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Veröffentlicht am 18.07.2017

Seine Schuld, seine große Schuld

Sieh nichts Böses (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi 8)
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Bei der Hundeprüfung wird eine Leiche entdeckt. Es stellt sich heraus, dass es Veronika Lindental ist. Aber warum hat sie niemand, auch nicht ihre Eltern, vermisst? Und was hat die kleine Affenfigur für ...

Bei der Hundeprüfung wird eine Leiche entdeckt. Es stellt sich heraus, dass es Veronika Lindental ist. Aber warum hat sie niemand, auch nicht ihre Eltern, vermisst? Und was hat die kleine Affenfigur für eine Bedeutung? Dühnfort, der gerade von der Hochzeitsreise kommt, stößt bald auf Zufälle, die keine sein können. Eine weitere Frauenleiche, ebenfalls mit einer Affenfigur, bringt ihn auf die richtige Spur. Doch private Probleme lenken ihn teils etwas ab. Die richtige Entscheidung zu treffen, ist manchmal nicht so einfach. Doch Dühnfort und Gina halten zusammen und so löst er gleich zwei Fälle auf seine eigene Art und Weise.

Die Krimis von Inge Löhnig lesen sich alle durchweg sehr gut. Diesmal brauchte ich ein wenig, um mich in der Story zurechtzufinden. Mir wollten die Figuren nicht so recht passen, ich sympathisierte mit niemandem so richtig. Vielleicht spielt auch Tinos ganz eigener Kampf eine Rolle dabei, dass ich Anlaufschwierigkeiten hatte. Doch dann passte, wie gewohnt, alles schön ineinander und die Entwicklungen waren schlüssig und in sich stimmig.

Ich hatte sehr früh einen konkreten Verdacht, wer der Täter sein könnte, auch wenn die Autorin alles gab, um mich auf eine andere Fährte zu locken. Der Showdown war beeindruckend und die Spannung enorm. Das Ende beeindruckt auf eine ganz eigene Weise. Das ist sehr gelungen und gefällt mir sehr gut.

Die persönliche Geschichte von Tino und Gina bewegt mich sehr. Hier ist der rote Faden gelegt, der in weiteren Fällen weitergesponnen werden möchte. Wie immer gibt Inge Löhnig auch hier jeder Figur eine eigene Geschichte, kein Protagonist bleibt blass und nur Randfigur. Man muss die Figuren nicht mögen, um ihre Geschichten beeindruckend oder bewegend zu finden. Auch wenn man vieles nicht nachvollziehen kann und selbst anders handeln würde, ist doch alles sehr glaubwürdig. Die private Prüfung von Gina und Tino fand ich jedoch ein wenig zu moralisierend. Hier fühle ich mich als Leser in eine Rolle gedrängt, die ich nicht einnehmen möchte.

Ich freue mich sehr auf weitere Bände mit Konstantin Dühnfort, mochte „Sieh nichts Böses“ jedoch nicht so sehr, wie die anderen Bände der Reihe. Somit gebe ich hier vier Sterne.

Veröffentlicht am 09.07.2017

Fünf alte Briefe und die Wahrheit

Dem Kroisleitner sein Vater
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Frassek, ganz ohne Vorname, ist ein Berliner Polizist. Er drückt sich vor der Beerdigung seines Vaters und fährt nach St. Margareten in Österreich. Er spricht nicht viel, bleibt nicht lange und ist bald ...

Frassek, ganz ohne Vorname, ist ein Berliner Polizist. Er drückt sich vor der Beerdigung seines Vaters und fährt nach St. Margareten in Österreich. Er spricht nicht viel, bleibt nicht lange und ist bald wieder weg. Kein Wunder, dass er als Verdächtiger gilt, als der 104jährige Alois Kroisleitner tot aufgefunden wird. Die Umstände sind seltsam und das ganze Dorf ist verwundert. In Berlin hält es Frassek schnell nicht mehr aus und er begibt sich wieder nach Österreich, um seine Unschuld zu beweisen. Er hört sich um und erfährt immer seltsamere Dinge. Dann taucht auch noch Emma auf, die zehn Jahre nicht mehr da war und bringt noch mehr durcheinander. Als sie fünf ungeöffnete, uralte Briefe entdeckt, kommt mehr ans Licht, als man ahnen konnte …

Die Dorfbewohner von St. Margareten haben alle einen ganz besonderen Charme – so schrullig sie fast alle dargestellt sind, so sehr schließt man sie dennoch ins Herz. Auch wenn sehr viel Humor, teils in Form von Satire, zu finden ist, baut sich doch immer wieder Spannung auf. Wer hat den alten Kroisleitner ermordet? Und vor allem: warum eigentlich? Was hat es mit Emma auf sich? Und wieso sollte sie vom Josef ferngehalten werden? Fragen über Fragen und nicht nur der Leser setzt mühsam Puzzlesteinchen zusammen, auch die Dorfbewohner. Im Valentiner probt die Wirtin das Königinnensein, die Gäste den Aufstand und die Liebe den Frühling. Langweilig wird es an keiner Stelle. Nein, ein echter, harter Krimi ist das nicht, aber ein Buch, das zum Sommer passt und Laune macht. So nach und nach kommen immer mehr Details zutage und das große Ganze führt quasi wieder zum Anfang zurück. Die Vorstellung, dass das Wasser der Grund ist, weshalb die Einwohner so alt werden, macht am Ende ein ganz anderes Bild.

Der Schreibstil von Martin Schult ist erfrischend anders. Er erinnert mich an das „Königlich Bayerische Amtsgericht“, nur moderner. Eine ganze Reihe der Figuren versinnbildlicht reale Personen und nimmt sie mehr oder weniger auf die Schippe. Eine ganze Reihe Themen werden angeschnitten, ohne sie breitzutreten. Der Leser kann sich hier jedes Mal seine eigenen Gedanken machen. Die Ideen sind toll und gar nicht so unwahrscheinlich. Man kann über einiges dann trotz aller Schmunzler auch lange nachdenken.

Das übliche Stilmittel, dass die Lösung in der Vergangenheit liegen muss, wird hier auf ganz spezielle Art und Weise auf den Gipfel getrieben. Vermutlich ist das ein kleiner Seitenhieb auf das Krimigenre, aber ich finde ihn sehr gelungen und erkenne das Zwinkern darin. Auch dass ein gutes Buch unbedingt mehrere Stränge braucht, die am Ende zusammenlaufen, wurde hier humorvoll und ein klein wenig bissig eingebracht.

Für mich ist dieses Buch mehr, als einfach nur ein Regional-Krimi. Es ist der gelungene Versuch, Autoren und Leser ein wenig zu veräppeln, aber auf nette Weise. Die Story ist dabei dennoch rund geworden und gar nicht ganz so abwegig, wie man erst mal meinen möchte. Alles in allem ergibt das bei mir sehr gute vier Sterne.

Veröffentlicht am 08.07.2017

200 Rezepte aus 20 Jahren Grillsportverein

Grillen – BBQ – Smoken
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Wer leidenschaftlich gern grillt, landet früher oder später auf der Internetpräsenz des Grillsportvereins und lernt da Rudolf Jaeger kennen. Der Verein hat eine Unmenge an Rezepten rund um das Grillvergnügen ...

Wer leidenschaftlich gern grillt, landet früher oder später auf der Internetpräsenz des Grillsportvereins und lernt da Rudolf Jaeger kennen. Der Verein hat eine Unmenge an Rezepten rund um das Grillvergnügen entwickelt, weiterentwickelt, verfeinert und perfektioniert. Diese findet man auf der Homepage, aber auch als „altmodische“ Bücher. Mir persönlich sind Rezepte in Büchern immer lieber, als im Internet und die Sammlung an Koch-, Back- und Grillbüchern kann sich sehen lassen.

Im Bereich grillen ist meine erste Wahl tatsächlich immer der Grillsportverein, danach direkt Weber. Das vorliegende Buch verzichtet auf die Erklärungen rund um die Grillarten und die Techniken, wie sie in den anderen Büchern des GSV zu finden sind, da es die besten Rezepte aus 20 Jahren GSV präsentiert und es hier eben nur darum geht: Rezepte.

Aufgeteilt ist es in die Rubriken Rind, Schwein, Geflügel, Wild & Lamm, Fisch, Beilagen und Dessert. In allen Kapiteln findet man eine tolle Auswahl, um die nächste Grillparty ganz besonders gelungen feiern zu können. Nur wenige Rezepte sind nicht bebildert. Dafür haben alle Rezepte gut sichtbare Symbole für Holzkohlegrill, Gasgrill, Dutch Oven, Holzbackofen, Smoker, Drehspieß und Wok. So erkennt man auf den ersten Blick, ob das Rezept für die Grillart, die man nutzt, geeignet ist.

Die Zutatenliste ist übersichtlich gestellt und man weiß auch sofort, für wie viele Personen sie gedacht sind. Die Zubereitungserklärungen sind verständlich und logisch. Hin und wieder findet sich ein Extra-Tipp in einem orangen Kreis. Die eingestreute Werbung ist nicht unbedingt schön, aber man kann darüber hinwegsehen. Dafür ist das Buch prall voll mit tollen Rezepten und das zu einem sehr guten Preis.

Nicht das allerbeste GSV-Rezeptbuch, aber prima zum Mitnehmen, Verschenken und immer mal wieder Nachschlagen. Von daher gebe ich vier Sterne.

Veröffentlicht am 07.07.2017

Es gibt viel zu entdecken!

Lonely Planets 500 Einmalige Erlebnisse Deutschland
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In diesem tollen Buch finden sich, nach passenden (und auch witzigen) Kategorien sortiert, 500 einmalige Ausflugsideen in Deutschland. Im Register findet man dann die Orts-Liste. So kann man sich gezielt ...

In diesem tollen Buch finden sich, nach passenden (und auch witzigen) Kategorien sortiert, 500 einmalige Ausflugsideen in Deutschland. Im Register findet man dann die Orts-Liste. So kann man sich gezielt ansehen, was in und um einen bestimmten Ort möglich ist – so es denn „einmalig“ ist.

Die Idee dieses Buches finde ich einfach genial. Wir lieben Tagesausflüge und mit diesen Tipps werden die noch bunter und interessanter. Für viele dieser Ziele gibt es auch noch ansprechende Fotos. Die Texte sind kurz, aber aussagekräftig und mit einem gewissen Augenzwinkern geschrieben.

Auch beim schlichten Lesen des Buches erlebt man so einiges. Mal denkt man: „Ach ja, da wollte ich schon immer mal hin!“, mal „Oh, da waren wir schon ewig nicht mehr!“, aber auch: „Oh, das ist mir neu! Aber das muss ich mir ansehen!“. Klar, nicht jedem gefällt jeder Vorschlag, dennoch kann ich behaupten, dass hier niemand gar nichts für sich finden wird.

Es ist kein Reiseführer im klassischen Sinne, sondern eine Zusammenstellung von 500 tollen Erlebnissen in Deutschland. Wer hier fündig wird, wird teilweise weitere Literatur nachkaufen. Das ist aber gut so und keine negative Kritik.

Mir gefällt diese Idee sehr gut. Vielleicht hätte man die Ereignisse etwas praktischer sortieren können (über die Postleitzahl, beispielsweise), dennoch habe ich meine Freude daran. Deshalb gibt es von mir vier Sterne.

Veröffentlicht am 30.06.2017

Das Leben nach den Sporenkriegen

Starters
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Callie, 16 Jahre jung, und ihr kleiner Bruder Tyler, schlagen sich mit Michael mehr schlecht als recht durch. Es sind harte Zeiten: der Sporenkrieg hat viele Opfer gekostet, denn nur für die ganz jungen ...

Callie, 16 Jahre jung, und ihr kleiner Bruder Tyler, schlagen sich mit Michael mehr schlecht als recht durch. Es sind harte Zeiten: der Sporenkrieg hat viele Opfer gekostet, denn nur für die ganz jungen und ganz alten Menschen gab es genug Impfstoff. So sind Callie und Tyler Waisen und auf sich allein gestellt. Da Tyler krank ist, verpflichtet sich Callie bei Prime Destinations, einer „BodyBank“ dazu, ihren Körper an „Enders“ (sehr alte Menschen, meist weit über 100 Jahre) zu vermieten. Diese können dann eine begrenzte Zeit wieder jung und aktiv sein. Doch es geht etwas schief …

Die Grundidee dieses Plots ist genial. Auch die Umsetzung von Annina Braunmiller lässt keine Wünsche offen. Nur schade, dass man am Ende von „Starters“ fast schon gezwungen ist, „Enders“ auch noch zu hören (oder lesen) – denn es bleiben sehr viele Fragen offen.

Callie ist ein sehr tougher Teenager und gerät unversehens in eine Art Krieg. Nicht alle Enders sind begeistert von der BodyBank, denn einige haben an diese ihre Enkel verloren. Zwar rekrutieren diese nur Teenager ohne lebende Verwandte, doch wissen einige abenteuerlustige Jugendliche, sich dennoch einzuschleichen. Dass das ein Fehler ist, findet Callie heraus, als ihre Mieterin einen Weg findet, mit ihr zu kommunizieren. Ihre Enkelin ist verschwunden und Helen weiß auch, weshalb. Sie möchte Callie dazu bewegen, ihr bei ihrem Kampf gegen die BodyBank zu helfen. Bald schon weiß Callie nicht mehr, wer ein Starter und wer ein Ender ist. Der Kampf ist schwer und sehr unfair.

Lissa Price hat ein Endzeitszenario geschaffen, das beängstigende Möglichkeiten bietet. Sie hat es nicht ganz so perfekt ausgearbeitet, wie man das hätte können, dennoch war ich gefesselt und gebannt. Da Callie ein Teenager ist, ist sie auch von vielen Teenager-Sorgen, Gefühlen und Gedanken getrieben. Diese kommen nicht zu kurz und lassen die Story umso echter wirken.

Auch wenn einige Wendungen und Entwicklungen relativ vorhersehbar sind, weiß das Buch zu fesseln. Manche Dinge im Leben sind eben, wie sie sind – dennoch ist das Leben spannend. Genau das macht „Starters“ auch so erschreckend real. Die Frage, welches Leben mehr wert ist, wird immer wieder gestellt. Am Ende des Buches merkt man, dass die Antwort darauf manchmal doch nicht so einfach ist, wie man zunächst annehmen möchte.

Mein Fazit: ein tolles Jugendbuch, das auch Erwachsene zu fesseln weiß. Von mir bekommt es gute vier Sterne.