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Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Anfang vom Ende

Schuld bist du
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Um es gleich vorwegzunehmen, „Schuld bist du“ von Jutta Maria Herrmann ist echt der Hammer! Schon die Leseprobe ließ auf einen fesselnden, psychologisch raffinierten Thriller hoffen und ich wurde nicht ...

Um es gleich vorwegzunehmen, „Schuld bist du“ von Jutta Maria Herrmann ist echt der Hammer! Schon die Leseprobe ließ auf einen fesselnden, psychologisch raffinierten Thriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Doch worum geht es?
Als der Berliner Journalist Jakob von einer Dienstreise nach Hause kommt, ist seine Wohnung leer. Von Frau und Tochter keine Spur. Auf einer Fensterscheibe steht: „Schuld bist du“, geschrieben mit Blut. Was hat Jakob getan? Seine Suche führt ihn zurück in die Vergangenheit.
Ein weiterer Handlungsstrang wird in der Ich-Perspektive aus Sicht einer Frau erzählt. Ein Mann liegt im Koma. Die Frau, die bei ihm im Krankenhaus ist, fühlt sich schuldig. Schuld am Tod ihrer kleinen Schwester. Die Frau erzählt auch von ihrer Freundin, die sich für den Tod ihrer Tochter rächen will. Wer ist diese Frau und was ist wohl mit dem Mann passiert? Was ist wahr und was ist nur das Ergebnis unserer Fantasie? Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen. Wird der Patient sich erinnern, was wirklich geschah?
Erzählt wird - teilweise in Rückblenden - die Geschichte mehrerer Personen, deren Schicksal miteinander verwoben ist. Es geht um Schuld und Sühne, Rache und Vergeltung - und um Verlust. Gekonnt seziert die Autorin Schritt für Schritt menschliche Abgründe und deren Folgen. Nichts ist wie es scheint. Die Vergangenheit wirft lange Schatten, die Jutta Maria Herrmann gründlich ausleuchtet und den Leser mit auf eine atemlose Reise nimmt.
„Schuld bist du“ punktet mit vielen grausigen Einfällen und überraschenden Wendungen, mit denen die Autorin die Geschichte voran und die Spannung in die Höhe treibt. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Erst ganz am Ende schließt sich dann der Kreis und mündet in ein Inferno aus Tod und Tränen. Was für eine Tragödie!

Fazit: Packender Thriller mit psychologischem Hintergrund. Ein Horror-Trip, der alles bisher Gelesene in den Schatten stellt!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Rupert und die Loserparty auf Langeoog

Ostfriesenfete
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Der Brief kam mit der Post. Nadja lädt ihren alten Schulfreund Rupert zu einer ganz besonderen Party in ihr Feriendomizil auf Langeoog ein.
Nadja hatte bis vor kurzem ein Seniorenheim geleitet und nebenbei ...


Der Brief kam mit der Post. Nadja lädt ihren alten Schulfreund Rupert zu einer ganz besonderen Party in ihr Feriendomizil auf Langeoog ein.
Nadja hatte bis vor kurzem ein Seniorenheim geleitet und nebenbei unter dem Namen „Madame X“ erotische Literatur geschrieben. Als ihr Pseudonym aufflog, verlor sie ihren Job. Rupert hofft auf ein sexuelles Abenteuer und sagt zu. Er ist sicher, in der Kategorie „Schule und Beruf“ der größte Loser zu sein: ein ehemaliger Sitzenbleiber, der Hauptkommissar bei der Mordkommission wurde.
Außer ihm hat Nadja noch vier weitere Gäste zu sich nach Hause eingeladen: Einen Fernsehkommissar, einen Unternehmensberater, ihre ehemalige Klassensprecherin und eine Altenpflegerin. Sie war wohl mal Nadjas Mitarbeiterin. Ein gruppendynamisches Intrigenspiel beginnt. Am nächsten Morgen ist der Unternehmensberater tot: Ein Messer steckt in seiner Brust.
In einem geschlossenen Raum geschieht ein Mord. Der Täter oder die Täterin muss sich unter den Anwesenden befinden, denen eine Flucht unmöglich ist. Ein schlauer Kommissar dröselt den verzwickten Fall auf, bis er ihn im großen Finale vor allen andächtig Lauschenden löst. Gemeuchelt hat stets jene/r, dem/der man es am wenigstens zutraute, genau wie bei Agatha Christie.
Mit „Ostfriesenfete“ hat Klaus-Peter Wolf eine wunderbar schräge Geschichte mit lauter skurrilen Typen geschrieben. Denn, wenn Rupert ermittelt, läuft alles etwas anders als geplant. Ein Krimi, der mich nicht nur bestens unterhalten, sondern auch noch köstlich amüsiert hat.

Fazit: Spannender, witziger Kurzkrimi à la Agatha Christie. Unbedingt Lesen!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Sport ist Mord

Nachtblau stirbt die Erinnerung
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„Mit lautem Knacken zerbrach seine Schädeldecke oberhalb des linken Ohres, und er bildete sich ein, dem Riss bei seiner Entstehung auf jedem Millimeter folgen zu können.“ Kommissar Brenner wird brutal ...

„Mit lautem Knacken zerbrach seine Schädeldecke oberhalb des linken Ohres, und er bildete sich ein, dem Riss bei seiner Entstehung auf jedem Millimeter folgen zu können.“ Kommissar Brenner wird brutal attackiert, als er sich mit René Hübner, dem Trainer seiner Tochter Pia, treffen will. Eine Verwechslung? Denn eigentlich fühlt René sich verfolgt.

Polizist Frank Liebknecht aus dem hessischen Vielbrunn im Odenwald ist währenddessen auf der Suche nach einem Grabschänder: Ein umgedrehtes Kreuz und dreißig silberne Münzen, Ostmark, deuten auf einen Verräter aus der ehemaligen DDR. Durch Rückblicke in die Vergangenheit wird schnell klar, dass es sich um Sport und Doping handeln muss.

Plötzlich stirbt René an Herzversagen. Gibt es eine Verbindung? Wie so oft liegt die Antwort in der Vergangenheit…

„Nachtblau stirbt die Erinnerung“ thematisiert ein dunkles Kapitel der (deutsch-)deutschen Sportgeschichte. Von Brigitte Pons - wie immer - bestens recherchiert und gut erklärt. Ist unser Täter ein Opfer des Systems? Außerdem geht es um die Rache einer verlassenen Frau. Ich mag Geschichten, die zeigen, wie Liebe, Freundschaft, aber auch Eitelkeiten, Neid, Missgunst und Hass das menschliche Schicksal beeinflussen - mit überraschenden, dramatischen und manchmal brutalen Folgen. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz.

Über das Wiedersehen mit Frank und seinem Kollegen Marcel habe ich mich sehr gefreut. Auch Sylvie ist wieder mit von der Partie und Bruni zurück aus dem Unruhestand. Selbst, wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut. Eine Geschichte mit falschen Fährten, dramatischen Wendungen und einem intensiven Spannungsbogen bis zum unerwarteten Ende. Und ganz nebenbei gibt es noch ein Coming-out. Frank, Marcel und Sylvie, eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schultern schauen möchte.

Fazit: Ein Buch über ein altes und doch brandaktuelles Thema, das den Verstand und die Seele berührt. Spannend und beklemmend zugleich.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Leben, Lieben und Leiden auf St. Pauli

Blaue Nacht
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Endlich ein neuer Fall für die unkonventionelle Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley, Tochter eines US-Amerikaners und einer Deutschen. Es geht um synthetische Drogen, denn der sogenannte Albaner will ...

Endlich ein neuer Fall für die unkonventionelle Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley, Tochter eines US-Amerikaners und einer Deutschen. Es geht um synthetische Drogen, denn der sogenannte Albaner will expandieren.

Riley wurde degradiert und ist nun Opferschutzbeauftragte. Das Opfer heißt Joe, ist Österreicher und liegt übel zugerichtet in einem Hamburger Krankenhaus. Eine Warnung aus dem Milieu. Riley gewinnt sein Vertrauen und so nennt er ihr schließlich einen Namen. Die Spur führt zu einem Drogenfahnder beim LKA in Leipzig - und geradewegs in die Hölle.

Währenddessen kümmert sich der pensionierte Faller, Rileys ehemaliger Lieblingskollege, "Der hat was von meinem Vater. Robert-Mitchum-Typ", um Joe. Wie es scheint, haben beide einen gemeinsamen Feind und noch eine alte Rechnung mit ihm offen...

Auch Rileys Privatleben nimmt wieder einen breiten Raum ein: In der Ich-Form erzählt sie vom Leben, Lieben - und Leiden auf dem Kiez. Mal witzig: "Ich bin dein Vater, Luke." (röchelt Riley), mal poetisch: "Er (Rocco) hat die Gezeiten im Gang und die Große Freiheit im Gesicht." Wer ist Opfer, wer ist Täter? Wer wird sterben, wer wird überleben und zu welchem Preis?

Simone Buchholz hat "Blaue Nacht" gewohnt schnoddrig mit viel Lokalkolorit und schrägen Typen Szene gesetzt. Mit dabei sind wieder der Faller und der Calabretta, ihr treuester Verbündeter bei der Kripo, ihre beste Freundin Carla und deren Ehemann Rocco sowie ihr Lover Klatsche, dem jetzt die Blaue Nacht, eine Kneipe auf dem Kiez gehört.

Durch Rückblenden in die Vergangenheit nimmt die Geschichte viele überraschende Wendungen, bis zum unerwarteten Ende. Nur schrittweise wird enthüllt, wohin das Ganze führen soll. Gekonnt wird Spannung aufgebaut. Schauplatz ist erneut Hamburg, der Hafen, die Elbe. Dennoch handelt es sich bei "Blaue Nacht" um mehr als einen Regio-Krimi. Denn dazu ist die Story viel zu komplex.

Zum Schluss ist Riley zurück im Spiel und so freue ich mich schon heute auf die Fortsetzung.

Fazit: Kultiger Kiezkrimi. Spannend, humorvoll und voller skurriler Figuren. Bitte mehr davon!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Terroralarm im Ruhrgebiet

Die Abdreher
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Thomas Schweres geht gleich in medias res: In Dortmund werden vier Männer enthauptet und die Köpfe in den Fenstern ihrer Wohnung öffentlich zur Schau gestellt. Ein Racheakt des IS?

Etwa zur selben Zeit ...

Thomas Schweres geht gleich in medias res: In Dortmund werden vier Männer enthauptet und die Köpfe in den Fenstern ihrer Wohnung öffentlich zur Schau gestellt. Ein Racheakt des IS?

Etwa zur selben Zeit brennt in Essen ein Haus. Reporter Tom Balzack kann den Flammen nur knapp entkommen. Das Haus gehörte Tanja Drucks, der Witwe eines kriminellen Bankers, die Tom in „Die Abräumer“ kennengelernt hatte. Alles deutet auf eine Aktion der Neonazis. Wo ist die Verbindung? Kommissar Georg Schüppe, genannt „der Spaten“ und sein Team ermitteln.

Kurz darauf bezahlt Ex-Kollege Holger Krokowski seinen Undercover-Einsatz in der rechten Szene beinahe mit dem Leben. Schnell ist klar, dass es bei der Polizei einen Verräter geben muss. Zudem verdichten sich die Hinweise, dass es sich bei dem Killer um eine Frau zu handeln scheint. Als Tom bei seinen Recherchen auch noch ins Visier der Mafia gerät, eskaliert die Situation...

Thomas Schweres hat „Die Abdreher“ gewohnt schnoddrig mit viel Lokalkolorit in Szene gesetzt. Mit dabei ist neben Tom und „der Spaten“, die mir inzwischen ans Herz gewachsen sind, das schon aus „Die Abtaucher“ und „Die Abräumer“ bekannte Personal. Neu dabei ein ominöser Chirurg und eine skrupellose Auftragskillerin sowie Gloria Wolkenstein, eine gebastelte Sexbombe, die sich Sorgen macht um ihre beiden hervorstechendsten Eigenschaften.

Eine tolle Story, brillant geschrieben und so spannend und gleichzeitig realitätsnah erzählt, dass es manchmal nicht zum Aushalten ist. Ein Krimi, der nicht nur IS-Terror, Neonazis und die Mafia thematisiert, sondern zum Beispiel auch „Smart Textiles“. Alles nur Fiktion oder schon die Realität? Ein Roman mit dem Finger am Puls der Zeit, der plötzlich von der Wirklichkeit eingeholt wird. „Die Abdreher“ besticht durch gut recherchierte Hintergründe, einen schrägen Humor und skurrile Typen, denen ich gerne wieder über die Schultern schauen möchte.

Zitat: »Schweißgebadet wachte Tom mitten in der Nacht auf. Er hatte geträumt, dass er oben auf dem Zehnmeterbrett des Essener Grugabades kniete, die Hände auf dem Rücken gefesselt, und eine rot vermummte IS-Henkerin namens Samira mit einem Schwert sein Haupt vom Rumpf trennte. Während sein Kopf in Zeitlupengeschwindigkeit hinunter ins Wasser fiel, sein Gesicht dabei die absonderlichsten Grimassen zog, standen der Rapper Sinan G. und sein Bruder Rooz Lee, umringt von 72 Bikinimädchen, am Beckenrand und performten den Song „Die Abtaucher“. «

Fazit: Thomas Schweres lesen und süchtig werden. Beste Unterhaltung nicht nur für Ruhries!