Profilbild von Samtpfote

Samtpfote

Lesejury Star
offline

Samtpfote ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Samtpfote über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.01.2023

Langsamer Beginn und fulminanter Schluss

Der Fledermausmann
0

Inhalt:
Harry Hole ermittelt in Sydney und ist gleich in seinem ersten Fall einem Serienmörder auf der Spur. Hole begegnet Zirkusartisten, Prostituierten und lehrreichen Sagen der indigenen Bevölkerung ...

Inhalt:
Harry Hole ermittelt in Sydney und ist gleich in seinem ersten Fall einem Serienmörder auf der Spur. Hole begegnet Zirkusartisten, Prostituierten und lehrreichen Sagen der indigenen Bevölkerung Australiens. Er muss sich in gefährlichen Kreisen bewegen und zurechtfinden und sich seinen eigenen Dämonen stellen. Ausserdem weiss er nicht, wem er vertrauen kann und ist teilweise ganz auf sich alleine gestellt, bis er endlich durchschaut, welches Spiel um ihn herum gespielt wird.

Meine Meinung:
Ein wenig mehr als sechs Jahre ist es schon her, dass ich "Schneemann" gelesen habe. Das Buch hat mir so gut gefallen, dass ich beschlossen habe, die Reihe um Harry Hole komplett zu lesen. Seit einiger Zeit habe ich die ersten paar Bände zusammen und habe nun endlich ganz vorne begonnen.
Der Einstieg ist mir tatsächlich nicht ganz leicht gefallen. Der Anfang hat noch nicht wirklich Hand und Fuss und man merkt der von Jo Nesbø 1997 geschriebenen Geschichte ihr Alter an. Es sind nicht nur die nicht immer politisch korrekten (respektive nicht mehr zeitgemässen) Bezeichnungen für sämtliche im Buch vorkommenden Menschen - wenn auch es grandios ist, dass Nesbø eine so grosse Diversität ganz selbstverständlich in seine Geschichte integriert und seinen Ermittler zwar mit einer bestimmten Vorsicht aber einer grundsätzlichen Offenheit gegenüber allen Menschen und ihren Lebensweisen ausstattet - sondern auch eine gewisse Langsamkeit in der Handlungsentwicklung, welche sich vor allem durch den Anfang der Geschichte zieht.
Nach und nach nimmt die Geschichte aber Fahrt auf und das Ende überzeugt - wie auch schon "Schneemann" mit filmreifen Szenen und "Schnitten" und einigen überraschenden Wendungen, Tragik und tiefen Einblicken in Holes Vergangenheit.

Meine Empfehlung:
Ich musste dem Buch ein wenig Zeit geben, dann aber hat es sich zu meiner Zufriedenheit entwickelt und mit Spannung, Überraschungen und einem einnehmenden Ermittler mit harter Schale und weichem Kern überzeugt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.11.2022

Toller Schreibstil, ein wenig gewollte Auswahl

Weihnachten ohne Parfüm
0

Inhalt:
Diese Sammlung enthält fünfzehn Erzählungen rund um das Weihnachtsfest. Haustiere, Affären und die lieben Verwandten tauchen in den Geschichten auf und nicht selten werden Freundschaften und Familienbande ...

Inhalt:
Diese Sammlung enthält fünfzehn Erzählungen rund um das Weihnachtsfest. Haustiere, Affären und die lieben Verwandten tauchen in den Geschichten auf und nicht selten werden Freundschaften und Familienbande sowie die eigenen Grenzen der Belastbarkeit dabei auf Herz und Nieren getestet.

Meine Meinung:
Diese fünfzehn sehr unterschiedlichen Geschichten haben mich teilweise sehr, sehr gut unterhalten (vor allem "Weihnachten ohne Mr. Addams" und "Drei Flinten, ein Hase") aber manchmal auch ein wenig gelangweilt. Die Themen wirken fast ein wenig gewollt zusammengestellt, wenn auch die Figuren und die zwischenmenschlichen Beziehungen fantastisch skizziert werden und dies oft auf nur ganz wenigen Seiten. Für Unterhaltung ist aber definitiv gesorgt, wenn der Freund der Tochter die Schwiegerfamilie in Spe ausgerechnet über die Weihnachtstage besucht, wenn eine Freundin plötzlich ausufernde Briefe zu schreiben beginnt, der Ehemann und der Geliebte um eine Frau buhlen oder die Mutter beschliesst, diesmal Weihnachten auch wirklich zu geniessen.
Die Autorin war mir noch kein Begriff, ihre aussergewöhnlich gute Beobachtungsgabe und die wunderbar skurrilen Figuren machen aber Lust auf mehr und ich werde mir ihr weiteres Werk auf jeden Fall einmal ansehen.

Fazit:
Weil die Geschichten mich nicht alle überzeugen konnten, bleibt das Buch nicht im Regal, wer aber auf der Suche nach einigen sehr unterschiedlichen weihnachtlichen Anekdoten und einem herausragenden Erzählstil ist, ist mit diesem Buch definitiv sehr gut beraten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.10.2022

Leider nicht ganz rund

Wintermeer und Bernsteinherzen
0

Inhalt:
Finja ist Heilpraktikerin und knapp bei Kasse. Ihre Praxis läuft nicht, wie sie sollte und deshalb kehrt sie über den Winter in ihren alten Job als Maklerin zurück. Die Suche nach einer ganz bestimmten ...

Inhalt:
Finja ist Heilpraktikerin und knapp bei Kasse. Ihre Praxis läuft nicht, wie sie sollte und deshalb kehrt sie über den Winter in ihren alten Job als Maklerin zurück. Die Suche nach einer ganz bestimmten Immobilie für einen wählerischen Kunden führt sie in den malerischen Küstenort St. Peter-Ording, wo Erinnerungen geweckt werden und Freundschaften neu entstehen.

Meine Meinung:
Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich "Friesenwinterzauber" von Tanja Janz gelesen und mich in den gemütlichen Ort St. Peter-Ording und die Herzlichkeit der von Janz geschaffenen Figuren verliebt. Dabei habe habe ich mir überlegt, die ganze St. Peter-Ording-Reihe nach und nach zu lesen.
In "Wintermeer und Bernsteinherzen" habe ich Finja angetroffen, die eigentlich als Heilpraktikerin arbeitet, aber aus finanziellen Gründen zeitweise in ihren alten Job als Maklerin zurückkehrt. Leider kommt es aber durch ihre eigentliche Berufung immer wieder zu sehr esoterisch angehauchten Szenen. Finja ist also nicht nur von der nachweisbaren heilenden Wirkung von Kräutertees bei Erkältungen überzeugt, sondern auch vom Handauflegen. Sie glaubt an die Kraft von Steinen und erwähnt einige Male, dass die Natur halt die beste Medizin sei. Erst im Verlauf der Geschichte - als sie einem attraktiven Zahnarzt näherkommt - räumt sie ein, dass wohl alle Formen der Medizin ihre Berechtigung hätten...schwierig.
Was mich aber noch mehr gestört hat: Finja soll für einen Kunden der Makerfirma, für die sie über den Winter arbeitet, ein Haus am Meer mit eigener Düne finden. Sie reist also nach St. Peter-Ording, findet sofort eine passende Immobilie und verbringt mehrere Tage damit, nach deren Besitzer zu suchen, um ihm ein Angebot zu machen, ohne jedoch wirklich zu arbeiten. Um endlich einmal in einem regionalen Immobilienverzeichnis nachzuschauen oder mit den Menschen, welche die Vorbesitzer des Hauses kannten, zu sprechen, braucht sie Tage. Vielmehr lernt sie die Leute im Ort kennen, nimmt Reitstunden und freundet sich mit einigen Hotelgästen an. Mir ist bewusst, dass solche Romane oft oberflächlich bleiben und manchmal ein wenig konstruiert daherkommen, aber für Finjas Aufenthalt im Küstenort hätte man sich doch sicher eine realistischere Geschichte aus den Fingern saugen können... Ausserdem baut sich die Romanze sehr langsam auf und die ganze Geschichte endet ganz überstürzt. Als hätte am Schluss ein Abgabetermin oder eine bestimmte Seitenzahl eingehalten werden müssen. Dabei habe ich die eigentlich so gemütliche Geschichte mit den tollen Nebenfiguren, die ich teilweise bereits aus "Friesenwinterzauber" kannte, immer wieder sehr gerne gemocht.

Erzählsprache:
Janz beschreibt einfach wundervoll. Die Landschaften, die Stallungen des Pferdehofs, die kleinen Weihnachtsdekorationen oder Momente der Stille, welche Finja sich manchmal gönnt sowie vor allem die herzensguten Nebenfiguren sind wirklich alle vor meinem inneren Auge aufgetaucht und zum Leben erweckt worden. Es ist sehr schade, dass die Handlung nicht ganz rund ist und dass ich Finja manchmal nicht so gerne mochte, denn eigentlich habe ich immer wieder ein wenig Weihnachtszauber gespürt.

Fazit:
Obwohl mir die Geschichte ein wenig zu esoterisch angehaucht und - was mich viel mehr gestört hat - vom Handlungsaufbau nicht ganz stimmig ist, habe ich die schöne Winteratmosphäre in St. Peter-Ording geniessen können. Vor allem die Nebenfiguren haben es mir angetan. Jetzt bin ich mir aber nicht sicher, wie ich mit der weiteren Reihe verfahren soll. Wie würdet ihr das machen? Oder kennt ihr vielleicht sogar einige der anderen Bände?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.10.2022

Einige Längen, aber aufrüttelnder Inhalt

Das Patriarchat der Dinge
0

Meine Meinung:
Dieses Buch ist mir schon einige Male begegnet und vor allem von Ronja von oceanloveR empfohlen worden. Im Buch werden zahlreiche Gegenstände und Orte aus unserem Alltag auf ihre Tauglichkeit ...

Meine Meinung:
Dieses Buch ist mir schon einige Male begegnet und vor allem von Ronja von oceanloveR empfohlen worden. Im Buch werden zahlreiche Gegenstände und Orte aus unserem Alltag auf ihre Tauglichkeit für Menschen jeglichen Geschlechts geprüft und mit zahlreichen Statistiken und Hintergrundinformationen trägt Endler zusammen, weshalb viele unserer täglich genutzten technischen Geräte, Sanitäranlagen, Medikamente, Fahrzeuge und Gebäude alles andere als inklusiv gestaltet und konzipiert sind. Dabei wird auch beleuchtet, inwiefern Frauen (respektive FLINTA generell, aber beispielsweise auch Menschen mit einer Behinderung und natürlich BIPoC) absichtlich oder versehentlich aus einem gemeinsamen, für alle zugänglichen Alltag und damit im schlimmsten Fall von lebensrettenden Massnahmen oder Geräten ausgeschlossen werden.
Endler hat eine aus dem Alltag gegriffene Sammlung mit einem umfassenden Quellenverzeichnis und viel Statistik zusammengestellt und vor allem am Anfang des Buches wird der Fliesstext mit zahlreichen sehr humorvollen (und auch zynischen) Fussnoten ergänzt, welche den enorm konzentrierten Text auflockern und leichter zugänglich machen. Dies steigert den Unterhaltungswert des Buches enorm, obwohl der Inhalt eigentlich alles andere als unterhaltsam, sondern äusserst tragisch ist.
Im Verlauf des Buches wurde mir die Angelegenheit ein wenig zu trocken und insgesamt habe ich wenige komplett neue Dinge erfahren, was aber natürlich daran liegt, dass ich bereits einige feministische Bücher gelesen habe.

Meine Empfehlung:
Trotzdem empfehle ich euch dieses Buch dringendst als Nachschlagewerk zum Verschenken und Erweitern des eigenen Horizonts weiter. Nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Querverweise und dem grossen Quellen- und Literaturverzeichnis ist dieses Buch die wohl bisher grösste Sammlung von Texten, die sich mit der Ungleichbehandlung von Frauen und Männern, respektive der bewussten und unbewussten Diskriminierung aller nicht weissen cis Männern dieser Welt, befasst. Zumindest in meinen Regalen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 15.10.2022

Zu langatmig, ansonsten aber wunderschön erzählt

Das Leben leuchtet sonnengelb
0

Inhalt:
Carlis Leben in Marburg ist abgesehen von ihrer besten Freundin Fritzi und ihrem Job in einem Café sehr einsam und eintönig. Als ihr von ihrem Stammkunden Fabrizio ein Atelier vererbt wird, öffnet ...

Inhalt:
Carlis Leben in Marburg ist abgesehen von ihrer besten Freundin Fritzi und ihrem Job in einem Café sehr einsam und eintönig. Als ihr von ihrem Stammkunden Fabrizio ein Atelier vererbt wird, öffnet sich ihr ein Tor nach Florenz. In der turbulenten Stadt angekommen, möchte sie mehr über Fabrizio erfahren und stösst auf eine dramatische Liebesgeschichte und ein fast vergessenes Handwerk.

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich bei Katy gewonnen und sie hat es mir traumhaft schön verpackt gesendet (HIER seht ihr das Paket). Und als ich vor einer Woche drei Tage mit meiner Familie im herbstlich verregneten Örtchen Brigels unterwegs war, hat es mich begleiten dürfen und ein wenig Sonne in meinen Alltag gezaubert. Die Geschichte von Carli und ihrer Familie sowie von der sehr speziellen Erbschaft, die auf einer tragischen Liebesgeschichte in der Vergangenheit beruht, hat mir sehr gut gefallen. Carlis Recherchen, ihre Liebe zum geerbten Atelier und den darin enthaltenen Holzfigürchen, ihr grosses Herz, ihr soziales Engagement und die lustigen Menschen in ihrem Leben haben mir sehr gut gefallen und mich wunderbar unterhalten.

Schreibstil:
So sehr mir einige Beschreibungen der Orte und vor allem der wunderschönen Holzspielzeuge zugesagt haben, so sehr haben mich aber die vielen Längen gestört. Die Protagonistin Carli erlebt nämlich stets neue Situationen, die sie mit ihrer besten Freundin Fritzi (oder einer anderen Figuren) teilen will oder muss und diese Gespräche werden jeweils im Detail und sehr ausschweifend wiedergegeben, obwohl wir aus der Ich-Erzählung von Carli die Situation sowie ihre Gefühle zum Erlebten bereits kennen. Einige Szenen werden so zwei- oder dreimal erzählt, ohne dass sich unsere Perspektive verändert und ohne dass wir mehr erfahren. Dies hat mich sehr gestört und ich hatte das Gefühl, dass diesem Buch radikale Streichungen (von um die zwei- bis dreihundert Seiten) sehr gutgetan hätten. Die erzählte Geschichte, die tragische Liebesgeschichte in der Vergangenheit sowie die vielen liebevollen Beschreibungen von Speisen, Getränken, Menschen und Orten haben mir nämlich gut gefallen. So aber fiel es mir schwer, mich komplett auf die Geschichte einzulassen und in das Italienfeeling einzutauchen, zu sehr haben mich diese Wiederholungen irritiert.
Es scheint übrigens, dass ich die einzige bin, welche diese Längen gestört haben, alle anderen Rezensionen erwähnen nichts davon und vergeben vier bis fünf Sterne.

Meine Empfehlung:
Die Grundidee dieser Geschichte, die vielen tollen Facetten, Figuren und Orte sowie die Protagonistin haben es mir angetan. Ausserdem beschreibt Pauline Mai wunderschön. Mir persönlich war dieses Buch zu sehr in die Länge gezogen, weshalb ich es allen empfehle, die sich an ausschweifenden Dialogen und Wiederholungen nicht stören, sondern auf der Suche nach wunderschönen Sommergefühlen sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere