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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2022

Eine neutrale Sichtweise der Dinge

Streicheln oder Schlachten
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An STREICHELN ODER SCHLACHTEN bin ich mit einer gewissen Vorsicht herangegangen. Zu oft stößt mich bei Büchern dieser Art, in der es um das Tierwohl geht, der Tonfall des Autors ab und oft sind es extreme ...

An STREICHELN ODER SCHLACHTEN bin ich mit einer gewissen Vorsicht herangegangen. Zu oft stößt mich bei Büchern dieser Art, in der es um das Tierwohl geht, der Tonfall des Autors ab und oft sind es extreme Ansichten, die mich selbst aggressiv werden lassen. Zu oft sind einseitige Meinungen der Sache nicht zuträglich und manchmal ist es schwierig sich nicht einer romantisierten Ansicht über Tiere hingeben zu wollen.
Aber ich weiß, dass es ein schwieriges Thema ist, das aber auch eine sensible Herangehensweise erfordert. Und was das anbelangt, so war STREICHELN ODER SCHLACHTEN eine angenehme Überraschung, ein Buch, das man jedem Tierfreund nahe legen sollte, egal ob es sich um Vegetarier, Veganer, Carnivoren oder eine der Zwischenschattierungen handelt. Tiere gehen jeden etwas an, und es schadet nicht, sein Verhalten zum Tier zu überdenken. Und dieses Buch hilft dabei.
Fundiert und einprägsam hält uns der Autor einen Spiegel vor, beginnt in unserer Vergangenheit und spannt den Bogen in die Gegenwart. Und immer wieder fordert er den Leser auf, über das gelesene nachzudenken und seine eigenen Beweggründe (Tiere betreffend) zu hinterfragen. Und dabei nutzt der Autor Fakten und Denkanstöße, niemals den erhobenen Zeigefinger.
Marcel Sebastian bietet ein leicht verständliches Sachbuch zu einem wichtigen Thema und behält sich eine angenehm neutrale Ansichtsweise bei. Dadurch fällt es leichter sich auf das Thema einzulassen als wenn man in jedem Satz DU MUSST! DU MUSST! DU DARFST NICHT! liest.
Nur die Gender* empfinde ich als störend im Lesefluss …

Veröffentlicht am 15.10.2022

Goya und Madrid

Goyas Ungeheuer
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Warum bringt man den vierten Band einer Reihe heraus, wenn man die Vorgänger noch nicht herausgebracht hat?
Und warum findet man keinen Hinweis darauf, dass es sich um einen vierten Band handelt?
Jedenfalls ...

Warum bringt man den vierten Band einer Reihe heraus, wenn man die Vorgänger noch nicht herausgebracht hat?
Und warum findet man keinen Hinweis darauf, dass es sich um einen vierten Band handelt?
Jedenfalls habe ich keinen Hinweis gefunden, dass die ersten drei Teile mit Comisaria Ruiz bereits in deutscher Sprache erschienen sind. Und das, obwohl der erste Teil in Spanien bereits 2012 erschienen ist. Auf jeden Fall hätten die Bücher es verdient, wenn sie dem Niveau des vierten Bands entsprechen. Allerdings hat Goyas Ungeheuer den Nachteil, dass es sich um den vierten Teil einer Reihe handelt und ich den Eindruck habe, dass es hilfreich gewesen wäre, die Vorgänger zu kennen (allerdings spreche und verstehe ich kein Spanisch).
Sieht man davon ab ist GOYAS UNGEHEUER eine packende Geschichte mit einem kleinen Ausflug in die Kunstgeschichte. Ich persönlich finde das an sich schon spannend, auch wenn Berna Gonzales Harbour nicht ganz an Arturo Pérez-Reverte heranreicht. Aber trotzdem bietet Gonzales Harbour gut Krimiunterhaltung, mit interessanten Charakteren, die man vielleicht besser verstehen würde, wenn man die Vorgängerteile kennen würde. Ich will aber auf dieses Manko nicht länger herum reiten. Ist man sich der Tatsache bewusst, dass Teile fehlen kann man das Buch auch besser verstehen. Ich hatte immer den Eindruck, mir würde etwas fehlen (jetzt weiß ich auch warum). Aber ich würde mir wünschen, dass auch die anderen Romane um Comisaria Ruiz den Weg nach Deutschland finden, denn auch hier wird gezeigt, dass man spanische Krimiautoren gut lesen kann und ihnen auch eine Chance geben sollte.

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Veröffentlicht am 10.10.2022

Höchst unterhaltsam

Auf den Spuren von Hexern und Geistern in Island
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Wer sich für Island und seine Sagen interessiert kommt an AUF DEN SPUREN VON HEXEN UND GEISTERN kaum vorbei. Auf kurzweilige, informative und gut recherchierte Weise bringt Bjarnason dem Leser die Sagenwelt ...

Wer sich für Island und seine Sagen interessiert kommt an AUF DEN SPUREN VON HEXEN UND GEISTERN kaum vorbei. Auf kurzweilige, informative und gut recherchierte Weise bringt Bjarnason dem Leser die Sagenwelt der Insel näher, erzählt unterhaltsame Geschichten von Zauberern und Hexen und zögert auch nicht, Zauber für alle möglichen Lebenslagen und Krankheiten zu benennen. Allerdings würde ich von deren Durchführung abraten, oft wird dabei das Blut oder Organe von Vögeln benötigt und besonders angenehm scheint das auch nicht zu sein. Außerdem erlaube ich mir eine gewisse Skepsis, was die Wirksamkeit der Zauberei anbelangt. Aber, auch wenn es manchmal doch etwas eklig ist, ist es doch interessant zu lesen.
Nebenbei erfährt der Leser natürlich auch vieles von Islands mehr oder weniger mystischen Orten, so dass man sich auch für eine Islandreise inspirieren lassen kann. Allerdings fällt das Lesen manchmal etwas schwer, da der Seitenaufbau manchmal etwas sperrig konstruiert ist und es wenige Absätze gibt. Es hätte dem Text nicht geschadet wenn eine bessere Struktur sichtbar gewesen wäre. Ebenso hätte eine Karte mit den entsprechenden Orten oder Illustrationen den Text aufgelockert.
Trotzdem können die Geschichten überzeugen und regen durchaus auch zum Schmunzeln an. Island wie man es kennt, und doch etwas anders.

Veröffentlicht am 26.09.2022

Viktorianischer Krimi mit viel Realem Hintergrund

Gegen die guten Sitten
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Man nehme ... ein paar reale historische Personen und Ereignisse und mische sie mit künstlerischen Freiheiten, fiktiven Personen und Ereignissen und heraus kommt: Ein spannender, höchst unterhaltsamer ...

Man nehme ... ein paar reale historische Personen und Ereignisse und mische sie mit künstlerischen Freiheiten, fiktiven Personen und Ereignissen und heraus kommt: Ein spannender, höchst unterhaltsamer Krimi. Und Philea Baker schafft es auch im dritten Fall von Alessa Arlington, sieht man vom Epilog ab, den ich persönlich für eher peinlich und misslungen halte, aber ... es ist nur ein Epilog mit wenig Verbindung zum eigentlichen Kriminalfall und ich hoffe auch nicht, dass damit das Ende der Krimireihe eingeläutet wurde. Andererseits ... es wäre durchaus reizvoll ... nur werde ich mich nicht weiter darüber auslassen, vielleicht will sich der eine oder andere überraschen lassen. Und der Epilog ist nur ein geringer Teil des Buchs.
Aber ... Philea Baker gelingt es die damalige Zeit sehr lebendig zu machen und es ist tatsächlich schwierig aus der Atmosphäre des Buchs in die Gegenwart zurückzufinden. Die Krimihandlung ist spannend (auch wenn vermutlich niemand wirklich erwartet, dass Alessa Arlington irgendwelche Konsequenzen drohen, bzw. sie tatsächlich eines Mordes verdächtigt ist ... auch wenn sie manchmal nicht ganz so gesetzestreu ist), das Umfeld interessant (u. a. der Kampf der Frauen für ihre Rechte und die teilweise engstirnige und blinde Ansichtsweise religiöser "Fanatiker").
Ganz perfekt ist dieser Roman allerdings nicht, denn abgesehen vom Epilog sind Alessas Liebesverhältnisse etwas ... ablenkend. Aber um das (und anderes) zu verstehen muss man die Vorgängerbände (Gegen jedes Gebot, Gegen die Spielregeln) kennen. Aber Freunde viktorianischer Krimis sollten sich das nicht entgehen lassen.

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Veröffentlicht am 22.09.2022

Bildgewaltiger Arktis_Thriller

Ein Lied vom Ende der Welt
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Bildgewaltig und sehr actionreich führt uns EIN LIED VOM ENDE DER WELT in die faszinierende Landschaft der Arktis und die klaustrophobischen Bedingungen einer Forschungsstation. Es beginnt interessant ...

Bildgewaltig und sehr actionreich führt uns EIN LIED VOM ENDE DER WELT in die faszinierende Landschaft der Arktis und die klaustrophobischen Bedingungen einer Forschungsstation. Es beginnt interessant und doch unglaubwürdig, aber Ferencik kann den Leser überzeugen, dass es durchaus im Bereich des Möglichen ist, wenn jemand aus dem tiefen Eis aufgetaut wird (ignorieren wir die Tatsache, dass das bei Mammuts bisher erfolglos blieb). Aber der Aufhänger der Geschichte funktioniert und ist nur ein kleiner Teil der spannenden Geschichte mit ihren zahlreichen Wendungen. Und so fantastisch Naajas Existenz auch sein mag, die Situation in der Arktis ist es nicht. Und so zeigt dieser Thriller, mit seinem ruhigen und nie langweilenden Anfang, erstaunlich deutliche Worte in Bezug auf unseren Umgang mit dem Planeten und dem Problem der Klimaveränderungen. Anfangs wird man etwas eingelullt von Isas Kommunikationsversuchen mit Naaja und abgelenkt von den eigentlichen Vorkommnissen, die nach und nach offenbart werden
Die Autorin baut den Spannungsbogen langsam auf und kann diesen auch bis zum Schluss halten. Selbst in den ruhigen Momenten ist ihre beschauliche Erzählweise fesselnd.
Erica Ferencik ist ein sehr atmosphärisches Buch gelungen, das dem Leser die Arktis näher bringt, auf den Klimawandel hinweist (und dabei ist es traurig, dass man das immer wieder machen muss, weil man sich dessen zwar bewusst ist, ihn aber oft und gerne verdrängt) und dabei für spannende Unterhaltung sorgt.

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