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Veröffentlicht am 01.11.2022

Spannende Mordfälle, Figur mit Ecken und Kanten

Psycho Investigator. Band 1
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Hellsehen? Sich unsichtbar machen können? Die Zeit manipulieren? Welche Fähigkeit würde einem wohl den meisten Nutzen bringen? Am liebsten wäre mir ja ein Gesamtpaket, dann bin ich Superjulie, die Heldin ...

Hellsehen? Sich unsichtbar machen können? Die Zeit manipulieren? Welche Fähigkeit würde einem wohl den meisten Nutzen bringen? Am liebsten wäre mir ja ein Gesamtpaket, dann bin ich Superjulie, die Heldin im Kampf gegen das Böse. Oder ich mache es wie Simon Radius und dringe in den Geist meiner Mitmenschen ein. Klingt auch ziemlich cool, oder?

Radius ist nämlich ein Psychoanalytiker der besonderen Art, denn er kann in die Erinnerungen seiner Patienten reisen und sich dort seelenruhig umsehen. Man kann es eine erweiterte Form der Hypnose nennen, bei der tief verborgene Traumata aufgespürt werden. Und die dunkelsten Geheimnisse. Radius selbst hat nicht nur mit einem Mordfall zu tun, bei dem es um eben jene Geheimnisse geht, sondern muss sich aufgrund eines Schicksalsschlags seinen eigenen Dämonen stellen. Hierbei war es spannend, zu erleben, wie der Psycho Investigator bei Opfern und Tätern in die hintersten Ecken derer Erinnerungen eindringen kann. Er schafft es jedoch nicht, sein eigenes Puzzle zusammenzusetzen. Und man spürt förmlich seine Verzweiflung, seine Traurigkeit, möchte ihn in die Arme nehmen und trösten. Hachz.

Als wäre das nicht schon blöd genug, gibt es Menschen, die ihn für einen Spinner halten und über ihn lachen. So erging es sicher schon anderen Genies im wirklichen Leben, die dabei waren, etwas total Irres zu erfinden, und deswegen belächelt wurden. Oder schlimmer noch: gemobbt, ausgegrenzt. Mir tat Simon wirklich sehr leid, wie er da so zurückgezogen haust, oft in sich gekehrt, in vergangenen Momenten gefangen, von der Außenwelt oft nicht ernst genommen. Er war für mich die Schlüsselfigur, nicht nur weil er der Hauptprotagonist ist, sondern weil er einen solch schwachen und zugleich starken Charakter hat, dass man einfach von ihm gefesselt ist.

Die anderen Figuren kommen ebenfalls ausreichend zu Wort. Den Einen mag man, den Anderen nicht - absolut okay so. Ich muss nicht jeden super sympathisch finden. Wenn er authentisch rüberkommt, passt es. Und das war hier der Fall. Ich bin gespannt darauf, wer uns im zweiten Teil wieder beehren wird.

Wie auch schon mit seinem Meisterwerk »Im Kopf von Sherlock Holmes«, konnte mich Benoit Dahan auch hier mit seinen Illustrationen überzeugen. Ich liebe all die Details, der er geschickt eingeflochten hat. Überall gibt es Dinge zu bestaunen. Es ist, als würden die Bilder zu einem sprechen und ihre Version der Geschichte erzählen. Es macht riesigen Spaß, dieses Buch zu lesen. Auch beim zweiten und dritten Mal.

Fazit: Großartige Grafiken, spannend verstrickte Mordfälle und eine Hauptfigur mit Ecken und Kanten. Genau so muss eine Geschichte für mich sein, damit ich sie in mein Herz schließe. Ein Jahreshighlight und zugleich mein Lesetipp an euch!

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Veröffentlicht am 25.10.2022

Richtig feiner Horror mit Sci-Fi-Elementen

DC-Schocker: Das Haus am See
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Man bietet dir an, für immer Urlaub machen zu können: Welchen Ort wählst du?

Für immer Urlaub machen klingt erst einmal richtig cool, oder? Keine Arbeit, keine Verpflichtungen, kein Stress. Wobei ich ...

Man bietet dir an, für immer Urlaub machen zu können: Welchen Ort wählst du?

Für immer Urlaub machen klingt erst einmal richtig cool, oder? Keine Arbeit, keine Verpflichtungen, kein Stress. Wobei ich dazusagen muss, dass mir bereits nach wenigen Tagen langweilig wird, wenn ich nur am Strand herumliege. Ich brauche Bewegung, will raus, was erleben und entdecken. Was wäre aber, wenn das nicht möglich wäre? Wenn mein Urlaubsort kein Paradies mit Sandstrand und Palmen ist, mit Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen in der Nähe? Wenn es sich eigentlich eher um ein Haus am See handelt, das ich nie wieder verlassen darf...

Hat man sich diese Tatsache vor Augen geführt, hat man gar nicht mehr so richtig Lust auf Urlaub dort, stimmt's? So ergeht es unseren Figuren in diesem DC-Schocker. Eingeladen wurden sie unter falschem Vorwand von jemandem, der sich Walter nennt.

In sechs Kapiteln erfahren wir, mit welchen Charakteren wir es zu tun haben, wer sich über den Aufenthalt dort freut und wem das alles zu viel wird, wer für die Gruppe einsteht und wer sich als Singleplayer herausstellt. Dabei stellt man sich unweigerlich selbst die Frage, wie man in so einer Situation reagieren würde. Könnte man die Umstände akzeptieren und sich mit alldem arrangieren? Würde man bis zuletzt versuchen, das Ruder herumzureißen? Ich weiß es nicht. Vermutlich würde ein Fünkchen Hoffnung bleiben, aber irgendwann wäre es sicher ratsamer, sich anzupassen. Ihr merkt schon: Dieser Horror-Comic bietet allerlei Stoff zum Nachdenken. Insbesondere hat mich das dystopische Grundthema fasziniert. (Achtung Spoiler!) Man hockt da in so einem luxuriösen Haus, während der Rest der Welt wortwörtlich in Flammen aufgeht. Die Liebsten sterben da draußen und man kann nichts dagegen tun. Uff! Und auch Walter ist nicht der, für den man ihn hielt. Ich bin sehr gespannt, was er im zweiten Teil geplant hat und wie die Gruppe damit umgehen wird.

Das düstere Artwork spiegelt perfekt die inhaltliche Atmosphäre wider und ist ziemlich beeindruckend. Hier stimmt einfach alles!

Fazit: Mit Abstand einer der besten Comics, die ich je verschlungen habe! Unheimlich, beklemmend, spannend - richtig feiner Horror mit ein paar Sci-Fi-Elementen.

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Veröffentlicht am 21.10.2022

Fesselnde, dystopische Fantasy-Story

Hidden Lies. Mein Geheimnis kann dich töten
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Für ein Jugendbuch finde ich das Thema wirklich ziemlich hart. Es hat mich ein wenig an „The Walking Dead“ erinnert. Morbus Shade ist eine Art Zombiekrankheit, die in einer dystopischen Welt circa 15/20 ...

Für ein Jugendbuch finde ich das Thema wirklich ziemlich hart. Es hat mich ein wenig an „The Walking Dead“ erinnert. Morbus Shade ist eine Art Zombiekrankheit, die in einer dystopischen Welt circa 15/20 Jahre nach der unsrigen spielt. Entflohen aus einem Forschungslabor, übertragen durch Blut und Bisse. Die Krankheit hat mehr als die halbe Menschheit ausgerottet, ein Viertel davon ist weiterhin infiziert, jedoch schläft die Krankheit im Körper, unterdrückt durch eine Art Medikament. Die Ressourcen und Mittel allgemein sind knapp, daher weiß man nicht, wie lange die Infizierten noch versorgt werden können. Ist das Medikament leer, dann bricht die zweite Welle los und zerstört wahrscheinlich den Rest der Menschheit.

Mir haben diese Infizierten wirklich leidgetan, ich habe mit ihnen stark sympathisiert und die Menschen gehasst, die sie wie Aussätzige behandeln, wie Ungeziefer, wie Dreck. Natürlich, dank der Infizierten haben viele ihre Familien verloren, ihre Freunde, aber im Großen und Ganzen wissen die „Zombies“ nicht, was sie überhaupt tun. Sie können nichts dafür, dass sie infiziert worden sind. Hier ist die Regierung schuld, die das Virus erschaffen hat. Sollte man kranke Menschen dafür hassen, dass sie etwas unwissend und bei nicht vollem Bewusstsein tun? Ich finde es mehr als fragwürdig. Viele sind einfach in ihrem Schmerz des Verlustes gefangen und vergessen, dass auch nur ein Mensch dahintersteckt, welcher mit dem leben muss, was er als „Zombie“ getan hat. Denn ja, die Erinnerungen kommen zurück und sind nur schwer zu ertragen.

Man kann sehen, dass ich mir während des Buches viele Gedanken über Dieses und Jenes gemacht habe. Die Geschichte regt auf jeden Fall dazu an. Die Autorin konnte dieses ernste Thema wunderbar umsetzen, hat es verknüpft mit humorvollen und auch romantischen Szenen. Ich fand es zwischendurch wirklich spannend und der Showdown zum Ende des Buches hin hat mich überrascht und überzeugt. Es gab viele nicht vorhersehbare Wendungen, die abwechslungsreich und detailliert beschrieben worden sind. Der tolle Schreibstil wird nur der Form halber von mir erwähnt. Hier hat es mir gut gefallen, dass zwischendurch nach jedem Hauptkapitel immer eine andere Nebenperson zu Wort gekommen ist. Sei es der Vater, die Mutter, die Schwester, der Freund etc.

Die Charaktere fand ich richtig sympathisch, auch wenn mir die weibliche Prota hin und wieder auf die Nerven gegangen ist. Kara ist impulsiv, sie vertraut sich kaum noch selbst, sie ist wütend und wirkt häufig auch zynisch und verbittert. Nun gut, sie hat viel erlebt, aber sie muss versuchen, damit abzuschließen. Adrian hingegen konnte ich lange Zeit nicht einschätzen und ich fand ihn zu verkopft. Er hat viele Vorurteile gegenüber den Infizierten, nicht so viele wie andere Nebenprotas zum Beispiel, aber er ist durch seinen Schmerz doch sehr festgefahren in seiner Meinung. Doch auch er hat eine Entwicklung durchgemacht und mich dadurch sehr überrascht. Im Großen und Ganzen fand ich, dass die Charaktere gut ausgearbeitet waren.

Fazit: Mir hat die dystopische Fantasygeschichte sehr gut gefallen. Die Ernsthaftigkeit und hin und wieder auch die Brutalität innerhalb des Buches haben mich überrascht und häufig auch erschreckt, aber genau das hat es zu einem tollen und vielfältigen Leseerlebnis gemacht. Müsst ihr lesen!

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Veröffentlicht am 19.10.2022

Cooler Plot, schöne Kulisse

Kalt und still
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Am besten zur Ruhe komme ich, wenn es draußen kalt ist und ich den Schnee riechen kann. Daher kann ich Hanna verstehen, dass sie sich für ein leer stehendes Ferienhaus in Åre entschieden hat, um wieder ...

Am besten zur Ruhe komme ich, wenn es draußen kalt ist und ich den Schnee riechen kann. Daher kann ich Hanna verstehen, dass sie sich für ein leer stehendes Ferienhaus in Åre entschieden hat, um wieder zu Kräften zu kommen.

Die 34-jährige Polizistin wurde kürzlich von ihrem Freund verlassen und man hat ihr nach einem beruflichen Zwischenfall nahegelegt, den Dienst in Stockholm zu quittieren. Åre bedeutet für sie also nicht nur Erholung, sondern bietet zugleich einen Neuanfang. Doch das Idyll hier ist trügerisch. Und wirklich zur Ruhe kommt Hanna nicht. Während dichter Schneefall alles zudeckt und verschwinden lässt, erreicht sie eine Vermisstenmeldung. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn bei den eisigen Temperaturen kann niemand lange draußen überleben.

Und schwupps hatte mich der Auftaktband der neuen Polarkreis-Krimi-Reihe voll in seinem Besitz. Bereits im Prolog erschüttert die Autorin mit dem Auffinden einer steifgefrorenen Leiche. Man wird von der ersten Seite an wie bei einer Lawine mitgerissen und ständig mit Schneebällen beworfen. Die können mitunter ein bisschen weh tun, schockieren, entrüsten und sogar überrumpeln.

Die Landschaftsbeschreibungen führen einem vor Augen, wie wunderschön, aber auch lebensgefährlich und tückisch die Wetterverhältnisse am Polarkreis sind und wie diese Bedingungen die Suche nach der Vermissten erschweren. Ich habe jedes Detail, jedes Fleckchen in Åre und jedes Wort zwischen den Zeilen geliebt. Viveca Sten schafft es beinahe mühelos, eine eisige, unheimliche und bedrohliche Atmosphäre entstehen zu lassen, dass man beim Lesen Gänsehaut bekommt. I was hooked! Und ich bin jetzt schon gespannt wie ein schneeweißes Bettlaken, wie es mit Hanna weitergeht.

Fazit: Was für ein spannender Reihenauftakt! Die sympathische und eigenwillige Polizistin Hanna, eine wendungsreiche Story und die traumhaft schöne Kulisse schneebedeckter Berge - wer sich nicht nach Åre begibt, verpasst etwas ziemlich Cooles!

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Veröffentlicht am 15.10.2022

Gut recherchiert und authentisch

Diese eine Entscheidung
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Zugegeben: Eigentlich bin ich kein Fan von Büchern, die sich thematisch mit Politik und Religion auseinandersetzen. Eines kann ich aber vorweg sagen: Obwohl Tuil ihre Story genau darauf aufbaut, hat mich ...

Zugegeben: Eigentlich bin ich kein Fan von Büchern, die sich thematisch mit Politik und Religion auseinandersetzen. Eines kann ich aber vorweg sagen: Obwohl Tuil ihre Story genau darauf aufbaut, hat mich diese komplett umgehauen. Nun, nicht umsonst wurde die Autorin für ihre Bücher bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Zitat Pos. 294:
„Das Leben konfrontiert uns alle mit persönlichen Krisen. In meinem Leben sind es zwei auf einmal: eine Liebesgeschichte und das Attentat.“

Alma Revel ist Ermittlungsrichterin in der Abteilung Terrorismusbekämpfung. Ihre Ehe ist am Ende und sie beginnt eine Affäre mit dem Anwalt Emmanuel. Diese stürzt sie in einen Gewissenskonflikt, denn sie bearbeiten denselben Fall. Dann trifft Alma eine folgenschwere Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändern wird.

Karine Tuil teilt das Buch in zwei Erzählungen auf: Zum Einen verfolgen wir die Befragung des Inhaftierten Kacem, zum Anderen das private und berufliche Leben der Richterin Alma. Tuil hat die Erzählungen so gut miteinander verbunden, dass daraus eine spannungsgeladene Story entstanden ist, die bis zum Schluss nichts an Überraschungsmomenten und Twists einbüßt.

Tuil ist selbst Juristin, was man beim Lesen zwar gemerkt hat, aber in keinster Weise störend oder zu trocken war. Ganz im Gegenteil! Sie überzeugt durch fundierte Recherchen und erzählt dabei mit einer Leichtigkeit, die mich absolut begeistert hat.

Fazit: Wer Lust auf eine gut recherchierte, authentische Story hat, der ist bei Karine Tuil genau an der richtigen Adresse. Mich hat sie absolut überzeugt und ich werde ganz sicher weitere Bücher von ihr lesen. Also ab auf's Sofa und ran an diesen spannungsreichen Roman!

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