egal.

Der Schreibstil war zwar angenehm und ich spürte, dass eine gewisse Bedrohung durch die Seiten fliegen sollte, aber ich glaube, aufgrund der fehlenden Bindung zu den Charakteren, konnte mich die Atmosphäre einfach nicht einfangen. Demnach plätscherte die Erzählung schon fast belanglos an mir vorbei und hatte mich relativ schnell verloren.
Das Ende konnte mich kurz nochmal einfangen, da es kurz ein wenig wendungsreicher wurde, aber nicht genug, um die Nichtigkeit der vorangegangenen Kapitel auszugleichen.

Für einen Thriller reicht dieses Drama in meinen Augen leider nicht aus.

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Veröffentlicht am 06.09.2022

Kein Thriller für mich

Nicht ein Wort
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Bundesrichter Scott Sampson ist Vater von von zwei Kindern und hätte die Zwillinge eigentlich zum Schwimmen begleiten sollen. Doch dann erhält er von seiner Frau eine SMS, in der steht, dass sie sie heute ...

Bundesrichter Scott Sampson ist Vater von von zwei Kindern und hätte die Zwillinge eigentlich zum Schwimmen begleiten sollen. Doch dann erhält er von seiner Frau eine SMS, in der steht, dass sie sie heute von der Schule abholt. Als seine Frau Alison jedoch später nach Hause kommt, sind die beiden Kinder nicht bei ihr und eine SMS hat sie auch nie geschrieben. Stattdessen klingelt das Telefon und eine unbekannte Stimme teilt den besorgten Eltern mit, dass die Kinder entführt wurden und sich Richter Sampson an die Instruktionen halten soll, um die Kinder lebend wiedersehen zu können. Das wohl schwerste Urteil steht dem Bundesrichter bevor: Was wird er tun?

Der Schreibstil an sich ist sehr flüssig und unaufgeregt geschrieben. Leider steckte für mich genau darin das Problem. Oft fehlte mir die Spannung, die wabernde Bedrohung und die bloße Verzweiflung, die solch ein Ereignis mit sich bringt. Hin und wieder war die Verzweiflung natürlich spürbar, aber dafür, dass die beiden Kinder entführt wurden, waren die Eltern mir in manchen Szenen einfach zu entspannt. Es schien an manchen Stellen so, als hätten sie es schlichtweg gar nicht mehr eilig, an ihre Kinder zu kommen, was der Geschichte einfach die Authentizität raubte.

Ebenso ließ es die Charaktere nicht sonderlich real, sympathisch oder empathisch wirken. Es war nicht durchweg der Fall, jedoch überwogen für mich die Stellen, in denen ich seine Gelassenheit nicht nachvollziehen konnte.

Alisons Distanziertheit wiederum gefiel mir sehr gut, weil sie als Stilmittel eingesetzt wurde und Teil der Geschichte war. Dennoch wurde ich mit beiden einfach nicht sonderlich warm.

Nachdem sich der Inhalt ab der Hälfte in die Länge zu ziehen schien und immer politischer wurde, merkte ich, wie mich das Buch zu verlieren drohte. All das Gerede um Aktien, Anteile, Fonds etc. konnten mich nicht wirklich bei der Stange halten. Der als so kurzweilig empfundene Einstieg wurde dadurch leider stark getrübt.

Nichtsdestotrotz überraschte mich das Ende. Dennoch war „Nicht ein Wort“ einfach kein Thriller für mich.

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Veröffentlicht am 01.09.2022

Langatmig

Was Alice wusste
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Alice Sheahan ist Malerin und lebt mit ihrem Ehemann Ed, einem erfolgreichen Arzt, zusammen in Bristol. Sie scheinen ein perfektes Leben zu führen, bis ihre Welt von dem einen auf den anderen Tag auf einmal ...

Alice Sheahan ist Malerin und lebt mit ihrem Ehemann Ed, einem erfolgreichen Arzt, zusammen in Bristol. Sie scheinen ein perfektes Leben zu führen, bis ihre Welt von dem einen auf den anderen Tag auf einmal auseinanderzubrechen droht: Ed gerät unter Verdacht, in einer Partynacht eine junge Frau ermordet zu haben. Obwohl er sonst nie Alkohol trinkt, scheint er über die Strenge geschlagen zu haben, doch er beteuert seine Unschuld. Zunächst glaub Alice ihm, denn welchen Grund sollte sie haben, ihrem über alles geliebten Ehemann nicht zu glauben? Bis Marianna auftaucht, Alices ehemalige Freundin. Sie zeigt Alice ein Foto, das Eds Version der Mordnacht zunichte macht. Doch warum hat er gelogen?

Ich hab mich wirklich schwer getan, in das Buch reinzufinden. Schon zu Beginn wurd ich mit dem Schreibstil nicht wirklich warm. Die gewählten Worte lasen sich oft nicht flüssig, ließen mich des Öfteren stocken und plätscherten leider nicht so leicht und unaufgeregt dahin, wie ich es gerne gehabt hätte. Ebenso die Dialoge, vor allem auch die zwischen dem Ehepaar kamen mir oft zu gestelzt und artifiziell vor, was mich auch daran hinderte, eine Beziehung zu den beiden bzw. zu irgendeinem der Charaktere aufzubauen.
Insgesamt waren alle Charaktere bis zum Ende hin sehr blass und das, obwohl wir Alices ständige innere Monologe zur Genüge verfolgen konnten. Schlau bin ich aus ihnen nicht geworden. Lediglich ihre ungesund zu scheinende Abhängigkeit ihrem Mann gegenüber wurde stark bewusst, andere Charakterzüge, die eventuell Empathie oder Sympathie hätten wecken können, blieben unter einer dicken Schicht verborgen.

Bei einem Psychothriller hoffe ich entweder auf offensichtliche Spannungselemente oder aber auf eine unterschwellige Bedrohung, die zwischen den Seiten mitschwingt. Auf beides wartete ich jedoch leider vergebens. Stattdessen zog sich der Inhalt auf vielen Seiten in die Länge und ließ mich ohne jegliche Überraschungen oder Wendungen in der Luft hängen.

Ich hätte das Buch wirklich gern gemocht, weil ich das Potenzial in der Geschichte durchaus erkannt habe, dennoch haperte es für mich stark an der Umsetzung. Schade.

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Veröffentlicht am 03.07.2022

Langatmig und zähflüssig

Ein mörderischer Sommer
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Joanna war schon immer ein Familienmensch und hat sich voll und ganz ihrer Familie hingegeben. Bis ihr Mann sie einfach mit ihren Töchtern sitzen lässt, um sich darüber klar zu werden, was ER eigentlich ...

Joanna war schon immer ein Familienmensch und hat sich voll und ganz ihrer Familie hingegeben. Bis ihr Mann sie einfach mit ihren Töchtern sitzen lässt, um sich darüber klar zu werden, was ER eigentlich will. Nur langsam kommt sie mit der neuen Situation klar, denn sie liebt ihn immer noch. Kaum ist er ausgezogen, erhält sie mysteriöse Anrufe, die ihr prophezeien, sie sei das nächste Opfer, des stadtbekannten Würgers. Doch Joanna hat sich lange genug klein halten lassen, sie ist bereit, zu kämpfen.

Die Geschichte wird aus Joannas Sicht erzählt und hatte so viel Potenzial, ein wirklich spannender und kurzweiliger Roman zu werden, aber leider endete es in einer Art Familiendrama, das sich für meinen Geschmack viel zu sehr in die Länge zog. Es las sich mehr wie ein Findungsroman, der sich immer wieder im Kreis drehte, mit den gleichen Themen befasste und zeigte, wie verzweifelt die Protagonistin nach der Aufmerksamkeit von ihrem Mann und ihrer besten Freundin suchte, die sich beide nicht verdient zu haben schienen.
Im Laufe der Geschichte machte sie zwar eine kleine Wandlung durch, gewann eine Prise Selbstbewusstsein, wusste ihren Wert aber dennoch nicht zu schätzen und umgab sich weiterhin mit toxischen Menschen.

Ich blieb am Ball, weil ich immer wieder die Hoffnung hatte, dass endlich etwas passieren, die Spannung endlich aufkeimen und die Geschichte an Fahrt aufnehmen würde – doch ich wurde leider enttäuscht.

Der Schreibstil war das Einzige, was mich besänftigen konnte, der plätscherte Fielding-üblich flüssig und leicht bekömmlich dahin und machte es wenigstens ein bisschen erträglicher.

Wer auf Spannungselemente verzichten kann und sich auf ein Familiendrama einlassen möchte, das gefühlt auf der Stelle tritt, für den scheint „Ein mörderischer Sommer“ genau das richtige Buch zu sein.

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